Heilige & Feste im Monat August

 

Das Fest Christi Verklärung

und die Segnung der Früchte und des Honig

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Die deutsche Bezeichnung des Festes als „Verklärung" des Herrn ist eigentlich ungenau, denn der griechische Urtext der Evangelien spricht nicht von einer "Verklärung" Christi, sondern von der "Verwandlung", Metamorphosis (μεταμόρφωσις), als Offenbarwerden Seiner Göttlichen Herrlichkeit. Seine Jünger schauten diese Göttliche Herrlichkeit des Herrn, soweit sie es zu fassen, das heißt zu ertragen, vermochten (vgl. Tropar und Kondak des Festes).

 

Die Evangelien berichten uns, dass der Herr in Begleitung von Petrus, Jakobus und Johannes auf einen hohen Berg stieg. Die kirchliche Tradition sagt uns, dass es sich dabei um den Berg Tabor östlich von Nazareth handelte. Der heilige Matthäus berichtet uns in seinem Evangelium dieses Ereignis wie folgt: "Er wurde vor ihren Augen verwandelt. Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und Seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht" (Matthäus 17:2). Auch die Evangelisten Markus (9:2-10) und Lukas (9:28-36) verkünden uns dieses Ereignis. Zwei wichtige Propheten des Alten Testamentes, die heiligen Mose und Elias, erscheinen bei Christus und reden mit Ihm. Die heiligen Väter und die liturgischen Texte unserer Gottesdienste deuten die darin enthaltene Typologie dahingehend, dass im Kommen Christi das alttestamentliche Gesetz vollendet und die alttestamentlichen Prophetien erfüllt sind. Die drei Jünger sehen Christus, wie Er vom Licht Seiner göttliche Herrlichkeit (der heilige Gregor Palamas nennt es das Taborlicht) erstrahlt. Diese Theophanie soll den Jüngern helfen, den bevorstehenden Leidensweg des Herrn als Weg zur Auferstehung und Himmelfahrt, als Weg in die Herrlichkeit verstehen zu können. Noch während der heilige Apostel Petrus davon spricht, auf dem Berg drei Hütten – je eine für unseren Herrn Jesus Christus, für den Propheten Elija und für den Propheten Moses - bauen zu wollen, wirft eine Wolke ihren Schatten auf Christus und die Stimme Gottes des Vaters erklingt wie schon bei Seiner Taufe im Jordan: „Das ist mein geliebter Sohn…“. Doch es erfolgt noch eine weitere Göttliche Weisung: „…auf Ihn sollt ihr hören".

 

Die drei Jünger reagieren auf die Begegnung mit dieser Gottesoffenbarung ( = Theophanie; θεός „Gott“ und φαίνεσθαι „sich zeigen“, „erscheinen“) mit Furcht und werfen sich zu Boden. Da kommt Jesus zu ihnen und sagt ihnen, dass sie sich nicht fürchten sollen. Als sie aufschauen, ist der Herr wieder allein. Er schärft ihnen beim Abstieg vom Berge Tabor ein, das Gesehene niemanden zu erzählen bis Er von den Toten auferstanden ist.

 

Nach christlich-orthodoxem Verständnis errettet, Christus, Gott,  durch Seine Menschwerdung Gottes nicht nur die Menschen allein, sondern zugleich auch die gesamte geschaffene Natur, den gesamten Kosmos. Der heilige Apostel Paulus sagt uns im Römerbrief, dass alle Kreatur seit dem Sündenfall auf das Offenbarwerden der Erlösung in Jesus Christus wartet und dass dann mit den Menschen zugleich auch die gesamte Schöpfung, der ganze Kosmos, von der Herrschaft der Folgen der ersten Sünde befreit sein werden ( vgl. Römer 8:18‐25).

 

So rettet uns Christus zusammen mit der gesamten Schöpfung. Diese göttliche Errettung geschieht nicht erst am Ende Seines uns erlösenden Heilsweges, wenn Christus, der allein Sündlose, die Sünden aller Menschen auf sich nimmt, den Kreuzestod erleidet, am dritten Tag von den Toten aufersteht und unsere menschliche Natur bei Seiner Himmelfahrt zur Rechten Gottes, des Vaters, erhöht. Es geschieht bereits in Seiner Geburt, als der Eingeborene Sohn Gottes sich Selbst erniedrigte (κένωσις = "Kenosis" = Entäußerung vgl. Philipper 2:7), indem Er, der Gott Selbst ist, unsere menschliche Natur annahm. Es geschieht bei Seiner Erscheinung im Jordan und Seine Verwandlung auf dem Berge Tabor, wo sich der Menschensohn als der inkarnierte Sohn Gottes offenbart. Dieses Heilshandeln des Sohnes Gottes vollzieht sich auch mittels Seiner zahlreichen Wunder, die Er zum Heile der Menschen wirkt. Wenn Er auf der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelt, wenn Er den Blinden mit einem Teig aus Speichel und Erde  auf die Augen legt und ihm dann den Auftrag gibt, seine Augen mit Wasser zu waschen, worauf dieser geheilt wurde. Es geschieht, wenn der Herr mit fünf Broten und fünf Fischen die Fünftausend speist. Immer wieder vollzieht sich Gottes Heilshandeln an uns vermittels der Gaben Seiner Schöpfung. Besonders deutlich wird die im Mysterion der Heiligen Kommunion, wenn  Christus Selbst in der Heiligen Liturgie vermittels der Gaben von Brot und Wein und durch das Wirken des Heiligen Geistes an diesen Gaben sich uns als Speise zur Unsterblichkeit schenkt. All dieses Heilshandlungen Christi  bilden alle zusammen  ein einziges großes Heilsgeschehen. So ist Christi Leben und Wirken auf Erden insgesamt eine einzige große Erlösungstat. 

 

Da wir Menschen jedoch nur ein begrenztes geistiges und geistliches Fassungsvermögen besitzen, betrachtet unsere orthodoxe Kirche im Kreislauf des Kirchenjahres  die einzelnen Aspekte dieser Erlösungstat. Deshalb  hat die orthodoxe Kirche  auch die beiden Theophanien des Herrn, die im Jordan und  die auf dem Berge Tabor, mit unterschiedlichen gottesdienstlichen Handlungen verbunden. Während am Fest der Taufe Christi im Jordan die Wasser sakramental geheiligt werden, werden am Fest der Verklärung Christi, die Trauben und Früchte, aber auch der Honig gesegnet.

 

 

n beiden Fällen geht es um die geistliche Reinigung und Erleuchtung des gesamten Menschen mit Seele und Leib. Dies geschieht zu Theophanie vermittels der Heiligung des Wassers und zu Verklärung Christi durch die Segnung der guten Gaben aus Gottes Schöpfung. Wir segnen die Trauben, die Früchte und den Honig, weil wir Orthodoxen im Glauben erkennen, dass die Schöpfung für uns von Gott als ein Mittel zum Heil, als eine Gabe zur Heiligung geschaffen worden sind. Überall dort, wo sich der Mensch wieder als Verwalter der Schöpfung Gottes begreift; wo er sich nicht egoistisch und egomanisch zu ihrem Herrn aufschwingen will und damit am Ende zum Zerstörer der Welt wird, geschieht Metanoia, Lebensumkehr der Menschen zu Gott hin. Diese Rückkehr des Einzelnen zum Heilsplan Gottes bedarf aber immer wieder der Hilfe Gottes. Das christlich-orthodoxe geistliche Leben immer wieder durch die Segnungen Gottes zu fördern und zu unterstützen ist ein wichtiger Grund, warum  die Kirche Gaben aus der Schöpfung heiligt und segnet und wir orthodoxen Gläubigen diese gesegneten und geheiligten Dinge in der Kirche und im alltäglichen Leben gebrauchen: Das Wasser des Jordan, das Weihwasser, die Prosphoren, das gesegnete Öl und an Theophanie die gesegneten Früchte und den Honig.

