Heilige und Feste im Februar

 

Heilige Begegnung mit unserem Herrn,  Gott und Erlöser Jesus Christus

 

(griechisch: Ἡ Ὑπαπαντὴ τοῦ Κυρίου, 

slavisch: Сретение Господне)

 

02. Februar

 

Als die 40 Tage vorüber waren, die das Gesetz des Mose vorschrieb für die Reinigung der Mutter eines Neugeborenen (Leviticus 12: 2-4), brachten die Allheilige Gottesmutter und der Heilige Joseph das göttliche Kind nach Jerusalem, um Es im Tempel dem Herrn darzubringen, denn jeder erstgeborene Knabe gehörte von Gesetzes wegen dem Herrn (Exodus 13, 15) und musste im Tempel ausgelöst werden gegen ein einjähriges Lamm oder, im Fall armer Familien, gegen zwei Turteltauben oder zwei Tauben (Leviticus 12: 8). Der Herr des Himmels und der Erde, Der Seinem Volk Israel das Gesetz gegeben hatte und Der nicht kam, um das Gesetz aufzuheben, sondern um es zu erfüllen (Matthäus 5,17), heilte die durch den Ungehorsam sterblich gewordene menschliche Natur, die Er angenommen hatte, vom ersten Augenblick Seiner Inkarnation, indem Er sich gehorsam allen Vorschriften des Gesetzes unterwarf. Quelle allen Reichtums und aller Gnade, machte Er sich zum Niedrigsten und Ärmsten aller. Er gehorchte dem Gesetz, das Er uns Menschen gegeben hat und das wir unablässig übertreten, um uns zu zeigen, dass der Gehorsam der Weg zur Versöhnung mit Gott ist. Nachdem Er sich am achten Tag der Beschneidung unterzogen hatte, wartete Er in der Höhle von Bethlehem noch den Ablauf der gesetzmäßigen Frist der Reinigung ab – obwohl weder Er selbst noch Seine allreine Mutter der Reinigung bedurften –, um im Tempel Seiner Herrlichkeit den Leib darzubringen, den Er annahm als neuen und vollkommenen Tempel Seiner Göttlichkeit. Der unzugängliche und unbegreifliche Gott ließ Sich Selbst auslösen gegen die Gabe der Armen: zwei Tauben, Sinnbild der Reinheit, des Friedens und der Arglosigkeit, die uns der Erlöser und Menschenfreund mit Seinem Kommen gebracht hat.

 

 

Im Tempel wurden sie empfangen vom Hohenpriester Zacharias, dem Vater des heiligen Johannes des Vorläufers und Täufers, der die Gottesmutter auf überraschende Weise in jenen Teil des Tempels stellte, der den Jungfrauen vorbehalten war. (Anmerkung: Die Einzelheiten über diesen Empfang fehlen in den Texten der Evangelien. Sie wurden in den Synaxarien aus der kirchlichen Tradition übernommen.) Im selben Augenblick betrat ein Greis namens Symeon den Tempel. Er war gerecht und fromm und hielt alle Gebote Gottes mit Sorgfalt ein. Seit vielen Jahren wartete er auf die Erfüllung einer Verheißung, die ihm der Heilige Geist gemacht hatte und wonach er nicht sterben werde, bevor er den Messias, den Herrn Jesus Christus, mit seinen Händen berührt habe. Dieser Greis, der die Erwartung des ganzen Volkes Israel verkörperte, streckte voller Sehnsucht seine Hände aus, um auf ihnen wie auf einem cherubinischen Thron den Erlöser zu empfangen. Als er Ihn so auf seinen Händen trug, pries er Gott und sagte: „Nun lass gehen Deinen Knecht, o Gebieter, gemäß Deinem Wort in Frieden, denn meine Augen schauten Dein Heil, das Du bereitet hast vor allen Völkern, Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Ruhm Deines Volkes Israel.“ (Lukas 2: 29). 

 

Heiliger Symeon der Gottesträger (Святой праведный Симеон Богоприимец).
Heiliger Symeon der Gottesträger (Святой праведный Симеон Богоприимец).

 

Mit diesem Gebet des heiligen Symeon bitten der erste Bund und das alte Gesetz selbst, hinfällig geworden durch die Ankunft Christi, sich zurückziehen zu dürfen vor dem Licht der Gnade. Als der Greis den Erlöser erblickte und berührte, Dessen Ankunft die Propheten und die Gerechten seit so manchen Generationen angekündet und vorbereitet hatten, konnte er Gott in aller Zuversicht darum bitten, ihn nunmehr von den Fesseln des Fleisches und der Verderbnis zu befreien und so den Platz zu räumen für die ewige Jugend der Kirche. Damit verkündete er feierlich das Ende der Sinnbilder und zugleich die letzte Prophetie bezüglich des Erlösers, indem er Seiner Mutter voraussagte, dass Seine Passion und Seine lebenspendende Auferstehung ein Zeichen des Widerspruchs sein werden, das die Gottlosen zu Fall bringen, jene aber, die an Ihn glauben, zum Heil aufstehen lassen wird. 

 

 

Im Tempel befand sich zu jener Stunde auch eine hochbetagte Frau namens Anna vom Stamm Ascher. Nach siebenjähriger Ehe war sie verwitwet und diente seither Gott mit ununterbrochenem Fasten und Gebet, in Erwartung der Ankunft des Messias. Auch sie trat heran zu dem göttlichen Kind, lobte Gott und verkündete allen die Erlösung Israels.

 

Heilige Prophetin Anna.
Heilige Prophetin Anna.

 

ls der König Herodes von diesem allen erfuhr, begriff er sogleich, dass jenes Kind der neue König war, von dem die Magier aus dem Osten gesprochen hatte  und sandte umgehend Soldaten aus, um das Christuskind zu töten. Doch vom Engel Gottes rechtzeitig gewarnt, verließen Joseph und Maria das Land und flohen nach Ägypten. Erst zwei Jahre später kehrten sie auf Weisung des Engels wieder zurück nach Nazareth. Der göttliche Knabe aber wuchs heran in Frieden, in Erwartung der vorgesehenen Zeit Seines öffentlichen Wirkens.

 

Durch die Gebete Deiner Heiligen, Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser. Amen.

 

Quelle: Synaxarion zum Fest der Hypante 

 

 

Das Fest der Hypante oder Darstellung des Herrn im Tempel

 

02. Februar

 

Das Fest der Hypánte, (vom griech. hypantan = entgegengehen), ist in der orthodoxen Kirche das Fest der Darstellung der Herrn im Jerusalemer Tempel. Dieses Fest erinnert an eine Begegnung. Wir verstehen darunter die Begegnung des Gotteskindes und der Gottesmutter mit dem gerechten Simeon und der Prophetin Hanna im Tempel von Jerusalem. Dies geschah so:

 

Es waren vierzig Tage seit der Geburt des Erlösers vergangen. Die Allheilige Jungfrau kam zusammen mit dem heiligen Josef, mit dem sie verlobt war, gemäß der Sitte aus Betlehem nach Jerusalem. Sie brachten das Kind Jesus in den Tempel, um das Gebot zu erfüllen, das vom Herrn durch seinen Propheten Mose gegeben worden war. Diesem Gebot nach musste man, erstens, nach der Geburt eines Kindes Gott ein Opfer darbringen und das Gebet eines Priesters erhalten. Zweitens musste man das Kind in den Tempel bringen und es so Gott weihen.

 

Das Opfer war gewöhnlich ein einjähriges Lamm und eine junge Taube oder Turteltaube. Den Armen war es erlaubt, anstatt des Lammes auch eine Taube darzubringen. Nach dem Gesetz des Mose musste man den ersten Jungen in der Familie Gott weihen. Man tat dies in Erinnerung an den furchtbaren Tag, an dem der Engel des Herrn die Erstgeborenen der Juden verschonte, nachdem er alle Erstgeborenen in Ägypten, wo das auserwählte Volk litt, getötet hatte. Seit jener Zeit brachten die Juden alle erstgeborenen Knaben in den Tempel und weihten sie Gott. Danach kauften sie sie gleichsam wieder zurück, indem sie für sie einen symbolischen Kaufpreis gaben. Dieser Preis wurde „Auslösegeld“ genannt und wurde den Tempeldienern, den Leviten, übergeben. Die Gottesmutter erfüllte dieses Gesetz und kam mit dem Kind, das in Wahrheit selbst die Quelle aller Gesetze war, in den Tempel. Eigentlich hätten die Mutter und das Kind dieses Gesetz nicht erfüllen müssen. Es betraf sie nicht, da es für sündige Menschen galt und nicht für die Allreine Jungfrau und den Herrn, aber um das Gesetz nicht zu brechen, taten sie alles so, wie es in der Bibel vorgeschrieben ist.

 

 

Nach dem biblischen Gesetz des Mose gilt die Frau nach der Geburt eines Knaben 40 Tage (sieben plus 33 Tage; (Leviticus 12:2–4) und nach der Geburt eines Mädchens 80 Tage (14 plus 66 Tage; (Leviticus 12:5) als unrein (Leviticus 12:1–8). Zur Zeit des Tempelkultes hatte sie nach diesen Tagen als Reinigungsopfer einem Priester ein Schaf und eine Taube zu übergeben, bei finanziellen Schwierigkeiten ersatzweise zwei Turteltauben oder andere Tauben (Leviticus 12:8)

 

Zudem wurde der erstgeborene Sohn in Erinnerung an das Passah-Fest als Eigentum Gottes angesehen (Exodus 13:2.15) und ihm im Tempel übergeben („dargestellt“), wo er durch ein Geldopfer (Numeri 18:16) ausgelöst wurde.

 

In jener Zeit kam der greise Simeon durch eine Eingebung des Heiligen Geistes in den Tempel. Er war ein gerechter und gottesfürchtiger Mann, der sein ganzes langes Leben auf die Ankunft des Erlösers Christus gewartet hatte. Simeon wusste, dass die Zeit Seiner Geburt bereits gekommen war, weil alle Prophezeiungen der Heiligen Schrift über Ihn schon erfüllt waren. Der Heilige Geist hatte Simeon versprochen, er werde so lange nicht sterben, bis er den Messias mit seinen eigenen Augen gesehen habe. Als der fromme Greis auf die Allreine Jungfrau mit dem Kind in den Armen blickte, sah er die Gnade Gottes, die sie wie eine Wolke umgab. Der Heilige Geist offenbarte ihm, dass dies der von ihm erwartete Erlöser sei. Simeon trat eilig heran und nahm mit großer Freude und Ehrfurcht das Kind in die Arme, und sprach die prophetischen Worte, im Bewusstsein, dass für ihn die Zeit gekommen war, in die Ewigkeit einzugehen: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.“

 

 

Ich hatte keinen Frieden in meinen Gedanken“, so dachte er, „als ich jeden Tag auf Dich wartete und traurig war, bis Du gekommen bist. Jetzt, da ich Dich gese- hen habe, kehrt endlich Frieden in mir ein. Meine Trauer ist nun geschwunden und ich gehe zu meinen Vorvätern mit der freudigen Kunde; ich werde sie Adam und Abraham, Mose und David, Jesaja und den anderen heiligen Vätern und Propheten verkünden. Ich bringe ihnen, die jetzt noch traurig sind, eine große Freude. Lass mich nun zu ih- nen gehen, damit sie sich freuen, dass der Erlöser in die Welt gekommen ist, und von ihrer Trauer ablassen. Entlasse mich, Deinen Diener, damit ich nach den vielen Jahren meiner Mühen Ruhe finde mit dem Erzvater Abraham. Ich habe mit meinen eigenen Augen die Erlösung gesehen, die Du den Menschen bereitet hast. Meine Augen haben das Licht gesehen, mit dem Du die heidnische Finsternis in allen Völkern vertreiben wirst, da Du ihnen die großen göttlichen Geheimnisse offenbarst.“

 

Josef und die Allreine Jungfrau wunderten sich über die Worte des alten Simeon, weil sie sahen, dass er sich an das Kind nicht wie an einen Menschen wandte, son- dern wie an den allwissenden Gott, in dessen Händen sein Schicksal lag, und der ihn aus dem Leben entlassen oder in der Welt belassen konnte.

 

Der greise Simeon segnete sie und verherrlichte die Größe der Allreinen Jungfrau, die den Gott-Menschen Jesus geboren hatte, und auch den vermeintlichen Vater, den heiligen Josef, den Diener dieses großen Geheimnisses.

