Heilige und Feste im Monat September - Erster Teil:

 

Das Ende des liturgischen Jahres

 

Nur zwei Wochen trennen das Fest der Entschlafung der Gottesmutter vom Ende des liturgischen Jahres. Der Kreis des Kirchenjahres ist nun fast vollendet. Ein neuer Zyklus beginnt am ersten September.

 

Viele Gläubige sehen den Jahreskreis, in dem sie Jesus von Seiner Geburt bis zu Seiner Verherrlichung begleitet haben, nicht ohne eine gewisse Schwermut enden. Wenn man der Herrlichkeit von Ostern und Pfingsten nahe war, mag eine Rückkehr zu den bescheidenen Anfängen, zur Vorahnung der Geburt, wie eine Herabsetzung erscheinen. Wenn die Fülle erreicht war, warum soll man wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren?

 

Nach unserer menschlichen Verfassung ist es uns nicht möglich dauernd in einem Zustand des Maximums zu bleiben. Wir müssen wieder die grundlegenden Dinge dessen lernen, was wir wissen. Nur durch die dauernd erneuerte und dauernd aufmerksame Betrachtung des Lebens unseres Herrn, in all seinen Aspekten, in all seinen Wechselfällen, können wir vielleicht wenigstens einen Schimmer des Mysteriums Christi erhaschen. Dann sind da ja auch noch unsere Sünden, unsere Verfehlungen. Eine beschmutzte Seele könnte den Glanz der Herrlichkeit Gottes nicht ertragen. Es ist richtig und notwendig, dass sie wieder zurückkehrt in die Zeit der Reue und Buße.

 

Die Wiederholung des liturgischen Zyklus erinnert uns auch daran, dass „Erlösung“, im christlichen Sinne des Wortes, nicht aus ihrem historischen und persönlichen Kontext losgelöst werden darf. Sie ist nicht die Mitteilung einer abstrakten Lehre. Wir sind erlöst, weil „etwas geschah“, weil bestimmte Ereignisse stattgefunden haben. Das liturgische Jahr gedenkt dieser Ereignisse und erneuerte sie auf geheimnishafte Weise.

 

Es wäre falsch, die Fülle des Kirchenjahres mit seinem ruhmreichen Ende gleichzusetzen. Das Mysterium der liturgischen Zeit ist das Mysterium der Zeit selbst: Zeit „verzerrt“ und macht die ewige göttliche Wirklichkeit unvollkommen, wiederholbar und aufeinanderfolgend. In Gott gibt es nur einen Augenblick, in dem alles eingeschlossen ist. Die Fülle des liturgischen Jahres besteht nicht aus einem Gedenkenszyklus über das Leben Christi, der sich immer wieder schließt, denn die Vollendung einer Serie schließt ein, dass es eine Serie gibt, eine Folge von unzusammenhängenden Elementen. Die Fülle des liturgischen Jahres muss man sich qualitativ und nicht quantitativ denken; sie wird erreicht, wenn wir an irgendeinem Tag des Kirchenjahres, an welchem auch immer, fähig sind – durch das besondere Ereignis, dessen gerade gedacht wird – Christus als Ganzes, das Ganze Seines Lebens, das Ganze Seines Wirkens, das Ganze des Wortes zu begreifen. Jedes Fest, ja jeder Tag des Jahres, wird so die Fülle des ganzen liturgischen Kreises. Dieser Kreis wiederholt sich nie: jeder seiner Aspekte spiegelt die unerschöpfliche Tiefe und Fülle Christi, und wird darum neu für uns, sodass wir ihn besser verstehen können. Das liturgische Jahr ist ein Prisma, das das weiße Licht Christi empfängt und in seine verschiedenen Farben aufteilt. Christus ist das Jahr!

 

Quelle: A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace of the Lord, A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992, Seite 245 f.

 

 

Die Bedeutung des liturgischen Jahres 

 

Jedes Jahr, zu Beginn des Monats September, führt die orthodoxe Kirche ihre Gemeinden in einen Zyklus von Gebeten und Gedächtnissen, die das „liturgische“ oder „Kirchenjahr” darstellen. Was genau bedeutet das?

 

Man kann sich das liturgische Jahr vorstellen als ein Abbild der Gottesdienste und Festtage während eines Zyklus von 365 Tagen, von September bis September: kurz, das liturgische Jahr könnte auf einen Kalender reduziert werden. Tatsächlich wird das liturgische Jahr als Kalender dargestellt, aber es mit einem Kalender gleichzusetzen wäre völlig ungenügend. Man könnte auch sagen, dass der Zweck des liturgischen Jahres ist, den Gläubigen die Lehren des Evangeliums und die wichtigsten Ereignisse der Geschichte der Christenheit in einer bestimmten Ordnung nahe zubringen. Das ist durchaus richtig, aber diese pädagogische Funktion deckt bei weitem nicht die Bedeutung des liturgischen Jahres ab. Man könnte auch sagen, dass sein Ziel ist, unser Gebet in eine bestimmte Richtung zu lenken und ihm einen sozusagen offiziellen Weg zu bereiten, der objektiv und in gewisser Weise sogar künstlerisch ist. Auch das ist wahr, aber die Liturgie ist mehr als ein Weg des Gebets und sie ist mehr als ein Gedicht. Die Liturgie ist eine Einheit heiliger „Zeichen“, die mit Absicht und auf Wunsch der Kirche, einen Effekt der Vergegenwärtigung haben.

 

Jedes liturgische Fest erneuert und aktualisiert in gewissem Sinne das Ereignis, für das es ein Symbol ist; es entreißt das Ereignis der Vergangenheit und macht es gegenwärtig; es bietet uns die angemessene Gnade, es wird zu einem „wirksamen Zeichen“, und wir erfahren diese Wirksamkeit in dem Maße wie sich unsere Seele ihm zuneigt. Aber das sagt immer noch nicht alles. Das liturgische Jahr ist für uns ein besonderes Mittel der Vereinigung mit Christus. Ohne Zweifel vereint uns jede Eucharistie innig mit Christus, denn in ihr ist er „der Darbringende und der Dargebrachte“, in der gleichen Weise wie jedes Gebet, das ja ein Gebet der Glieder des mystischen Leibes ist, Teil des Gebetes dessen ist, der das Haupt des Leibes und der Einzige ist, dessen Gebet vollkommen ist. Aber wir sind im liturgischen Jahr aufgerufen das ganze Leben Christi wieder zu leben: von Weihnachten bis Ostern, von Ostern bis Pfingsten werden wir aufgefordert uns mit Christus in seiner Geburt und seinem Wachsen zu vereinen, mit dem leidenden, dem sterbenden, dem triumphierenden Christus und dem die Kirche mit Seinem Geist erfüllenden Christus. Das liturgische Jahr formt Christus in uns, von seiner Geburt bis zum vollkommenen Menschen. Nach einem mittelalterlichen lateinischen Wort ist das liturgische Jahr Christus selbst, annus est Christus.

 

Zusätzlich zum Zyklus der Feste, die sich direkt auf unseren Herrn beziehen, enthält das Kirchenjahr den Kreis der Heiligenfeste. Man sollte aber nicht meinen, dass diese beiden Kreise parallel und unverbunden zu einander laufen, denn die Heiligen sind die verherrlichten Glieder des Leibes Christi. Ihre Heiligkeit ist eine Sichtweise, ein leuchtender Strahl der Heiligkeit Christi selbst. Ein Heiligenfest feiern heißt eine besondere Gnade zu feiern, die von Christus zu dem Heiligen fließt und damit auch zu uns; damit feiert man auch die Seite unseres Herrn, die sich besonders in dem Heiligen offenbart; damit tritt man (zu unserem Vorteil) in die Gebetsgemeinschaft ein, die den Heiligen mit Christus verbindet. Aber es ist noch mehr. In gleicher Weise wie die Herrenfeste auf geheimnishafte Weise die Ereignisse seines Lebens erneuern, machen die Heiligenfeste ihr Leben, ihre Verdienste und ihren Tod geheimnishaft gegenwärtig, so wie sie am Leben, den Verdiensten und dem Tod Jesu teilhaben.

 

Die Martyrergedächtnisse erneuern die Gnade ihres gewaltsamen Todes, da sie ja Teilhaber an der Passion Christi waren, in einer Weise, dass diese Passion im Gedenken an die Märtyrer wiederbelebt wird. Das liturgische Jahr hat immer nur ein und das selbe Ziel: Jesus Christus, ob wir ihn nun direkt oder durch die Glieder seines Leibes betrachten.

 

Im Laufe des Kirchenjahres wird uns große Gnade und geistliche Gelegenheit geboten. Es sorgt für Rahmen und Unterstützung der christlichen Frömmigkeit; es bietet einen nüchternen und objektiven Stil; es stellt ein Band der Einigkeit zwischen den Gläubigen her. Und vor allem vermittelt es Inspiration. Man soll sich aber vor einem übermäßigem „Liturgismus“ hüten, der Gebet in rituelle Rahmen einengen will. Der liturgische Weg ist nicht der einzige Weg. Heilige und Mystiker haben manchmal die äußere Form auf ein Minimum beschränkt; Einsiedler sind oft ganz ohne ausgekommen. Liturgisches Leben ist kein Selbstzweck; es ist nur ein Mittel – unter anderen – das Reich Gottes, das „in uns ist“ zu erreichen. Unsere Teilnahme am Kirchenjahr ist leer, wenn der äußere Kreis nicht übereinstimmt mit einem inneren und wenn die Ereignisse aus dem Leben Christi sich nicht geheimnishaft erneuert in unserer Seele wiederfinden. Das liturgische Jahr erhält seine wahre Bedeutung in dem Ausmaß wie es zu einer Anbetung im Geist und in der Wahrheit wird.

 

Quelle: A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace of the Lord, Crestwood N.Y. 1992, Seite 1.

 

 

Gedanken zum Beginn des neuen Kirchenjahres  

 

01. September 

 

Dein Reich, Christus Gott, ist ein Reich für alle Ewigkeiten und Deine Herrschaft währet über alle künftigen Geschlechter. Alles hast in Weisheit Du geschaffen, für alles Zeiten und Jahre festgesetzt. Deshalb danken wir Dir für alles und für alle. Segne den Kranz dieses Jahres durch Deine Güte und mache uns würdig Dich reinen Herzens zu preisen: Herr, Ehre sei Dir.

 

Idiomelon

 

Im Land der Bibel und in allen Ländern in den Kulturen rund um das Mittelmeer war es vollkommen normal, den Beginn des neuen Jahres in den Herbst zu legen. Denn die Ernte des Sommers war dann beendet, die Feldfrüchte waren eingebracht worden und die Bauern bereiteten sich wiederum auf ein neues Jahrzyklus mit Aussaat und Ernte vor. Dies war die am besten geeignete Zeit, das neues Jahr zu beginnen.

 

In vielen gottesdienstlichen Gesänge für diesen ersten Tag des neuen Kirchenjahres finden wir den Gedanken, dass es in der Hand Gottes liegt, uns dieses kommende Jahr zu schenken und zu segnen, es für uns zu einem JAHR DES HERRN zu machen. Die gottesdienstlichen Hymnen beziehen sich umschreibend auf den Wortlaut des Psalms 64. Er ist ein Lobpsalm auf dem Schöpfer, der als Heiliger HERR (Kyrios) ehrfurchtgebietend ist, aber die Erde ebenso reichlichnährt in Seiner überströmenden Güte.

 

„Segne, o Herr, den Kranz des Jahres mit Deiner Güte!“

 

Die Güte des Herrn offenbart sich in Seine fürsorgenden Menschenliebe, in Seiner rettenden Barmherzigkeit und übergroßen Gnade. Die Gebete der Kirche erflehen, dass das kommende Jahr ein Jahr der Gnade sein möge, ein Jahr, das von Gott mit Seinem überfließenden Segen erfüllt sein möge. Denn jedes neue, nun anbrechende Jahr kann für uns ein Gnadenjahr sein, ein von Gott gesegnetes Jahr.

 

 

Die Gebete und Hymnen der Orthodoxen Kirche erzählen nicht nur von den wunderbaren Werken Gottes zu unserer Erlösung in der Schöpfung und im Laufe der vergangenen Geschichte, sondern zeigen auch, wie wir jedes Jahr zu einem Gnadenjahr, zu einem JAHR DES HERRN machen können. Die allererste Stichire im Vespergottesdienst dieses neuen liturgischen Jahres, gesungen im freudigen ersten Ton, erinnert uns daran, dass die grundlegende Haltung eines Christen das tägliche vertrauensvolle Gebet, das Gespräch mit  Gott ist. Diese Stichire ist auch deshalb interessant, weil sie sich inhaltlich noch auf eine andere Stelle der Heiligen Schrift bezieht:

 

Wir haben das Gebet durch die ausdrückliche göttliche Unterweisung Christi gelernt und wollen jeden Tag zum Schöpfer rufen: „Vater unser, der Du in den Himmeln wohnst, gib uns das notwendige Brot und sieh' über unsere Verfehlungen hinweg.

 

Stichire zu „Herr ich rufe zu Dir“ in der Vesper. 

 

Natürlich bezieht sich diese Stichire auf das Gebet des „Vater Unser“. Die oben angeführten Gesänge und auch das „Vater Unser“ bilden die drei große Leitlinien, denen wir folgen sollen, um das kommende Jahr zu einem JAHR DES HERRN, zu einem Gnadenjahr Gottes zu machen. Diese Grundsätze finden wir in der Lehre Jesu Christi. Sie ist der Quelle aller Wahrheit in unserem Leben. Unser Vater im Himmel ist ein uns persönlich zugewandter Gott, der sich um unsere materiellen und spirituellen Nöte kümmert, wenn wir Ihn im Glauben um Hilfe bitten. Das tägliche Gebet ist die Art und Weise, wie wir mit Ihm in Verbindung treten können. Als zur Gemeinschaft mit Gott erschaffene Wesen, ist unser „in-der-Gemeinschaft-mit –Gott-sein“ der Atem des Lebens für unsere Seele und unser ganzes geistliches Leben. Beten ist der Draht, der unsere lebenswichtige Beziehung zu Gott wachsen läßt. Das tägliche vertrauensvolle Gebet zu Gott heiligt jeden Augenblick unseres Tages, sei es bei der Arbeit, in der Freizeit und Erholung, bei der Rast oder in Schwierigkeiten. Es erfüllt ihn mit der lebensschaffenden Gegenwart Gottes und macht ihn stets aufs neue zu einem Augenblick in Gottes Gegenwart.

 

Bildner der ganzen Schöpfung, der Du die Jahreszeiten in eigener Machtvollkommenheit festgesetzt hast, segne den Kranz des Jahres Deiner Güte, o Herr, bewahre in Frieden Dein Volk, durch die Fürbitten der Gottesgebärerin, und errette uns.

 

Troparion des Festes.

 

Die Gottesdienste der Orthodoxen Kirche sind erfüllt vom lebendig machenden Wort Gottes. Für den ersten Tag des neuen Kirchenjahres sind acht Lesungen vorgesehen, drei aus dem Alten Testament, die beim Vespergottesdienst gelesen werden, und fünf aus dem Neuen Testament, die im Morgengottesdienst und während der Göttlichen Liturgie vorgetragen werden. Die Vesper wird am vorhergehenden Abend, also am 31. August gefeiert, weil nach der Heiligen Schrift und der orthodoxen kirchlichen Tradition der neue Tag schon mit dem Sonnenuntergang beginnt.