 

 

m Gegensatz zu den heiligen Engeln ist der Mensch kein rein geistiges Wesen. Durch seinen Leib hat er Anteil an der übrigen kreatürlichen Schöpfung wie die Tiere und Pflanzen; durch seine Seele und seinen Geist aber an der geistigen Welt anteil wie auch die heiligen Engel. Deshalb nennen die Heiligen Väter den Menschen auch eine „Schöpfung im Kleinen“, einen Mikrokosmos.

 

Der heilige Serahim von Sarov mit dem Bären.
Der heilige Serahim von Sarov mit dem Bären.
Der heilige Gerasimos vom Jordan mit dem Löwen.
Der heilige Gerasimos vom Jordan mit dem Löwen.
Der heilige Märtyrer Mamas von Caesarea in Kappadokien mit Löwe und Lamm.
Der heilige Märtyrer Mamas von Caesarea in Kappadokien mit Löwe und Lamm.
Der heilige Sergej von Radonesch predigt den Tieren.
Der heilige Sergej von Radonesch predigt den Tieren.
Ein Beispiel eines heiligmäßigen katholischen Christen, der im Wolf seinen Bruder sah und den Vögeln predigte: Fanziskus von Assisi.
Ein Beispiel eines heiligmäßigen katholischen Christen, der im Wolf seinen Bruder sah und den Vögeln predigte: Fanziskus von Assisi.

 

Durch dieses Hineingestelltsein in die geistige und die materielle Schöpfung befähigt dann den gottgeheiligten Menschen; den Menschen, der sich der Theosis bereits angenähert hat, auch erneut in der ganzen Fülle der gottgewollten Schöpfungsordnung zu leben. Die großen Heiligen wie der heilige Seraphim von Sarov (mit seinem Bären) oder der heilige Gerasimos vom Jordan (mit seinem Löwen) zeigen uns, dass Heiligkeit nicht nur in uns die ursprüngliche Gottesbeziehung, sondern auch unsere von Gott gewollte Beziehung zur Schöpfung, zum belebten und unbelebten Kosmos wiederherstellt.

 

 

Damit unser Leib (vgl. 1. Korinther 6:19) als Wohnstätte der Seele und des Geistes - der heilige Apostel Paulus benutzt sogar das Wort "Tempel" - während unseres Glaubensweges hin zu einen immer innigeren Beziehung zu Gott gesegnet und gestärkt wird, segnet die orthodoxe Kirche die Fürchte und den Honig am Fest der Verklärung. Zugleich ist das Fest der Verklärung mit der Segnung der Früchte ein orthodoxes Erntedankfest.

 

 

Das Entschlafen der Allheiligen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria

 

Dieses Gottesmutterfest feiert ihre Entschlafen, der drei Tage später die Entrückung ihres Leibes in die Himmel folgte. Dieses Fest zeigt, wie ihre Seele in die Hände ihres Sohnes empfohlen wurde und den kurzen Aufenthalt ihres Leibes im Grab. Anders als die Auferstehung Christi war der geheimnisvolle Charakter ihres Todes, des Begräbnisses, der Auferweckung und Auffahrt nicht Gegenstand apostolischer Lehre, doch wurde sie von der Tradition der Orthodoxen Kirche und den Schriften der Kirchenväter bewahrt.

 

Die Gottesmutter entschlief während der Apostel Thomas gerade in Indien das Evangelium verkündete. Die anderen Apostel waren in verschiedenen Ländern von einer Himmelswolke aufgenommen und nach Gethsemane zur Bahre der Allheiligen geführt worden. Dies alles geschah durch göttlichen Ratschluss, damit die Gläubigen versichert sein können, dass die Mutter Gottes leiblich in den Himmel aufgenommen wurde. Denn so wie sie durch den Zweifel des Thomas Gewissheit erlangten von der Auferstehung Christi, so erfuhren sie von der leiblichen Himmelfahrt der allreinen Jungfrau Maria durch die Verspätung des Thomas. Am dritten Tag nach dem Begräbnis wurde der Heilige Thomas plötzlich in Indien von einer Wolke aufgenommen und an einen Ort über dem Grab der Jungfrau gebracht. Von diesem Aussichtspunkt schaute er die Übertragung ihres Leibes in die Himmel und rief ihr zu: „Wohin fährst Du wohl, o Allheilige?“ Sie lockerte ihren Gürtel, gab ihn dem heiligen Apostel und sprach: „Nimm dies, mein Freund.“ Danach war sie verschwunden.

 

Als er zur Erde herabkam, fand er die anderen Jünger am Sarg der Gottesmutter um Totenwache zu halten. Er setzte sich, mit dem Gürtel in der Hand, traurig zu ihnen, weil er nicht wie die anderen Apostel dabei gewesen war als sie starb. Also sagte er: „Wir sind alle Jünger des Meisters, wir verkünden das Gleiche; wir sind alle Diener des einen Herrn Jesus Christus. Wie kommt es dann, dass ihr würdig befunden ward dem Entschlafen Seiner Mutter beizuwohnen und ich nicht? Bin ich kein Apostel? Kann es sein, dass Gott keinen Gefallen findet an meinem Verkünden? Ich flehe euch an, meine Mitbrüder und Jünger: öffnet das Grab, dass ich ihre sterblichen Überreste schauen und küssen und ihr Lebewohl zu sagen vermag.“

 

Die Apostel hatten Mitleid mit dem Heiligen Thomas und öffneten das Grab. Alle waren entsetzt als sie es leer fanden, denn sie waren sich nicht bewusst, dass sie nur wenige Augenblicke zuvor leiblich ins Paradies übertragen worden war, um die Mittlerin der Christen zu sein. Zurückgeblieben war nur ihr Totengewand, dem ein wunderbarer überirdischer Duft entströmte.

 

Das Festkontakion spricht von ihr als unfehlbarer Hoffnung und Mittlerin und erinnert uns dadurch an ihre Rolle als Fürbitterin im Paradies. Weder Grab noch Tod hatten Macht über die Gottesgebärerin, die immer wachsam in ihren Gebeten ist und in deren Fürbitten zuverlässige Hoffnung liegt. Denn als die Mutter des Lebens wurde sie hinübergeführt in das Leben durch Ihn, der in ihrem ewig-jungfräulichen Schoße ruhte.

 

Troparion im 1. Ton: Im Gebären hast du die Jungfräulichkeit bewahrt; im Entschlafen die Welt nicht verlassen, Gottesgebärerin. Hinüber bist du gegangen zum Leben, die du Mutter des Lebens bist, und durch deine Fürbitte erlöst du vom Tode unsere Seelen.

 

Kontakion im 2. Ton: Die in Fürbitten unermüdliche Gottesgebärerin und in der Vertretung unerschütterliche Hoffnung hat das Grab und der Tod nicht überwältigt; denn als die Mutter des Lebens hat sie zum Leben hinübergeführt, Er, der einst ihren jungfräulichen Schoß zur Wohnung genommen hatte!

 

Quelle: Holy Apostles Convent and Dormition Skete, Colorado, USA.

 

 

Kanon-Hymne 

auf das Entschlafen unserer Allheiligen Herrin,

der Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria

 

Dichtung des heiligen Johannes von Damaskus.

 

Die Ordnung zum Lesen einer Kanon-Hymne findet sich im orthodoxen Gebetbuch. Hier ist die Ordnung für den Kleinen Trostkanon zur allheiligen Gottesgebärerin abgedruckt, die auch für das Lesen anderer Kanon-Hymnen Anwendung findet.

 

Nach den Psalm 50 das folgende Troparion (zweimal), Ehre… Jetzt… und das Troparion wird wiederholt.

 

Troparion im 1.Ton: Im Gebären hast du die Jungfräulichkeit bewahrt, * im Entschlafen die Welt nicht verlassen, Gottesgebärerin. * Hinüber bist du gegangen zum Leben, * die du Mutter des Lebens bist, * und durch deine Fürbitten erlöst du vom Tode unsere Seelen. (3x)

 

Er folgt Psalm 142 und dann der Kanon:

 

Im 4.Ton:

 

Erste Ode. Irmos: Den Mund will ich öffnen nun, * möchte der Geist ihn füllen mir, * ein Lied will ich singen dir, * Königin und Mutter zum Lob. *  So höret nun die heitere Weise, * mit der ich froh preise ihre Entschlafung.