 

Danach wandte er sich an die Jungfrau Maria und sagte:

 

 

Dieses Kind ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch Ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden. Fallen werden diejenigen, die nicht an Seine Worte glauben wollen, und aufgerichtet werden jene, die Seine Worte mit Liebe annehmen werden. Die Schriftgelehrten und Pharisäer, die durch Bosheit geblendet sind, werden fallen, aber ungebildete Menschen, einfache Fischer, wer- den Ihm nachfolgen. Er wird die Weisen beschämen und einfache Leute erwählen. Seinetwegen werden viele streiten, in den Völkern wird Zwiespalt herrschen: die einen werden Ihn loben, die anderen werden sagen, dass Er ein Betrüger sei. Sie werden Ihn kreuzigen, Seine Hände und Füße mit Nägeln wie mit Pfeilen durchbohren und Seine Brust mit einer Lanze. 

 

Dir selbst aber, Allreine Mutter - fuhr der heilige Greis fort -, wird ein Schwert durch die Seele dringen: es wird dies die Trauer und die furchtbare Seelenpein sein, wenn Du Deinen Sohn und Gott an das Kreuz genagelt sehen wirst, und dann weinend und mit Schmerz im Herzen den aus dieser Welt geleiten wirst, den Du jetzt schmerzlos geboren hast.“

 

Im Tempel stand auch die Prophetin Hanna. Sie war eine Witwe und sehr betagt – sie war 84 Jahre alt. Sie war nur sieben Jahre verheiratet gewesen und verbrachte ihr Leben nach dem Tod ihres Mannes in Fasten und Gebet im Tempel und diente Gott Tag und Nacht. Sie stand zu dieser Stunde im Tempel und verkündete allen Menschen, die in Jerusalem auf die Erlösung warteten, vom dargebrachten Kind. Es waren hier sehr viele Menschen versammelt, sie warteten auf den von den Propheten vorhergesagten Erlöser und freuten sich sehr, als sie erfuhren, dass Er gekommen war.

 

Quelle: Andrej Lorgus und Michail Dudko, Orthodoxes Glaubensbuch, eine Einführung in das Glaubens- und Gebetsleben der russischen Orthodoxen Kirche, Würzburg 2001, Seite 145 f.

 

 

Die Heilige Begegnung (Ἡ Ὑπαπαντὴ τοῦ Κυρίου)

  mit unserem Herrn, Gott und Erlöser Jesus Christus

 

02. Februar

 

Als die 40 Tage vorüber waren, die das Gesetz des Mose vorschrieb für die Reinigung der Mutter eines Neugeborenen (Leviticus 12:2-4), brachten die Allheilige Gottesmutter und der Heilige Joseph das göttliche Kind nach Jerusalem, um Es im Tempel dem Herrn dar zubringen, denn jeder erstgeborene Knabe gehörte von Gesetzes wegen dem Herrn (Exodus 13: 15) und musste im Tempel ausgelöst werden gegen ein einjähriges Lamm oder, im Fall armer Familien, gegen zwei Turteltauben oder zwei Tauben (Leviticus 12:8). Der Herr des Himmels und der Erde, Der Seinem Volk Israel das Gesetz gegeben hatte und Der nicht kam, um das Gesetz aufzuheben, sondern um es zu erfüllen (Matthäus 5:17), heilte die durch den Ungehorsam sterblich gewordene menschliche Natur, die Er angenommen hatte, vom ersten Augenblick Seiner Inkarnation, indem Er sich gehorsam allen Vorschriften des Gesetzes unterwarf. Quelle allen Reichtums und aller Gnade, machte Er sich zum Niedrigsten und Ärmsten aller. Er gehorchte dem Gesetz, das Er uns Menschen gegeben hat und das wir unablässig übertreten, um uns zu zeigen, dass der Gehorsam der Weg zur Versöhnung mit Gott ist. Nachdem Er sich am achten Tag der Beschneidung unterzogen hatte, wartete Er in der Höhle von Bethlehem noch den Ablauf der gesetzmäßigen Frist der Reinigung ab – obwohl weder Er selbst noch Seine allreine Mutter der Reinigung bedurften –, um im Tempel Seiner Herrlichkeit den Leib darzubringen, den Er annahm als neuen und vollkommenen Tempel Seiner Göttlichkeit. Der unzugängliche und unbegreifliche Gott ließ Sich Selbst auslösen gegen die Gabe der Armen: zwei Tauben, Sinnbild der Reinheit, des Friedens und der Arglosigkeit, die uns der Erlöser und Menschenfreund mit Seinem Kommen gebracht hat. 

 

Im Tempel wurden sie empfangen vom Hohepriester Zacharias, dem Vater des Hl. Johannes des Vorläufers und Täufers, der die Gottesmutter auf überraschende Weise in jenen Teil des Tempels stellte, der den Jungfrauen vorbehalten war.  Die Einzelheiten über diesen Empfang fehlen in den Evangelien und wurden in den Synaxarien aus der apokryphen Tradition, meist dem "Protoevangelium des Jakobus" übernommen. Im selben Augenblick betrat ein Greis namens Symeon den Tempel. Er war gerecht und fromm und hielt alle Gebote Gottes mit Sorgfalt ein. Seit vielen Jahren wartete er auf die Erfüllung einer Verheißung, die ihm der Heilige Geist gemacht hatte und wonach er nicht sterben werde, bevor er den Messias, den Herrn Jesus Christus, mit seinen Händen berührt habe. Dieser Greis, der die Erwartung des ganzen Volkes Israel verkörperte, streckte voller Sehnsucht empfangen. Als er Ihn so auf seinen Händen trug, pries er Gott und sagte: Nun lass gehen Deinen Knecht, o Meister, gemäß Deinem Wort in Frieden, denn meine Augen schauten Dein Heil, das Du bereitet hast vor allen Völkern, Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Ruhm Deines Volkes Israel (Lk 2,29). Mit diesem Gebet des Hl. Symeon bitten der erste Bund und das alte Gesetz selbst, hinfällig geworden durch die Ankunft Christi, sich zurückziehen zu dürfen vor dem Licht der Gnade. Als der Greis den Erlöser erblickte und berührte, Dessen Ankunft die Propheten und die Gerechten seit so manchen Generationen angekündigt und vorbereitet hatten, konnte er Gott in aller Zuversicht darum bitten, ihn nunmehr von den Fesseln des Fleisches und der Verderbnis zu befreien und so den Platz zu räumen für die ewige Jugend der Kirche. Damit verkündete er feierlich das Ende der Sinnbilder und zugleich die letzte Prophetie bezüglich des Erlösers, indem er Seiner Mutter voraussagte, dass Seine Passion und Seine lebenspendende Auferstehung ein Zeichen des Widerspruchs sein werden, das die Gottlosen zu Fall bringen, jene aber, die an Ihn glauben, zum Heil aufstehen lassen wird. Im Tempel befand sich zu jener Stunde auch eine hochbetagte Frau namens Anna vom Stamm Ascher. Nach siebenjähriger Ehe war sie verwitwet und diente seither Gott mit ununterbrochenem Fasten und Gebet, in Erwartung der Ankunft des Messias. Auch sie trat heran zu dem göttlichen Kind, lobte Gott und verkündete allen die Erlösung Israels.

 

 

Als die Pharisäer alle diese Prophezeiungen vernahmen und voller Zorn sahen, wie der Hohepriester die Gottesmutter unter die Jungfrauen stellte, gingen sie zu König Herodes und berichteten ihm alles. Dieser begriff, dass jenes Kind der neue König war, von dem die Magier aus dem Osten gesprochen hatten, und sandte sogleich Soldaten aus, um es zu töten. Doch vom Engel Gottes rechtzeitig gewarnt, verließen Joseph und Maria das Land und flohen nach Ägypten. Erst zwei Jahre später kehrten sie auf Weisung des Engels wieder zurück nach Nazareth. Der göttliche Knabe aber wuchs heran in Frieden, in Erwartung der vorgesehenen Zeit Seines öffentlichen Wirkens.

 

Nach einer alten Tradition soll der heilige Greis Symeon einer der 70 weisen Hebräer gewesen sein, die vom Ptolemäer-Herrscher Philadelphos (285-246 vor Christus) in Alexandria beauftragt wurden, die hebräische Bibel ins Griechische zu übersetzen. Symeon fiel die Übersetzung des Buches des Propheten Isaias zu, und als er zur berühmten Stelle kam, wo der Prophet die jungfräuliche Geburt Christi voraussagt (Siehe, die Jungfrau trägt in ihrem Schoss, sie wird einen Sohn gebären und ihn benennen mit dem Namen Emmanuel, Isaias 7:14), wurde er ganz verlegen und nahm das Federmesser, um das Wort „Jungfrau“ wegzuschaben und es zu ersetzen durch „junge Frau“. Doch in diesem Augenblick erschien ihm ein Engel des Herrn und hinderte ihn daran, den heiligen Text zu verändern, indem er ihm erklärte, dass das, was ihm unmöglich erscheine, in Wirklichkeit eine Prophetie sei über die Inkarnation des Sohnes Gottes. Um diese Worte zu bekräftigen, verhieß der Engel dem Heiligen Symeon, dass er nicht sterben werde, bis er den aus der Jungfrau geborenen Messias mit seinen eigenen Augen gesehen und mit seinen Händen berührt habe.

 

Diese Tradition hat aber eher symbolischen als historischen Wert, setzt sie doch voraus, dass Symeon fast 270 Jahre alt war, als er Christus im Tempel begegnete. Wir führen sie trotzdem an, weil sie auf bildhafte Weise die orthodoxe Interpretation der Weissagung des Isaias ausdrückt, welche von der rationalistischen Kritik so sehr entstellt worden ist.

 

Als Christus nach langen Jahren von der Allheiligen Gottesmutter in den Tempel von Jerusalem gebracht wurde, enthüllte der Heilige Geist dem Greis, dass die Zeit der Erfüllung jener Verheißung gekommen sei. Symeon eilte in den Tempel, nahm das göttliche Kind in seine Hände und sagte: Nun läßt Du, o HERR, Deinen Diener in Frieden scheiden nach Deiner Wort (Lukas 2:29). Wenige Tage später entschlief er.

 

Die Prophetin Anna, Tochter Phanuels, war das Vorbild aller heiligen Witwen, Jungfrauen und Mönche, die sich lösen von den Dingen dieser Welt, um ständig im Tempel des Herrn zu weilen, bis sie mit den Augen ihres Herzens den Herrn schauen, der in ihnen Wohnung genommen hat, und Ihn berühren mit ihren geistigen Sinnen, sodass sie ihrerseits freudig verkünden können, dass der Erlöser nicht aufhört, in diese Welt zu kommen, als Licht zur Erleuchtung der Heiden und Ruhm Seines Volkes Israel (Lk 2,32).

 

Durch die Gebete Deiner Heiligen, Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser. Amen. 

 

Quelle: Das Synaxarion, die Leben der Heiligen der Orthodoxen Kirche, Band 1, September – Februar,

Kloster des Hl. Johannes des Vorläufers, Chania, Kreta:

 

 

Fest der Begegnung unseres Herrn

 

Eine Einführung von Erzpriester Alexius v. Maltzev

 

Dieses Fest erinnert an die Darstellung des Herrn Jesus im Tempel durch Seine Mutter Maria nach Erfüllung der Tage der Reinigung zu der von Mose gebotenen Auslösung, die in 5 Sekalen, für Arme aber in 2 Tauben bestand. Die heilige Jungfrau, obwohl sie der Reinigung nicht bedurfte, erschien dennoch im Tempel, um Alles nach dem Gesetze zu erfüllen. Im Tempel ward das Kind von dem Greise Simeon empfangen, der auf Antrieb des hl. Geistes in den Tempel kam, um den Herrn zu sehen und von der beim Tempel wohnenden 84-jährigen Greisin Anna, die Prophetin genannt wurde, weil sie den Erlöser verkündigt hatte (Lukas 2:36-38). Das Fest wird deshalb am 2. Februar gefeiert, weil dieser Tag der 40. nach dem 25. Dezember ist. Die Entstehung des Feiertages reicht in das tiefe Alterthum zurück, in dem schon Väter des dritten und vierten Jahrhundert desselben erwähnen, obwohl das Fest in der Occidentalischen und Orientalischen Kirche nicht zu derselben Zeit und auch aus verschiedener Veranlassung eingeführt wurde. Von den occidentalischen Schriftstellern schreiben Einige die Gründung der Feier (Litaniae) dem Papste Gelasius (496), Andere dem Papste Gregor dem Großen (600) zu, und meinen, dass diese Päpste dabei die Absicht hatten, das heidnische Fest der Luperkalien zu verdrängen, welches in den Februar fiel und zu ihrer Zeit noch eifrig gefeiert wurde. In der Orientalischen Kirche geht der Beginn der Feier dieses Festes auf die Zeit Justinians (541–542) zurück. Gegen Ende des Jahres 541 trat in Konstantinopel und dessen Umgegend eine starke Pest auf, welche drei Monate währte und einige Tausend Menschen dahinraffte. Zu diesem Übel trat bald ein neues hinzu, nämlich ein Erdbeben, durch welches viele Gebäude zerstört und Menschen verschüttet wurden. In diesem Unglück wurde am Tage des Empfanges des Herrn ein allgemeiner Bittgottesdienst (Litia) vollzogen; zur dankbaren Erinnerung an das Aufhören des Unglücks hat die Kirche an diesem Tage in den Klöstern die Vollziehung einer Litia vor der Liturgie außerhalb des Tempels angeordnet.