 

 

Die Evangeliumslesung in Göttlichen Liturgie ist aus dem Lukas-Evangelium (4:16-22) entnommen. Dieser Abschnitt aus der Heiligen Schrift führt uns das erste Auftreten der HERRN in der Öffentlichkeit vor Augen. Die Lesung berichtet uns davon, wie Er in der Synagoge aus dem Buch des heiligen Propheten Jesaja vorliest und der Welt die vorverkündenden Worte des Propheten auslegt: In Christus erfüllen sich alle Vorhersagen und Prophezeiung der Gottsucher des Alten Bundes. 

 

Hier erkennen wir, wie der Beginn des messianischen Wirkens des HERRN in der Öffentlichkeit und der Beginn des kirchlichen Jahres in Eins zusammenfallen. Nach der orthodoxen liturgischen Tradition kam Jesus nach Nazareth, um am 01. September die Frohe Botschaft, das Euangelion Seines heilbringenden Wirkens, zu beginnen. Es ist eine wichtige geistlich-theologische Aussage, wenn die heilige Kirche in ihren Gottesdiensten den Beginn des liturgischen Jahres und den ersten Tag des öffentlichen Auftretens Jesu Christi miteinander verbindet. Im liturgischen Vollzug wird dieses Geschehen in Nazareth für uns dann gegenwärtig. Die Kirche lässt uns pädagogisch-liturgisch erfahren, dass Christus heute auch zu uns genauso spricht, wie Er zu Seinen Zeitgenossen in Nazareth gesprochen hat. Die Frage ist: Werden wir Ihn annehmen oder abweisen? Werden wir uns gegen Sein Wort auflehnen, werden wir es schlicht ignorieren, oder werden wir uns durch Ihm ansprechen lassen und uns Ihm und Seiner Heilsbotschaft  zuwenden?

 

Das Hören des heiligen Evangeliums Christi verlangt eine gläubige Antwort, gegeben von Geist (νοῦς), Seele und Leib. Die unbedingte Liebe Gottes – die Er durch das kostbare Geschenk, das er uns durch das Kommen Seine Sohnes gegeben hat, Der Sein Blut am Kreuz für unsere Erlösung vergoss, verlangt nach unserer ganz persönlichen Antwort. Christi Liebe zu uns wartet auf der Ganzhingabe des von Seiner heilbringenden Gegenwart ergriffenen Menschen.

 

 

Der heilige Symeon der Stylit, dessen die orthodoxe Kirche am ersten Tag des Kirchenjahres gedenkt, führt uns mit seinem Leben das Beispiel für unerschütterliche Ganzhingabe vor Augen. Der heilige Symeon lebte viele Jahre lang erfüllt vom Gebet auf einer Säule (griechisch „στύλος“, deshalb wird er Stylit genannt). Sein Leben wurde in dieser Zeit nur durch die Kraft Gottes erhalten. Sein asketisches Zeugnis in nicht ein Zauber oder Kunststückchen vollendeter Körperbeherrschung, sondern gerade in seiner radikalen Abkehr von der Verhaftung an alles Irdische ein besonders herausfordernder Hinweis auf das am Ende für das Heil des Menschen alles bedeutende Streben nach dem Reich Gottes. Sein Zeugnis für Christus machte auf unzählige Generationen orthodoxer Christen einen solch großen Eindruck, dass auch sie ihr Leben dem HERRN als Mönche und Nonnen weihten. So war der heilige Symeon nicht nur in den 40 Jahren seines irdischen Lebens, sondern auch für kommende Generationen ein fortlebendes Zeugnis (μάρτυς = Zeuge, μαρτύριον = Zeugnis) für Christus!

 

Eine der Hymnen zu seinem Gedächtnis vergleicht den Heiligen mit Christus Selbst:

 

O seliger Vater, da du in der Kraft des göttlichen Geistes deinen Herrn nachgeahmt hast, bist du auf die Säule wie auf das Kreuz hinaufgestiegen. Jener hat den Schuldbrief gegen alle getilgt, du aber hast den Aufruhr Deiner Leidenschaften ausgelöscht; jener wie das Lamm, du wie eines seiner Opfertiere; jener am Kreuz, du auf der Säule. O seliger Symeon, sei uns ein Vermittler, damit unsere Seelen gerettet werden.

 

Stichire aus der Vesper

 

Wenn uns die Kirche das Beispiel der extremen Askese zu Beginn des liturgischen Jahres vor Augen führt, zeigt sie uns, wie ernst sie den Vorrang der Nachfolge Christi für das Gelingen eines christlichen Lebens nimmt und wie kompromisslos sie dem, von den Werten des Glaubens geprägten Lebensentwurf den Vorzug vor allen innerweltlichen Werten gibt. Es ist heutzutage auch eine unmissverständliche Warnung vor den Irrlichtern des Zeitgeistes, die uns vorgaukeln möchten, dass dieses irdische Leben alles und die Gier nach materiellen Gütern das höchste menschliche Gut sei. 

 

Deshalb gibt es am Vorabend des neuen Kirchenjahres keine Feierstimmung oder fröhliches Beisammensein. Der Abend sieht nicht Wein und Gesang, sondern Betrachtung, Nachdenken und Gebet vor. Unsere orthodoxe Kirche  fordert uns auf zu verweilen, den Geist zu erneuern und über das vor uns liegende Jahr nach zu denken zu meditieren. So ist der kirchliche Neujahrstag für uns orthodoxe Christen ein willkommener Anlass uns Lebenskompass wieder ganz neu auf CHRISTUS UNSEREN GOTT auszurichten.

 

Der Ewigkeiten Schöpfer und Gebieter, Gott des Alls, wirklich Überwesentlicher, segne den Lauf des Jahres, erlöse in Deiner grenzenlosen Gnade, o Barmherziger, alle, die Dir dienen, dem einzigen Gebieter, und ausrufen in Ehrfurcht, o Befreier: fruchtbringend gewähre allendas Jahr!

 

Kontakion der Indiktion im 4.Ton.

 

Zusammengestellt von Thomas Zmija v. Gojan nach Gedanken aus: “The Year of Grace of the Lord: A Scriptural and Liturgical Commentary on the Calendar of the Orthodox Church.”

 

 

Das orthodoxe Kirchenjahr

 

zum 01. September

 

Am 01. September beginnt in der orthodoxen Kirche das Kirchenjahr, während es bei den westlichen Christen erst mit dem 1. Advent beginnt.

 

Troparion zur Indiktion im 2. Ton: Bildner der ganzen Schöpfung, der Du die Zeiten und Jahre in Deiner Macht bestimmt hast,  segne den Kranz des Jahres in Deiner Güte, o Herr, bewahre in Frieden Führung und Volk auf die Fürbitten der Gottesgebärerin, und errette uns.

 

Kontakion zur Indiktion im 3. Ton von Patriarch Kyrillos (1813): Der Du alles in unbeschreiblicher Weisheit geschaffen und uns in Deiner Macht die Zeit bestimmt hast, schenke Starke Deinem gläubigen Volk.Segne das ganze Jahr unser Kommen und Gehen,lenke unsere Taten nach Deinem göttlichen Willen.

 

 

Das orthodoxe Kirchenjahr besteht aus einem Doppelkranz von Festen, von denen der erste Festkreis mit der Vorfastenzeit beginnt und in Pas´cha, der lichten Auferstehung unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus gipfelt. Dieser Festkreis um das Osterfest – das ist der Kranz des Sonnenjahres –, und der andere Festkreis – der Kranz des Mondjahres – der sich aus den datumsgebundenen Einzelfesten zusammensetzt und am 01. September anfängt. Da jeder Tag grundsätzlich an beiden Festkreisen Anteil hat, machen erst beide Kränze ineinander verflochten die unverwechselbare Eigenart eines jeden Jahres aus.

 

Die liturgischen Texte des Osterfestkreises werden für die Vorfastenzeit, die Fastenzeit und die Heilige und Hohe Woche (Karwoche) aus dem Triodion (Fasten-Triod) entnommen. Von der Osternacht bis zum Allerheiligenfest am Sonntag nach Pfingsten ist das Pentekostarion (Blumen-Triod) zuständig. Danach finden sich die benötigten Wechsel- Texte für die Sonntage und die Wochentage im Oktoichos (Acht- Töne- Buch). Für die datumsgebundenen Feste des Mondjahres sind die Menaen (Monatsbucher) zuständig. Eine auszugsweise Sammlung der Menaen, angefangen mit dem September, bringt das Menologion. Was die Zuordnung und Auswahl der Texte aus beiden Festkreisen für einen bestimmten Tag betrifft, so gibt es feste Regeln, die allerdings bei den Slawen etwas anders sind als bei den Griechen. Da das Osterfest nicht immer auf dasselbe Datum fällt, ist die Zuordnung des Osterfestkreises und des Heiligenfestkreises in jedem Jahr anders. Darum ist es nötig, dass für jedes Jahr ein eigener Kalender herausgegeben wird. Fragt man nach der Gliederung im Kirchenjahr, so muss man zunächst festhalten, dass aufs Ganze gesehen der Sonnenfestkreis dem Mondfestkreis vorgeordnet ist, so wie Christus Selbst, die Sonne der Gerechtigkeit, den Heiligen, die Sein Licht reflektieren, vorgeht. Das bedeutet im Einzelnen: Von der Vorfastenzeit an regiert der Sonnenfestkreis, da von nun an die Gläubigen auf Ostern ausgerichtet sind und sich immer mehr dem Mysterium von Kreuz und Auferstehung Christi annähern, zunächst durch ein Wachsen in Sündenerkenntnis und Reue. Nur gerade das Fest der Verkündigung am 25. März ragt aus dem Mondfestkreis herüber. Die Basilius- Liturgie am Heiligen und Hohen Sabbat ist der Augenblick, an dem Christus die Macht des Todes zerbricht. In den Ostermetten feiern wir dann jubelnd die Auferstehung des Herrn. Auch die Zeit der Pentekoste (Pfingsten) wird vom Sonnenfestkreis beherrscht. Denn bis zum Tag vor Himmelfahrt dauert die Osterzeit, in der die persönliche Aneignung der Auferstehungswahrheit im Mittelpunkt steht. Von Himmelfahrt bis Pfingsten bereitet sich die Kirche auf die Ausgießung des Heiligen Geistes und die damit verbundene volle Offenbarung der Dreieinigkeit Gottes vor. Die ganze Zeit der Pentekoste ist eine Zeit des Wachsens im Glauben und in der Gotteserkenntnis. Nach Pfingsten folgt dann eine Zeit der Heiligung und des Wachsens im Heiligen Geiste; jetzt geht gleichsam die Führung im Kirchenjahr an das Mondjahr über, denn die Heiligengedächtnisse prägen die Zeit und erinnern an die Vergöttlichung (griechisch Theosis), zu der jeder Gläubige gerufen ist. Nur noch die Sonntage spiegeln im Acht- Wochen- Zyklus den Ostertag wieder. Die wichtigsten Feste nach Pfingsten sind: am 24. Juni die Geburt Johannes des Täufers, am 29. Juni das Gedächtnis der Apostelfürsten Petrus und Paulus, am 20. Juli das Fest des Propheten Elias, am 01. August eine Kreuzesverehrung und das Gedächtnis der Makkabaischen Brüder, am 06. August das Hochfest der Verklärung Christi, am 15. August die Entschlafen der Gottesgebärerin (griechisch Koimesis, slawisch Uspenie), am 29. August die Enthauptung des Johannes des Täufers. Am ersten September beginnt das neue Jahr; am 8. September wird die Geburt der Gottesmutter gefeiert. Das Hochfest der Kreuzerhöhung am 14. September ist eine Zeitenwende im Orthodoxen Kirchenjahr. Denn hier wird die nachpfingstliche Zeit der Erfüllung erneut zur vorösterlichen Zeit der Erwartung.

 

Zunächst ist es allerdings die Erwartung der Geburt und Erscheinung (Theophanie) Christi, die innerhalb des Mondjahres stehen; bereits die Feier der Geburt der Gottesgebärerin war eine erste Hinführung zu diesem Mysterium. Die Vertiefung der Erwartung erfolgt durch das Hochfest des Tempelgangs der Gottesgebärerin und dann durch die vorweihnachtliche Fastenzeit mit den beiden großen Gedächtnis- Sonntagen: dem Herrntag der Gottesahnen und dem Herrntag der Väter, die beide bereits zum eigentlichen Weihnachtsfestkreis gehören. Außer dem Geburtsfest Christi am 25. Dezember und Theophanien, am 06. Januar, dem Höhepunkt des Mondjahres, bestimmen die eigentliche Weihnachtszeit eine Reihe weiterer Feste: am 26. Dezember das Mitfest der Gottesgebärerin, am 27. Dezember das Gedächtnis des ersten christlichen Märtyrers Stephanus, am 29. Dezember das Gedächtnis der unschuldigen Kinder von Bethlehem, am 01. Januar die Beschneidung des Herrn und das Gedächtnis des heiligen Basilius des Großen, am 07. Januar das Mitfest Johannes des Täufers, am 02. Februar die Begegnung des Herrn mit Simeon und Anna im Tempel (griechisch Hypapante). Von da an beginnt schon wieder die Vorfastenzeit, die die Aufmerksamkeit der Gläubigen auf Kreuz und Auferstehung des Herrn ausrichtet.

 

Überschaut man das orthodoxe Kirchenjahr als Ganzes, so fällt zunächst auf, dass die beiden Jahresfestkreise einander zugeordnet sind wie die beiden Naturen in Christus: ungetrennt und ungeschieden, unvermischt und unverwandelt, wobei das Sonnenjahr der göttlichen Natur und das Mondjahr der menschlichen Natur in Christus entspricht.

 

Die Feste im orthodoxen Kirchenjahr bedeuten, dass der innere Wachstumsprozess eines Gläubigen ohne Unterbrechung immer intensiver stattfinden kann. Denn der, der sich auf das orthodoxe Kirchenjahr einlässt und es mit der Kirche im Gebet, in Fasten und Feiern mit- und nachvollzieht, der erfährt bald, dass er hineingenommen wird in ein geistliches Wachsen, durch welches er, wie ein Baum, gleichsam Jahresringe ansetzt. Solche Jahresringe bedeuten einen Substanzgewinn und sind die unabdingbare Voraussetzung dafür, dass die Zweige sich ausbreiten und die Vögel des Himmels in ihnen nisten können.