 

Vers: Allheiligen Gottesgebärerin, rette uns!

 

Ihr jugendlichen Jungfrauen, mit der Prophetin Miriam jubelt den Grabgesang. Denn die Jungfrau und alleinige Gottesgebärerin wird zum himmlischen Anteil hinübergeführt.

 

Vers: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Würdig wie einen beseelten Himmel nahmen auf dich, o Allreine, die göttlichen, himmlischen Gefilde. Und in strahlender Anmut stelltest du dich als makellose Braut zum König und Gott.

 

 

Dritte Ode. Irmos: Du allerschaffende und allerhaltende Weisheit und Kraft Gottes, * unbeugsam und unerschütterlich festige die Kirche, o Christus: * Denn Du allein bist heilig und ruhest in den Heiligen.

 

Vers: Allheiligen Gottesgebärerin, rette uns!

 

Als sterbliche Frau, doch übernatürlich als Mutter Gottes, du Makellose, kannten dich die Apostel und berührten dich mit ehrfürchtigen Händen, als sie sahen, wie in Herrlichkeit erstrahlte das Zelt, das Gott empfangen.

 

Vers: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Mit einem Hieb des Schwertes kam zuvor den vorwitzigen Händen des Vermessenen die Gerechtigkeit Gottes, der bewahrte die Erhabenheit in Ehre der beseelten Lade der Gottheit, in welcher das Wort Fleisch geworden.

 

Herr, erbarme Dich, Herr, erbarme Dich, Herr, erbarme Dich!

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Hypakoi im 5.Ton: Dich preisen selig, alle Geschlechter, Gottesgebärerin und Jungfrau: * Denn der unerfassbare Christus, unser Gott, * hatte Gefallen daran, in dir umfasst zu werden. *Selig sind auch wir, da wir dich als Beistand haben: * Denn Tag und Nacht bittest du für uns *und die Szepter des Königtums werden durch dein Flehen gestärkt. * Deshalb besingen wir dich und rufen: * Freue dich, du voll der Gnade, der Herr ist mit dir. 

 

 

Vierte Ode. Irmos: Als er den unerforschlichen Ratschluss Gottes * über Deine Inkarnation aus der Jungfrau, * o Höchster, sah, * rief der Prophet Habakuk aus: * Ehre sei Deiner Macht, o Herr! 

 

Vers: Allheiligen Gottesgebärerin, rette uns!

 

Erstaunlich war es, den beseelten Himmel des Allherrschers in die Gruft der Erde hinabsteigen zu sehen. Wie wunderbar sind Deine Werke! Ehre sei Deiner Macht, o Herr! 

 

Vers: Allheiligen Gottesgebärerin, rette uns!

 

In deinem Hinübergang, Mutter Gottes, wurde dein gottumfassender und gotttragender Leib von den Engelscharen, den geflügelten Herrschaften in Ehrfurcht und Freude verhüllt.

 

Vers: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Wenn ihre unbegreifliche Frucht, um derentwillen sie Himmel genannt wurde, das Grab freiwillig wie ein Sterblicher auf sich nahm, wie sollte dann sie das Grab verweigern, die eheunerfahren geboren hat? 

 

Fünfte Ode. Irmos: Außer sich war das All ob Deiner göttlichen Herrlichkeit; * denn allein du, o unberührte Jungfrau, * wurdest von der Erde in die Ewigkeit hinüberversetzt * zum nie endenden Leben, * die du für alle, die dich lobpreisen die Erlösung erbittest!

 

Vers: Allheiligen Gottesgebärerin, rette uns!

 

Erschallen sollen heute die Posaunen der Gottbegeisterten, die Menschen sollen in vielen Sprachen nun frohlocken, die Luft soll ringsum flimmern und leuchten mit unendlichem Licht; und die Engel sollen besingen der Jungfrau Entschlafung.

 

Vers: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Das auserwählte Gefäß [d.i. der heilige Apostel Paulus] geriet ganz außer sich und hervorgehoben in Hymnen für dich, o Jungfrau, und ganz Gott geweiht, erwies es sich auch in Wahrheit von Gott ergriffen, o allbesungene Gottesgebärerin. 

 

Sechste Ode. Irmos: Indem wir dieses göttliche und allgeehrte Fest der Gottesmutter feiern, *kommt, ihr Gottseligen, * lasst uns in die Hände klatschen * und den von ihr geborenen Gott rühmen! 

 

Vers: Allheiligen Gottesgebärerin, rette uns!

 

Aus dir ist aufgegangen das Leben, ohne das Schloss der Jungfräulichkeit zu öffnen. Wie nun konnte dein makelloser, lebenspendender Schoß der Erfahrung des Todes teilhaftig werden? 

 

Vers: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Zur heiligen Stätte des Lebens geworden, hast du erlangt das ewige Leben. Denn durch den Tod bist du hinübergegangen zum Leben, die du das Leben Selbst geboren hast, als Mensch.

 

Herr, erbarme Dich, Herr, erbarme Dich, Herr, erbarme Dich!

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Kontakion. 6. Ton: Die in Fürbitten unermüdliche Gottesgebärerin * und im Beistand unerschütterliche Hoffnung * hat das Grab und der Tod nicht überwältigt; * denn als die Mutter des Lebens * hat sie zum Leben hinübergeführt, * Er, der einst ihren jungfräulichen Schoß zur Wohnstatt genommen! 

 

Ikos: Meine Gedanken stütze, o Retter; denn die Stütze der Welt will ich besingen: Deine reine Mutter. Zu hehren Worten stärke mich und in tiefen Gedanken steh mir bei; denn Du erfüllst die Bitten derer, die Dich anrufen und gläubig zu Dir flehen. So gib mir die Zunge des Dankes und Gedanken des Lobes: Denn jede Gabe der Erleuchtung kommt herab von Dir, dem Spender des Lichtes: Dem der einst ihren jungfräulichen Schoß bewohnte.

 

 

Siebente Ode. Irmos: Nicht dienten der Schöpfung die Gottseligen * statt dem Schöpfer, * sondern des Feuers Drohung * mannhaft verachtend, * jubelten sie singend: * Hochgepriesener Herr und Gott der Väter gesegnet bist Du!

 

Vers: Allheiligen Gottesgebärerin, rette uns!

 

Ihr Jünglinge und Jungfrauen, die ihr das Gedächtnis der Jungfrau und Gottesmutter ehrt, Älteste und Fürsten, Könige und Richter singet: Der Väter Herr und Gott, gesegnet bist Du.

 

Vers: Allheiligen Gottesgebärerin, rette uns!

 

Ertönen sollen mit der Posaune des Geistes die himmlischen Berge. Es sollen nun frohlocken die Hügel, und es sollen sich freuen die Apostel. Die Königin wird hinüberversetzt zu ihrem Sohn und herrscht mit Ihm immerdar.

 

Vers: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Der allheilige Hinübergang Deiner göttlichen und reinen Mutter versammelt die überirdischen Ordnungen der höchsten Mächte, um sich gemeinsam mit denen auf Erden zu freuen, die Dir singen: O Gott, gesegnet bist Du.

 

Achte Ode. Irmos: Die schuldlosen Jünglinge im Feuerofen * hat der Spross der Gottesgebärerin errettet; * damals vorgebildet, nun in der Tat, * erweckt Er die ganze Welt, * Dir zu singen: * Den Herrn lobpreiset ihr Werke, und erhebet Ihn in alle Ewigkeit!

 

Vers: Allheiligen Gottesgebärerin, rette uns!

 

Dein Gedächtnis, makellose Jungfrau, verherrlichen die Fürstentümer und Gewalten, die Mächte, Engel und Erzengel, die Throne und Herrschaften, die Cherubim und die erschauernden Seraphim. Auch wir, das Menschengeschlecht, besingen es in Hymnen und erheben dich in alle Ewigkeit.