 

 

 

Hochfest der Begegnung des Herrn

 

02. Februar

 

 

Die Begegnung unseres Herrn Jesus Christus mit dem greisen Symeon ist das dritte Hochfest der Feier der Menschwerdung und Erscheinung des Gottessohnes. Es schließt den weihnachtlichen Festzyklus ab.

 

In Konstantinopel wurde es im Jahre 542 durch Kaiser Justinian eingeführt und unter die Feste des Herrn eingereiht. Liturgisch aber hat es die Kennzeichen eines Festes der allheiligen Gottesgebärerin. In der orthodoxen Kirche ist das Fest der Begegnung deshalb ein Herrenfest und kein Fest der Gottesgebärerin wie das die gleiche Evangelien-Perikope feiernde Fest Mariae-Lichtmess in der katholischen Kirche.

 

Die Begegnung des Herrn mit dem greisen Simeon, und Anna, der alten Prophetin, ist zugleich ein Symbol für die Begegnung des in Christus geschenkten Heiles mit den vorausgehenden Verheißungen des alttestamentlichen Bundes. Denn in der Begegnung mit dem fleischgewordenen Logos, dem menschgewordenen Sohn Gottes empfängt die durch die Sünde gealterte menschliche Natur das neue, aus Christus hervorgehende und durch die Sakramente seiner Kirche gespendete Leben. In dieser Begegnung wird der menschlichen Natur Erneuerung, Heilung und Vergöttlichung zuteil.

 

Die Feier des Festes der Begegnung ist für die Kirche von Jerusalem durch die gallo-römische Pilgerin Aetheria um die Wende vom vierten zum fünften Jahrhundert bezeugt und hat sich von dort aus in die ganze christliche Ökumene verbreitet.

 

Troparion im 1. Ton: Freue Dich, gnadenerfüllte, jungfräuliche Gottesgebärerin! * Denn aus Dir ist aufgegangen die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, unser Gott. * Er erleuchtet, die da wandeln in Finsternis. * Frohlocke auch Du, gerechter Greis, * der du auf den Armen trägst den Befreier unserer Seelen, * der uns auch die Auferstehung schenkt.

 

Kondakion im 1. Ton: Durch Deine Geburt hast Du den jungfräulichen Schoß geheiligt, * und wie sich es geziemet, hast Du die Hände des Simeon gesegnet, Christus, unser Gott, * Du hast auch uns jetzt errettet. * Gib Frieden uns, dämme ein den Krieg der Völker. * Stärke uns, der Du uns liebst, * einzig Menschenliebender!

  

 

Aus den Texten der kleinen Vesper:

 

Das unumschreibbare und immerseiende Wort, * das von den himmlischen Thronen mit Herrlichkeit getragen wird, * nimmt Symeon in die Arme und ruft laut: * Nun entlass mich nach Deinem Wort, Retter, * der Gläubigen Rettung und Wonne.

 

Als kleines Kind sah ich Dich, * das urewige Wort vom Vater gezeugt, * rief laut der wunderbare Symeon, * und ich bin erschrocken und furchte mich * mit meinen Händen Dich zu umarmen, Gebieter; * aber ich ersuche Dich: Entlasse nun, * als Barmherziger, Deinen Knecht in Frieden. 

 

Nun soll die himmlische Pforte geöffnet werden, * der vom Vater ohne Samen gezeugte Gott, das Wort, * wurde von der Jungfrau geboren * und nahm menschliches Fleisch an, * weil Er als Guter die Natur erneuern * und zur Rechten des Vater setzen wollte. 

 

Heute kommt in das Heiligtum * die geheiligte und höher als das Heiligtum seiende Mutter, und zeigte der Welt den Gesetzgeber und den Schöpfer des Gesetzes. * Ihn nimmt der Greis Symeon in die Arme * und ruft sich freuend: Nun entlässt Du Deinen Knecht, * denn ich habe Dich gesehen, den Erretter unserer Seelen.

 

Zusammengestellt von Thomas Zmija v. Gojan

 

 

Die heilige Begegnung mit unserem Herrn,

Gott und Erlöser Jesus Christus (Hypapante) 

 

Als die 40 Tage vorüber waren, die das Gesetz des Mose vorschrieb für die Reinigung der Mutter eines Neugeborenen (Leviticus 12:2-4), brachten die Allheilige Gottesgebärerin und der heilige Joseph das göttliche Kind nach Jerusalem, um es im Tempel dem Herrn darzubringen, denn jeder erstgeborene Knabe gehörte von Gesetzes wegen dem Herrn (Exodus 13:15) und musste im Tempel ausgelöst werden gegen ein einjähriges Lamm oder, im Fall armer Familien, gegen zwei Turteltauben oder zwei Tauben (Leviticus 12:8). 

 

Der Herr des Himmels und der Erde, der Seinem Volk Israel das Gesetz gegeben hatte und der nicht kam, um das Gesetz aufzuheben, sondern um es zu erfüllen (Matthäus 5:17), heilte die durch den Ungehorsam sterblich gewordene menschliche Natur, die Er angenommen hatte, vom ersten Augenblick Seiner Inkarnation an, indem Er sich gehorsam allen Vorschriften des Gesetzes unterwarf. Quelle allen Reichtums und aller Gnade, machte Er sich zum Niedrigsten und Ärmsten aller. Er gehorchte dem Gesetz, das Er uns Menschen gegeben hat und das wir unablässig übertreten, um uns zu zeigen, dass der Gehorsam der Weg zur Versöhnung mit Gott ist. Nachdem Er sich am achten Tag der Beschneidung unterzogen hatte, wartete Er in der Höhle von Bethlehem noch den Ablauf der gesetzmäßigen Frist der Reinigung ab, obwohl weder Er selbst noch Seine allreine Mutter der Reinigung bedurften, um im Tempel Seiner Herrlichkeit den Leib darzubringen, den Er annahm als neuen und vollkommenen Tempel Seiner Göttlichkeit. Der unzugängliche und unbegreifliche Gott lies Sich Selbst auslösen gegen die Gabe der Armen: zwei Tauben, Sinnbild der Reinheit, des Friedens und der Arglosigkeit, die uns der Erlöser und Menschenfreund mit Seinem Kommen gebracht hat. 

 

Im Tempel wurden sie empfangen vom Hohenpriester Zacharias, dem Vater des heiligen Johannes des Vorläufers und Täufers, der die allheilige Gottesgebärerin auf überraschende Weise in jenen Teil des Tempels stellte, der den Jungfrauen vorbehalten war. Im selben Augenblick betrat ein Greis namens Symeon den Tempel. Er war gerecht und fromm und hielt alle Gebote Gottes mit Sorgfalt ein. Seit vielen Jahren wartete er auf die Erfüllung einer Verheißung, die ihm der Heilige Geist gemacht hatte und wonach er nicht sterben werde, bevor er den Messias, den Herrn Jesus Christus, mit seinen Händen berührt habe. Dieser Greis, der die Erwartung des ganzen Volkes Israel verkörperte, streckte voller Sehnsucht seine Hände aus, um auf ihnen wie auf einem cherubinischen Thron den Erlöser zu empfangen. Als er Ihn so auf seinen Händen trug, pries er Gott und sagte:  Nun lass gehen Deinen Knecht, o Gebieter, gemäß Deinem Wort in Frieden, denn meine Augen schauten Dein Heil, das Du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Ruhm Deines Volkes Israel (Lukas 2:29).  Mit diesem Gebet des heiligen Symeon bitten der erste Bund und das alte Gesetz selbst, hinfällig geworden durch die Ankunft Christi, sich zurückziehen zu dürfen vor dem Licht der Gnade. Als der Greis den Erlöser erblickte und berührte, dessen Ankunft die Propheten und die Gerechten seit so vielen Generationen angekündigt und vorherverkündet hatten, konnte er Gott in aller Zuversicht darum bitten, ihn nunmehr von den Fesseln des Fleisches und der Verderbnis zu befreien und so den Platz zu räumen für die ewige Jugend der Kirche. Damit verkündete er feierlich das Ende der Sinnbilder und zugleich die letzte Prophetie bezüglich des Erlösers, indem er Seiner Mutter voraussagte, dass Seine Passion und Seine lebenspendende Auferstehung ein Zeichen des Widerspruchs sein werden, das die Gottlosen zu Fall bringen, jene aber, die an Ihn glauben, zum Heil auferstehen lassen wird. Im Tempel befand sich zu jener Stunde auch eine hochbetagte Frau namens Hanna vom Stamm Ascher. Nach siebenjähriger Ehe war sie verwitwet und diente seither Gott mit ununterbrochenem Fasten und Gebet, in Erwartung der Ankunft des Christus. Auch sie trat heran zu dem göttlichen Kind, lobte Gott und verkündete allen die Erlösung Israels. Als die Pharisäer alle diese Prophezeiungen vernahmen und voller Zorn sahen, wie der Hohepriester die Gottesmutter unter die Jungfrauen stellte, gingen sie zu König Herodes und berichteten ihm alles. Dieser begriff, dass jenes Kind der neue König war, von dem die Magier aus dem Morgenland gesprochen hatten und er sandte sogleich Soldaten aus, um es zu töten. Doch vom Engel Gottes rechtzeitig gewarnt, verließen Joseph und Maria das Land Judäa und flohen nach Ägypten. Erst 2 Jahre später kehrten sie auf Weisung des Engels wieder ins heilige Land zurück und ließen sich in Nazareth in Galiläa nieder. Der göttliche Knabe aber wuchs heran in Frieden und in Erwartung der vorgesehenen Zeit Seines öffentlichen Wirkens.

 

Durch die Gebete Deiner Heiligen, Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser. Amen. 

 

 

Anmerkung: Viele Einzelheiten aus dem Fest der Begegnung des Herrn fehlen in den heiligen Evangelien. Sie wurden in den Synaxarien aus den Texten der apokryphen Tradition übernommen. 

 

Quelle: Das Synaxarion, das Leben der Heiligen der Orthodoxen Kirche,

Band 1, September bis Februar,

Kloster des Hl. Johannes des Vorläufers, Chania, Kreta, Griechenland. 

 

 

Sich des Segens Gottes immer wieder neu bewußt werden

Ein Einführungs-Referat gehalten im Rahmen eines theologischen Gesprächskreises in Würzburg

am Fest der Darstellung des Herrn im Tempel (Maria Lichtmess)

Thomas Zmija v. Gojan

O Herr Jesus Christus, Du Wahres Licht, das jeden Menschen, der in die Welt kommt, erleuchtet...", mit diesem Worten beginnt im Buch für die Andachten und Segensgottesdienste (slawisch Trebnik, griechisch Euchologion) das Gebet, mit dem der Priester am Fest der „Begegnung des Herrn" im Anschluss an die Feier der Göttlichen Liturgie die Kerzen, die für den kirchlichen Gebrauch des kommenden Jahres benötigt werden, weiht.

Zum besseren Verständnis, wie wir dieses Festes heute begehen, müssen wir wissen, dass dieses Fest seit dem frühen 5. Jahrhundert zuerst in Jerusalem und von dort ausgehend dann in den übrigen Patriarchaten des Ostens gefeiert wurde. Seit der Mitte des 7. Jahrhunderts ist es dann auch für Rom und die westliche Hälfte der orthodoxen Kirche bezeugt. Hier wurde das Fest auch weiter ausgestaltet. So kamen ab dem 7. Jahrhundert in Rom eine Lichterprozessionen und die Kerzenweihe hinzu. Die Weihe der Kerzen wurde später dann wiederum auch im Osten der damals noch geeinten orthodoxen Kirche übernommen. Deshalb lassen sich heute eine Jerusalemer und eine römische Ursprungskomponente der mit diesem Fest verbundenen kirchlichen Traditionen feststellen.