 

Quelle: Christus in euch: Hoffnung auf Herrlichkeit, Orthodoxes Glaubensbuch,

Göttingen 2000

 

 

Zum Beginn des neuen Kirchenjahres

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Nur wenige orthodoxe Christen wissen, warum der Beginn des Kirchenjahres auf den 01. September fällt. Unsere katholischen und evangelischen Mitchristen beginnen ihr Kirchenjahr mit den ersten Sonntag im Advent. Die vorweihnachtliche Adventszeit der abendländischen Kirchen entspricht unserer vorweihnachtlichen Fastenzeit. Das neue bürgerliche Jahr schließlich beginnt am der 01. Januar. Um die ganz andere Jahreseinteilung des byzantinischen Kalenders verstehen zu können, müssen wir zurück in die antike Mittelmeerwelt reisen. Im Heiligen Land und den übrigen Ländern rund um das Mittelmeer war es normal vden Beginn des neuen Jahres in den Herbst zu legen. Dann war die Ernte beendet und die Landbevölkerung bereitete sich von neuem darauf vor, einen neuen Zyklus von Aussaat und Ernte zu beginnen. Hier war nun auch der rechte Zeitpunkt, um ein neues Jahr zu beginnen.

 

Viele der kirchlichen Gesänge für diesen ersten Tag des Kirchenjahres sprechen deutlich davon, dass es die Sache Gottes ist, das kommende Jahr zu beginnen und zu segnen, damit es für die Menschen ein Jahr des Herrn werden möge:  „Segne, o Herr, den Kranz des Jahres mit Deiner Güte!“

 

Die Güte des Herrn ist Seine Liebe, Barmherzigkeit und Gnade. Das Gebet der Kirche bittet am kirchlichen Neujahr darum, dass das kommende Jahr ein Jahr der Gnade sei, ein neues, von Gott mit den spirituellen und materiellen Gütern Seiner Güte gesegnetes  Jahr. Denn jedes neue Jahr kann für uns zu einem Gnadenjahr werden, wenn es ein von Gott gesegnetes Jahr ist.

 

Damit das kommende Jahr ein Gnadenjahr des Herrn werden kann, ruft uns die Heilige Kirche am Beginn des neuen Jahres die wichtigen geistlichen Anker unseres Lebensschiffes vor Augen: Der erste dieser geistlichen Anker ist, dass wir unser gesamtes Leben am Heiligen Evangelium, der Lehre Jesu Christi orientieren, damit es für uns zur Quelle aller Wahrheit werden kann. Der zweite wichtige Anker ist unser tägliches Gebet, durch das wir mit Gott, unserem Vater im Himmel, in eine persönliche Gemeinschaft treten. Denn unser Vater im Himmel ist ein barmherziger und menschenliebender Gott, der sich um unsere materiellen und spirituellen Nöte kümmert, wenn wir Ihn im Glauben vertrauensvoll bitten. Das tägliche Gebet ist die Art und Weise wie wir mit Ihm Verbindung aufnehmen können. Es ist das Mittel, um unsere so lebenswichtige Beziehung zu Gott zu pflegen. Das tägliche vertrauensvolle Gebet zu Gott heiligt jeden Augenblick unserer Tage, sei es in der Arbeit, sei es in unserer Freizeit und Erholung oder aber in Nöten und bei Schwierigkeiten. Das Gebet erfüllt unseren Alltag mit der lebendigen Gegenwart Gottes. Das Gebet macht jeden Augenblick unsere Tage zu einem Augenblick in der Gegenwart  Gottes.

 

Deshalb gibt es am Vorabend des kirchlichen Neujahrstages auch keine fröhlichen Feiern oder ausgelassenes Beisammensein. Der Abend sieht nicht Wein und Gesang vor, sondern Kontemplation, Nachdenken und Gebet. Der kirchliche Jahreswechsel sollte ein Zeitpunkt der Dankbarkeit gegen über Gott für Seine uns erwiesenen Wohltaten – diejenigen, die wir kennen, und vor allen auch diejenigen, die wir nicht kennen sein. Er ist ein guter Zeitpunkt, um zu verweilen und den Geist neu auszurichten, indem wir über das nun vor uns liegende neue Jahr im geistlichen Sinn nachzudenken. Deshalb ist der kirchliche Jahreswechsel für uns orthodoxe Christen auch ein besonders geeigneter Zeitpunkt, um unser Leben Christus, unserem Gott, wieder umfassend zu widmen.

 

 

Die heiligen Propheten Mose und Aaron

 

zu ihrem Gedenken am 04. September 

 

Der heilige Prophet Mose – sein Name bedeutet „herausziehend“ oder „herausgezogen“, nämlich aus dem Wasser – war der größte der Weisheitsliebenden, der weiseste Gesetzgeber, der älteste Historiker. Er war vom Stamme Levi, Sohn des Amram und der Jochebed (s. Num 26,59). Er wurde in Ägypten im 17. Jahrhundert vor Christus geboren. Als er noch ein kleines Kind von drei Monaten war, wurde er in einen Korb aus mit Pech verschmierten Papyrusblättern gesetzt, und in die Fluten des Nils gestoßen, aus Furcht vor dem Befehl des Pharaos an die Hebammen der Hebräer, alle männlichen Kinder der Hebräer zu töten. Er wurde von der Tochter des Pharaos aus dem Fluss gezogen, von ihr adoptiert und aufgezogen und lebte vierzig Jahre lang im Königspalast. Als er ungefähr 60 Jahre alt war, floh er nach Midian, wo er auf dem Berge Horeb, die Vision des brennenden Dornbuschs hatte. So wurde er von Gott auserwählt, Israel aus dem Lande Ägypten zu führen. Er führte Israel durch das Rote Meer als sei es trockenes Land und führte das Volk 40 Jahre lang. Er wirkte viele Zeichen und Wunder und schrieb die ersten fünf Bücher des Alten Testaments, den Pentateuch. Als er das Land Moab erreichte, stieg er auf den Berg Nebo, den Gipfel des Pisga und entschlief dort wie es der Herr bestimmt hatte im 16. Jahrhundert vor Christus mit 120 Jahren. 

 

Die ersten beiden Oden des AT „Singen will ich ein Lied dem Herrn“ (Ex 15,1b) und „Horcht her, ihr Himmel, nun will ich reden“ (Dtn 32,1), wurden von ihm geschrieben. Der erste Hymnus wurde am Ufer des Roten Meeres gesungen, als die Israeliten es durchquert hatten, der zweite im Lande Moab, einige Tage vor seinem Entschlafen. 

 

 

Aaron war der ältere Bruder Mose. Er wurde von Gott als Sprecher des Mose zum Volk, aber auch zum Pharao in Ägypten bestimmt. Später, in der Wüste, wurde er zum Hohenpriester berufen, wie es in den Büchern Exodus, Leviticus und Numeri im AT erzählt wird. Sein Name bedeutet „erleuchtet“. 

 

Kontakion:

 

Der Chor der Propheten frohlockt mit Mose und Aaron heut in Freude; denn die Erfüllung ihrer Weissagungen ist an uns geschehen: Jetzt strahlt das Kreuz, durch welches du uns errettet hast; durch ihre Gebete, Christus, o Gott, erbarme dich unser! 

 

Quelle: Andreasbote September 2009

 

Wunder des heiligen Erzengels Michael in Chonai - Чудо Архистратига Михаила в Хонех.
Wunder des heiligen Erzengels Michael in Chonai - Чудо Архистратига Михаила в Хонех.

 

Der heilige Erzengel Michael und das Wunder in Chonai 

 

06. September

 

Der Name des heiligen Erzengeln Michael (hebräisch מיכאל ; „Mīkā’īl“ bzw. „Mīkāl“, ausgesprochen) ist ein „sprechender“ Name, denn das hebräische Wort מיכאל bedeutet: „Wer ist wie Gott?“ Über den heiligen Michael berichtet uns das Neue Testament an zwei Stellen. Die erste finden wir im Buch der Apokalypse:

 

„Im Himmel entbrannte ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten, und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satanas heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.“

Apokalypse 12:7 - 9 

 

Die zweite Stelle finden wir im Brief des heiligen Apostel Judas. Der Brief des heiligen Apostels Judas ist ein kurzer Mahn- und Trostbrief an die Christen in Verfolgung und Bedrängnis. Dort lesen wir: 

 

„Als der Erzengel Michael mit dem Teufel rechtete und über den Leichnam des Mose stritt, wagte er nicht, den Teufel zu lästern und zu verurteilen, sondern sagte: Der Herr weise dich in die Schranken.“

Judas 9 

 

Die Christen verehren den heiligen Erzengel Michael insbesondere als Bezwinger des Teufels und als Anführer der himmlischen Heerscharen (Archistrátegos dynameon Kyriou), die vor dem Throne stehen. So singen die orthodoxen Christen jeden Montag das folgende Troparion: 

 

im 4. Ton: Heerführer der himmlischen Scharen, * wir Unwürdigen bitten euch immerdar: *Beschirmt uns durch eure Fürbitten im Schatten der Flügel eurer unstofflichen Herrlichkeit. *Demütig rufen wir ohne Unterlass: * erfleht, dass wir befreit werden aus den Gefahren, ** ihr Fürsten der überirdischen Mächte. 

 

 

 

 

Der heilige Erzengel Michael ist der Bezwinger des Teufels in Gestalt des Drachen (Höllensturz) sowie der Anführer der himmlischen Heerscharen, die im Osten vor dem Thron Gottes stehen. Die letzten Worte, die Satan vor seinem Sturz hörte, waren: „Wer ist wie Gott?“ – eine wörtliche Übersetzung des hebräischen Mi-ka-el. Der heilige Erzengel Michael ist der Hüter der Tore des Paradieses. Am Tage des Jüngsten Gerichtes wird er als „Seelenwäger“ die Taten eines Jeden vor dem Throne Gottes offenbar werden lassen.

Die Stadt Konstantinopel hat der heilige Erzengel Michael zweimal errettet: Im Jahre 626 vor den Awaren und im Jahre 676 vor den Arabern. 

In Konstantinopel waren dem heiligen Erzengel Michael fünfzehn Kirchen geweiht. Deren wichtigste, das Michaelion, befand sich in Sosthenion, etwa fünfzig Meilen südlich der Stadt. Eine weitere berühmte Michaelskirche stand innerhalb der Stadtmauern bei den Arcadius-Thermen. Nach dem Chronisten Prokopios wurden sechs Michaelskirchen allein von Kaiser Justinian I. erbaut.

Der heilige Großfürst Dmitri Donskoi betete vor seiner siegreichen Schlacht gegen den Mongolenkhan Mamaj auf dem Kulikowo-Feld im Jahre 1380 vor einer Ikone des „Himmlischen Führers und Archistrategen Michael". 

In der lateinischen Kirche legte Papst Gelasius I. im Jahr 493 das Fest des heiligen Erzengels Michael und aller Engel auf den 29. September, den Weihetag der Michaelskirche an der Via Salaria in Rom, fest. Der weströmisch-fränkische König Karl verkündete im September 813 auf einer Reichsversammlung in Aachen, dass dieser, bis dahin nur lokal begangene, Festtag des heiligen Erzengels Michael, in ganz Deutschland jeweils am 29. September gefeiert werden sollte. So wurde der heilige Erzengel Michael auch zu einem der Schutzpatrone Deutschlands.

  

 

 

Und mit dem Kondakion bitten sie im 2. Ton:

 

Heerführer Gottes, Liturgen göttlicher Herrlichkeit, * der Engel Führer und der Menschen Geleiter: * das Zuträgliche erflehet für uns und das große Erbarmen ** als der Körperlosen Heerführer.

 

Als der heilige Erzengel Michel als Heerführer der himmlischen Schaaren gegen Satan und seine Dämonen siegreich kämpfte, waren die letzten Worte, die der Satan vor seinem Sturz hörte: „Wer ist (groß) wie Gott?“ in der hebräischen Sprache lautet dies: „Mi-ka-el“. 

 

Der heilige Erzengel Michael ist ebenfalls der Torhüter zur Pforte des Paradieses. Nachdem unsere Stammeltern wegen des Sündenfalls aus dem Paradies vertrieben worden waren, bewachte der heilige Erzengel mit dem Flammenschwert das vor den Menschen verschlossene Tor zum Paradies. Und nachdem unser Herr und Erlöser Jesus Christus unsere Erlösung am Kreuz gewirkt und auferstanden war, öffnete der heilige Erzengel Michael dieses verschlossene Tor für die Seelen der seit Anbeginn entschlafenen Heiligen und Gerechten, die Christus aus dem Reich des Todes befreit hatte, aber auch für die Seele des guten Schächers, des heiligen Dismas dem Christus versprochen hatte:

 

„Wahrlich ich sage dir: Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“ 

 

Am Tage des jüngsten Gerichtes wird der heilige Erzengel Michael vor dem Richterstuhl Christi stehen und die guten und bösen Taten eines jeden Menschen, der je gelebt hat, „abwägen“. Deshalb wird er auch auf den Ikonen des Jüngsten Gerichtes mit einer Waage in der Hand dargestellt. 

 

In der eschatologischen Erzählung des Buches Daniel (10, 13, 21, 11,1ff.) hat der heilige Erzengel Michael eine Schlüsselfunktion, da er die apokalyptischen Visionen des Propheten Daniel entschlüsselt und somit eine Botenfunktion zu den Gläubigen, d. h. dem Volk Gottes, einnimmt. Daniel nennt ihn „einen der vornehmsten (himmlischen) Fürsten”. Insbesondere stellt er ihm als den „Fürsten der Juden” vor, der sich vor anderen Engeln der Völker darin ausgezeichnet, dass er der Schutzengel des auserwählten, von Gott besonders geliebten, mit seiner Offenbarung und seinen Verheißungen begnadeten Volkes ist. Deshalb wird von Daniel „der große Fürst, der für die Söhne seines Volkes steht” und sich “erhebt zu seiner Errettung” genannt:

 

"In jener Zeit wird sich Michael erheben, der grosse Engelfürst, der die Söhne deines Volkes beschützt. Es wird eine Zeit der Bedrängnis sein, wie sie nie gewesen, seitdem es Völker gibt. Dein Volk aber wird in jener Zeit gerettet werden, jeder, der im Buche sich geschrieben findet. Viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen, die einen zu ewigem Leben, die andern zur Schmach und ewiger Schande. Die Frommen werden leuchten wie der Glanz des Firmamentes, und die, welche viele zur Gerechtigkeit angeleitet haben, wie die Sterne in alle Ewigkeit".

 

Daniel 12:1-3

 

 

Die Verfasser der jüdischen Midrasch-Texte erkennen den heiligen Erzengel Michael häufig auch in namentlich nicht näher bezeichneten biblischen Engelsgestalten, so etwa:

 

• im Cherubim, der den Menschen die Rückkehr ins Paradies verwehrt (Genesis 3:24).

 

• in einem der Engel, die nach Sodom gingen (Genesis 19:1 ff.), um Lot zu retten.

 

• im Engel, der Isaak vor dem Opfertod errettet hat (Genesis 22:11 ff.).

 

• im Engel, mit dem Jakob gekämpft hat (Genesis  32:25 ff.).

 

• im Engel, der sich der Eselin des Bileam in den Weg stellte (Numeri  22:22).

 

• im „Fürst über das Heer des Herrn“ (Josua 5:13 – 15).

 

• im Engel, der das Heer des Assyrerkönigs Sennacherib vernichtet hat (2 Könige 19:35).

 

• im Engel, der die drei Jünglinge aus Nebukadnezars Feuerofen errettet hat (Daniel 3:20). 