 

Vers: Allheiligen Gottesgebärerin, rette uns!

 

Der da auf fremdartige Weise in deinem makellosen Mutterleib fleischgeworden Wohnung nahm, nahm deinen geheiligten Geist und gab ihm Ruhe bei Sich, wie Er es dir als Sohn schuldig war. Darum besingen wir dich, die Jungfrau, in Hymnen und erheben dich in alle Ewigkeit.

 

Vers: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

O du alle Vorstellung übersteigendes Wunder – sowohl Immerjungfrau als auch Gottesmutter! Denn sie erzeigte das Grab, das sie bewohnte, als Paradies. Bei ihm stehen wir heute und singen freudig: Den Herrn besinget in Hymnen, ihr Werke, und erhebet Ihn in alle Ewigkeit.

 

 

Neunte Ode.

 

Vers des Megalynarions: Als die Engel das Entschlafen der Allreinen sahen, *staunten sie, wie die Jungfräuliche * von der Erde emporgehoben wird gen Himmel!

 

Irmos: Jeder Erdgeborene tanze, *  im Geiste Fackeln tragend, * aber auch die Wesen englischer Natur, * sie alle ehren den heilige Hinübergang der Gottesmutter, * und rufen: * Freue dich, o Allseligste, allreine Gottesgebärerin, Immerjungfrau.

 

Vers: Als die Engel das Entschlafen der Allreinen sahen, * staunten sie, wie die Jungfräuliche * von der Erde emporgehoben wird gen Himmel!

 

Kommt zum Sion, dem göttlichen und fruchtbaren Berg des lebendigen Gottes, lasst uns frohlocken und schauen die Gottesgebärerin. Denn Christus versetzt sie als Mutter hinüber in das weitaus bessere und göttliche Zelt, in das Heilige der Heiligen.

 

Vers: Als die Engel das Entschlafen der Allreinen sahen, * staunten sie, wie die Jungfräuliche * von der Erde emporgehoben wird gen Himmel!

 

Kommet, ihr Gläubigen, lasst uns gehen zum Grab der Gottesmutter und sie umfassen und rein berühren mit den Lippen, den Augen und der Stirn des Herzens. Lasset uns schöpfen die reichlichen Gnadengaben der Heilungen, die aus der nie versiegenden Quelle strömen.

 

Vers: Als die Engel das Entschlafen der Allreinen sahen, * staunten sie, wie die Jungfräuliche * von der Erde emporgehoben wird gen Himmel!

 

Nimm an von uns den Grabgesang, Mutter des lebendigen Gottes. Überschatte uns mit deiner lichtbringenden und göttlichen Gnade. Den Königen schenke das Siegeszeichen, dem christusliebenden Volk den Frieden und denen, die dich besingen, Vergebung und Rettung der Seelen.

 

Sadostoinik am Ende des Kanon:

 

Vers des Megalynarions:  Alle Geschlechter preisen dich selig, * die du allein Gottesgebärerin bist.

 

Überwunden werden die Grenzen der Natur in dir, * allreine Jungfrau; * denn jungfräulich ist deine Mutterschaft, * und aus deinem Tod ersteht das Leben. * Nach der Geburt jungfräulich * und nach dem Tode lebendig, * rettest stets du, o Gottesgebärerin, dein Erbe!

 

Nun die Einleitungsgebete. Nach den Vater Unser die folgenden Stichira zu den Lobpsalmen:

 

im 4.Ton: In deinem glorreichen Entschlafen freuen sich die Himmel und die Heere der Engel jauchzen, die ganze Erde frohlocket, singt dir einen Grabgesang, dir der Mutter des Allherrschers. Unvermählte allheilige Jungfrau, die du der Menschen Geschlecht befreitest vom Fluche der Stammeltern.

 

Von den Enden der Erde kamen die auserwählten Apostel, um auf göttliche Weisung dich zu begraben; und als von der Erde sie sahen dich genommen, schauten sie zur Höhe, und sangen vor Freude mit den Worten Gabriels zu dir: Freue dich, die du aller Gott getragen, freue dich, die du allein Erde und Himmel in deinem Gebären verbunden.

 

Die du das Leben geboren, zum Leben gingst du hinüber im heiligen Entschlafen ohne Tod; Engel umgeben dich, Fürstentümer und Gewalten, Apostel und Propheten, ja die ganze Schöpfung und dein Sohn nimmt deine makellose Seele in Seine heiligen Hände, Mutter, Jungfrau und Gottesbraut.

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

im 6.TonZu deinem Entschlafen ohne Tod, Gottesgebärerin und Mutter des Lebens, wurden auf Wolken die in alle Welt verstreuten Apostel in die Lüfte erhoben, um gemeinsam deinen allheiligen Leib zu umgeben, ihn würdig zu bestatten und mit den Worten Gabriels dir zu singen: Freue dich, du voll der Gnade, Jungfrau, unvermählt Vermählte, der Herr ist mit dir. Mit ihnen bitte deinen Sohn und Gott, zu erretten unsere Seelen.

 

 

Der heilige Neumärtyrer Kosmas von Aitolien

 

24. August

 

Thomas Zmija von Gojan

 

Der heilige Kosmas (Ο Άγιος Κοσμάς ο Αιτωλός) wurde im Jahre 1714 in der nordgriechischen Landschaft Aitolien geboren. Sein Vater übte dort das Handwerk eines Webers aus. Seine fromme Mutter, eine einfache Frau, erzog ihn, so gut sie konnte, im orthodoxen Glauben. Aber schon als Kind musste der heilige Kosmas hart körperlich arbeiten.

 

Damals war es die Zeit der muslimisch-türkischen Fremdherrschaft über die Ländern des Balkan. Als Nicht-Muslime waren die Christen im muslimisch dominierten Staat der türkischen Osmanen Landesbewohner zweiter Klasse und hatten viel unter der Willkür der islamischer Beamten und des türkischen Militärs zu leiden. So wuchs der heilige Kosmas in einer Zeit großer Armut unter dereinfachen griechischen Landbevölkerung, des weitverbreiteten Analphabetismus, der oft ganz willkürlichen Gewaltanwendung durch die muslimisch-osmanischen Machthaber auf. Dadurch war das gesamte Lebensklima von weitverbreiteter allgemeiner Unsicherheit und oftmaliger  Bedrängnis geprägt.

 

Der osmanische Staat erlaubte zwar das Bekenntnis zum christlichen Glauben und auch die Abhaltung orthodoxer Gottesdienste. Jedoch hatte dies immer in einer Weise zu geschehen, dass Muslime sich dadurch nicht provoziert fühlen konnten. Deshalb kam es immer wieder zu plötzlichen Gewaltausbrüchen durch fanatisierte Muslime. Nicht nur  Einzelne, sondern oft ganze Bevölkerungsgruppen unterlagen dann der Notwendigkeit, Zwangsweise den Islam anzunehmen. Wer einmal im Synaxarion die Lebensbeschreibungen der christlichen Neo-Märtyrer unter dem türkischen Joch durchliest, kann sich schnell ein genaues Bild über die schwierigen Lebensumstände der damals lebenden Christen auf den Balkan, in Kleinasien und dem Gesamten vorderen Orient machen.

 

Denn nicht erst seit der Zeit rund um den Ersten Weltkrieg mit seinen islamistisch begründeten Genoziden und Massakern an den Christen, waren das Eigentum, die körperliche und sexuelle Unversehrtheit, ja sogar  das bloße Leben der christlichen Minderheiten im osmanischen Reich durch Pogrome und Übergriffe ständig bedroht. Wegen der mangelhaften Schulbildung und dem Verbot der öffentlichen christlich-religiosen Unterweisung hatten viele Christen nur sehr ungenaue Kenntnisse über den Inhalt des christlich-orthodoxen Glaubens. Und so grenzt es eigentlich an ein Wunder, dass der christlich-orthodoxe Glaube bei den Balkanvölkern im Laufe der 500-jahrigen muslimischen Zwangsherrschaft nicht vollkommen verschwunden ist.