Nach dem Bericht der gallo-römischen Pilgerin Atheria (381-384) wurde in Jerusalem der 40. Tag nach dem Fest der Taufe Christi (Theophanie) mit der Feier der Göttlichen Liturgie und daran anschließend einer festlichen Lichterprozession begangen. Um die Mitte des fünften Jahrhunderts wird dieser Tag dann bereits als „Fest der Begegnung" (Υπαπαντή "Hypante" = Begegnung). Es handelte sich um die Begegnung des Christusknaben im Tempel von Jerusalem mit dem heiligen Propheten Symeon (Lukas 2: 25-27) und der heiligen Prophetin Hanna (Lukas 2: 36-38). In dem uns im Lukasevangelium berichteten Geschehen liegt die tiefe heilsgeschichliche Symbolik der Begegnung zwischen dem im Alten Testament verheißenen und jetzt menschgewordenen Christus (hebräisch משיח "Maschiach", aramäisch "Meschiah", in griechischer Transkription Μεσσίας "Messias", ins Griechische übersetzt Χριστός "Christus") und dem altttestamentlichen Gottesvolk Volk Israel, deren Repräsentanten die heiligen Propheten Symeon und Hanna sind. Zugleich läßt diese Begegnung bereits erkennen, wie sich das Heilsangebot Gottes in der Menschwerdung Seines Sohnes über die Grenzen des alttestamentarischen Gottesvolk hinaus zu allen Nationen hin öffnet. Denn der Menschgewordene Sohn Gottes Jesus Christus wird im Hymnus des heiligen Propheten Symeon gepriesen als „Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Verherrlichung Seines Volkes Israel" (Lukas 2: 32).

In Rom und von hier ausgehend im abendländischen Patriarchat ist das Fest der "Darstellung des Herrn am 2. Februar bereits in der Mitte des 5. Jahrhunderts bekannt. Unter dem Kaiser Justinian (527-565) wird das Begegnungsfest dann auch offiziell in den römisch-abendländischen Festkalender übernommen. Die kirchlichen Zeugnisse erwähnen auch eine feierliche Lichterprozession, die eine alte heidnische Sühneprozession verdrängen sollte, welche alle fünf Jahre als Stadtumgang zur Abwehr drohenden Unheils (Amburbale; ambitus urbis = Umgang um die Stadt) am Anfang des Monats Februar gehalten wurde. An diesen Bußcharakter erinnerte die vor der Liturgiereform in der römisch-katholischen Kirche vorgeschriebene violette Farbe der Prozessionsgewänder. Heute aber trägt der Priester die Festfarbe weiß.

Eine Segnung der von den Gläubigen mitgebrachten Kerzen im Zusammenhang mit der Prozession wurde noch vor der Jahrtausendwende eingeführt. Bereits die antiken Menschen empfanden das Licht als ein himmlisches Geschenk. Die christliche Kirche sieht im Licht ein Symbol für die segnende Anwesenheit Gottes, Der das Licht am ersten Tag Seines Schöpfungswerkes erschuf und am Ende der Sintflut Seinen Bund mit dem heiligen Propheten Noe durch das Licht des Regenbogens bekräftigt hat.

In der Feier der Heiligen Liturgie symbolisiert das Licht der Kerzen zum einen das unstoffliche Feuer und damit das Wirken der Ungeschaffenen Energien des Heiligen Geistes (vgl.: Symeon der Neue Theologie; Kommentar über die Göttliche Liturgie 161-162), zum anderen ist das Licht (vgl.: Apakalypse 21 : 23), ein Symbol für die Gegenwart Christi in Seiner Kirche. Davon legt auch der orthodoxe Vesperhymnus "Freundliches Licht", der seit Beginn des 2. Jahrhunderts als ein Hymnus christlicher Märtyrer bekannt ist, Zeugnis ab. Diese christliche Lichtsymbolik aufnehmend werden noch heute am Ende der Festliturgie die Kerzen für dem kirchlichen Bedarf und für den der Haushalte der einzelnen Gläubigen für das gesamte kommende Jahr geweiht. Im Bewusstsein der gläubigen Christen schreibt man seit Jahrhunderten den gesegneten Kerzen eine besonders hohe Schutz- und Segenskraft zu, denn das orthodoxe Fest der "Begegnung des Herrn" betont in seinen Gesängen und Hymnen in besonderer Weise den Aspekt der Begegnung des Erlösers mit den Frommen Seines Volkes.

Die Weihe der Kerzen und die die Lichterprozession im Abendland schon früh mit dem sogenannten „Blasiussegen“ verbunden. Dieser Segen knüpft an den heiligen  Arzt Blasius an, welcher zur Zeit Kaiser Diokletians (284-305) Bischof von Sebaste in Armenien (Sivas im heutigen Nordosten der Türkei) war und während der Christenverfolgungen den Martertod erlitt. 

Sein Fest wird in der abendländischen Tradition am 03. Februar, also zu Beginn des Nachfestes der Begegnung des Herrn, in unserer orthodoxen Kirche aber am 11. Februar begangen. Die Vita des Heiligen berichtet uns, wie sich der Heilige Blasius während der Christenverfolgung in einer Felshöhle verbarg. Dort besuchten ihn dann die Tiere des Waldes und ließen sich von ihm segnen und heilen. Nachdem ihn dort die Häscher des Stadtpräfekten Agrikolaos aufspürten und verhaften hatten, wurde er in Gefängnis gebracht. Auf dem Weg dorthin bewahrte er einen Jungen vor dem Erstickungstod an einer Fischgräte. Einem Wolf, der das letzte Schwein einer armen Frau gerissen hatte, gebot er, es zurückzubringen. Zum Dank dafür brachte die Frau ihm daraufhin Früchten und einer Kerze in den Kerker. Der heilige Blasius segnete diese Gaben und versprach die alljährliche Erneuerung dieses Kerzenopfers mit seinem Segen zu begleiten.

Nach Deutschland kamen erstmals Reliquien des Heiligen Martyrerbischofs Blasius im 12. Jahrhundert, als Herzog Heinrich der Löwe (1129-1195) ein Armreliquiar des Heiligen Blasius aus Konstantinopel nach Braunschweig mitbrachte, wo er zum seinen Ehren die Domkirche errichten ließ. Weitere wichtige Orte seiner Verehrung in Deutschland sind Sankt Blasien im Schwarzwald, Vierzehnheiligen in Franken, Mainz und Trier.

Der Blasius-Segen ist in der lateinisch-abendländischen Kirche seit dem 7.Jahrhundert bekannt. Seit dem 16. Jahrhundert wird er mit zwei gekreuzten Kerzen erteilt. Auch wenn der Blasius-Segen nicht zu unserer eigenen orthodoxen Tradition gehört, so ist uns doch mit unseren katholischen (und alt-orientalischen) Mitchristen der Glaube an die segensspendende Kraft des Weihwassers und anderer geweihter heiliger Dinge, die wir dann unter Gebet und im Vertrauen auf die Gnade und den Segen Gottes gebrauchen, gemeinsam. Und wenn unsere evangelischen Mitchristen nicht an die Gottes Segen vermittelnde Kraft geheiligter und geweihter Dinge glauben wollen oder vielleicht auch nicht können, so verbindet uns doch auch mit Ihnen die gemeinsame Erfahrung der helfenden Kraft des füreinander gesprochenen Segens und Gebetes.

In unserer heutigen Zeit mit ihrem all zu sehr auf das diesseitige irdische Leben hinorientierten Wirklichkeitsverständnis stellt sich in Bezug auf die seelische und leibliche Fürsorge an den (schwer) Erkrankten - und das nicht nur vor dem medizintechnischen Betrieb eines modernen durchorganisierten Krankenhausbetriebes - die berechtigte Frage nach dem christlich- orthodoxen Verständnis vom rechten Verhältnis aus ärztlichem Handeln, dem Umfang und Grenzen medikamentöser und medizintechnischer Behandlungsmöglichkeiten, dem Empfang der allheiligen Mysterien (Sakramente), der Bedeutung von Fürbitte, Gebet und Segen und letztendlich auch der Bewußtmachung und Bewußtwerdung von heutzutage oft ausgeblendeten oder gar schlichtweg geleugneten Komponenten menschlichen Lebens: Krankheit Leid, Schmerz und Tod. 

Als orthodoxe Christen wissen wir durchaus, dass der heute Dank Gottes Hilfe erreichte medizinische Fortschritt eine Segen Gottes ist, da die Erhörung der jahrhundertelangen Gebete der frommen Christgläubigen darstellt. Können wir nun im Umkehrschluss auf Segen und Gebet, auf den Empfang der heiligen Mysterien, auf den Gebrauch der geheiligten und geweihten Dinge heutzutage einfach verzichten?

In diesem Zusammenhang durfte ich vor einiger Zeit ein interessantes Gespräch mit einen frommen orthodoxen Christen, der als Arzt und Pharmazeut in der wissenschaftlichen Forschung an Medikamenten tätig ist, führen. Im Rahmen unseres Gespräches meinte mein Gesprächspartner, dass die medizinische und pharmakologische Wissenschaft am Ende gar nicht so genau, das heißt, experimentell exakt feststellbar "weiss" und damit festmachen kann, wie sich im Einzelnen die Heilung eines Erkrankten wirklich vollzieht. Zwar gehen auch wir Christen heutzutage selbstverständlich zum Arzt oder in die Apotheke, wenn wir uns krank fühlen. Doch dieser Naturwissenschaftler faßte seine christliche und wissenschaftliche Erfahrung darin zusammen als er sagte: „Der Mediziner und der Pharmakologe vermögen hier durchaus zu helfen. Doch die Heilung ist auch heutzutage immer noch, bei allem erreichten medizinisch-wissenschaftlichen Fortschritt - für den wir dankbar sein dürfen - ein Geschenk und eine Gabe Gottes.

Gerade in schwerer Krankheit, in Leid- und Notsituationen erfahren wir Menschen die Zerbrechlichkeit unserer gesamten innerweltlichen Sicherheiten und überheblich vorausgesetzten Selbstverständlichkeiten, auf deren brüchigem Fundament heute die Lebensgestaltung und Lebensplanung all zu vieler Menschen aufgebaut sind. Aber gerade in Krankheit, Leid und schwierigen Lebenssituationen können und dürfen wir erfahren - und uns dann auch wieder erneut bewusst machen - dass wir Menschen auf die Hilfe und den Segen Gottes in  unserem Leben existentiell angewiesen sind. Wir sind weder ein Produkt des Zufalls, noch sind wir alleingelassen auf dieser Welt, sondern wir sind durch die Menschwerdung unseren Herrn und Gott und Erlöser Jesus Christus berufen in die Gemeinschaft der geliebten Kinder Gottes (= die Heilige Kirche), zu einem Leben in der Gemeinschaft mit IHM. 

 

Der heilige Ansgar, Apostel des Nordens,

Erleuchter Dänemarks und Schwedens

 

03. Februar

 

Der Name Ansgar oder Oskar bedeutet "Speer Gottes". Es ist gleichsam eine Vordeutung für das, was dieser Mann wurde, nämlich "Apostel des Nordens". Er wurde aber nicht, wie er es sich so heiß gewünscht hatte, zum Blutzeugen. Dennoch kann er als Märtyrergleicher gelten durch das Zeugnis seines schweren Lebens; denn er nahm sein Kreuz willig auf sich und folgte Christus nach. Das Leben der heiligen Ansgars ist uns durch seinen Schüler und Nachfolger, den Mönch Rimbert, getreulich übermittelt worden. Im Folgenden zitieren wir aus seiner Vita Ansgarii:

 

Der heilige Ansgar wurde im Jahre 801 geboren. Monat und Geburtsort kennt man nicht. Über seine Herkunft ist fast nichts bekannt. Mit fünf Jahren verlor er seine fromme Mutter, wenig später brachte sein Vater ihn zur Ausbildung in die nordfranzösische Benediktinnerabtei Corbie. Hier wuchs er mit einer Schar junger Sachsen auf. Der lebhafte, sehr beeindruckbare Knabe hatte zwei Erlebnisse in frühester Jugend, die ihm seinen späteren Weg wiesen. Er hatte ganz wie andere Jungen Umgang mit seinen Altersgenossen und beschäftigte sich in kindlicher Sorglosigkeit gern mit Spielen und Streichen, so steht in seiner Biographie zu lesen. Da hatte er nachts eine Traumerscheinung, die ihn so sehr beunruhigte, dass er sich von Grund auf wandelte. Einige Zeit später, als sein religiöser Eifer wieder nachließ, „erschütterte und erschreckte ihn aufs tiefste der Tod des fränkischen Kaisers Karl der Große (Januar 814). Er hatte ihn selbst in all seiner Machtfülle gesehen“. Der Kaiser pflegte nämlich auf seinen Reisen mehrmals in Corbie zu residieren. Wahrscheinlich hatte der heilige Ansgar als junger Mönch von dem mächtigen Kaiser nachhaltige Eindrücke empfangen. So wurde sein Tod für ihn zum Menetekel... "er ging in sich... sagte allem Leichtsinn ab... wandte sich dem Dienst des Herrn zu und mühte sich in Gebet, Nachtwachen und Enthaltsamkeit. In diesem unablässigen Ernst starb die Welt ihm ab und er der Welt".