 

Gemäß dem Brief des heiligen Apostels Paulus an die Römer sind alle getauften rechtgläubigen Christen durch den Glauben an Jesus Christus, als den verheißenen Erlöser, in die Rechte, Pflichten und das Erbteil des auserwählten Volkes, der Gnade nach, eingetreten. So ist nun der heilige Erzengel Michael für alle Rechtgläubigen, die aus der Vielzahl der heidnischen Völker stammen, was er ehedem für die alttestamentliche Kirche war. Wer immer den Erlöser, der in dieser verheißen wurde, durch die Gnade Gottes im unverfälschten Glauben erkennt, sich taufen lässt und mit einen christlich geistlichen Lebenswandels ehrt, ist eben dadurch in die Zahl der Schützlinge des heiligen Erzengels Michael aufgenommen worden. Er ist somit der Schutzheilige aller rechtgläubigen Christen. Aber auch für die Juden, die Christus als ihren Erretter nicht erkannt und angenommen haben, ist er insofern noch ihr Schutzengel, als sie den durch die Geburt Christi geheiligten Schrein der Menschwerdung Gottes darstellen. Von ihnen sagt der heilige Apostel Paulus, dass sie nicht von Gott verworfen sind, obwohl sie den lebendigen Gott, Christus, dessen mystischer Leib die heilige Kirche ist, (noch) nicht erkannt haben. Nach den Worten des heiligen Apostels Paulus im Römerbrief, werden sie erst am Ende der Zeiten Christus, Gott, erkennen und annehmen und mit ihrem Eintritt in die heilige Kirche die Fülle der Zeiten zur Vollendung bringen.

 

Jeder Mensch bekommt bei seiner Empfängnis von Gott einen persönlichen Schutzengel zur Seite gestellt, der den Menschen durch das Leben begleitet und vor Schaden bewahrt. Nicht nur jeder Mensch, auch die Nationen, Königreiche und Staaten, die Landstriche und Städte und die Kirchen, Klöster und Familien haben ihren eigenen speziellen Engel, der sie beschützen und auf den Wegen Gottes bewahren will. Dies ist aber nicht magisch zu verstehen, wie es uns die „Engel“ Bilder der Esoterik vorgaukeln wollen. Die Engel sind dienstbare Geistwesen im Dienste Gottes und respektieren deshalb den Willen Gottes, der den Menschen mit einem freien Willenskraft (griechisch: Nous) ausgestattet hat, um zwischen Gut und Böse zu wählen. Die heiligen Engel Gottes unterstützen unsere Synergeia (Zusammenwirken) mit dem Willen Gottes. Sie freuen sich, wenn wir uns für das Gute in der Befolgung der Gebote Gottes entscheiden. Sie beten mit und für uns, behüten uns im Kampf mit den Einflüsterungen des Teufels und seiner Dämonen und geleiten und begleiten uns auf dem Weg der Theosis (Vergöttlichung), in der Christi Menschlichkeit mehr und mehr in uns Gestalt nimmt.

 

 

Deshalb beten orthodoxe Christen täglich das Troparion zu ihrem heiligen Schutzengel: 

 

im 6. Ton: Engel Gottes, mein heiliger Beschützer, * bewahre mein Leben in der Furcht Christi, unseres Gottes, * stärke meinen Verstand auf dem wahren Weg, * bewege meine 15 Seele zu der hehren Liebe, ** auf dass ich durch Deine Führung große Gnade von Christus, unserem Gott, erlange.

 

Auch mit dem Hinscheiden des Menschen und dem Weg seiner Seele danach ist der heilige Erzengel Michael auf das engste verbunden. Denn er ist es, der ein Verzeichnis der guten und schlechten Taten eines jeden Menschen in das „Buch des Lebens“ einträgt, das der Seele an den Zollschranken und im ersten Gericht vorgelegt wird und auf dessen Basis Christus über ihn richtet. Über den Tag des jüngsten Gerichtes haben wir oben schon gesprochen. Der heilige Erzengel Michael erscheint hier in der wichtigen Position eines Gerichtshelfers. Aber er ist mit unserem heiligen Schutzengel nach unserem Hinscheiden auch unser Fürsprecher und Helfer. Mit ihm geleitet er die Seele des Verstorbenen auf ihrem Weg ins Jenseits. 

 

 

Deshalb wird der heilige Erzengel Michael, im Gedächtnis an die Schilderung des Tode des heiligen Gottesschauers Mose durch den heiligen Apostel Judas, auch als Beschützer der im Sterben Liegenden angerufen. Er bewacht nach orthodoxem Glauben die Begräbnisorte der Christen. Der heilige Basilius der Große lehrt, wie oben schon gesagt, dass der heilige Erzengel Michael die Seelen der Entschlafenen, in den sogenannten „Zollstationen“ beurteilt und wenn die Guttaten die Missetaten überwiegen, der Herrschaft des Teufels entreißt, sie in die Himmel rettet und ihnen im himmlischen Paradies vorsteht. 

 

Die Überlieferungen in den heiligen Schriften kennt neben dem heiligen Erzengel Michael noch die heiligen Erzengel Gabriel, Raphael, Uriel und Salathiel. Nach den Schriften der heiligen Väter, insbesondere des heiligen Basilius dem Großen kommt ihm der erste Rang unter den heiligen Engeln zu.

 

Die orthodoxe Kirche gedenkt der Synaxis des Erzengels Michael und der übrigen körperlosen Mächte am 08. November. 

 

 

Eines der wichtigsten Feste des heiligen Erzengels Michael, das die Orthodoxe Kirche begeht, gedenkt an das Wunder, das er in der kleinasiatischen Stadt Colossae gewirkt hat. Kolossai (griechisch: Κολοσσαί, lateinisch: Colossae) war in der Antike eine Stadt in der kleinasiatischen Landschaft Phrygien. Die Stadt lag an einer wichtigen Handelsstraße, die nach Ephesos und Milet führte. In Colossae gab es, wie in den Nachbarstädten, schon früh eine christliche Gemeinde. Der Brief des heiligen Apostels Paulus an die Kolosser ist an diese Gemeinde gerichtet. Der heilige Philemon, der Empfänger des gleichnamigen Briefes, war der erster Bischof von Colossae. Der heilige Evangelist und Apostel Johannes der Theologe sagte, während seiner Wanderungen durch Phrygien, im damals Cheretopa genannten Ort den Besuch des heiligen Engelfürsten Michael voraus. Nach der Erscheinung des heiligen Erzengels Michael entsprang an dem Ort eine Quelle, die jede Krankheit heilte. Ein Gläubiger, dessen Tochter hier geheilt worden war, erbaute an dem Ort eine, dem heiligen Erzengel Michael geweihte Kirche.

 

 

Neunzig Jahre später ließ sich hier ein Asket namens Archippos nieder. Er hatte die Gnadengabe erhalten, Wunder zu wirken. Der Teufel wollte diese Wundertaten nicht dulden, denn durch die vielen, auf die Fürsprache des heiligen Erzengels Michael hin von Gott gewirkten Wunder ließ die Zahl der Gläubigen und der Katechumenen in der Umgegend stark anwachsen. Die missfiel dem Teufel und seinen Dämonen, da, infolge des Anwachsens der christlichen Gemeinde, die Tempel der Heiden und die Feste zu Ehren der Götzen verödeten. Zuerst versuchten die Heiden der Umgebung, die Quelle zu verschließen, was ihnen aber misslang, weil der heilige Erzengel Michael dies verhinderte. Danach versuchten sie, einen Fluss umzuleiten, um die Kirche zu überschwemmen und zum Einsturz zu bringen. Der heilige Erzengel Michael stellte sich gleich einer Feuersäule den Wassermassen in den Weg, schlug mit seinem Stab auf die Erde, ein Spalt öffnete sich und verschlang die Fluten, so dass die Kirche unversehrt blieb. Seit dieser Zeit verschwindet der Fluss an diesem Ort, dem man den Namen Chonai, „Trichter, Spalt”, gab. Dieses Wunder hat sich in der Mitte des 1. Jahrhunderts zugetragen, aber noch heute kann man die damals entstandene Erdspalte deutlich erkennen. Der Ort dann war jahrhundertelang Ziel einer bedeutenden Wallfahrt zu Ehren des heiligen Erzengels Michael und zum Gedächtnis an das, auf seine Fürsprache hin, gewirkten Wunders. 

 

Im 8. Jahrhundert wurde die Stadt Kolossae dann im Zusammenhang mit den Verwüstungen durch die Arabereinfälle und aufgrund von Erdbeben von ihrem bisherigen, in der Ebene gelegenen, Standort weiter nach Süden verlegt. So wurde damals Chonai zur Nachfolgerin der Stadt Kolossä. 

 

Die Wallfahrt zu Ehren des heiligen Erzengels Michael bestand bis in die osmanische Zeit fort. Die letzten Christen verließen den, inzwischen Honaz genannten, Ort im Rahmen der Vertreibungen der griechischen Christen aus Kleinasien am Ende des ersten Weltkriegs. Die Heilquelle des heiligen Erzengels Michael ist inzwischen versiegt, aber bis heute suchen Menschen in Karahayit bei Pamukkale, wie Chonai heute heißt, Heilung in den heißen Quellen.

 

 

uch an vielen anderen Orten der orthodoxen Welt ist die Verehrung des heiligen Erzengels Michael sehr groß. Der Überlieferung nach ist der heilige Erzengel Michael in Konstantinopel dem Kaiser Konstantin erschienen, der daraufhin eine den heiligen Erzengel geweihte Kirche erbauen ließ, das „Michaelion“, wo sich auf die Fürbitte des heiligen Erzengels hin viele Wunderheilungen ereigneten. In Griechenland wird der heilige Erzengel Michael an vielen Orten schon seit der Zeit der Apostel verehrt. 

 

m alten Russland wurde das Fest zu Ehren des Wunders des heiligen Erzengels Michael in Chonai sehr festlich begangen, denn das Chudov Kloster, das „Kloster des Wunders” im Moskauer Kreml, in dem die russischen Zaren traditionell getauft wurden, hat seinen Namen von eben diesem Wunder in Chonai.

 

Als Fürst der himmlischen Heerscharen wird der heilige Erzengel Michael als Patron der christlich orthodoxen Soldaten und Krieger verehrt. Viele byzantinische und russische Kriegsbanner waren mit seiner heiligen Ikone geschmückt. Nach dem Bericht der altrussischen Chroniken verdankt der heilige Großfürst Dmitrij Donskoi seinen Sieg in der Schlacht auf dem Kulikowo Feld gegen den Tatarenchan Mamaj, mit dem Russland das Mongolenjoch abwerfen konnte, dem Beistand und der Hilfe des „Himmlischen Führers und Archistrategen“. 

 

Die orthodoxe Kirche gedenkt des Wunders in Chonai am 06. September

 

 

Die Geburt unserer hochheiligen Herrin,

der Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria

 

08. September 

 

Die heutige Feier (Γενέθλιον τῆς Ὑπεραγίας Δεσποίνης ἡμῶν Θεοτόκου / Рождества Пресвятой Богородицы) ist der Beginn unserer Feste; sie ist das erste der Feste, die auf das Gesetz und die Schatten (des Alten Testaments) zurückweisen, und zugleich das Tor zu den Festen, welche auf die Gnade und die Wahrheit hinweisen. ... Geburtstag wird gefeiert und die Neuschöpfung des Menschengeschlechtes. Eine Jungfrau wird geboren, aufgezogen und ausgebildet, und Gott dem Allkönig der Ewigkeiten wird eine Mutter bereitet. ... Jede edeldenkende Seele soll sich zum Reigen einfinden, und die Natur soll die Schöpfung zu ihrer Erneuerung und Neugestaltung herbeirufen. Die Unfruchtbaren sollen schnell herbeieilen; denn die kinderlose und unfruchtbare Anna hat ein Gotteskind bekommen: die Jungfrau. Die Mütter sollen jubeln; denn die unfruchtbare Mutter hat die unversehrte Mutter und Jungfrau geboren.

 

Die Jungfrauen sollen sich freuen; denn die unbesäte Erde hat auf wunderbare Weise den geboren, der, ohne sich zu ändern, aus dem Vater hervorgeht. Die Frauen sollen selbstbewusst sein; denn die Frau, die einst Anlass zur Sünde gab, hat jetzt den Beginn der Erlösung ermöglicht, und die, die einst verurteilt wurde, ist jetzt von Gott erwählt und angenommen worden, die Mutter ohne Zeugung, die Auserwählte für den Schöpfer, die Erhebung des Menschengeschlechtes. Die ganze Schöpfung soll Lieder singen und einen Reigen bilden und ein Geschenk mitbringen, das diesem Tag würdig ist. Eine gemeinsame Feier sollen heute Himmlische und Irdische begehen, und alles, was in der Welt ist, soll sich vereinen bei dem gemeinsamen Fest. Denn heute ist des Allerschaffers erschaffener Tempel erbaut worden, und das Geschöpf wird für den Schöpfer in neuer und angemessener Weise zum göttlichen Palast bereitet. ... Wir aber, Gottes Volk, eine heilige Gemeinschaft, eine geweihte Schar, wollen nach väterlicher Sitte das Fest begehen und das Geheimnis und seine Bedeutung in Ehren halten. Jeder bringe entsprechend der ihm verliehenen Gnade ein würdiges Geschenk zur Feier mit: Die Väter das Glück ihrer Familie; die Mütter die Freude an ihren Kindern; die Kinderlosen die Unfruchtbarkeit an Sünde; die Jungfrauen ihre doppelte Unversehrtheit, die der Seele und des Leibes; die Vermählten die gepriesene Eintracht. 

 

Quelle: Heiliger Andreas von Kreta, Lobrede zu Mariä Geburt.

 

 

Fest der Geburt unserer allheiligen Herrin

der Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria

 

Zur Großen Vesper 

 

Heute hat sich Gott, der auf geistigen Thronen ruht, einen heiligen Thron auf Erden bereitet. Er, der in Seiner Weisheit die Himmel fest gegründet, hat in Seiner Menschenliebe einen lebendigen Himmel vorbereitet: Aus einer unfruchtbaren Wurzel ließ Er uns einen Spross voller Leben sprießen, Seine Mutter. Gott der Wunder und Hoffnung der Hoffnungslosen, Herr, Ehre sei Dir. 

 

Dies ist der Tag des Herrn! Jubelt vor Freude, ihr Völker! Denn das Brautgemach des Lichts und das Buch des lebendigen Wortes ist hervorgegangen aus dem Mutterschoß. Die Pforte nach Osten, die da Gestalt annimmt, erwartet den Einzug des Hohenpriesters. Sie einzig, führte den Einzigen, Christus, in den Erdkreis ein zum Heil unserer Seelen.

 

Wenn auch mit göttlichem Willen unfruchtbare Frauen, wie bekannt, eine Leibesfrucht getragen haben, so hat Maria alle Geborenen im göttlichen Glanz überstrahlt. Denn von einer unfruchtbaren Mutter wunderbar geboren, gebar sie im Leibe den Gott des Alls, wider das Gesetz der Natur, aus unbefruchtetem Schoße. Sie ist die einzige Pforte des einziggeborenen Sohnes Gottes, die dieser beim Durchschreiten unversehrt bewahrte. Und nachdem Er alles gemäß Seiner Heilsordnung weise vorbereitet, hat Er für alle Menschen das Heil gewirkt.