 

 

Neben der verarmten und unwissenden christlich-orthodoxen Landbevölkerung gab es jedoch in Konstantinopel auch eine sehr reiche Schicht griechischer Reeder- und Großkaufleute, die im Viertel von Phanar rund um die orthodoxe Georgskirche und den Sitz des Ökumenischen Patriarchen  ansässig war. Von diesen Familien, die sich oft ihrer Abkunft von den byzantinischen Kaiser- und Adelsfamilien rühmten, wurden diejenigen Staatsämter, die am osmanischen Hof üblicherweise auch Christen offen standen, besetzt.

 

So würde das Amt des Dragomans, des Dolmetschers bei der Hohen Pforte, in der Regel von griechischen Christen ausgeübt. Auch unter den Kapitänen und Seeleuten der osmanischen Flotte gab es viele griechische Christen. Im 17. und 18. Jahrhundert war es den Familien des Phanarioten-Adels auch gelungen, die Würde der Fürsten in den rumänischen Donaufürstentümern an sich zu bringen. Die  Phanarioten verfügten so über beträchtlichen politischen Einfluss und gehörten durchaus zum osmanischen Establishment.

 

Aber anstelle diesen Einfluss zum Wohle der bedrängten Christengemeinden zu nutzen, waren die Mehrheit dieser  griechischen Adelsfamilien nicht am Schicksal der einfachen orthodoxen Christen unter der muslimischen Herrschaft interessiert, ja sie verachteten die einfache christlich-orthodoxe Landbevölkerung, egal, ob sie zu den Griechen oder der anderen Balkanvölkern gehörten. Ihre einziges Interesse galt allein dem eigenen politischen und finanziellen Fortkommen. Da sie maßgeblichen Einfluss auf die Wahl und Einsetzung sowohl der Ökumenischen Patriarchen, als auch der anderen orthodoxen Bischöfe im gesamten osmanischen Reich ausübten, konnten sie ihre politischen und finanziellen Eigeninteressen bis in die Verwaltung der orthodoxen Kirche hinein durchsetzen.

 

Der britische Kirchenhistoriker Steven Runciman hat deshalb das Zeitalter des 16. bis 18. Jahrhunderts sehr treffend als das Zeitalter der „babylonische Gefangenschaft der Orthodoxen Kirche“ bezeichnet, in der Simonie (der Kauf der geistlichen Ämter) und Nepotismus (Vettern- und Klientenwirtschaft) das kirchliche Leben nachhaltig schädigten. Bis heute wirkt diese dunkle Zeit im historischen  Bewußtsein der orthodoxen Balkanchristen nach und belastet immer wieder die panorthodoxe Symphonia.

 

Griechisch-Phanariotische Würdenträger im osmanischen Konstantinopel.
Griechisch-Phanariotische Würdenträger im osmanischen Konstantinopel.

 

Der heilige Kosmas lernte im Geheimen bei einem Protodiakon lesen und schreiben. Später arbeite er als Elementarlehrer. Nach einiger Zeit aber ging er dann auf den Heiligen Berg Athos, um dort Mönch zu werden. Auf dem Heiligen Berg besuchte er zunächst die dortige kirchlich-theologische Schule und wurde danach Mönch und Priestermönch im Kloster Philotheou.

 

Nachdem der heilige Kosmas so einige Zeit als Mönch auf dem Athos gelebt und sich dabei in das asketischen Leben eingeübt hatte, rührte Gott das Herz des Heiligen an. Denn Kosmas erkannte auf einmal die tiefe, vor allem spirituelle Not seiner orthodoxen Mitchristen und so begann der Heilige sich der Katechisierung im orthodox geprägten Süden Albaniens zu widmen. Überall herrschte dort wegen der islamischen Gesetze ein überaus großer Mangel an Kirchen. Auch dienten in dieser besonders armen Gegend nur wenige Priester, so dass viele bis ins Erwachsenenalter hinein ungetauft bleiben mussten. Der Priestermönch Kosmas erhielt direkt vom damaligen Ökumenischen Patriarchen den besonderen Segen zu reisen, zu predigen und den orthodoxen Glauben unter den unwissenden Christen zu verkünden. Ausgestattet mit einem besonderen patriarchalen Sendschreiben, dessen bischöfliche Autorität in Bezug auf die zivilen und religiösen Belange der orthodoxen Christen auch von den osmanischen Behörden und ihren Amtsträgern grundsätzlich respektiert wurde, konnte er zunächst unbehindert unter der dortigen christlichen Bevölkerung arbeiten.

 

So bereiste der heilige Kosmas auf ausgedehnten Missionsreisen ganz Griechenland und seine Inseln, aber auch den von orthodoxen Christen bewohnten Süden Albaniens. In den 25 Jahren seines unermüdlichen apostolischen und katechetischen Wirkens gründete der heilige Kosmas über 200 Schulen. Er stifte viele caritative Vereinigungen und lies auch eine Vielzahl einfacher Landkirchen errichten. Nach dem Vorbild des heiligen Apostels Paulus reiste der heilige Kosmas meist zu Fuß.

 

Wenn der Heilige in ein Dorf kam, bat er die Christen unter den Dorfbewohner ein großes Holzkreuz auf dem Dorfplatz zu errichten. Dann stieg er auf einen Schemel neben dem Kreuz und predigte zu den Dorfbewohnern über den Inhalt des christlich-orthodoxen Glaubens. Während dieser Volksmissionen ereigneten sich durch die Gebete des heiligen Kosmas oftmals Wunder, mit denen Gott die glaubensschwach gewordenen orthodoxen Gläubigen aufbauen und stärken wollte. Auch die anwesenden Muslime waren von den Wundern Gottes, die auf das Gebet des heiligen Kosmas hin geschahen, tief beeindruckt. Sie betrachteten ihn als einen Mann Gottes und behandelten ihn deshalb mit Respekt.

 

 

Der heilige Kosmas trat immer wieder für die  kompromisslose Bewahrung der Fülle der orthodoxen Lebensführung ein. So tadelte er auf der, unter der Herrschaft Venedigs stehenden, Insel Korfu die dortige reiche griechischen Oberschicht, die sich mehr zeitgenössischer Mode und Lebenshaltung venezianischer Prägung, als der Ausübung des orthodoxen Glaubens verpflichtet fühlten.

 

Dabei ging es den heiligen Kosmas nicht um einen blinden Fanatismus, der jede Akkulturation der Orthodoxie kategorisch ablehnt, sondern um eine ernste Warnung seiner orthodoxen Mitchristen vor einer billigen, den Glauben letztendlich kompromittierenden Anbiederung an die wechselnden Forderungen, Postulate oder Moden des jeweiligen Zeitgeistes. Dass eine solche Bereitschaft, sich auf die Seite der Gebote Christi zu stellen, das eigene Kreuz im Leben auf sich zu nehmen und dem Herrn kompromisslos nachzufolgen immer einen hohen Preis kosten, können wir auch am weiteren Lebensweg des heiligen Kosmas deutlich erkennen.

 

Denn als er die orthodoxen Christen in Epirus, einer Landschaft, die im heutigen Nordgriechenland und Südalbanien liegt, dazu bewegen konnte, ihre Wochenmarkte nicht mehr am Sonntag abzuhalten, sondern auf den Vortag zu verlegen, geriet der heilige Kosmas sofort in einen schweren Konflikt mit den in dieser Gegend sehr einflussreichen, meist jüdischen Kaufleuten. Diese waren aus den Gründen ihrer Religion der Heiligung des Sabbat und nicht des Sonntags durch Arbeitsruhe verpflichtet. Die Verlegung des Marktages bedeutete deshalb für sie empfindliche finanzielle Einbußen. Da die Christen bisher bereitwillig und gleichsam wie selbstverständlich ihren Feiertag entheiligt hatten, wurde der heilige Kosmas vor allem als Störfaktor für  das bisher so reibungslos funktionierende wirtschaftliche Miteinanders empfunden.