 

Nach der Gründung von Neucorbie - Korvey an der Weser - im Jahre 822 wurde Ansgar dorthin versetzt. Er war hier ebenfalls als Lehrer tätig wie schon im Mutterkloster und empfing jetzt die Priesterweihe. Als König Harald von Dänemark, der sich mit Frau, Sohn und Gefolge feierlich in der Albanskirche in Mainz hatte taufen lassen, den neuen Kaiser Ludwig den Frommen um einen Missionar für sein Volk bat, schlug der Abt von Korvey Ansgar vor. Der heilige Ansgar, "der vieles für den Namen des Herrn zu leiden wünschte", folgte ohne Zaudern dem Ruf, was keineswegs so selbstverständlich war, wie man annimmt. Denn, wie Rimbert schreibt: "es galt damals für abscheulich und unrecht, jemanden gegen seinen Willen zu einem Leben unter Heiden zu zwingen..." Und von da an kannte der Heilige sein ganzes Leben lang keinen anderen Beruf, als Apostel zu sein. Der neue Missionar zog nach Dänemark, musste aber schon bald mit dem König zusammen auf Reichsgebiet ausweichen, weil die wilden Dänen keinen Sinn für die Botschaft des Friedens hatten. 829 baten die Schweden den Kaiser um Missionare und wiederum wurde Ansgar ausgewählt. Das Schiff fiel in die Hände von Seeräubern und der heilige Ansgar erreichte mit dem einzigen ihn begleitenden Klosterbruder die Stadt Birka völlig mittellos und ausgeplündert - alle Geschenke für den König sowie die mitgeführten Bücher waren verloren gegangen. Wiederum war der Erfolg seiner anderthalb Jahre dauernden Tätigkeit äußerst gering. Nur wenige hatten sich taufen lassen. Immerhin hatte er eine kleine christliche Gemeinde bilden können. 831 reiste Ansgar zum fränkischen Kaiser und erstattete ihm Bericht. Ludwig der Fromme führte nun den alten Plan seines Vaters aus, für die Missionierung der nördlichen Völker in Hamburg ein eigenes Bistum zu gründen. Der heilige Ansgar baute in der Hammaburg, am Ort der späteren Stadt Hamburg, eine Domkirche, ein daran anschließendes Kloster, das er mit Mönchen aus Korvey besetzen ließ, und gründete eine Schule, in der er losgekaufte, junge Dänen zu Missionaren ausbilden ließ. Auch in Turholt gründete er eine Missionarsschule, aus der sein Schüler und Biograph Rimbert hervorging. Aber schwere Rückschläge trafen sein Werk: Die Normannen fielen plündernd und brennend in Hamburg ein, das sie 845 gänzlich zerstörten. Turholt ging durch die Reichsteilung an Karl den Kahlen, und damit verlor der Heilige die Einkünfte, aus denen er seine Missionsarbeit hauptsächlich bestritten hatte. Hunger und Elend vertrieben viele Brüder, der Erzbischof irrte obdachlos umher, bis 864 Hamburg mit Bremen zu einer Diözese vereinigt wurde und der heilige Ansgar als ihr Oberhirte von neuem mit seiner Arbeit beginnen konnte. Es blieb ihm indessen nur noch wenig Zeit. Eine lange, schwere Krankheit schwächte seine Kräfte. Am Feste der Erscheinung im Jahre 865 fühlte er seinen Tod nahen, bereitete sich aufs sorgfältigste vor, ordnete alle Angelegenheiten der ihm anvertrauten Herde, erbat vom Kaiser in einem Schreiben die weitere Unterstützung und starb am Fest der Einführung der allheiligen Gottesgebärerin in den Tempel des gleichen Jahres inmitten seiner Mönche. "Es war ein einmütiges gemeinsames Trauern und Klagen; am innigsten aber beweinten ihn die Priester, Waisen, Witwen, Unmündigen und Armen." Dem Heiligen war trotz seiner Bereitschaft zum Martyrium der Verfolgung nur das verborgene Martyrium im Dienste für die Kirche zuteil geworden.

 

 

Sein Grab im Bremer Dom ist heute verschollen. Mehrere Kirchen in Norddeutschland besitzen Reliquien des Heiligen. So zeigt z. B. die SanktAnsgar-Kirche („Kleiner Michel“) gegenüber der Hauptkirche Sankt Michaelis in Hamburg eine Unterarm-Reliquie in einem Schrein unter dem Altartisch. Dem heiligen Ansgar wurden viele Kirchen im Norden geweiht. Die russischen orthodoxen Kirchen des seligen Prokopius in Hamburg und Lübeck und die russische orthodoxen Kirche des heiligen Johannes von Kronstadt in Hamburg besitzen Ikonen des Heiligen. Er ist auch Patron des 1995 wieder errichteten katholischen Erzbistums in Hamburg. Als Heiliger 12 der noch ungeteilten Kirche führt der große Missionar seit 1965 jährlich an seinem Fest am 3. Februar in der Hamburger Hauptkirche Sankt Petri viele Christen zur „ökumenischen Sankt-Ansgar-Vesper“ zusammen, an der selbstverständlich auch die orthodoxen Gemeinden der Hansestadt teilnehmen.

 

Der heilige Bischof Ansgar. Er ist hier mit einem Modell des alten Mariendoms dargestellt. Sie war die Kathedrale Hamburgs,  die  im Jahre 1805 abgerissen wurde.
Der heilige Bischof Ansgar. Er ist hier mit einem Modell des alten Mariendoms dargestellt. Sie war die Kathedrale Hamburgs, die im Jahre 1805 abgerissen wurde.

 

Der Apostel der Länder des Norden

 

Im Jahre 829 wurde der heilige Ansgar von König Björn nach Schweden eingeladen. Ansgar folgte mit Zustimmung des abendländischen Kaisers dieser Einladung und erreichte im Frühjahr der Jahres 830 die Wikinger-Handelssstadt Birka - das heutige Björkö. Dort gründete er eine Missionsstation und errichtete dort auch die erste christliche Kirche in Schweden. Im Jahre 831 wurde der heilige Ansgar zurückgerufen und auf Betreiben des Kaisers zum Missionsbischof des Nordens mit Sitz in Hamburg ernannt. Dort war der Bischofssitz für alle weitere Missionsbemühungen im Norden neu errichtet worden. In der Hammaburg, die sich zur Keimzelle der heutigen Stadt Hamburg entwickelte, ließ er eine Marienkirche errichten. Sie war zunächst eine zunächst einfache, hölzerne Taufkirche. Der heilige Ansgar war jedoch fest entschlossen, seine Arbeit in Skandinavien fortzusetzen. Er reiste zunächst nach Rom und der römische Patriarch Papst Gregor IV. unterstütze seine Arbeit in den Ländern des Nordens und bei den damals bis zu den Ufern der Elbe siedelnden Slaven. In die Hammaburg zurückgekehrt, gründete Ansgar mit Hilfe des fränkischen Kaisers Ludwigs des Frommen eine Schule sowie ein Kloster und ließ an Stelle der einfachen Taufkirche eine dreischiffige, hölzerne Marienkirche errichten. Sie wurde der Vorgängerbau des alten Mariendoms in Hamburg. Der heilige Ansgar weihte den Mönch Gosbert zum Missionsbischof für die Schweden: Er selbst nahm unter dem Schutz des Dänenkönigs Haarik I., dem es gelungen war, ganz Dänemark unter seiner Herrschaft zu vereinen, die Missionstätigkeit in Dänemark von Schleswig aus wieder auf. Hamburg wurde im Jahre 832 zum Erzbistum erhoben.

 

Im Jahr 845 plünderten die Wikinger die Hammaburg, um die herum sich bereits eine kleine Stadt entwickelt hatte. Der heilige Ansgar entkam diesem Überfall nur knapp und floh daraufhin nach Bremen. Auch die ersten christlichen Gemeinden in Skandinavien gingen wieder unter und die Schweden und Dänen kehrten zunächst zum Heidentum zurück. Der heilige Ansgar wurde nun vom deutschen König Ludwig zum Nachfolger des im Jahre 845 gestorbenen Bischofs Leuderich von Bremen ernannt. Die Erzbischöfe von Köln als Metropoliten der Kirchenprovinz, zu der auch das Bistum Bremen gehörte, leistete jedoch lange Widerstand gegen eine Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse im europäischen Norden, so daß die Bestätigung der Ernennung durch Papst Nikolaus I. erst im Jahre 864 erfolgte. In Bremen errichtete der heilige Ansgar als neuer Erzbischof Spitäler, kaufte Gefangene der Wikinger frei, setzte sich für die Abschaffung des Sklavenhandels ein und nahm auch seine Missionstätigkeit Im Norden wieder auf. In Haithabu - dem heutigen Haddeby in Schleswig, in Ripen - dem heutigen Ribe - und auch in Birka wurden erneut Kirchen errichtet. Die sich an diese Orte der Verkündigung des Evangeliums anschließenden Missionserfolge erfassten so zuerst in die Handelszentren in denen diese neuen Kirchen lagen und  wo es schon zuvor Kontakte mit mit den dort  immer noch wohnenden Christen gegeben hatte.

 

Im Jahre 851 trug die erneute Mission in Schweden Früchte, denn König Olaf erlaubte einem Volk die Annahme des christlichen Glaubens und schon im Jahre 852 konnte der heilige Ansgar in Sigtuna eine neue Missionskirche gründen, deren Leitung er seinem Schüler Rimbert übertrug. Auch der dänische König Haarik II. wurde nun bekehrt. Der heilige Ansgar kehrte nach Hamburg zurück, jedoch musste er nach der Zerstörung Hamburgs durch die Normannen schon im Jahre 864 erneut nach Bremen ausweichen und wurde nun Erzbischof des vereinigten Erzbistums von Hamburg und Bremen. Der heilige Ansgar nahm dann im Jahre 851 die Missionsarbeit in Schweden wieder auf, indem er zunächst den Priester Ardgar dorthin sandte. Dessen Predigt und pastorale Arbeit war erfolgreich, denn der dänische König Horik II. ließ sich ebenfalls taufen. Im Jahre 853 reiste der heilige Ansgar selbst nach Schweden und gründete dort und auch in Schleswig mehrere Kirchen. Von seiner  Kathedra in Bremen aus leitete er in seinen letzten Lebensjahren weiter die Verkündigung des heiligen Evangeliums bei den Menschen in den Nordländern. In Bremen vollendete  er den Bau einer in Stein gebauten kleinen Kathedrale, aus der sich der heutige Mariendom entwickelte. Auch stiftete der heilige Ansgar in Bremen drei Klöster. Der heilige Ansgar starb am 5. Februar 865 nach langer Krankheit in Bremen.

 

Der heilige Ansgar wird wegen seiner Verdienste um die Ausbreitung des christlichen Glaubens in Schweden, Dänemark und in Norddeutschland (dem Gebiet um Schleswig) Apostel des Nordens genannt. Bei seiner Missionstätigkeit mußte der heilige Ansgar viele Rückschläge erdulden, dass sein Schüler und Biograf der Mönch Rimbert sein ganzes Leben als ein Martyrium deutete, obwohl der heilige Ansgar sein Leben nicht für Christus hingeben mußte. Sein tiefer Glaube und sein inniges Gottvertrauen, die Festigkeit seines Charakters, die Unbeirrbarkeit mit der er im Weinberg des Herrn sich mühte prägen diesen großen heiligen Bischof. Das geistliche Leben des heiligen Ansgar war von tiefem Gebet und starker Frömmigkeit erfüllt. Zeit seines Lebens empfing er Weisungen von Gott durch Gesichte, Träume und Auditionen. Sie ließen ihn unermüdlich auf seinen Weg für und zu Christus fortschreiten. Wenn auch der bleibende Erfolg seiner Missionstätigkeit nach menschlichem Ermessen zu seinen Lebzeiten nicht besonders groß war, so hat der heilige Ansgar in die Herzen der Nordländer doch den Samen gelegt, aus dem am Ende die Annahme des Christentums durch diese Völker erwuchs. 

 

Ikone des heiligen Bischofs Ansgar, der Erleuters der Länder des Nordens (Святой Ансгарий, Апостол Севера) aus der russischen Kirche des heiligen Prokopius in Hamburg.
Ikone des heiligen Bischofs Ansgar, der Erleuters der Länder des Nordens (Святой Ансгарий, Апостол Севера) aus der russischen Kirche des heiligen Prokopius in Hamburg.

