Betrachtung der Weihnachtsikone - Das Fest der Geburt unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus dem Fleische nach

 

Betrachtung der Ikone von der Geburt Christi

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Die Weihnachtsikone erzählt die Geschichte von Christi Geburt, wie sie in den heiligen Evangelien steht. Sie zeigt auch, dass die ganze Schöpfung an dieser Geburt teilnimmt. Die Engel danken mit ihrem Lied; die Himmel spenden den Stern; die Weisen legen ihre Gaben von Gold, Weihrauch und Myrrhe vor. Die armen, einfachen Hirten spenden ihr Loblied und ihr Erstaunen; die Erde bietet die Höhle und die Menschheit schenkt die Jungfrau.

 

 

Es ist eine Ikone mit vielen Szenen. Zuerst betont sie die Wichtigkeit der allheiligen Gottesgebarerin, der Mutter Jesu. Sie ist in den Mittelpunkt gestellt und die größte Figur auf der Ikone. Die drei Sterne auf ihrem Gewand deuten auf ihre Jungfraulichkeit hin, vor, wahrend und nach der Geburt unseres Herrn und Erlosers Jesus Christus.

 

Das Christuskind, genau in der Mitte der Ikone, liegt in Windeln gewickelt in der Krippe. Im Hintergrund sieht man die dunkle Höhle, in dem es geboren wurde. In der Höhle sind ein Ochse und ein Esel, die das Neugeborene beschützen. Wenn auch die Evangelien nicht von der Höhle berichten, ist das doch Teil der heiligen Tradition. Die Evangelien sprechen auch nicht von Ochs und Esel, aber alle Weihnachtsikonen stellen diese Tiere dar. Sie mit aufzunehmen erfüllt die Prophezeiung des heiligen Propheten Jesaja 1:3 „der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.“ Der lange Lichtstrahl aus dem Stern deutet direkt auf die Höhle. Der Strahl kommt vom Stern und findet zu allen Teilen der Welt. Er lehrt, dass dieser glänzende Stern ein Himmelsbote ist, der die Geburt Jesu verkündet.

 

 

"Als aber Jesus zu Bethlehem in Judäa geboren war, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: Wo ist der neue König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland aufgehen gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen." (Matthäus 2: 1-2). Wenn wir an den Stern von Bethlehem denken, so haben wir meist einen Kometen mit einem langen Schweif vor Augen.  Von einem Kometen als dem Stern von Bethlehem sprechen die Weihnachtsberichte der Evangelien jedoch nicht, denn für die antiken Menschen galten Kometen nicht als Heilsboten, sondern waren mit nahendem Unheil verbunden. Insofern ist die abendländische Vorstellung des Weihnachtssterns als Schweifkomet, wie sie sich seit dem Mittelalter verbreitete, wohl nicht richtig. Warum sollte gerade ein unglücksverheißendes Omen die drei weisen Sterndeuter aus dem Persischen Reich veranlassen, sich auf die Suche nach dem neugeborenen König der Juden zu machen? Wahrscheinlicher ist deshalb ein anderes Himmelsphänomen: In der Astronomie bezeichnet die „Große Konjunktion“, eine Annäherung zwischen den Planeten Saturn und Jupiter, die von der Erde aus als  optische scheinbare Berührung am Sternhimmel gesehen wird. Im Jahr 7 vor Christus kam es zu solch einer außerordentlichen Begegnung der beiden Planeten am Himmel: die beiden Planeten kamen sich sehr nahe (Konjunktion) und das innerhalb eines Jahres sogar dreimal. In der antiken Astronomie, die noch eng mit astrologischen Vorstellungen verknüpft war, war das gemeinsame Leuchten von Jupiter und Saturn, das „Aufgehen eines neuen Sterns“ von vorhersagender Bedeutung. Denn für das antike Deutungsverständnis des Kosmos war der Lauf der planetarischen Himmelskörper etwas, was als Heils- oder Unheilszeichen, als Segen oder Warnung Gottes, gedeutet werden konnte. Alles, was sich am Himmel abspielte, entsprach den kommenden Ereignissen auf der Erde. So galt Jupiter im antiken Babylon als „Königsplanet“ und als „Repräsentant des höchsten Gottes“. Der Planet Saturn wurde mit dem König in Israel und dem Volk der Juden in Verbindung gebracht. Die dreifache Planetenkonjunktion fand im Sternbild Fische statt. Dieses Sternbild stand in der babylonischen Astrologie für das Land Palästina. Die Konjunktion von Saturn und Jupiter konnte infolge der astrologischen Deutung nur einen Höhepunkt "im Himmel wie auf Erden" bedeuten: Ein neuer König musste in Palästina geboren worden sein. Und die dreifache Konjunktion verwies darauf, dass es sich nicht um die Geburt irgend eines Herrschers, sondern vielmehr um die Geburt des verheißenen Heilands, des Messias (hebräisch), des Christus (griechisch), handelte. Deshalb machten sich die drei Sterndeuter auf ihre Reise aus dem persischen Mesopotamien nach Judäa, deshalb führten sie für einen neugeborenen König angemessene Geschenke mit sich und deshalb sprachen sie als erstes bei Herodes in Jerusalem vor. Hieran wird deutlich, dass Gott seine Heilsbotschaft jeweils im Verständnishorzizont der betroffenen Menschen verkündet: Zu den Magiern (= naturwissenschaftlich orientierten) spricht er vermittels der Sterne (= dem Kosmos), zu den Juden (= dem Volk Gottes) vermittels der alttestamentlichen Paromien (= der Heiligen Schrift), zu uns und den Hirten (= allen Menschen guten Willens) durch das ehrfürchtige Staunen ob des großen und allheiligen Mysterions der Menschwerdung unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus.