 

Schnell wurden deshalb Intrigen gesponnen, Verleumdungen ausgestreut und schließlich gelang es einigen Wortführern aus dieser Händlerclique den heiligen Kosmas bei den lokalen osmanischen Autoritäten der Konspiration mit Venedig und anderen christlich-westlichen Machten zu verdächtigen. Da sich das osmanische Reich gegenüber den militärischen Erfolgen der westlichen Staaten zunehmend in einer Defensivposition befand, reagierten die türkischen Eliten auf den Vorwurf, der heilige Kosmas würde mit den christlichen Machten Westeuropas im Bunde stehen, ja er bereite mit seiner Predigttätigkeit einen Aufstand der christlich-orthodoxen Bevölkerung in Epirus vor, entsprechend nervös. Neben der militärischen Defensive, waren es wohl auch die wohldosierten Bestechung durch die Interessengruppe der in ihren Wirtschaftsinteressen behinderten Kaufmannschaft, die die Härte des gefällten Urteils begründen. Im August 1779 verurteilten die osmanischen Amtsträger in Epirus den heiligen Kosmas zum Tode durch Erhängen.

 

 

Der heilige Kosmas erwarte seine Hinrichtung mit großer seelischer Gelassenheit. Er folgte bereitwillig und ohne physischen Widerstand, als seine Henker ihn zur Hinrichtung führten. Vor seiner Hinrichtung bekreuzigte sich der Heilige zunächst selbst und segnete dann auch den Erdkreis und alle Anwesenden mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes. Danach lies er ohne physischen Widerstand seine Ermordung zu. Nachdem der heilige Kosmas seine Seele in die Hände Gottes zurückgegeben hatte, warfen seine Mörder seinen heiligen Leib in einen nahen Fluss. Nach einiger Zeit konnte die heilige Reliquie jedoch von gläubigen orthodoxen Christen aus der Region geborgen und in der orthodoxen Kirche des Dorfes Kolikontasi beigesetzt werden. Das ökumenische Patriarchat in Konstantinopel hat den Heiligen Kosmas im Jahre 1961 dem Heiligenkalender hinzugefügt.

 

Orthodoxe Kirche und Kloster zu Ehren des heiligen Kosmas im Dorf Kolikontasi.
Orthodoxe Kirche und Kloster zu Ehren des heiligen Kosmas im Dorf Kolikontasi.
Grab des heiligen Neomärtyrers und Apostelgleichen Kosmas von Aitolien.
Grab des heiligen Neomärtyrers und Apostelgleichen Kosmas von Aitolien.

 

In der orthodoxen Kirche dieses  heute in Albanien liegenden Dorfes befindet sich das Grab des heiligen Neomärtyrers und Apostelgleichen Kosmas von Aitolien. Die Kirche ist inzwischen der Mittelpunkt eines orthodoxen Klosters zu Ehren des Heiligen. Aber die Reliquien des heiligen Kosmas befinden sich heute in der orthodoxen Kathedrale von Tirana. Das Haupt des heiligen Kosmas wurde bereits während der Zeit des Ersten Weltkriegs entwendet und befindet sich bis zum heutigen Tag in einem Wiener Museum.

 

Der heilige Kosmas wird heute von den orthodoxen Christen in Griechenland und Albanien hoch verehrt, denn durch sein unermüdliches missionarisches Wirken hat er die orthodoxe kirchliche Wiedergeburt in diesen beiden Ländern vorbereitet und gefördert. Durch sein leuchtendes Beispiel wurde er zu einer wahrhaften Ikone Christi - zum „Christophoros“ (Christustrager) - der mit der Ganzhingabe seines Lebens Christus bekannt und verherrlicht hat. Nicht nur sein spirituelles, sondern auch sein caritatives Wirken ist bis in unsere Tage bei den griechischen und albanischen orthodoxen Christen unvergessen geblieben. Deshalb besuchen unzählige Pilger sein Grab im Kloster von Kolikontasi, aber auch seine heiligen Reliquien in der orthodoxen Kathedrale von Tirana.

 

 

Unser Vater unter den Heiligen,

der selige (Aurelius) Augustinus

Bischofs von Hippo Regius

 

28. August

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Der heilige Aurelius Augustinus wurde am 23. November 345 in Thagaste im heutigen Tunesien geboren. Er wurde von seiner frommen Mutter Monika christlich erzogen, ließ sich aber zunächst nicht taufen, sondern führte ein auf weltliches Ansehen und Karriere orientiertes Leben.

 

Augustinus wurde zunächst Rhetor in Thagaste, Karthago und Rom. Für einen ambitionierten jungen Mann in der Spätantike mit dem Berufsziel des Politikers oder Anwalts war eine ausgefeilte und geschliffene Beherrschung der Rhetorik unumgänglich. Rhetoren wurden als Redner bei politischen Anlässen oder vor Gericht engagiert und hoch bezahlt.

 

Um 384 begann Augustinus als Rhetor am kaiserlichen Hof in Mailand zu arbeiten. Die Aufgabe der kaiserlichen Rhetoren war es, bei offiziellen Anlässen in Lobansprachen Weisheit und politisches Geschick des Kaisers und seiner Ratgeber zu preisen.

 

In Mailand hörte er sich regelmäßig die Predigten des heiligen Ambrosius, der zu dieser Zeit Bischof der weströmischen kaiserlichen Residenzstadt war, um dessen rhetorischen Stil genau zu studieren. Aber Augustinus wurde vom Inhalt der Botschaft angerührt und bekehrte sich nach langem Glaubenskampf zum Christentum. In der Osternacht 387 wurde er vom heiligen Ambrosius getauft.

 

 

Über diese Zeit hat Augustinus in seinen Bekenntnissen ausführlich berichtet. 388 kehrte er nach Tagaste zurück, verkaufte seine Besitzungen und gründete mit Freunden eine Klostergemeinschaft. Bischof Valerius von Hippo ernannte Augustinus, der zunächst widerstrebte, im Jahre 392 zum Priester und kurze Zeit später zu seinem Vikarbischof.

 

Nach dem Tode des Valerius wurde der heilige Augustinus 396 Bischof von Hippo Regius im heutigen Algerien. Neben seinen Bekenntnissen und dem Gottesstaat schrieb er zahlreiche Werke. Es sollen über 1000 Schriften gewesen sein. Erhalten sind uns heute über 800 Werke.

 

 

 

Der heilige Augustinus war auch ein großer Seelsorger und Lehrer der noch ungeteilten Kirche. In der Auseinandersetzung mit den geistigen Strömungen seiner Zeit, den Manichäern, Donatisten und Pelagianern entwickelte er seine Glaubenslehre. In neuerer Zeit wurde immer wieder schwere Kritik an diesem frühen lateinischen Vater geäußert (zum Beispiel von Priester Michael Azkul in seinem Buch „The Teaching of the Holy Orthodox Church”). Hintergrund der Kritik scheint offensichtlich zu sein, dass das Werk dieses Kirchenvaters des Abendlandes später in der Theologie der katholischen als auch evangelischen Kirche meist einseitig, das heißt ohne die notwendige Berücksichtigung der griechischen Väter rezipiert worden ist. Auch bringt bis heute die westliche Theologie das Werk des seligen Augustinus oft die falsche Lehre vom „filioque“ mit dem seligen Augustinus in Verbindung. Dabei wird sowohl von den orthodoxen Kritikern, als auch von den abendländischen Theologen diesem großen Vertreter des westlichen Teils der Einen ungeteilten Kirche Unrecht getan, da er diejenige Passage in seinem Werk, die dazu Anlass zu geben scheinen, ganz ausdrücklich als seine persönliche Meinung kennzeichnet und auch unterstreicht, dass er hier durchaus irren könne. Es ist aber dem seligen Augustinus persönlich nicht anzulasten, dass zunächst fränkische und später dann, in der Rezeption ihrer heterodoxen Ansichten, katholische und evangelische Theologen diese Textstellen zum Anlass nahmen, um damit ihre, der rechtgläubigen Kirche fremde Lehre zu begründen.