 

Als sich im 20.Jahrhundert in Hamburg, Schleswig-Holstein, Schweden und Dänemark orthodoxe Christen beheimateten und dort ihre Kirchengemeinden gründeten, wurde die Verehrung des heiligen Bischofs Ansgars, des Apostel des Nordens, der sein bischöfliches Wirken noch vor dem Schisma zwischen dem orthodox und dem römisch geprägten Teil der Christenheit vollzog, auch für die orthodoxen Christen in diesen Ländern des Nordens wichtig. Heute finden sich zum Beispiel Ikonen des Heiligen in der russischen orthodoxen Alexander-Newsky-Kirche in Kopenhagen und in der russischen orthodoxen Kirche des seligen Prokopius  sowie der russischen orthodoxen Kirche des heiligen Johannes von Kronstadt in Hamburg und zeugen von der Verehrung des Heiligen durch die dortigen orthodoxen Christen. In Hamburg verbindet seit 1964 die ökumenische Sankt-Ansgar-Vesper, die traditionell jährlich am 03. Februar in der evangelischen Hauptkirche Sankt Petri zu Ehren des heiligen Ansgar gefeiert wird, die orthodoxen, katholischen und evangelischen Christen in der Hansestadt.

 

Zusammengestellt von Thomas Zmija von Gojan

 

Ikone der Gottesmutter "Aufsuche der Verlorenen"  - Икона Богородицы «Взыскание погибших»
Ikone der Gottesmutter "Aufsuche der Verlorenen" - Икона Богородицы «Взыскание погибших»

 

Ikone der Gottesmutter "Aufsuche der Verlorenen"

 

05. Februar

 

Schon von altersher gaben die Christen, die an die machtvolle Hilfe  und den nie versagenden Beistand der allheiligen Gottesgebärerin glauben, ihr den Beinamen “Aufsuchung der Verlorenen”. Denn nach Gott setzen die frommen Christen ihre ganze Zuflucht und Hoffnung auf die Fürbitte und den Beistand der allheiligen Gottesmutter bei ihrem Göttlichen Sohn.

Der kirchlichen Überlieferung nach trat diese Muttergottesikone im vierten Jahrhundert in der kleinasiatischen Stadt Adana erstmals mit einem besonderen Wunder in Erscheinung. Ein Mönch hatte dort das monastische Leben verlassen und war infolge dessen in schwere Sünden gefallen. Durch das Gebet vor der heiligen Ikone wurde der Mönch zur Reue bewegt und so vor der ewigen Verdammnis gerettet. Denn durch den milden Einfluss der allheiligen Gottesgebärerin veränderte er daraufhin sein Leben und erlangte am Ende die geistliche Vollkommenheit, Schließlich wurde er von der orthodoxen Kirche heilig gesprochen.

 

Ikone der Gottesmutter "Aufsuche der Verlorenen" - Икона Богородицы «Взыскание погибших»
Ikone der Gottesmutter "Aufsuche der Verlorenen" - Икона Богородицы «Взыскание погибших»

 

 

In Russland wird die Muttergottesikone “Aufsuchung der Verlorenen” schon seit sehr langer Zeit verehrt. Es gibt in ganz Russland verschiedene wundertätige Kopien dieser heiligen Ikone, durch die die allheilige Gottesgebärerin den Menschen ihre Gnade, ihren Beistand und Schutz geschenkt hat. Eines besonders anrührendes Wunder geschah im siebzehnten Jahrhundert, als der Bauern Fedot Obuchov aus Kaluga durch die Hilfe der allheiligen Gottesgebärerin auf wunderbare Weise vor dem Erfrierungstod während eines furchtbaren Schneesturms gerettet wurde. Als Dank für seine Errettung lies er eine Kopie der Ikone “Aufsuchung der Verlorenen” anfertigen und zur Verehrung durch die Gläubigen in der Stadt Bolchov im Gouvernement Orel aufstellen. Auch diese Kopie der Ikone “Aufsuche der Verlorenen” wurde durch viele Gebetserhörungen, Wunder und Heilungen bekannt. Das Gleiche gilt für die Kopie der heiligen Ikone, die sich in Moskau, in der Auferstehungskirche am Mariä-Entschlafungs-Kloster (Neždanova-Straße) befindet.

 

Ikone der Gottesmutter "Aufsuche der Verlorenen" - Икона Богородицы «Взыскание погибших»
Ikone der Gottesmutter "Aufsuche der Verlorenen" - Икона Богородицы «Взыскание погибших»

 

Zuvor befand sich diese Kopie der Ikone in der Christi-Geburts-Kirche in der Palaševsky-Gasse. Dorthin hatte sie zur Verehrung durch die Gläubigen einem Mann gebracht, der durch das Gebet vor der heiligen Ikone aus tiefer Armut und infolge dessen großer Verzweiflung gerettet worden war. Aber er hielt sich für unwürdig, diese wundertätige Ikone in seinem Haus aufzubewahren und schenkte sie deshalb der Kirche. Im Jahre 1812 wurde die Palaševsky-Kirche von den Franzosen geplündert. Dabei wurde heilige Ikone wurde entweiht und in drei Teile gespalten. Bei der Wiederauffindung der Ikone geschahen damals viele Wunder und Heilungen. Vor dieser Kopie der heiligen Ikone beteten vor allem junge Frauen um eine gesegnete Ehe sowie Menschen, die dem Alkoholismus verfallen waren oder die unter Armut litten und an Krankheiten und schweren Gebrechen litten. Vor allem Mütter beteten vor dieser heiligen Ikone für ihre todkranken Kinder. Auf der Ikone hält die allheilige Gottesgebärerin das Christuskind mit der rechten Hand, die mit ihrer linken zusammen gefaltet ist. Christus Emmanuel hebt den Kopf ein wenig und versucht, mit der Hand den Hals der Gottesmutter zu umarmen, die ihr Haupt leicht zu Ihm geneigt hält.

 

Ikone der Gottesmutter "Aufsuche der Verlorenen" - Икона Богородицы «Взыскание погибших»
Ikone der Gottesmutter "Aufsuche der Verlorenen" - Икона Богородицы «Взыскание погибших»

 

 

“Suche uns heim, die wir zugrunde gehen, o Allheilige Jungfrau, strafe uns nicht nach unseren Sünden, sondern erbarme Dich nach Deiner Menschenliebe. Erlöse uns von Hölle, Krankheiten und Nöten und errette uns”, so singen wir im Troparion zur Ikone “Aufsuche der Verlorenen”.

 

Das Fest der Ikone der Gottesmutter “Aufsuchung der Verlorenen” wird am 05. Februar begangen.

 

Die heilige Märtyrerin Agatha von Catania

 

Fest am 05. Februar 

 

Die heilige Agatha war eine wohlhabende, adlige sizilianische Jungfrau von großer Schönheit. Da sie Christin war, wies sie die Brautwerbung des Statthalters Quintianus ab. Dieser nutzte den kaiserlichen Erlass zur Christenverfolgung und ließ sie verhaften und ins Bordell der Aphrodisia bringen. Dann veranlasste der Statthalter Verhöre und Folterungen mit sadistische Qualen: Mit den Händen an einen Balken gehängt, wurden Agatha die Brüste mit einer Zange zerrissen, mit einer Fackel gebrannt und schließlich abgeschnitten. In der Nacht erschien ihr dann im Kerker der heilige Apostel Petrus, um sie zu trösten. Tags darauf legte man sie auf spitze Scherben und glühende Kohlen, bis ein Erdbeben die Stadt Catania erschütterte, worauf das Volk Quintianus bedrohte, bis der von Agatha abließ und sie ins Gefängnis warf, wo sie starb.

 

Am ersten Jahrestag von Agathas Tod wurde ein die Stadt Catania bedrohende Lavastrom des Ätna durch ihr Grab abgelenkt. Ihr weißer Seidenschleier, der bei Prozessionen mitgeführt wird, wurde schon mehrfach vom Wind davongetragen, um so auf den nächsten bevorstehenden Ausbruch des Ätna hinzuweisen. 

 

Die Verehrung von Agatha ging schon bald über Sizilien hinaus. Bereits der heilige Ambrosius erwähnt sie in seinen Predigten. Der Heilige Gregor Dialogos, Bischof von Rom, berichtete von der Wirkung ihrer heiligen Reliquien und weihte ihr im Jahre 592 die Kirche Santa Agata dei Goti in Rom. In der Kirche San Agata al Fornace in Catania wird der Platz ihres Martyriums gezeigt. Ihre Reliquien liegen - ebenso wie ihr Schleier, der schon mehrfach den Lavastrom aufhielt – in der Kathedrale von Catania. Die Bewohner von Catania betrachten die heilige Agatha als ihre besondere Schutzheilige. Auch auf Malta wird die heilige Agatha besonders verehrt, da die Insel, auf ihre Fürsprache hin, im Jahre 1551 vor einer drohenden türkischen Invasion bewahrt werden konnte. 

 

Zusammengestellt von Thomas Zmija v. Gojan

 

Das Kloster Kamp in Kamp-Lintfort am Niederrhein bewahrt dieses Schädelreliquiar der heiligen Märtyrerin Agatha .
Das Kloster Kamp in Kamp-Lintfort am Niederrhein bewahrt dieses Schädelreliquiar der heiligen Märtyrerin Agatha .

 

Der Heilige Großmärtyrer  Charalampos

 

10. Februar

 

Der Heilige Charalampos (Ο Άγιος Χαράλαμπος) wurde im zweiten Jahrhundert in Antiochien in Pisidien geboren. Er wurde Bischof der Stadt Magnesia in Kleinasien zur Zeit des Kaiser Septimus Severus (193-211) und des Statthalter Lucianus. Auch unter diesem heidnischen römischen Kaiser kam es zu verschiedenen Wellen der Verfolgung an den Christen. Dabei wurde auch der Heilige Charalampois während der Feier der Göttlichen Liturgie genau zur Zeit der Verkündigung des Heiligen Evangeliums festgenommen und sofort seiner priesterlichen Gewänder beraubt. Da er den Glaubensabfall standhaft verweigerte, zog man ihm, wie einst dem heiligen Apostel Bartholomäus, bei lebendigem Leibe die Haut ab. Der römische Statthalter Lucianus war über seine Standhaftigkeit im Martyrium dermaßen erzürnt, dass er ihm eigenhändig seinen Leib zerfleischen wollte. Nach dem Bericht der Märtyrerakten fielen ihm jedoch im gleichen Augenblick die Hände ab. Da flehte er den Heiligen Charalampos an, ihn zu heilen, was dieser auch tat. Als die Umstehenden dies Wunder Gottes, das sich auf das Gebet des Heiligen Charalampios hin ereignet hatte, sahen, bekehrten sich sowohl der Henker Porphyrios, als auch der römische Soldat Dauktos mit drei weiteren anwesenden Frauen zum christlichen Glauben und schworen der Verehrung der heidnischen Götzen öffentlich ab. Darauf hin ließ sie der Statthalter alle festnehmen und befahl sie zu enthaupten, nachdem sie vorher noch viele Folterungen erdulden mußten. Auch der Heilige Charalampos wurde schließlich, obwohl er den Statthalter vorher geheilt hatte, auf seinen Befehl hin durch das Schwert hingerichtet.

 

 

 

Im Tropar zu Ehren des Heiligen Charalamos singt die griechische Kirche:

 

„Eine standfeste Säule der Kirche Christi und ein hell strahlendes Licht für den Erdkreis bist du, weiser Charalampos, geworden. Vor der Welt hast du Seliger durch deinen Martyrertod geglänzt und damit die Finsternis der Dämonen zerstreut. Darum bitte Christus Gott, zu erretten unsere Seelen.“ 

 

In den übrigen orthodoxen Lokalkirchen wird zu Ehren des Heiligen Charalampos das folgende Tropar gesungen:

 

„Dein Märtyrer, Herr, hat durch seinen Kampf die unvergängliche Siegeskrone von Dir unserem Gott empfangen. In Seiner Kraft hat er die Tyrannen besiegt und die ohnmächtige Gewalt der Dämonen gebrochen. Durch seine Fürbitte Christus, Gott, rette unsere Seelen.“ 

 

Aus seiner Vita wissen wir, dass sich der Heilige Charalampos als Bischof in Magnesia in vorbildlicher Weise um die Notleidene und Bedürftige gekümmert hat. Auf Sein Gebet hin ereigneten sich auch viele Wunder. Er hat Betrübte und Niedergeschlagene tröstet und eine Frau auf wunderbare Weise vor dem Tode errettet. Auch hat er Unzählige zum Glauben an Christus geführt. Deshalb wurde er auch auf Geheiß des Statthalters Lucianus während des Gottesdienstes verhaftet und zur Demütigung noch in der Kirche seiner liturgischen Kleider beraubt.

 

Vor allem von den griechischen Gläubigen unserer orthodoxen Kirche wird der Heilige Großmärtyrer Charalampos besonders verehrt.

 

Zusammengestellt von Thomas Zmija v. Gojan

 

Das heilige Ehepaar Aquila und Priscila mit dem heiligen Apostel Paulus.
Das heilige Ehepaar Aquila und Priscila mit dem heiligen Apostel Paulus.