 

Heute öffnen sich unfruchtbare Pforten und eine göttliche, jungfräuliche Pforte tritt hervor. Heute beginnt die Gnade Frucht zu bringen, indem sie der Welt die Mutter Gottes erscheinen lässt, durch die sich das Irdische mit den Himmeln verbindet zum Heil unserer Seelen. 

 

Heute ist der Anbeginn jener Freude, die alle Welt betrifft; heute wehen die Sturmwinde als Vorboten des Heiles. Die Unfruchtbarkeit unserer Natur ist gelöst, denn die Unfruchtbare zeigt sich als Mutter der Jungfräulichen auch nach der Geburt des Schöpfers; aus der hervorging Derjenige, der von Natur aus Gott ist, das Fremde zum Freund macht und für die Verirrten das Heil wirkt: Christus, der Menschenliebende und Erlöser unserer Seelen.

 

Heute gebiert die unfruchtbare Anna das Gotteskind, das aus allen Geschlechtern im voraus erwählt wurde zur Wohnung für den Allherrscher und Schöpfer, Christus, Gott, bevorzugt zur Erfüllung der göttlichen Heilsordnung, durch die wir Erdgeborene erneuert und umgewandelt werden vom Verderben zum ewigen Leben.

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen.

 

Heute hat sich Gott, der auf geistigen Thronen ruht, einen heiligen Thron auf Erden bereitet. Er, der in Seiner Weisheit die Himmel fest gegründet, hat in Seiner Menschenliebe einen lebendigen Himmel vorbereitet: Aus einer unfruchtbaren Wurzel ließ Er uns einen Spross voller Leben sprießen, Seine Mutter. Gott der Wunder und Hoffnung der Hoffnungslosen, Herr, Ehre sei Dir.

 

Quelle: Aus den Stichiren zu "Herr ich rufe zu Dir erhöre mich" in  der Großen Vesper im 6. Ton.

 

 

Mitfest der Heiligen Joachim und Anna

 

am 9. September

 

Die Heilige Anna, die Mutter der Gottesgebärerin, war die Frau des Heiligen  Joachim und die Tochter von Mattham, einem levitischen Priester. Anna und Joachim waren verheiratet, aber etwa 50 Jahre lang kinderlos. Das machte sie sehr traurig und sie versprachen, sollte sie der Herr mit einem Kind segnen, würden sie es Ihm weihen. In der Hoffnung, dass ihre Gebete erhört würden, brachten sie an den jährlichen Festen Hanukkah (Lichterfest) und Sukkot (Laubhüttenfest) ihre Gaben zum Tempel in Jerusalem (siehe 1. Makkabäer 4:52-59; 2. Makkabäer 10:5).

 

Die Priester wollten sie aber nicht annehmen, denn sie waren vom einem Mann ohne Nachkommen und Joachim wurde deshalb verspottet. Öffentlich gedemütigt erinnerte er sich an Abraham, dem Gott noch im Alter einen Sohn geschenkt hatte. Er zog sich in die Berge zurück um zu beten, wo ihm der Erzengel Gabriel sagte, dass seine Gebete erhört worden seien und Anna eine Tochter gebären würde, die er Maria nennen solle. Der Erzengel erinnerte Joachim daran, dass er geschworen habe, das Kind (Maria) von seiner Kindheit an dem Herrn zu weihen und dass es von Geburt an vom Heiligen Geist erfüllt sei.

 

Anna jedoch ging in ihren Garten und weinte bitterlich. Sie saß unter einem Lorbeerbaum und betete: „Gott unserer Väter, segne mich und erhöre mein Gebet, wie Du Sarah gesegnet und ihr einen Sohn geschenkt hast.“

 

Sie weinte und klagte: „Ach, wer hat mich im Schoße empfangen? Welcher Schoß hat mich getragen, dass ich verflucht bin vor den Kindern Israels, dass sie mir Vorwürfe machen und beschimpfen im Tempel meines Gottes? Weh mir, mit was bin ich vergleichbar? Ich bin nicht wie die Vögel des Himmels, denn sogar die Vögel des Himmels sind fruchtbar vor Dir, o Herr. Ach, mit was bin ich vergleichbar? Ich bin nicht wie die Tiere der Erde, denn sogar die Tiere sind fruchtbar vor Dir, o Herr. Ach, mit was bin ich vergleichbar? Ich bin nicht vergleichbar mit den Wellen des Meeres, denn sie preisen Dich, o Herr, ob sie ruhig sind oder bewegt, mit den Fischen darin. Oh weh, mit was bin ich vergleichbar? Ich bin nicht wie die Erde, denn auch die Erde bringt ihre Früchte zur rechten Zeit und preist Dich, o Herr.“

 

Der gleiche Erzengel erschien auch Anna und sagte zu ihr: „Ich bin der Engel, der deine Gebete und Gaben vor Gott gebracht hat; und jetzt bin ich ausgesandt dir zu verkünden, dass du eine Tochter gebären wirst, die Maria heißen soll und die gesegnet ist über alle Frauen. Sie wird von ihrer Geburt an erfüllt sein von der Gnade des Herrn. Sie wird im Hause ihres Vaters bleiben bis sie abgestillt ist und dann in den Dienst des Herrn treten. Sie wird Gott dienen, Tag und Nacht, bei Fasten und Beten. Sie wird sich alles Unreinen enthalten und den Tempel nicht verlassen bis sie das Alter der Vernunft erreicht. Sie wird nie einen Mann erkennen, aber allein und beispiellos als reine und unschuldige Jungfrau einen Sohn gebären. Sie, Seine Dienerin, wird den Herrn hervorbringen, den Retter der Welt in der Gnade, im Namen und in der Tat.

 

“Gabriel sagte noch: „Erhebe dich also und gehe hinauf nach Jerusalem. Wenn du an das Tor kommst, das das 'Goldene' genannt wird, weil es mit Gold beschlagenen ist, wirst du dort als Zeichen deinen Mann finden, um dessen Sicherheit du besorgt warst. Wenn du alles so vorfindest, glaube, dass das Übrige, das ich dir gesagt habe ebenfalls unzweifelhaft eintreten wird.“

 

Am darauffolgenden Tag brachte Joachim seine Gaben zum Tempel, betete und kehrte nach Hause zurück. Mit großer Freude hörte er, dass Anna empfangen hatte.

 

Als Maria drei Jahre alt war, opferten ihre Eltern im Tempel und ließen dann Maria dort zurück, damit sie mit den anderen Mädchen erzogen werde. Oft besuchten sie dort Maria, sieben Jahre lang, bis sie starben und Maria als Waise hinterließen.

 

Die Orthodoxe Kirche gedenkt dem Entschlafen der Heiligen Anna am 25. Juli. Der Eltern der Jungfrau Maria gedenkt man am 09. September und der Empfängnis der Gottesgebärerin durch die Heiligen Anna am 09. Dezember.

 

 

Quelle: Greek Orthodox Parish of St Anna, Bundall-Gold Coast, Queensland, Australia

 

 

Ikone der allheiligen Gottesgebärerin „vom Zeichen”

 

08. September

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Auf der Ikone Знамение Пресвятой Богородицы „Znamenie” (= Zeichen) ist die Allheilige Gottesgebärerin mit zum Gebet erhobenen Händen dargestellt. In einem Kreis (einer Aureole, welche die göttliche Macht symbolisiert) befindet sich das segnende Kind. Diese Darstellung gehört zu den ältesten Ikonenbildern. „Znamenie” heißt die Ikone nach einem wunderbaren Zeichen, das im Jahre 1170 durch die Nowgoroder Ikone geschah. In jenem Jahr beschlossen die Fürsten der Teilfürstentümer, nachdem sie sich vereint hatten, das Große Nowgorod zu unterwerfen. Ein großes Heer belagerte die Stadt. Die Nowgoroder konnten nur noch auf die Hilfe Gottes hoffen. Sie beteten Tag und Nacht. Der Erzbischof von Nowgorod betete seit der Belagerung ohne Unterlass in der Sophienkathedrale vor der Ikone des Allbarmherzigen Erlösers. In der dritten Nacht spürte er plötzlich ein heiliges Schaudern, und von der Ikone kam eine Stimme, die ihm gebot, die Ikone der Gottesmutter zu nehmen und auf die Stadtmauer zu tragen. Als man die Ikone auf die Stadtmauer gebracht und sie mit dem Gesicht zu den Belagerern aufgestellt hatte, blieben ihre Herzen hart, und sie hatten keine Einsicht, sondern schossen sogleich eine Menge Pfeile auf die Stelle, wo die Ikone stand. Einer der Pfeile traf das heilige Antlitz der Mutter Gottes. Und da geschah das Wunder – die Ikone drehte sich selbst von den Belagerern weg und wandte sich mit dem Gesicht zur Stadt, und aus den Augen der Gottesmutter flossen Tränen. Zur selben Zeit ergriff die Soldaten, welche die Stadt belagerten, großes Entsetzen. Ihr Augenlicht trübte sich, sie begannen gegeneinander zu kämpfen. Durch dieses Zeichen ermutigt, zerschlugen die Nowgoroder das große Heer der Aggressoren.

 

Damals wurde zum Gedächtnis an das wunderbare Eingreifen der Himmlischen Königin am 27. November auch das Fest ihrer Ikone eingeführt, die nun „Znamenie” genannt wurde. Danach geschahen durch diese Ikone noch zahlreiche weitere Zeichen und Wunder. Auch andere „Znamenie”-Ikonen wurden als wundertätig bekannt, so die Ikonen von Kursk, vom AbalackijKloster (Tobol’sk), vom Serafimo-Ponetaevskij-Kloster (Arzamas) und viele andere. 

 

Im Besonderen möchten wir von dem Wunder erzählen, das der Ikone „Znamenie” von Kursk widerfuhr. Es geschah im Jahre 1898. Böswillige Menschen wollten den Glauben an die wundertätige Kraft der heiligen Ikone erschüttern und das Bild vernichten. Während der Nachtwache legten sie einen Sprengsatz mit einem Zeitmechanismus zur Ikone. In der Nacht hörte man eine furchtbare Explosion, die so stark war, dass die gusseiserne vergoldete Umkleidung der Ikone zersprang, der schwere marmorne Ständer weggeschleudert wurde und in Stücke barst, die Tür, die sich unweit der Ikone befand, total beschädigt wurde, die Wand Sprünge bekam und alles Glas in der Kirche zerbrach. Aber inmitten all dieser Zerstörung blieb die heilige Ikone auf wundersame Weise unversehrt. Sogar das Glas in ihrem Schrein war unbeschädigt. Das Vorhaben der Frevler, das wundertätige Bild zu zerstören, führte zu seiner noch größeren Verehrung. 

 

 

Das Fest der Ikone „Znamenie” von Kursk wird zweimal im Jahr begangen, und zwar am 08. März und am 08. September. 

  

 

 

 

 Tropar der Kursker Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin im Ton 4

 

Als eine unüberwindliche Mauer * und Quelle der Wunder, * haben wir Dich erworben, Gottesgebärerin Allreinste, * deshalb besiegen wir die Heerscharen der Widersacher, * indem wir Dich bitten, * unserem Vaterland Frieden zu schenken * und unseren Seelen große Gnade.

 

Kondak der Kursker Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin im Ton 4

 

Kommt, ihr Gläubigen, * laßt uns die wunderbare Erscheinung des allehrwürdigen Bildes der Gottesmutter lichterfüllt feiern, * und Gnadengaben von ihm schöpfend * laßt uns in Rührung rufen zu Der, *die dieser Ikone Urbild ist:* freue Dich, Maria Gottesgebärerin, * Mutter Gottes, Gesegnete.

 

 

 

 

Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben.

Jesaja  7:14

 

 

 

Ikone der allheiligen Gottesgebärerin vom Zeichen

 

 

Auf der Ikone der Gottesmutter vom Zeichen ist die allheilige Gottesgebärerin mit zum Gebet erhobenen Händen abgebildet. In einer Mandarla, einer kreisförmigen Aureole, die die göttliche Sphäre symbolisiert, wird der segnende Christus Emmanuel abgebildet.

 

 

Jesaja 7,14: Darum wird der HERR euch selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird SEINEN Namen Immanuel nennen.

 

 

 

Die Darstellung der Allheiligen Gottesgebärerin vom Zeichen gehört zu den ältesten Ikonenbildern.

 

Vom Zeichen“, russisch: „Znamenie” (Знамение) heißt die Ikone nach einem Wunder, das im Jahre 1170 durch ein in der Stadt Nowgorod aufbewahrtes Bildnis dieser Ikone geschah. In diesem Jahr beschlossen die Herrscher der russischen Teilfürstentümer, nachdem sie sich zu einer Koalition vereinigt hatten, sich die reiche und große Handelstadt Nowgorod zu unterwerfen. So belagertem sie die Stadt mit einem großen Heer. Die Nowgoroder jedoch hofften auf die Hilfe Gottes und beteten Tag und Nacht ohne Unterlaß. Der Erzbischof von Nowgorod aber betete seit dem Beginn der Belagerung ununterbrochen in der Sophienkathedrale vor der Ikone des Erlösers. In der dritten Nacht hörte er  plötzlich eine Stimme, die ihm befahl, die Ikone der allheiligen Gottesgebärerin zu nehmen und ring um die Stadt Nowgorod auf den Stadtmauern zu tragen.

 

Als man die Ikone auf die Stadtmauer brachte und sie mit dem Gesicht zu den Belagerern aufgestellt hatte, schossen diese sogleich eine Menge Pfeile auf die Stelle, wo die heilige Ikone stand. Einer der Pfeile traf das heilige Antlitz der Allheiligen. Und da geschah das Wunder – die Ikone drehte sich selbst von den Belagerern weg und wandte sich mit dem Gesicht zur Stadt und aus den Augen der Gottesmutter flossen Tränen. Durch dieses Tränenwunder ermutigt, konnten die Nowgoroder das große Heer der Angreifer abwehren und schließlich auch besiegen.

 

Damals wurde zum Gedächtnis an das wunderbare Eingreifen der Allheiligen am 27. November auch das Fest ihrer Ikone eingeführt, die nun allgemein „Gottesmutter vom Zeichen“ genannt wurde.

 

Auch danach geschahen durch diese Ikone noch zahlreiche weitere Zeichen und Wunder. Auch andere Ikonen der allheiligen Gottesgebärerin vom Zeichen wurden als wundertätig bekannt, so die Ikonen von Kursk, vom Abalackij- Kloster bei Tobolsk, vom Serafimo-Ponetaevskij- Kloster und viele andere.

 

Das Fest der Ikone “Znamenie” von Kursk wird zweimal im Jahr begangen, und zwar am 08. März und am 08 September.