 

Auf der linken Seite der Ikone ist eine andere Szene dargestellt. Die Drei Weisen, geführt vom Stern, reiten herbei ihre Gaben von Gold, Weihrauch und Myrrhe zu Jesus zu bringen. Die Weisen sind unterschiedlich alt. Einer ist bartlos. In jenen Tagen trugen die jungen Männer keinen Bart. Der Andere hat langes Haar und einen langen Bart, was andeutet, dass er viel älter ist. Diese Details lehren, dass die Gute Nachricht (das genau bedeutet nämlich das griechische Wort εύαγγέλιον (Evangelium)) zu jedem kommt, ungeachtet des Alters und der persönlichen Erscheinung.

 

 

Gegenüber den Weisen ist die Szene mit den einfachen Schafern. Ein Engel verkündet die frohe Nachricht. Ein junger Hirte spielt ein Blasinstrument. Diese Szene offenbart, dass die Musik der Menschen dem himmlischen Chor der Engel zugesellt wurde.

 

Gegenüber der Hirtenszene sieht man den Chor der heiligen Engel. Sie verherrlichen Gott. Die heiligen Engel dienen zwei Zwecken bei der Geburt Christi. Sie verherrlichen Gott und verkünden allen Menschen die gute Nachricht.

 

Der Hintergrund zeigt eine sehr zerklüftete Landschaft. Das gibt nicht die tatsächliche Form dieser Gegend wieder. Josef konnte in Bethlehem keine Bleibe finden, deshalb ging er außerhalb Bethlehems in eine Höhle. Die felsige Gebirgslandschaft dient nur als Hintergrund für das Ereignis.

 

Im unteren Teil der Ikone sind noch zwei Szenen. In der rechten Ecke sind die beiden Frauen, die Josef mitgebracht hatte, um sich um das Kind zu kümmern. Sie baden Ihn wie ein Kind eben gebadet wird. Die menschliche Natur Christi wird hier klar gezeigt.

 

 

Gegenüber der Badeszene sitzt ein trauriger und bestürzter Josef. Er ist nicht Teil der zentralen Gruppe Christuskind und Gottesgebärerin. Der heilige Josef ist nicht der natürliche Vater. Josef ist besorgt und verzagt. Ein alter Mann spricht mit ihm. Der alte Mann ist Satan. Satan kann in vielen Formen auftreten. Hier ist er ein alter Mann, der Josef in Versuchung führen und verwirren will. Satan sagt zu Josef, dass eine jungfrauliche Geburt nicht möglich ist. Er sagt zu Josef, dass er ein Narr sei, wenn er das glaube. Diese Erklärung kommt zu uns durch die heilige Tradition. Der traurige Josef zeigt uns nicht nur seine persönliche „Klemme“ sondern das Dilemma der ganzen Menschheit in der Schwierigkeit das Geheimnis des Glaubens anzunehmen, das „jenseits aller Logik und Vernunft“ ist.

 

Der Baum in der Mitte des unteren Teils der Ikone ist ein Symbol für die Wurzel Jesse. Der Baum bezieht sich auf Jesaja 11,1-2, „doch aus dem Baumstumpf Jesse wachst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn läßt sich nieder auf ihm.“ Der heilige Prophet König David wurde oft als der Sohn Jesse bezeichnet und Jesus war aus dem Hause Davids.

 

Die Ikone der Geburt mahnt uns die Geburt Christi zu lobpreisen und zu verherrlichen. Die Feier des Weihnachtsfestes jedes Jahr dient dazu, alle und jeden daran zu erinnern, dass Christus für dich und für mich gekommen ist. Der lebendige Gott ist im Ihm Mensch geworden, um uns zu erlösen.

 

Christus ist geboren –Verherrlicht IHN!