 

Die christlich-orthodoxe Familie als Keimzelle des kirchlichen Lebens - Das Beispiel der Heiligen Aquila und Priscila

 

13. Februar

 

Das heilige Ehepaar Aquila und Priscila (Αγιοι Ακυλας και Πρισκιλλα) gehören mit zu den ersten Zeugen des christlichen Glaubens und sind uns durch ihre Unterstützung der Missionsarbeit des heiligen Apostels Paulus bekannt (Apostelgeschichte 18:1-3).

 

Diese beiden Heiligen waren jüdischer Herkunft und kamen aus Rom nach Korinth, wo ihnen der heilige Apostel Paulus um das Jahr 50 nach Christus begegnete. Der Grund, weswegen sie Rom verlassen mussten, war ein Edikt des Kaisers Claudius (41–54) gewesen, demzufolge die Juden die römische Hauptstadt verlassen mußten, weil sie, wie es uns der römische Geschichtsschreiber Sueton berichtet, „aufgrund der Unruhen, die  ein gewisser Chrestos in Rom gestiftet habe“, mit anderen Juden der Stadt verwiesen worden waren (vgl.: Sueton: Das Leben der römischen Kaiser). Diese Erwähnung beim römischen Historiker Sueton ist eine der frühesten antiken nichtchristlichen Zeugnisse für das Leben Christi und die im Entstehen begriffene römische Ortskirche. Jedoch belegt der fehlerhafte Name „Chrestos“ statt „Christus“ auch, daß der römische Patrizier Sueton als Angehöriger der heidnisch-römischen Oberschicht nur vage Vorstellung davon hatte, worum es bei den Christen und ihrem Glauben eigentlich ging und in welchem Verhältnis die frühen Christen in Rom zur örtlichen jüdischen Gemeinde standen.

 

 

So mußten die beiden Heiligen infolge der Konflikte zwischen Juden und Christen Rom auf kaiserlichen Ausweisungsbefehl hin verlassen und trafen dann in Korinth mit dem heiligen Apostel Paulus zusammen. Im heiligen Apostel Paulus trafen diese beiden römischen Christen sowohl jemanden, mit dem sie durch ihren Glauben an Jesus Christus eng verbunden waren, als auch einen der apostolischen Leiter der sich langsam im ganzen römischen Reich ausbreitenden Kirche, dessen missionarische Bemühungen sie unterstützen konnten. Ein praktischer Grund für die Verbindung mit Paulus war sicherlich auchm daß Aquila das gleiche Handwerk wie der Völkerapostel ausübte. Auch er war von Beruf Zeltmacher. Später in Ephesus übernahmen die beiden eine entscheidende Rolle in der Katechisierung des alexandrinischen Juden Apollos. Da dieser den christlichen Glauben nur oberflächlich kannte, nahmen Priscila und Aquila ihn „zu sich und legten ihm den Weg Gottes genauer dar“ (Apostelgeschichte 18:26). Als der heilige Apostel Paulus in Ephesus seinen ersten Brief an die Korinther schrieb, erwähnte er ausdrücklich auch Grüße von „Aquila und Priscila und ihrer Hausgemeinde“ (1. Korinther 16:19). Dadurch wissen wir, dass dieses heilige Ehepaar auch eine wichtige Rolle in der sich bildenden Ortskirche in Ephesus gespielt hat, denn in ihrem Haus trafen sich die Christen, um die Heilige Liturgie zu feiern.

 

Dieses Treffen der Christen werden in griechisch-sprachigen Neuen Testament als „Versammlung“ auf griechisch „Ekklesia“ bezeichnet. Heraus entstand später unser Wort für die Kirche.

 

 

Der heilige Aquila war ein in der kleinasiatischen Provinz Pontos geborener Jude (vgl.: Apostelgeschichte 18:2), der sich mit seiner Frau Priscilla in Rom niedergelassen hatte. Dort übten sie den Beruf der Zeltmacher aus. Sie waren also als selbständige und damit durchaus wohlhabende Handwerker in Rom tätig. Die Heilige Priska (Priszilla bzw. Priscilla ist ein Diminutivform des römischen Namens Prisca). Sie stammte mit einiger Sicherheit aus der gleichen Stadt wie ihr Ehemann Aquila. Die heilige Priszilla wird in der Apostelgeschichte auch mit der Namensform „Priscilla“ (griechisch: Πρίσκιλλα), sowie in den Briefen des heiligen Apostel Paulus mit der Namensform Prisca (griechisch: Πρῖσκα) genannt. Die römischen Namen der beiden Heiligen lassen es wahrscheinlich erscheinen, dass sie frei geboren waren und, ebenso wie der heilige Apostel Paulus, ebenfalls das römische Bürgerrecht besaßen. Bereits während ihres Aufenthaltes in Rom waren Aquila und Pricilla Christen geworden.

Als der römische Kaiser Claudius im Jahr 49 wegen Auseinandersetzungen um einen gewissen „Chrestus“ alle Juden aus der Stadt Rom auswies - oder beziehungsweise nur diejenigen, die sich zum christlichen Glauben bekannten – zogen sie nach Korinth. Während seiner zweiten Missionsreise lernte sie dort der heilige Apostel Paulus kennen und wohnte bei ihnen in ihrem Hause. Auch übten sie zusammen das Zeltmacherhandwerk aus (vgl.: Apostelgeschichte 18:1-3).

Von Korinth aus begleiteten die Heiligen Aquila und Priscilla den Apostel Paulus nach Ephesus und blieben dann in dieser Stadt als der heilige Apostel Paulus weiterzog (Apostelgeschichte 18:18-19). Hier wirkten sie als Katecheten und Missionare und nahmen unter anderem Apollos, einen jüdischen Katechumenen aus Alexandrien, einen späteren Mitarbeiter des heiligen Apostel Paulus, bei sich in ihrem Hause auf. Apollos war zwar ein glühender Anhänger Christi, ein guter Kenner der Heiligen Schriften des Alten Testament und ein begabter Prediger, jedoch hatte er bisher nur die Taufe des heiligen Vorläufers Johannes empfangen. So bereiteten ihn die beiden Heiligen auf den Empfang der Taufe vor und unterwiesen ihn in den Einzelheiten des christlichen Glaubens (Apostelgeschichte 18:26). Im Hause von Aquila und Priscilla versammelte sich auch die Kirche von Ephesus zur Feier der Heiligen Liturgie. In dem in Ephesus geschriebenen 1. Brief des heiligen Apostels Paulus an die Korinther sandten auch der Apostel auch in ihrem Namen besondere Grüße an die Gemeinde in Korinth (1. Korinther 16:19).

In Römer 16:3-4 bezeichnet der heilige Apostel Paulus Aquila und Priscilla nicht nur als seine Mitarbeiter, sondern auch diejenigen, die „für mein Leben ihren Hals hingehalten haben“. Dabei bezieht er sich vermutlich auf die in 2. Korinther 1:8-10 geschilderte Bedrohung seines Lebens durch die Auseinandersetzung mit Demetrius, einem heidnischen Devotionalienhändler am Artemistempel in Ephesos (Apostelgeschichte 19:23-40). Die Heiligen Aquila und Priscilla unterstützten den Apostel Paulus also während der, durch diesen Aufstand der Heiden in Ephesus ausgelösten Verfolgung des Apostels und seines daraus resultierenden Gefängnisaufenthaltes und brachten sich damit auch selbst in Gefahr. Nach dem Tod des Kaisers Claudius im Jahr 54 kehrten die beiden Heiligen nach Rom zurück. Dort wurde ihr Haus, wie schon vorher in Korinth und Ephesus, zum Versammlungsort einer der Hausgemeinden der römischen Kirche, die der Heilige Apostel Paulus in seinem Brief an die Kirche in Rom besonders grüßt (Römer 16:3-4).

Wenn der 2. Brief des Apostel Paulus an Timotheus im Zeitraum kurz vor seiner letzten Gefangennahme in Ephesus geschrieben wurde, lebten zu diesem Zeitpunkt die heiligen Aquila und Pricilla schon nicht mehr in Rom, sondern schon wieder in Ephesus (2. Timotheus 4:19).

 

 

Von diesen frühen Versammlungssstätten der Christen können wir uns anhand einer Hauskirche, die in der Stadt Dura Europos am Euphrat im Osten Syriens ausgegraben wurde, heute ein gutes Bild machen. Diese Hauskirche in Dura Europos ist das bisher älteste archäologisch nachweisbare Kirchengebäude und stammt aus der Zeit um 233 nach Christus. Das aus Lehmziegeln erbaute Haus, in dem sich die Kirche befand, hat wohl rund 200 Jahre lang als ganz normales Wohnhaus gedient, ehe es von der christlichen Gemeinde als Kirche genutzt wurde. Es bestand aus einem Innenhof als Zentrum des Gebäudes, um den die anderen Räume angeordnet waren. Um 233 wurde das Haus dann für den kirchlich-liturgischen Gebrauch umgebaut. Dieses Datum ist uns durch eine Inschrift im Wandputz bekannt. Bei diesem Umbau wurden zwei Wohnräume des Hauses zu einem 13 × 5 m großen Versammlungsaal für die Feier der Heiligen Liturgie zusammengefasst. An der Ostseite des Saales finden wir ein gemauerten Podest oder Sitz, der dem die Feier der Göttliche Liturgie leitenden Bischof als Thron gedient haben mag. Durch eine in den Estrich gelangte Münze wissen wir, daß im Jahre 241 ein weiterer Raum des Hauses zu einer Taufkapelle (Baptisterium) umgestaltet wurde. Hier fand sich ein steinernes Taufbecken mit einem steinernen Baldachin darüber. In diesem Raum befanden sich auch zahlreiche Wandikonen die Adam und Eva mit dem Baum der Erkenntnis, Christus als den Guten Hirten, David und Goliath, sowie die Frauen am leeren Grab darstellten. Diese in Form von Fresken im sassanidischen Stil ausgeführten frühen Ikonen waren bei ihrer Auffindung noch relativ gut erhalten.

 

Modellzeichnung der Hauskirche in Dura Europos.
Modellzeichnung der Hauskirche in Dura Europos.

 

Antikes Peristyl-Haus als Hauskirche in Dura Europos

1. Innenhof (Perestyl)

2. Kirche

3. Baptisterium

 

In Ephesus traf sich die Versammlung Christi, also die Ortskirche, im Haus von der Heiligen Aquila und Priscila, um die Göttliche Liturgie zu feiern. Wir sehen daran, daß die Wirklichkeit der Kirche in den Häusern der Gläubigen begann. Erst im vierten Jahrhundert entstanden dann eigenständige Kirchengebäude für die Feier Göttlichen Liturgie und die morgendlichen und abendlichen christlichen Gottesdienste, aus denen sich dann unser Stundengebet entwickelte. Bis dahin aber übernahmen die Häuser der christlichen Familien diese gewichtige Rolle. Als später Heiligen Aquila und Priscila nach Rom zurückgekehrt waren, war es wiederum ihr Haus, in dem eine der Hausversammlungen der immer größer werden römischen Ortskirche zur Feier der heiligen Mysterien traf. Denn in den Katakomben versammelten sich die römischen Christen zur Feier der Göttlichen Liturgie nur während der Verfolgungszeiten. Ansonsten waren sie die Begräbnisstätten der römischen Gemeinde. Der heilige Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer auch einen besonderen Gruß an die beiden Heiligen: „Grüßt Priscila und Aquila, meine Mitarbeiter in Christus Jesus, die für mich ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben; nicht allein ich, sondern alle Gemeinden der Völker sind ihnen dankbar. Grüßt auch die Gemeinde, die sich in ihrem Haus versammelt“ (Röm 16:3–5). Durch dieses außergewöhnliche Lob wissen wir, dass der heilige Völkerapostel in ihnen ausdrücklich zwei gesegnete Mitarbeiter seines Apostolates sieht. Die erwähnte Gefährdung ihres eigenen Lebens bezieht sich möglicherweise auf ihre Hilfe während seiner Gefangenschaft in Ephesus (vgl.: Apg 19:23–41; 1 Korinther 15:32; 2. Korinther 1:8–9).