 

Die "Ikone der allheiligen Gottesgebärerin Muttergottes des Zeichen aus Kursk, die zwischen den Wuzeln gefunden wurde" (Икона Знамение Курская Коренная Богородице) ist eine Ikone des Typs der Gottesmutter vom Zeichen. Das Bild der Allheiligen wird heute von neun kleinen Bildern alttestamentlicher Propheten eingerahmt und ist von einer Darstellung Gottvaters als Herrn Sabaoth gekrönt. Nach dem Malstil zu urteilen, wurde die Ikone im 13. Jahrhundert geschrieben. Im 12. Jahrhundert erlitt das Gebiet von Kursk, wie beinahe das gesamte damalige Russland schreckliche Verwüstungen durch den Einfall der Tataren. Die Stadt Kursk wurde dabei vollständig zerstört und entvölkert. Die Gegend verwandelte sich in eine unwirtliche, von einem Urwald überwucherte und von wilden Tieren bewohnte Einöde. Die Einwohner der etwa 160 km von Kursk entfernten Stadt Rylsk, die durch einen glücklichen Zufall von den Überfällen der Tataren verschont geblieben waren, pflegten dort auf Jagd zu gehen. Laut der Überlieferung fanden  am 08. September  1295 Jäger in einem Waldstück unweit der ehemaligen Stadt Kursk eine kleine Ikone, die auf der Wurzel eines Baumes mit der Malseite nach unten lag. Sobald man sie aufhob, sprudelte unter der Wurzel eine Quelle hervor.

 

Etwas später wurde an dem Fundort eine Kapelle errichtet, wo die heilige Ikone dann aufbewahrt wurde. Viele der Pilger, die bald darauf kamen, um vor der Ikone der Gottesmutter zu beten, erzählten über Wunder, die sich während ihres Gebetes ereignet hatten. Ein Jahrhundert später wurde das Gebiet von Kursk erneut von den Tataren verwüstet. Sie versuchten auch die Kapelle und die Ikone zu verbrennen, aber die hölzerne Kapelle geriet nicht in Brand. So schlugen die Tataren die Ikone entzwei. Aber das Heiligenbild wuchs auf wundersame Weise in den Händen des Priesters wieder zusammen. Erst unter Zar Feodor loannovic  wurde die Stadt Kursk seit dem Jahre 1557 wieder aufgebaut. Damals wurde die Ikone nach Moskau gebracht, wo der Zar vor ihr betete und sie in einen Rahmen einfassen ließ, der oben mit einer Darstellung Gottvaters als Herrn Sabaoth und an den Seiten mit Bildern der neun Propheten, die über die allheilige Gottesgebärerin geweissagt hatten, geschmückt war. Nachdem die Ikone mit einer reichen Verkleidung geschmückt worden war, wurde sie wieder in ihre Kapelle zurückgebracht. Im selben Jahr wurde anstelle der Kapelle eine Kirche zu Ehren der Geburt der allheiligen Gottesgebärerin errichtet und ein Kloster, die Kursker Einsiedelei von der Wurzel, in Erinnerung an die Erscheinung der Ikone an einer Baumwurzel, gegründet. Außerdem wurde über der Quelle am Erscheinungsort der Ikone eine weitere, der "Lebensspendenden  Quelle" geweihte Kirche erbaut. Das neue Kloster wurde "Korennaja Pustyn'" (Wurzel-Einsiedelei) genannt, in Erinnerung an die Erscheinung der Ikone an einer Baumwurzel. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs das Kloster beständig und zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtete der berühmte russische Kirchenbaumeister Konstantin Thon, der auch den Orginalbau der Christus- Erlöser- Kathedrale in Moskau errichtete, die Klosterkathedrale. Alljährlich wurde die heilige Ikone in einer großen Prozession, an der Tausende von Pilgern teilnahmen, vom Kursker Kloster in die Stadt gebracht. Der russische Maler Ilja Repin hat in seinem Bild "Religiöse Prozession in der Provinz Kursk" ein Bild von den damaligen Prozessionsbräuchen festgehalten.

 

Im Jahre 1920, nach der Machtergreifung durch die Bolschewiken, wurde die Ikone von den Truppen der Weißen Armee mit außer Lande genommen. Mit den Wanderbewegungen der russischen Emigranten gelangte die heilige Ikone zunächst nach Serbien, am Ende des Zweiten Weltkriegs dann nach Deutschland und von dort aus in die Vereinigten Staaten von Amerika. Dort wurde in Mahopak im Staate New York die Neue- Wurzel- Einsiedelei mit einer Kirche erbaut, in der die Ikone viele Jahre lang aufbewahrt wurde. Später wurde sie zum Schutz in die Kathedrale der russischen Auslandskirche in New York gebracht, wo sie seit 1957 bis heute aufbewahrt wird. Nach dem das jahrzehntelange Schisma zwischen der Russischen Auslandskirche und dem Moskauer Patriarchat geheilt werden konnte, reiste die Ikone nach 90 Jahren erstmals wieder nach Russland. Doch geht es in der heute geeinten russischen Kirche nicht mehr um eine endgültige Rückführung der Ikone in ihr Kloster. Denn dass die Ikone heute das wichtigste Heiligtum in der Russischen Auslandskirche darstellt, wird in Russland nicht mehr in Frage gestellt. Aber als im Jahre 2009 die Rekonstruktion der Kathedrale zu Ehren der Geburt der Allheiligen Gottesgebärerin im Kursker Kloster, die in der Zeit des Staatsatheismus von den Bolschewiken zerstört worden war, abgeschlossen wurde, sollte die Ikone dorthin gebracht werden, um die alte Tradition der Prozession vom Kloster bis zur Kathedrale der Stadt Kursk wieder zu beleben. Diese Prozession soll wieder, wie früher am 08. September, dem Tag der Auffindung der Ikone, stattfinden.

 

Die Kursker Ikone der allheiligen Gottesgebärerin reist von Zeit zu Zeit nicht nur nach Russland, sondern auch an die Orte, an denen orthodoxe Gläubige heute in der Diaspora leben. So kommt sie auch zur Verehrung in die verschiedenen orthodoxen Gemeinden Deutschlands, die zum Erzbistum der russischen Auslandskirche in Deutschland gehören. Dorthin pilgern dann auch viele Orthodoxe aus den anderen orthodoxen Bistümern Deutschlands, um sich im gemeinsamen Gebet vor dieser heiligen Ikone zu verneigen.

 

 

 

Hochfest der Geburt der allheiligen

Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria

 

08. September

 

Am 8. September wird von den Gläubigen das Hochfest der Geburt der allheiligen Gottesgebärerin Maria gefeiert. Neun Monate vor diesem Fest, am 09. Dezember feiert die heilige Kirche die Empfängnis der Jungfrau Maria durch ihre Mutter Anna. Diese Empfängnis geschah zwar durch eine menschliche Vereinigung, aber Gott selbst hatte die Gebete Joachims und Annas erhört und dieses gottesfürchtige Paar von einer langjährigen Unfruchtbarkeit befreit. Am zweiten Tag des Festes begeht die Kirche das Gedächtnis der heiligen gerechten Gottesahnen Joachim und Anna. Das Fest Maria Geburt wurde von der Kirche im IV. Jahrhundert eingeführt. Das dahinter stehende Geschehen kennen wir aus der Überlieferung. Es ist das erste der zwölf Hauptfeste des Kirchenjahres, denn das Kirchenjahr beginnt am 1. September. 

 

In der kleinen Stadt Nazareth in Galiläa lebte ein altes Ehepaar. Der Mann hieß Joachim, die Frau Anna. Joachim stammte aus dem Geschlecht des Königs David, Anna aus dem Geschlecht des Hohepriesters Aaron. Beide waren des Gesetzes des Herrn kundig und vor Gottes Angesicht gerecht. Sie lebten in Wohlstand und besaßen sowohl materiellen als auch geistlichen Reichtum. Sie führten ein wohltätiges Leben und befolgten das Gesetz Gottes. An jedem Festtag nahmen sie einen Teil ihres Vermögens und brachten ihn in den Tempel und gaben auch reichlich milde Gaben an die Armen. 

 

Durch ihr gerechtes Leben gefielen Joachim und Anna Gott, und Er würdigte sie, die Eltern der Allheiligen Jungfrau, der Mutter unseres Gottes, zu werden. 

 

Wie Gott selbst durch eine Allheilige und Allreine Mutter Mensch werden sollte, so sollte auch sie selbst von heiligen und reinen Eltern geboren werden. Die heiligen Joachim und Anna waren lange Zeit kinderlos. Gott hatte es so eingerichtet, um schon bei der Geburt der Jungfrau Maria die Kraft Seiner Gnade zu zeigen, aber auch die Größe der Tochter und die Ehre und Würde ihrer Eltern. 

 

Joachim und Anna weinten lange Zeit darüber, dass sie keine Kinder hatten. Einmal brachte Joachim an einem großen Festtag seine Gaben für Gott in den Tempel von Jerusalem. Zusammen mit Joachim brachten auch alle Israeliten ihre Gaben. Aber der Priester namens Issichar wollte die Gaben Joachims nicht annehmen, da der alte Joachim nach einem fünfzigjährigen Eheleben kinderlos geblieben war. Die Worte des Priesters machten Joachim sehr traurig. Er ging geschmäht und gedemütigt aus dem Tempel. Der Feiertag verwandelte sich für ihn in einen Tag des Kummers; die Freude, mit der er zum Tempel gekommen war, verwandelte sich in tiefe Trauer. 

 

Inzwischen hörte auch seine Frau, die zu Hause geblieben war, dass der Hohepriester im Tempel ihre Gaben wegen ihrer Kinderlosigkeit abgewiesen hatte. Sie erfuhr auch, dass ihr Gatte traurig und weinend in die Wüste gegangen war, und brach auch selbst in Tränen aus. 

 

Nach einiger Zeit ging die betrübte Anna in ihren Garten und setzte sich unter einen Lorbeerbaum, seufzte aus tiefstem Herzen, und als sie mit ihren Augen, die voll Tränen waren, zum Himmel aufblickte, sah sie plötzlich oben im Baum ein Nest, in dem junge Vögel schrien. Diese Szene machte ihren Gram noch tiefer, und sie begann wieder zu weinen. 

 

Aber plötzlich erschien ihr ein Engel des Herrn. Er sagte: “Du wirst empfangen und eine Tochter gebären, die gesegnet und größer als alle sein wird. Durch sie werden auch alle Völker der Erde gesegnet werden. Durch sie wird allen Menschen das Heil zuteil werden. Ihr Name wird Maria sein.”

 

Zur selben Zeit erschien der Engel auch Joachim in der Wüste. Er sagte: “Joachim! Gott hat dein Gebet erhört, es gefällt Ihm, dir Seine Gnade zu schenken. Deine Frau Anna wird empfangen und dir eine Tochter gebären, die der ganzen Welt zur Freude gereichen wird. Dies soll ein Zeichen sein, dass ich die Wahrheit spreche: Geh zum Tempel von Jerusalem, dort, bei der Goldenen Pforte, wirst du deine Frau Anna finden, der ich dasselbe gesagt habe.” 

 

Erstaunt dankte Joachim Gott aus ganzem Herzen und machte sich eiligst nach Jerusalem, zum Tempel auf. Dort traf er, wie es ihm der Engel gesagt hatte, Anna, die bei der Goldenen Pforte zu Gott betete, und er erzählte ihr vom Engel. Sie erzählte ihm ebenfalls alles, was sie gesehen und über die Geburt ihrer Tochter gehört hatte. Nachdem sie zu Gott gebetet und sich im Tempel vor Ihm verneigt hatten, kehrten sie nach Hause zurück. 

 

Nach neun Monaten gebar Anna eine Tochter, die reinste und gesegnetste, höher als alle Geschöpfe, den Anfang unseres Heils, unsere Fürsprecherin vor Gott. Über ihre Geburt freuten sich Himmel und Erde. Aus Anlass ihrer Geburt brachte Joachim Gott große Gaben und Opfer dar, erhielt den Segen des Hohenpriesters, der Priester und aller Menschen dafür, dass er des Segens Gottes gewürdigt worden war. Dann hielt er in seinem Haus ein großes Festmahl, und alle freuten sich und priesen Gott. 

 

Nach einigen Jahren, als Maria von ihren Eltern schon zum Dienst für Gott in den Tempel gebracht worden war, starb Joachim. Er war zu jener Zeit achtzig Jahre alt. Die verwitwete heilige Anna, verließ Nazareth und zog nach Jerusalem, wo sie in der Nähe ihrer Tochter fast die ganze Zeit im Tempel verbrachte. Nach zwei Jahren ging auch sie im Alter von 79 Jahren zu Gott heim. Die heilige Kirche nennt Joachim und Anna zu Recht Gottesahnen, da durch ihre Allheilige Tochter, wie wir wissen, Gott selbst geboren wurde. Die Farbe der liturgischen Gewänder ist Blau.

 

Quelle: Andrei Lorgus, Michail Dudko; Orthodoxes Glaubensbuch. Eine Einführung in das Glaubens- und Gebetsleben der Russischen Orthodoxen Kirche, Würzburg 2002.

 

Fest der Geburt unserer Allheiligen Gebieterin der Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria

 

08. September

 

Das liturgische Jahr umschließt neben dem Kreis der Sonntage und dem Kreis der Herrenfeste einen Kreis der Heiligenfeste. Das erste große Fest dieses Heiligenfestkreises nach dem Beginn des liturgischen Jahres am 01. September, ist das „Fest der Geburt Unserer Allheiligen Gebieterin Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria“, das wir am 08. September feiern. Es ist angebracht, dass wir uns das höchste Beispiel menschlicher Heiligkeit, das die Kirche anerkennt und verehrt – das der Mutter Jesu Christi – , während der ersten Tage des neuen liturgischen Jahres vergegenwärtigen. Die anlässlich dieses Festes gelesenen Texte und gesungenen Gebete werfen ein bezeichnendes Licht auf die Art der Verehrung, die die Kirche Maria zuwendet.

 

 

Wir wissen leider überhaupt nichts über das historische Datum der Geburt der allheiligen Gottesgebärerin Maria. Das Fest am 08. September scheint seinen Ursprung im 6. Jahrhundert in Syrien oder Palästina zu haben. Rom übernahm es im 7 Jahrhundert. Damals war es in Konstantinopel schon eingeführt; es gibt einen Hymnus von Roman dem Meloden über die Geburt, und einige Predigten von Andreas von Kreta. Die koptische Kirche in Ägypten und die Kirche in Äthiopien feiern die Geburt Mariae am 01. Mai.

 

 

Während der Vesper, die am Vorabend des 08. September gefeiert wird, werden mehrere Perikopen aus dem Alten Testament gelesen. Bei der ersten handelt es sich um die Erzählung von der Nacht, die Jakob in Harran verbrachte (Genesis 28:10-17). Er nahm einen von den Steinen dieses Ortes, legte ihn unter seinen Kopf und schlief ein. Da hatte er einen Traum: er sah eine Leiter, die von der Erde zum Himmel reichte und Engel, die auf der Leiter hinauf- und herabstiegen; und Gott selbst erschien und versprach ihm, dass Er die Nachkommen Jakobs segnen werde. Als Jakob erwachte, segnete er den Stein, auf dem er geschlafen hatte mit Öl und nannte den Ort Beth-el, das heißt: "Haus Gottes". Maria, deren Mutterschaft die notwendige menschliche Bedingung für die Inkarnation war, ist selbst eine Leiter zwischen Himmel und Erde. Als die Adoptivmutter der adoptierten Brüder und Schwestern ihres Sohnes, sagt sie zu uns, was Gott zu Jakob sagte: „Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst ...“ Sie, die Gott in ihrem Schoße trug, ist wahrhaft der Ort, Beth-el, von dem Jakob sagen konnte: „Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels.“

 

Wir wissen, dass die Orthodoxe Kirche, wie die Römisch-Katholische Kirche, die Hypothese ablehnt, nach der Maria, nach der Geburt Jesu, noch mehrere Kinder von Josef hatte. Diese Theorie, die der Häretiker Helvidius im 04. Jahrhundert aufstellte, wurde von den Heiligen Kirchenvätern Ambrosius, Hieronymus und Augustinus widerlegt.