 

Die meisten orthodoxen Theologen schreiben die Lehre über das „filioque“ (das ist die von der orthodoxen Wahrheit abweichende Lehre der abendländischen Christen, dass der Heilige Geist Seinem Wesen nach vom Vater und vom Sohn ausgehe würde) nicht Augustinus, sondern dem spanischen Theologen Isidorus von Sevilla aus dem 6. Jahrhundert zu.

 

Deshalb schreibt der exilrussische Erzpriester Sergej Bulgakov: „Die tatsächliche Heimat nicht nur des theologischen, sondern auch des kirchlichen, dogmatischen Filioquismus ist wohlbekanntermaßen die spanische Kirche, die im Kampf mit dem Arianertum die Göttlichkeit des Sohnes dadurch erhöhen und bekräftigen wollte, dass Ihm auch eine Teilhabe an der Aussendung des Heiligen Geistes zugeschrieben wurde. Es ist festzuhalten, dass der heilige Augustinus sich mit großem Lob über das Buch des heiligen Hilarius von Poitiers „De Trinitate“ äußerte, in dem dieser in Anlehnung an die Meinung der östlichen heiligen Väter lehrte, dass der Heilige Geist vom Vater “durch den Sohn” ausgeht. Bei den östlichen Kirchenvätern finden wird hinsichtlich des Ursprungs des Heiligen Geistes Gedanken, welche den westlichen – zwar nicht dem Sinn, doch der Form nach - sehr nahe kommen, was den eifrigen Verfechtern der Filioque-Lehre Anlass gab, sich zum Beweis ihrer falschen Doktrin auf sie zu beziehen. Der ehrwürdige Maximos Confessor schreibt in seinem Brief an den zyprischen Presbyter Marinus, der etwa um 640 in Rom verfasst wurde, dass die Römer seiner Zeit weit davon entfernt waren, den Sohn zum Urheber des Geistes zu machen, weil sie nämlich anerkannten, dass der Vater der Urheber des Sohnes und des Geistes ist, denn die Lateiner hätten in dieser Frage gar keine Meinungsverschiedenheit mit den Griechen. Aber die Lage änderte sich jäh, als sie die Lehre über das Filioque zum Abschluss brachten, die Lehre der Heiligen Väter nach ihrem eigenen Gutdünken auslegten und die der Schule Karls des Großen angehörenden, lateinischen Doktrinen des 9. Jahrhunderts der sogenannten Karolinger Theologen, als Lehre der Kirche ausgaben. Sie taten nicht nur dies, sondern sie bestanden auch darauf - und setzten in einigen Ländern sogar durch - dass das Wort filioque in das Nikaio-Konstantinopolische Glaubensbekenntnis eingefügt wurde. Aus diesem Grund erhob sich zwischen der Ost- und Westkirche ein großer theologischer Streit“.

 

Für diesen aber ist der heilige Augustinus nicht verantwortlich zu machen. Vielmehr lieferte seine Lehre noch nach seinem Tod einen entscheidenden Beitrag zur Formulierung der orthodoxen Glaubenslehre.  Während des vierten heiligen Ökumenischen Konzil von Chalcedon (451) machte der heilige Leo der Große, Erzbischof und Papst von Alt- Rom in seinem Tomus an die Versammlung eine christologische Schlüsselaussage, die direkt vom heiligen Augustinus stammte: „zwei Naturen in einer Person“ - unser Herr und Erlöser Jesus Christus ist also wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich.

 

 

Der heilige Augustinus starb am 28. August des Jahre 430 in Hippo Regius während der Belagerung der Stadt durch die Vandalen. Wahrscheinlich wurde der bei seinem Volk in höchstem Ansehen stehende Bischof in der Kathedrale von Hippo Regius bestattet. In der orthodoxen Kirche, wird der seligen Augustinus wegen seines vorbildlichen Lebenswandels als Heiliger verehrt.

 

In späterer Zeit wurden seine Reliquien nach Italien übertragen, wo sie heute in Pavia In Norditalien verehrt werden. Sie ruhen dort in der Kirche San Pietro in Ciel d' Oro. Das älteste Zeugnis über die Übertragung der Reliquien des Heiligen nach Italien ist das des heiligen Beda des Ehrwürdigen. In seinem Chronicon de sex ætatibus mundi berichtet Beda von der Reise der sterblichen Überreste des Augustinus von Afrika nach Sardinien, der dann die Übertragung nach Pavia folgte.

 

Die Übertragung der Reliquien von der Insel nach Pavia muss sich um das Jahr 725 ereignet haben. Die Jahrhunderte ließen den genauen Ort der Ruhestätte des heiligen Augustinus in Vergessenheit geraten. Es wurde angenommen, dass er traditionsgemäß in der Nähe des Altares der Krypta der Kirche liegt. Als am 01. Oktober 1695 im Verlauf von Arbeiten in der Krypta die Mauer abgeschlagen wurde, die den Sockel des Altares bildete, kam ein marmorner Sarkophag zum Vorschein, in dessen Innern sich ein silberner Schrein mit den Reliquien des heiligen Augustinus befand.

 

 

Die heilige Monika

   

Gedanktage : 4. Mai, 15. Juni & 27. August

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Die heilige Monika wurde um das Jahr 332 in Tagaste in Numidien geboren. Bereits ihre Eltern waren fromme Christen. Die Erziehung ihrer Töchter hatte Monikas Mutter jedoch weitgehend einer alten Dienerin überlassen, die die Kinder mit Strenge und Sorgfalt erzog. So durften die Kinder nur zu den Essenszeiten essen und trinken. Durch dieses strenge Regel die alte Frau zu verhindern, dass die Kinder sich an regelmäßiges Trinken gewöhnen, da sie befürchtete, dass diese als junge Erwachsen von Wasser auf Wein umsteigen würden. Doch wie so oft verkehren sich allzu rigoristische Erziehungsmethoden schnell in das erwünschte Gegenteil. Bereits als  Jugendliche verfiel Monika dann dem Alkohol, als sie von den Eltern immer wieder zum Weinholen in den Keller geschickt wurde. Aber mit Hilfe ihres inzwischen ausgeprägten christlichen Glaubens konnte die heilige Monika von ihrer Alkoholsucht befreien. Wie im römischen Provinzadel üblich, heiratete sie auf Wunsch ihrer Eltern mit 18 Jahren den heidnischen römischen Beamten Patricius, einem ebenso gutmütigen wie jähzornigen Menschen, dem sie, in der Hoffnung ihn zum Christentum bekehren zu können, seine permanente Untreue verzieh. Die heilige Monika war eine glaubensstarke und überzeugende Christin, denn tatsächlich starb Patricius im Jahre 371 als Christ. Ebenso gelang es der heiligen Monika durch ihr sanftmütiges Ertragen und Liebe das Herz ihrer reizbaren Schwiegermutter zu gewinnen.