 

Das heilige Ehepaar Peter und Fevronija (Святых Петра и Февроньи)
Das heilige Ehepaar Peter und Fevronija (Святых Петра и Февроньи)

 

  

Der wirkliche Lebenslauf der beiden heiligen Fürsten Peter und Fevronija von Murom ist heute für uns wegen der stark legendenhaften Gestaltung ihrer Vita nur mit Schwierigkeiten fassbar. Die Vita der beiden heiligen Eheleute geht auf die Lebensbeschreibung des Fürsten David (bzw. Peter) Jurjewič von Murom zurück, dessen Tod als Schema-Mönch die russischen Chroniken im Jahre 1228 ebenso vermelden wie den seiner Frau, die als Nonne den Namen Euphrosynija trug. Die Vita vermeldet, daß Peter-David der zweite Sohn des Muromer Fürsten Jurij Wladimirovič war. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er im Jahre 1203 die Herrschaft über das Teilfürstentum Murom. Als er dann einige Jahre nach seinem Regierungsantritt schwer erkrankte, wurde ihm in einer Vision geoffenbart, daß die Tochter eines einfachen Bienenhüters (Imkers), ein Bauernmädchen aus dem Dorfe Laskowaja bei Rjasan mit dem Namen Fevronija, ihm das Leben retten könne. Dies geschah auch und der Fürst heiratete darauf hin seine aufopfernde Pflegerin. Aber die adelsbewußten Bojaren in Murom forderten die Verstoßung der als nicht standesgemäß empfundenen neuen Fürstin. Als sich jedoch Fürst Peter weigerte seine Ehefrau zu verstoßen, wurden das Fürstenpaar aus der Stadt vertrieben. Das Fürstenpaar musste mit einem Boot auf dem Fluss Oka flüchten. Jedoch riefen bald darauf die Bewohner der Stadt Murom die beiden treuen Eheleute wieder zurück. Sie starben im Jahre 1228 zur gleichen Stunde am 25. Juni. Vorher waren die beiden fürstlichen Eheleute, nach dem damals üblichen frommen Brauch, noch in den Mönchsstand getreten. Sie werden als Vorbilder des christlich-orthodoxen Ehelebens in der slavischen Orthodoxie hoch verehrt. Ihre Reliquien ruhen noch heute in der Kathedrale von Murom. Die Kanonisation erfolgte im Jahre 1547.

Quelle: Gottesdienst zu Ehren aller Heiligen der Rus´, Würzburg 1987.

 

 

Auch wir sind nicht nur dem heiligen Apostel Paulus dankbar, der durch sein Wirken den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus und die Botschaft Seines heiligen Evangeliums zu uns bis in den Westen Europas getragen hat, sondern auch dem heiligen Ehepaar Aquila und Priscila und unzähligen anderen gläubigen Familien, die den christlichen Glauben durch die Zeiten weitergetragen und es so mit ermöglicht haben, daß dieser heilige Glaube bis heute lebendig blieb und auch uns heute Lebenden erreicht hat. Dieses feiern wir in unserer, der russischen Tradition der orthodoxen Kirche verbundenen, Ortskirche, wenn wir der Synaxis aller Heiligen, der Synaxis der Heiligen der russischen Länder und der Taufe der Kiewer Rus gedenken. Denn durch den Glauben der uns Vorangegangenen, der russische Emigranten und südosteuropäischen Gastarbeiter, die den Heiligen Orthodoxen Glauben nach Deutschland gebracht und ihn durch die Gründung von Gemeinden hier beheimatet haben, kann die orthodoxe Kirche auf dem Mutterboden der Taten ihrer Heiligen heute weiter wachsen.

 

Der heilige Martyrerbischof Zenobius und seine Schwester Zenobia.
Der heilige Martyrerbischof Zenobius und seine Schwester Zenobia.

 

Der heilige Bischof Zenobius, und seine Schwester, die heilige Zenobia, Märtyrer von Ägäa in Cilicien unter dem Kaiser Diokletian und dem Statthalter Lysias. Zenobius war ursprünglich Arzt und führte schon in seiner weltlichen Stellung ein ungemein erbauliches und wunderreiches Leben. Er heilte die Kranken weniger durch seine Kunst, als durch die Kraft Gottes, und nahm für seine Bemühungen nie Geld an. Wegen seiner Tugenden zum Bischof von Ägäa erwählt, predigte er eifrig das Evangelium und setzte dabei seine Wunderheilungen fort. Als die diokletianische Verfolgung ausbrach, wurde er verhaftet und, an einen Block gebunden, auf vielerlei Weise gemartert. Da eilte seine Schwester Zenobia herbei und bekannte öffentlich, dass sie ebenfalls Christin sei, worauf der Statthalter sie wie ihren Bruder der Pein unterzog und letztlich beide enthaupten ließ. Ihre Leiber warf man vor der Stadt hin. Nachts aber kamen die Priester Hermogenes und Cajus und begruben sie in einer benachbarten Höhle. 

 

 

Das heilige Paar Priscila und Aquila zeigt, wie wichtig und bedeutungsvoll das christlich-orthodoxe Familienleben für die weitere Zukunft und die missionarische Ausstrahlung der orthodoxen Kirche, und das nicht nur in der orthodoxen Diaspora, sind. Deshalb sprechen wir Orthodoxen von der kirchlich geprägten Familie, die von der tiefen christlich-orthodoxen Spiritualität getragen wird , auch von einer „Kirche im Kleinen“, einer „Hauskirche“, einer „Zelle, aus der der Leib Christi in der örtlichen Pfarrgemeinde aufgebaut ist“. Hier erfahren unsere Kinder den orthodoxen Glauben; hier wachsen sie organisc in die Formen christlich-orthodoxen Lebens hinein. Hier werden sie mit den Lebensvollzügen der Orthodie vertraut. Deshalb ist der gelebte Einsatz gläubiger Eheleute und die Verantwortung, die sie für die Gestaltung einer erfahrbaren Kirchlichkeit übernehmen, besonders wichtig, auch wenn er uns oft als so selbstverständlich erscheint. Jedes christlich-orthodoxe Heim ist berufen, sich in eine „kleine Kirche“ zu verwandeln. Als der heilige Justin der Märtyrer im 2. Jahrhundert einmal gefragt wurde, was er tun würde, um jemanden vom christlichen Glauben zu überzeugen, sagte er, daß er ihn einladen würde, ein Jahr mit ihm zusammen in seinem Hause zu leben. In der orthodoxen Spiritualität öffnet sich die gegenseitige Liebe christlicher Eheleute auch zu ihren Mitmenschen in ihrer Umgebung hin, weil sie als orthodoxe Christen in den Mittelpunkt ihres Lebens, nicht nur ihre gegenseitige Liebe, sondern die Herrschaft Christi stellen. Daher sind die Heiligen Priscila und Aquila auch heute noch wichtige Vorbilder für ein christliches Ehepaar, das sich verantwortlich für den Dienst an der christlichen Gemeinschaft und der Welt einsetzten will. 

 

Zusammengestellt von Thomas Zmija v. Gojan

 

Die Heiligen Wallburga (links), Kilian (mitte)  und Lioba (rechts).
Die Heiligen Wallburga (links), Kilian (mitte) und Lioba (rechts).

 

 

Unsere Mutter unter den Heiligen Walburga,

Äbtissin von Heidenheim

 

25. Februar 

 

Die heilige Walburga, auch Walpurgis genannt, war die Tochter des angelsächsischen Königs Richard und die Schwester des heiligen Willibald, des ersten Bischofs von Eichstätt und des heiligen Wunibald, des ersten Abtes von Heidenheim. Ihr Vater starb, als sie 10 Jahre alt war und sie wurde im Kloster Wimborne erzogen. Wohl um das Jahr 735 wurde sie vom heiligen Bonifatius, dem Bruder ihrer Mutter, zusammen mit der heiligen Lioba und anderen Gefährtinnen als Missionarin nach Deutschland gerufen. Sie lebte zunächst als Nonne im Kloster Tauberbischofsheim, wo die heilige Lioba Äbtissin war. Als sie auf dem Wege zur kranken Tochter eines Burgherrn von Hunden angefallen wurde, rief sie den ihr zu Hilfe eilenden Knechten zu, dass sie unter dem Schutz Christi stehe, worauf die Hunde von ihr abließen. Im Jahre 761, nach dem Tode des heiligen Wunibald, wurde Walburga zur Äbtissin des von Wunibald gegründeten und geleiteten Doppelklosters in Heidenheim in Mittelfranken ernannt, das in dieser Zeit ein wichtiger Missionsstützpunkt war. Zusammen mit dem heiligen Willibald ließ sie 777 die Reliquien des heiligen Wunibald nach Eichstätt überführen, ihm zu Ehren eine Kirche bauen und seine Lebensgeschichte aufschreiben. Auch aus der Zeit als Äbtissin werden Wunder berichtet. So wurde die im Sterben liegende Tochter eines reichen Mannes auf ihr Gebet hin wieder gesund.

 

 

Die heilige Walburga wurde zunächst im Kloster Heidenheim bestattet. Ihre Reliquien wurden um 875 auf Geheiß von Bischof Otgar nach Eichstätt gebracht und in der damaligen Kreuzkirche bestattet. Im Jahre 893 überließ Bischof Erchanbald der Nonne Liubila, die in Monheim ein Kloster für Benediktinerinnen gegründet hatte, einen Teil der Reliquien der heiligen Walburga. Auf dem Weg nach Monheim und dort selbst ereigneten sich zahlreiche Heilungswunder. Aber nach der Aufhebung des Klosters 1542 gingen diese Reliquien verloren. 

 

1035 wurde in Eichstätt durch Graf Leodegar von Graisbach und Lechsgmünd auf Anregung von Bischof Heribert die Abtei St. Walburg gegründet, 1042 erhob man die Reliquien und setzte sie in einem steinernen Sarg unter dem Hochaltar der neuen Kirche Sankt Walburg in Eichstätt bei. Aus damaliger Zeit stammt die mit Rücksicht auf das Walburgisöl geschaffene besondere Anlage des Grabes, die im Wesentlichen bis heute noch besteht. Von hier aus verbreitete sich die Verehrung der Walburga in Deutschland, Österreich, Südtirol, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Ost- und Nordfrankreich; Walburga wurde zu einer der am meisten verehrten und volkstümlichsten Heiligen im Westen der Christenheit. 

 

Tropfen von Myron, die ihre Grabplatte in Eichstätt seit 1042 regelmäßig - meist vom 12. Oktober, dem Tag der Übertragung in die heutige Grabstätte, bis zum Todestag am 25. Februar - absondert, werden als Walburgisöl bezeichnet und in Fläschchen abgefüllt. 

 

Der Todestag der heiligen Walburga, an dem jeweils viele Wallfahrer ihr Grab besuchen, wird am 25. Februar gefeiert. Die Walpurgisnacht vom 30. April auf den 01. Mai ist begründet durch den am 01. Mai begangenen Gedenktag der Übertragung ihrer Reliquien.

 

Zusammengestellt von Thomas Zmija v. Gojan

 

 

Der Heilige Märtyrer Gelasios der Schauspieler

 

27.  Februar

 

Der heilige Gelasios lebte in der kleinen Stadt Mariamne bei Heliopolis in Phönizien. Er war Schauspieler von Beruf. Die antiken Theaterstücke stellten in Form der Dramen und Komödien den Inhalt der antiken heidnischen Philosophie auf der Bühne dar. So war auch Gelasios vollkommen vom Glauben an die heidnischen Mythen und Götzen überzeugt. Zu seiner Zeit begann sich durch die Predigt der heiligen Apostel der christliche Glaube bei den Menschen rund um das Mittelmeer mehr und mehr zu verbreiten. So sah sich auch Gelasios mit den Inhalten des Christentums konfrontiert, das er aber aus tiefster Überzeugung ablehnte. So beschlossen die Komödianten, das Mysterium der Heiligen Taufe auf der Bühne zu parodieren und damit der Lächerlichkeit preis zu geben. Gelasios übernahm bei dieser antichristlichen Parodie die Rolle des Täuflings. Seine Komparsen warfen Ihn währen der Aufführung dafür unter den Johlen und Befallsklatschen der Zuschauer in einen Zuber voll Wasser. Jedoch geschah mitten in dieser Theateraufführung das Wunder, dass sich mitten in dieser beabsichtigte Parodie und Verspottung die verwandelnde Kraft des heiligen Mysterions ereignete, denn Gelasios wurde in seiner Herzen verändert und erkannt plötzlich das Licht der göttlichen Wahrheit. Die Augen seines Herzens erkannten plötzlich, was er bisher nicht verstanden und verspottet hatte. Mitten in der Szene war Christus plötzlich als der Weg, die Wahrheit und das leben in das Leben des Gelasios getreten. Als er sich dann auf der Bühne zu Christus bekannte und sich als Christ bezeichnete, steinigte ihn die aufgebrachte Menge. Doch ehe er eine tödliche Verletzung davontrug, nahmen ihn die römischen Soldaten fest und die heidnischen Autoritäten verurteilten Ihn zum Tod durch Enthauptung. So erlangte der frühere Spötter und nunmehrige Jünger Christi die Krone des Martyriums und das ewige Leben. Dies geschah im Jahre 297.