 

 

Ikone "Die Leiter Jakobs".
Ikone "Die Leiter Jakobs".

 

Die zweite Perikope (Ezechiel 43:27-44:4) bezieht sich auf den künftigen Tempel, der dem Propheten Ezechiel gezeigt wird: einen Satz daraus kann man gut auf Jungfräulichkeit und Mutterschaft Mariens anwenden: „Dieses Tor soll geschlossen bleiben, es soll nie geöffnet werden, niemand darf hindurchgehen; denn der Herr, der Gott Israels, ist durch dieses Tor eingezogen; deshalb bleibt es geschlossen".

 

Gottesmutter-Ikone "Von der Passion", im Westen "von der immerwährenden Hilfe" genannt.
Gottesmutter-Ikone "Von der Passion", im Westen "von der immerwährenden Hilfe" genannt.

 

Die dritte Perikope (Sprüche Solomos 9:1-11) zeigt uns die personifizierte göttliche Weisheit: „Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, ihre sieben Säulen behauen ... Sie hat ihre Mägde ausgesandt und lädt ein auf der Höhe der Stadtburg“. Sowohl die Byzantinische wie die Römische Kirche sehen die Verbindung zwischen der göttlichen "Weisheit" und Maria. Sie ist das durch die ‚Weisheit’ erbaute Haus: sie ist in höchstem Maße eine der Jungfrauen, von der "Weisheit" zu den Menschen gesandt; sie ist, nach Christus selbst, die höchste Offenbarung der "Weisheit" in dieser Welt.

 

Sophia-Ikone: "Die Göttliche Weisheit". Russische Ikone um 1860.
Sophia-Ikone: "Die Göttliche Weisheit". Russische Ikone um 1860.

 

Das Evangelium, das im Morgengottesdienst am 08. September gelesen wird (Lukas 1:39-49.56) beschreibt den Besuch Mariens bei Elisabeth. Zwei Sätze aus dieser Perikope drücken die Haltung der Kirche zu Maria aus und zeigen warum sie in gewisser Weise eine Sonderstellung über allen anderen Heiligen einnimmt. Zuerst sind es ihre eigenen Worte: „Von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan“. Dann folgen die Worte, die Elisabeth zu Maria sagt: „Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“ Sollte uns jemand rügen wollen, weil wir die Tatsache anerkennen und ehren, dass Maria „gesegnet unter den Frauen“ ist, würde er der Schrift selbst widersprechen – deshalb werden wir weiterhin, wie „alle Geschlechter“, Maria „gesegnet“ nennen. Mehr noch, wir werden sie nie von ihrem Sohn trennen und nie zu ihr sagen „gesegnet bist du“ ohne, wenigstens in Gedanken, hinzuzufügen „und gesegnet ist die Frucht deines Leibes“. Und wenn es uns manchmal gegeben ist die gnadenvolle Gegenwart Mariens zu spüren, dann ist es die Maria, die Jesus in ihrem Schoße trägt, Maria als Mutter Jesu, und wir werden mit Elisabeth zu ihr sagen: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ 

 

 

Wir sind uns durchaus bewusst, dass gewisse moderne Kritiker das Magnifikat der Elisabeth zu- sprechen und nicht Maria. Diese Zuordnung scheint uns in keiner Weise bewiesen. Ob die Worte des Magnifikats tatsächlich genau so von Maria gesprochen wurden ist eine andere Frage: es genügt, dass dieser Hymnus die Gefühle der Maria getreulich wiedergibt.

 

 

Zur Liturgie werden die zusammengefassten Perikopen Lk 10:38-42 und 11:27- 28 gelesen, zwei Abschnitte aus dem Evangelium, die die Kirche an allen Marienfesten wiederholt und denen die Wiederholung das Gewicht einer besonders wichtigen Aussa- ge gibt. Jesus lobt Maria von Bethanien, die zu Seinen Füßen sitzt und Seinen Worten lauscht, denn sie „hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden“, denn „nur eines ist notwendig“. Der Herr machte Martha, die so beschäftigt war ihn zu bedienen, keine Vorwürfe, sondern dass sie sich so „viele Sorgen und Mühen“ machte. Die Kirche sieht den Beifall Jesu für Maria von Bethanien als Billigung des kontemplativen Lebens an, soweit dieses sich vom aktiven Leben unterscheidet (wir sagen nicht: ihm entgegengesetzt ist). Die Kirche bezieht diese Zustimmung auch auf Maria, die Mutter des Herrn, die als Idealbild des kontemplativen Lebens betrachtet wird, denn wir lesen an anderer Stelle im Lukas-Evangelium: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ (Lukas 2:19.51). Vergessen wir auch nicht, dass sich die Jungfrau Maria davor schon in viel größerem Maße als Martha dem praktischen Dienst an Jesus geweiht hatte, denn sie nährte den Retter und zog Ihn groß.

 

Im zweiten Teil des Tagesevangeliums hören wir von der Frau, die Ihm aus der Menge zurief: „Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat.“ Worauf Er  erwidert: „Ja selig sind die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ Diese Worte dürfen nicht als Abwertung des Lobes für Maria gesehen werden oder als Unterschätzung ihrer Heiligkeit: eher bringen sie alles ins rechte Lot und zeigen wo das wahre Verdienst Mariens liegt. Dass Maria die Mutter Christi wurde, war eine Gabe Gottes, war ein Privileg, das sie annahm, das aber seinen Ursprung nicht in ihrem persönlichen Willen hatte. Andererseits war es durch ihr eigenes Bemühen, dass sie das Wort Gottes hörte und bewahrte. Darin liegt die wahre Größe Mariens. Sicher, Maria ist gesegnet, aber nicht primär weil sie Jesus trug und nährte; vor allem ist sie in besonderem Maße gesegnet, weil sie in einzigartiger Weise gehorsam war und an Ihn glaubte. Maria ist die Mutter des Herrn; sie ist die Beschützerin der Menschheit: aber, zunächst und vor allem ist sie die, die dem WORT lauschte und es bewahrte. Darin liegt die Begründung unserer Marienverehrung aus dem Evangelium. Ein kurzer Vers, der nach der Epistel gesungen wird, drückt dies sehr gut aus: „Höre, Tochter, und schau, und neige dein Ohr“ (Psalm 44:11).

 

Die Apostellesung für diesen Tag (Philemon 2:4-11) erwähnt Maria nicht. Paulus spricht von der Inkarnation: Jesus „war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.“ Aber es ist klar, dass diese Schriftstelle einen engen Bezug zu Maria hat und wegen ihr für diesen Tag ausgewählt wurde. Denn nur durch Maria wurde das Herabkommen Christi in unser Fleisch möglich. Deshalb kommen wir noch einmal zurück zu dem Ausruf der Frau: „Selig die Frau, deren Leib dich getragen ...“. Und folgerichtig wird der Apostelbrief durch das Evangelium, das wir hören, „selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören ...“ beantwortet und ergänzt.

 

Ikone der allheiligen Gottesgebärerin "vom Zeichen": "Und das Wort (Logos) ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" (Johannes 1:14)
Ikone der allheiligen Gottesgebärerin "vom Zeichen": "Und das Wort (Logos) ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" (Johannes 1:14)

 

Das Troparion dieses Tages stellt eine Verbindung zwischen der Vorstellung von Christus als Licht, die der byzantinischen Frömmigkeit so teuer war, und der gesegneten Jungfrau Maria her:

 

„Deine Geburt, Gottesgebärerin, hat die Freude angekündigt dem ganzen Erdkreis. Denn aus dir ist aufgegangen die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, unser Gott. Er hat den Fluch gelöst und den Segen gebracht. Er hat den Tod vernichtet und uns geschenkt das ewige Leben.“

 

Das Fest Mariae Geburt findet eine Art Fortsetzung am nächsten Tag, dem 09. September, durch das Fest der Heiligen Joachim und der Anna, der Eltern der allheiligen Gottesgebärerin.

 

Die kanonischen Evangelien berichten uns nichts über die Eltern Mariens. Die Legenden von Joachim und Anna haben ihren Ursprung in den apokryphen Evangelien, besonders in dem, das dem Jakobus zugeschrieben wird, die aber die Kirche nicht den kanonischen vier Evangelien gleichstellt. Es ist aber nicht unmöglich, dass manche authentischen Einzelheiten, die in den kanonischen Evangelien nicht erwähnt werden, ihren Platz in diesen apokryphen Schriften gefunden haben.

Die Legende, nach der Anna erst in fortgeschrittenem Alter Maria gebar, scheint durch den biblischen Bericht über Anna, die Mutter des Samuel beeinflusst zu sein. Es gibt aber keine Beweise dafür, dass Marias Mutter mit der Prophetin Anna oder Hanna gleichgesetzt werden kann, die im Tempel über Jesus prophezeite (Lukas 2:36-38). Aber wir wissen, dass ab dem 4. Jh. das Gedächtnis an die Eltern Mariens unter den Namen Joachim und Anna in Jerusalem geehrt wurde. Ob nun die Namen und alle biografischen Details über die Eltern Mariens genau stimmen oder nicht: Es ist richtig, den Eltern der allheiligen Gottesgebärerin die zukommende Ehre zu erweisen. 

 

 

Zusammengestellt nach: A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace of the Lord, A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992, Seite 31 ff.

 

 

Die heiligen Joachim und Anna,

die Eltern der allheiligen Gottesgebärerin.

 

zu ihrem Gedenken am 09. September 

 

Die Christen richten so viel Aufmerksamkeit auf die hl. Jungfrau Maria, die Gottesgebärerin, dass ihre Eltern fast übersehen werden. Ihrer wird am Tag nach der Geburt ihrer Tochter gedacht, die auch noch an anderen Tagen gefeiert wird. Joachim und Anna waren die Eltern eines Menschen aus Fleisch und Blut, den sie Maria nannten und daher die Großeltern eines Menschen aus Fleisch und Blut, wenigstens der Form nach, der starb, um die Welt zu retten. In diesem Lichte betrachtet wird dieses Paar wohl am meisten von den Großvätern und Großmüttern dieser Welt geschätzt. 

 

Die geistige Schönheit der Hl. Anna wird in der Bibel beschrieben und sie ist gleich der ihres liebevollen Ehegatten, dem leicht übersehenen Joachim. Da es keinen größeren Anteil am göttlichen Plan des Alls gibt als die Mutterschaft, folgt, dass die Hl. Anna durch einen eigenen Festtag am 25. Juli, ihrer Entschlafung, zusätzlich individuell geehrt wird. Was aber in keiner Weise das Bild ihres Gatten, des Hl. Joachim verschattet. 

 

Umhüllt von 20 Jahrhunderten der Legende, hat die nähere Betrachtung durch die Bibelwissenschaft die Legende beseitigt und ein klareres und realeres, wenn auch noch dürftiges Bild der Hll. Joachim und Anna gezeichnet. Man kann die Worte des hl. Apostels Jakobus nicht außer Acht lassen, der sich unter schwierigen Umständen bemühte Tatsachen über die Eltern der Maria zu sammeln, die er in einem Schreiben niederlegte, das der offiziellen Anerkennung entgangen ist. 

 

Ungeachtet gegenteiliger Ansichten ist eindeutig bekannt, dass die Hl. Anna aus dem angesehenen hebräischen Stamme Levi hervorging und die Tochter des Hohenpriesters Nathan war, der mit einer Maria verheiratet war. Dieser Hohepriester hatte neben der Maria, welche die Mutter Annas wurde, noch zwei Töchter, genannt Sovin und Anna, beide wurden in Bethlehem Mutter, aber Anna heiratete in Galiläa, wo Maria, die Gottesgebärerin geboren wurde. Man kann nicht leugnen, dass Joachim von Gott begünstigt wurde indem er sein Gebet erhörte und ihm aus der bis dahin unfruchtbaren Verbindung mit Anna ein Kind geboren wurde. Die Erfüllung seines Gebetes war natürlich Maria. Dadurch wurde der Welt größter Glaube angestoßen, so überwältigend, dass Joachim in den Nebeln, die das große Geheimnis des Christentums umgeben verschwindet. Es genügt, wenn wir wissen, das der Hl. Joachim der Vater Marias war, die Jesus Christus, den göttlichen Retter gebar, der den Lauf der Geschichte änderte und auf einen anderen Weg brachte, der, wenn man ihm folgt, zum ewigen Leben führt.

 

Dass Gott auf geheimnisvolle Weise wirkt wurde offenbar als Joachim und Anna um ein Kind beteten, denn sie wussten nicht, ob ihnen ein Sohn oder eine Tochter gewährt werden würde, und so konnten sie nicht ahnen, was für sie und die Welt bestimmt war. Der Apostel Jakob zitiert einen Engel des Herrn, der zu Anna sagte: „Der Herr hat eure Gebete erhört und Du wirst empfangen und gebären, und dein Same wird in aller Welt bekannt werden.“ Es wurde also nicht das Geschlecht des Kindes erwähnt und der Apostel berichtet weiter, dass Anna antwortete: So wie der Herr mein Gott lebt, ob ich männlich oder weiblich gebäre, werde ich es dem Herrn meinem Gott darbringen; und es wird ihm dienen alle Tage seines Lebens“. Der Gebrauch des Wortes „es“ zeigt, dass Anna vielleicht eine Vorahnung hatte, aber sicher keine Gewissheit, dass „es“ eine „sie“ werden würde, die wiederum wusste, dass sie den Sohn Gottes gebären würde. Gott wirkt wirklich auf geheimnisvolle Weise. Die Orthodoxe Kirche singt im Apolytikion des Tages: Das Gedächtnis Deiner gerechten Gottesahnen feiern wir, o Herr, durch sie bitten wir Dich: Rette unsere Seelen.“ 

 

Es gibt keine höhere Anerkennung als mit Lob und Gebet von der Musik der Kirche besungen zu werden. Das Kontakion lautet: „Heute frohlockt Anna, denn befreit wurde sie von den Fesseln der Unfruchtbarkeit. Sie nährt die Allreine und ruft alle, zu besingen Den, Der aus ihrem Schoße den Menschen die einzige der Ehe unkundige Mutter schenkte.“ 

 

Die Namen von Joachim und Anna sind unerlässlicher Bestandteil der Göttlichen Liturgie, denn sie werden immer zum Schluss eines jeden Gottesdienstes erwähnt in den Worten: „Der von den Toten auferstandene Christus, unser wahrhaftiger Gott, möge sich unser erbarmen und uns retten durch die Fürbitten seiner ganz makellosen und ganz unbefleckten heiligen Mutter, durch die Kraft des kostbaren und lebenschaffenden Kreuzes, durch den Schutz der ehrwürdigen himmlischen, körperlosen Mächte, ... der heiligen und gerechten Gottesahnen Joachim und Anna, ... und aller Heiligen, denn er ist gütig und menschenliebend.“ 

 

Troparion zum Fest

 

Gerecht lebtet ihr, Joachim und Anna, im Gesetz der Gnade und gabt Leben dem uns von Gott geschenkten Kind. So lasst uns heute herrlich feiern, freudig begeht die heilige Kirche euer würdiges Gedenken und preist Gott, Der uns gesandt hat aus dem Hause Davids Ihn, der die Macht hat der Erlösung. 