 

Die heilige Monika hatte zusammen mit ihrem Mann neben Augustinus noch zwei weitere, ältere Kinder: Navigius und Perpetua. Mit ganzer Hingabe widmete sich die Heilige nun der Erziehung ihrer Kinder. Ihnen wollte sie den Weg zum Himmelreich öffnen. Die beiden älteren folgten dem Beispiel der Mutter auf dem Weg des christlichen Glaubens, nicht aber der Jüngste. Im Jahre 371, kurz vor dem Tod seines Vaters Patricius, ging er zum Studieren nach Karthago. Dort schien Augustinus, begabt und intelligent eine glänzende Laufbahn vor sich zu haben. Seine Mutter in Tagaste verfolgte seinen Erfolg mit Stolz und seinen dortigen Lebenswandel mit wachsender Sorge. Schon bald nämlich erlag der junge Mann, der das Temperament seines Vaters geerbt hatte, den Versuchungen der Großstadt Karthago. Seine besorgte Mutter bereute bitterlich, dass sie die Taufe des Sohnes immer wieder aufgeschoben hatte. Ungeachtet des mütterlichen Flehens entfernte er sich mehr und mehr vom Glauben und führte ein Leben fern vom christlichen Glauben. Hier lernte Augustinus dann auch eine junge Frau kennenlernte, mit der er einen Sohn zeugte. Entsprechend den Gepflogenheiten der römischen Oberschicht lebte er mit ihr im Konkubinat, das der Standesunterschied eine legitime Eheschließung ausschloss. Als sich Augustinus dann den Manichäer anschloss, brach es der heiligen Monika fast das Herz. Bisher hatte sie nachsichtig zu allen Charakterschwächen des Sohnes geschwiegen und für alles eine Entschuldigung gewusst. Dieser Schritt aber war für sie unannehmbar. Alle Tränen und Ermahnungen waren nutzlos und so verbot sie ihrem Sohn zeitweise das elterliche Haus und betrauerte ihn gleich einem Verstorbenen. Im Jahre 372 wurde dann Augustins Sohn Adeodatus geboren. Im Jahr darauf hat er sich dann der manichäischen Religion zu. Der Manichäismus war eine der vielen östlichen Erlösungsreligionen, die sich um die Zeitenwende unter den Menschen des römischen Weltreiches verbreiteten, da sich das römisch-hellenistische Heidentum als unfähig erwies, die wichtigen metaphysischen und existenziellen Fragen zu beantworten. Ursprünglich aus Persien und Mesopotamien kommend vereinigte der Manichäismus synkretisches, dualistisches und gnostisches Gedankengut. Anziehend für viele Menschen machte das Manichaertum vor allem seine rigoristische Ethik. Der Manichäismus verlangte, ähnlich wie das Christentum, von seinen Anhängern Askese und ein Bemühen um die Reinheit als Voraussetzung dafür, die Erlösung zu erlangen.

 

 

Nach dem Studienabschluss eröffnete Augustinus zunächst eine Rhetorikschule in Tagaste. Später verlegte er diese nach Karthago. Die Beherrschung der Rhetorenkunst war damals eine unabdingbare Voraussetzung, um in der  römische Ämterlaufbahn aufsteigen zu können. Auch war die Rhetorik das notwendige Rüstzeug, um vor Gericht als Anwalt auftreten zu können. Sowohl die römische Ämterlaufbahn, als auch die Anwaltstätigkeit galten allein als standesgemäße Betätigungsfelder für die Angehörigen der römischen Oberschicht, nachdem die Offizierslaufbahn seit der Zeit der Soldatenkaiser nur noch Berufsoffizieren offen stand.

 

Im Jahr 383 ging Augustinus dann nach Rom. Der Ortswechsel war sicherlich auch vom Wunsch Augustins getragen, Abstand zu seiner Mutter zu bekommen, die als überzeugte Christin den Lebenswandel ihres Sohnes offen missbilligte. Im Schmerz über den Lebensweg ihres Sohnes suchte die heilige Monika Rat beim Bischof von Karthago. Dieser tröstete sie mit den Worten: “Ein Sohn solcher Tränen kann nicht verloren gehen“.

 

Schon im Jahr 384 wechselte Augustin aus Rom in die weströmischen kaiserlichen Residenzstadt Mailand wo er zum kaiserlicher Rhetor und Rhetoriklehrer bei Hofe ernannt wurde. In Mailand begann Augustin dann auch Predigten des heiligen Ambrosius zu besuchen. Nachdem Augustinus sich daraufhin im Jahre 384 von den Manichäern geistig zu lösen begann, reiste die heilige Monika im späten Frühjahr 385 zu ihm nach Mailand. Dort brachte sie zunächst etwas mütterliche Ordnung in den aus Freunden und Schülern bestehende Lebensumfeld ihres Sohnes. In ihrer stillen aber beständigen Art unterstützte Monika auch die geistliche Suche ihres Sohnes vor allem seine nun regelmäßigen Besuche der Predigten des heiligen Ambrosius. Längst war Augustinus weit mehr als ein nur interessierter Zuhörer des charismatischen Bischofs von Mailand geworden, denn in persönlichen Unterredungen begann der heilige Ambrosius  Augustinus geduldig die christliche Glaubensbotschaft zu erklären.

 

 

Im Sommer des Jahres 386 gelang es Monika ihren Sohn dazu zu bewegen, seine Lebensgefährtin nach Afrika zurückzuschicken. Er sollte sie nie wiedersehen. Für uns heute scheint dieses Handel Augustins geradezu herzlos, aber die Menschen der Antike empfanden und dachten vollkommen anders. Für sie war das Konkubinat eben gerade keine andere Form der legitimen Ehe, sondern vielmehr eine reine Zweckbeziehung auf Zeit. Ging sie auseinander, so verblieben die Kinder nach römischem Recht beim Vater.  Als Ersatz arrangierte die heilige Monika prompt eine christliche Ehe, die jedoch zunächst daran scheiterte, dass die ausgesuchte Braut fürs Heiraten noch zwei Jahre zu jung war. Die Ehe kam letztendlich niemals zustande, als sich im Spätsommer 386 Monikas Sohn dazu entschloss, sein Leben durch den Empfang der Taufe radikal zu verändern.

 

Im Herbst des Jahres  gab Augustin seine Stelle als Rhetor am kaiserlichen Hof auf. Zusammen mit seiner Mutter verbrachte er in Vorbereitung auf den Empfang der heiligen Taufe sechs Monate auf dem Landgut eines Freundes in Cassiciacum. Im April des Jahres 387 kehrten die heilige Monica und ihr Sohn dann nach Mailand zurück und Augustin empfing dort zusammen mit seinem Sohn Adeodatus durch heiligen Ambrosius die heilige Taufe.

 

Inzwischen war beschlossen worden, zum Zweck einer gottgefälligeren Lebensführung gemeinsam nach Nordafrika zurückzukehren. Auf der Heimreise im Oktober 387 verstarb die heilige Monika im Alter von 56 Jahren in der Hafenstadt Ostia.

 

In einem der letzten Gespräche mit Augustin hatte sie gesagt: „Mein Sohn … mich vermag in diesem Leben nichts mehr zu locken. Was ich hier noch zu tun habe, weshalb ich noch da bin, das weiß ich nicht; schon ist all mein Hoffen in dieser Welt dahin. Nur eine einzige Aufgabe war es, derentwegen ich noch etwas auf dieser Welt zu weilen verlangte, dass ich Dich als Christen sehen könnte, ehe ich hinschied. Gott hat es mir gewährt in überreicher Fülle, dass ich dich nun als seinen Knecht erblicken darf, da du auf alles irdische Glück verzichtest. Was tue ich noch hier?“

 

Die heilige Monika verstarb in Gegenwart ihres geliebten Sohnes. Wohl wissend was er seiner Mutter am Ende zu verdanken hatte, schreibt er in seinen Bekenntnissen:„Am neunten Tage ihrer Krankheit, im sechsundfünfzigsten Jahre ihres Lebens, im dreiunddreißigsten Jahre meines Alters ward ihre gottselige und treue Seele vom Leibe erlöst. Ich drückte ihr die Augen zu, Trauer floss in meiner Brust zusammen und floss über in Tränen und meine Augen drängten die Tränen zurück in die Brust, bis sie trocken waren, und meine Seele litt Qualen bei solchem Kampf mit dem Schmerze…“ Mit diesen und weiteren Worten der Dankbarkeit rühmt er das wahrhaft christliche Leben seiner Mutter und setzt ihr so ein bleibendes Denkmal, damit Monika ein Vorbild und eine Fürsprecherin für alle christlichen Mütter werde, die sich um den Glaubens- oder Lebensweg ihrer Kinder sorgen.

 

Die heilige Monika wurde bei dem Grab der heiligen Märtyrerin Aurea in Ostia beigesetzt. Ihre Reliquien wurden dann im 15. Jahrhundert in die Kirche Sant’Agostino in Rom überführt.