 

Quelle: Andreasbote September 2009

 

 

Gedächtnis der heiligen Väter, die auf dem Siebten Ökumenischen Konzil versammelt waren

 

Sonntag zwischen dem 11. bis 17. Oktober

 

Am ersten Sonntag zwischen dem 11. und 17. Oktober feiern wir das Gedächtnis der hl. Väter, die sich versammelten zum 7. Ökumenischen Konzil gegen die Gottlosen und Unwissenden, die die Verehrung der heiligen  Ikonen verwerfen und die Heilige Kirche, die sie gläubig verehrt, der Götzenanbetung bezichtigen.

 

Das 7. Ökumenische Konzil wurde von der heiligen Kaiserin Irene einberufen und tagte unter dem Vorsitz des Heiligen Tarasios, Patriarch von Konstantinopel , vom 24. September bis zum 13. Oktober 787 in Nikäa. 350 Orthodoxe Bischöfe hatten sich dazu versammelt. Dazu kamen 17 andere, die sich während der Sessionen abkehrten von der Häresie der Bilderzerstörung. Die von den Ikonoklasten-Kaisern Leon III. dem Isaurier (714-741) und Konstantin V. Kopronymos (741-745) so grausam verfolgten Mönche waren vertreten durch 136 von ihnen. Ebenfalls anwesend waren die Vertreter des Papstes von Rom und der Patriarchen von Antiochia und Jerusalem

 

Nach sorgfältiger Vorbereitung und nachdem sie die Lesung zahlreicher Zeugnisse und Schriften der HI. Väter angehört hatten, anathematisierten die Konzilsväter die Häretiker, die über 50 Jahre lang den orthodoxen Christen verboten hatten, die Ikonen Christi und Seiner Heiligen zu verehren, unter dem Vorwand, dass es sich hierbei um Götzenanbetung handle. Damit setzten die Väter der ersten Periode des Ikonoklasmus ein Ende.

 

Ikonoklasmus, d.h. Ikonenzerstörung (von gr. κλάσω = brechen, zerbrechen).

  

27 Jahre später allerdings sollte unter Leon V. dem Armenier (813-820) eine zweite Welle der Ikonenzerstörung und der Verfolgung der Ikonenverehrer ausbrechen, die erst 843 endgültig überwunden werden konnte, dank der heiligen  Kaiserin Theodora und dem heiligen Patriarchen Methodios.

 

Dieser endgültigen Wiedereinführung der Ikonenverehrung gedenken wir am Fest der Orthodoxie am 1. Sonntag der Großen Fastenzeit. Wir nennen es Fest der Orthodoxie, weil die Kirche damit auch den Sieg des Orthodoxen Glaubens über jede Häresie feiert.

 

Die heiligen Väter belegten mit dem Anathema die häretischen Patriarchen Anastasios, Konstantin und Niketas, die Metropoliten Theodosios von Ephesos, Johannes von Nikomedia und Konstantin von Nakolia und alle ihre Anhänger, verwarfen das Pseudo-Konzil von Hieria, das 754 unter dem Vorsitz von Konstantin V. getagt hatte, und verfügten ewiges Gedenken der heiligen Verfechter der Orthodoxie: des heiligen Patriarchen Germanos, des Heiligen Johannes von Damaskus, des Heiligen Georgios von Zypern und all jener, die um der Verteidigung der heiligen Ikonen willen Exil und Tortur auf sich genommen hatten. In der Erklärung, die sie an der 7. und letzten Session verabschiedeten, führen die Väter aus:  

 

„Wir erklären mit aller Deutlichkeit und mit der größten Sorgfalt, dass wie die Darstellung des kostbaren und lebenspendenden Kreuzes, so auch die verehrungswürdigen und heiligen Ikonen, seien sie gemalt, nach der Mosaik-Technik zusammengefügt oder auf jede andere angemessene Art hergestellt, anzubringen sind in den Kirchen Gottes, auf den heiligen Gefäßen und Gewändern, an den Wänden und auf Tafeln, in den Häusern und an den Straßen, und zwar sowohl die Ikone unseres Herrn, Gottes und Erlösers Jesus Christus, als auch jene unserer unbefleckten Herrin, der Gottesmutter, der heiligen Engel und aller Heiligen. Denn je mehr wir diese bildlichen Darstellungen betrachten, umso mehr werden wir ihrer Urbilder gedenken, hinstreben zu ihnen und ihnen, indem wir sie küssen, eine achtungsvolle Verehrung bezeugen, ohne dass dies, nach unserem Glauben, eine eigentliche Anbetung bedeutet, die Gott allein gebührt. Wie man dies zu tun pflegt für das kostbare und lebenspendende Kreuz, für die heiligen Evangelien und die anderen heiligen Gegenstände, sind zu ihren Ehren Weihrauch und Kerzen darzubringen, gemäß dem frommen Brauch der Vorväter. Denn die Ehre, die dem Abbild erwiesen wird, steigt auf bis zu seinem Urbild(Anmerkung des Verfassers: Heiliger Basilius, Über den Heiligen Geist, 18,45), und wer eine Ikone verehrt, verehrt durch sie die Person (Hypostasis), die sie abbildet. So bewahren wir die Lehre unserer heiligen Väter und die Überlieferung der Katholischen Kirche (Anmerkung des Verfassers: „katholisch" im Sinne des orthodoxen Glaubensbekenntnisses), die das Evangelium empfangen hat vom einen Ende der Welt bis zum anderen."

 

Damit verteidigten die heiligen Väter nicht nur die Verehrung der heiligen Ikonen, sondern im Grunde auch die Wirklichkeit der Inkarnation des Sohnes Gottes. „Ich stelle den sichtbaren Gott dar nicht als den Unsichtbaren…“, schreibt der Heilige Johannes von Damaskus, „…sondern insofern Er sichtbar geworden ist für uns durch Seine Anteilnahme an unserem Fleisch und Blut. Ich bete nicht die Materie an, sondern den Schöpfer der Materie, Der um meinetwillen Materie geworden ist, Der das Leben in der Materie auf sich genommen und durch die Materie (d.h. durch Seinen Leib, der starb und auferstanden ist) mein Heil gewirkt hat.“ (Johannes von Damaskus, Περὶ εἰχόνων (Über die Ikonen) 1,16). Indem der göttliche Logos die menschliche Natur annahm, vergöttlichte Er sie, ohne dass sie dadurch die ihr eigenen Merkmale verlor. Deshalb kann diese menschliche Natur des Herrn, obwohl sie in ihrem verherrlichten Zustand unseren Sinnen nicht mehr zugänglich ist, im Bilde dargestellt werden. Die Ikone Christi — deren Treue zum Urbild verbürgt ist durch die Überlieferung der Kirche — wird so für die Gläubigen zur wahrhaften Gegenwart der gottmenschlichen Person des Prototyps, zum Kanal, über den sie Gnade und Heiligung empfangen.

 

Das 2. Konzil von Nikäa ist das 7. und letzte Ökumenische Konzil, das die Orthodoxe Kirche anerkennt. Das bedeutet indessen nicht, dass künftige Ökumenische Konzile ausgeschlossen wären. Es bedeutet vielmehr, dass das Konzil von Nikäa, indem es den 7. Platz belegte, zum Symbol der Vollendung und Vollkommenheit wurde, für welche die Zahl 7 in der Heiligen Schrift steht (vgl. z.B. Genesis 2:1-3). Es beschließt die Ära der großen dogmatischen Auseinandersetzungen, die es der Kirche ermöglichten, in Begriffen, die jede Zweideutigkeit ausschließen, die Grenzen des heiligen Orthodoxen Glaubens genau abzustecken. Von nun an kann jede Häresie mit der einen oder anderen der Irrlehren gleichgestellt werden, die die in allgemeinen Konzilen versammelte Kirche mit dem Anathema belegt hat, vom 1. Konzil (325, Nikäa I) bis zum 7. (787, Nikäa II).

 

Quelle: Das Synaxarion. Die Leben der Heiligen der Orthodoxen Kirche. Band 1.

 

 

Predigt zum Sonntag der Predigt zum Sonntag

der Väter des 7. Ökumenischen Konzils in Nikaia 

 

zwischen dem 11. bis 17. Oktober

 

Heute gedenkt unsere Kirche der Heiligen Väter des Siebten Ökumenischen Konzils, das im Jahre 787 in der Stadt Nikaia abgehalten wurde. Viele Jahre schon war die christliche Welt hin- und hergerissen worden zwischen denen, die den Platz der Ikonen im religiösen Leben anerkannten (den Ikonophilen oder Bilderfreunden) und denen, die sie verurteilten (die Ikonoklasten oder Bilderstürmer Obwohl das 7. Konzil rund 50 Jahre vor der Wiedereinsetzung der Ikonen in den Kirchen stattfand, bezeichnet es doch den Punkt, an dem die Kirche ein für alle Mal verkündete, dass Ikonen eine wichtige Rolle in der Verkündigung des christlichen Glaubens spielen.

 

Warum haben wir Ikonen? Eine Antwort ist natürlich, dass sie dazu dienen den Gläubigen die Wahrheiten des Glaubens zu lehren. Wir wissen ja, dass während der ganzen Menschheitsgeschichte die meisten Menschen nicht lesen und schreiben konnten und in einer Form belehrt werden mussten, die sie verstehen konnten. Außerdem sagt, nach dem berühmten Zitat, „ein Bild mehr als tausend Worte“ und gewiss können viele feinsinnige Wahrheiten in Bildern den Menschen besser nahegebracht werden, als nur in Worten. Unsere Kultur anerkennt dieses Faktum – man denke nur an die Verkehrszeichen, die wir jeden Tag sehen und beachten müssen, auf denen uns Symbole, nicht Worte, vor evtl. Gefahren warnen.

 

Aber das allein erklärt nicht, warum die orthodoxen Gläubigen um der Ikonen willen unter heftigen Verfolgungen leiden mussten und sogar das Martyrium erlitten. Offensichtlich bedeuteten sie unseren Vorfahren mehr als nur geeignete Lehrmittel. Wir können vielleicht besser verstehen was Ikonen sind, wenn wir uns an das Wort eines jener Märtyrer erinnern: „Die Ikone ist ein Fenster zum Himmel“. Wir glauben, dass wir vor der Ikone der darauf abgebildeten Person gegenüberstehen und weil diese Person ein Heiliger ist oder eine Heilige, ist vor einer Ikone zu stehen wie dem Himmelreich zu begegnen. Die Liebe und den Respekt, den wir der Ikone erweisen ist unsere natürliche Reaktion auf diese Begegnung, denn sie wird nicht der Ikone selbst, sondern der abgebildeten Person erwiesen – der nämlich, die uns zu dem Himmelreich hinanzieht, das wir zu Beginn jeder Liturgie preisen.

 

Wir können auch hier in unserem täglichen Leben einen Widerhall dieser Vorstellung finden. Viele tragen Photos von Menschen, die ihnen lieb und teuer sind, in ihrer Brieftasche oder Geldbörse mit sich oder hängen Bilder von ihnen in der Wohnung auf. Wir sind verärgert, wenn Leute diese Bilder schlecht behandeln, denn wir wissen tief in unserem Innern, dass die Respektlosigkeit, die man einem Bilde zeigt, auch eine Respektlosigkeit gegenüber der Person auf dem Bilde ist. Aber Ikonen sind nicht nur Familienfotografien unserer Vorfahren im Glauben. Sie sind, wie ich schon gesagt habe, Bilder von Heiligen. Und das erklärt, warum die Väter des 7. Konzils die Ikonen als wichtig für die wahre Verkündigung des Christentums befunden haben.

 

Wie wurden sie heilig? Nicht allein durch eigene Anstrengung, sondern durch die Gnade Gottes in unserem Herrn Jesus Christus. Wäre er nicht Mensch geworden um uns zu retten, würde niemand in das Himmelreich gelangen. Die Väter des 7. Konzils argumentierten, wahre Bilder (Ikonen) vom fleischgewordenen Gottessohn zu erstellen, sei die eindrucksvollste Art und Weise unseren Glauben auszudrücken, dass Gott zu uns herabgekommen ist und uns zu Ihm hinaufgezogen hat. Denn sich ein Bild von jemandem zu machen, ist ihn als vollkommen menschlich anzuerkennen. Alle die Heiligen, die wir auf den Ikonen sehen sind Heilige und Bürger des himmlischen Reiches aufgrund der Taten Gottes in Christus und sie rufen uns auf, Ihn in uns aufzunehmen, so wie Er in ihnen lebt, damit auch wir uns ihnen im Himmelreich anschließen können. Die heiligen Ikonen zeigen uns was wir berufen sind zu werden und wie wir unser Ziel erreichen können.

 

Heute aber gedenken wir unserer Heiligen Väter, die uns durch die Verteidigung der heiligen Ikonen diese Wahrheit gelehrt haben. Amin.

 

Quelle: Internetseite der griechischen Metropolie von Großbritannien und Irland: www.thyateira.org.uk

 

 

Der Streit um die Verehrung der heiligen Ikonen:

 

Der Streit konzentrierte sich auf den Gebrauch der Ikonen in der Kirche und auf die unterschiedlichen Auffassungen von Ikonoklasten (Bilderstürmer) und Ikonophilen (Bilderfreunde). Die Ikonoklasten misstrauten der religiösen Kunst. Sie verlangten, dass sich die Kirche von solcher Kunst distanziert und dass sie zerstört oder zerbrochen (wie das Wort „Ikonoklast“ impliziert) werde.

 

Die Ikonophilen glaubten, dass die Ikonen dazu dienten, die Glaubenslehre der Kirche zu bewahren. Sie sahen Ikonen als Ergebnis eines natürlichen Drangs des Menschen an, das Göttliche durch Kunst und Schönheit auszudrücken. Der Bilderstreit war eine Form des Monophysitismus: Misstrauen gegenüber und Abwertung der menschlichen Natur.

 

Aus dem Horos des Siebten Ökumenischen Konzils:

 

Wir beschließen mit aller Genauigkeit und Sorgfalt, dass ebenso wie die Gestalt des ehrwürdigen und Leben spendenden Kreuzes auch die verehrten und heiligen Bilder in Malerei und Mosaik und anderer geeigneter Materie in den heiligen Kirchen Gottes, auf heiligen Geräten und Gewändern, auf Wänden und Tafeln, in Häusern und Straßen aufgerichtet werden, und zwar das Bild unseres Herrn und Gottes und Heilandes Jesu Christi, das unserer reinen Herrin, der heiligen Gottesmutter, der verehrungswürdigen Engel und aller Heiligen und frommen Menschen. Denn in dem Maße, in dem sie beständig in bildlicher Darstellung gesehen werden, werden auch die sie Betrachtenden zum Gedenken und zur Sehnsucht nach den Urbildern erhoben, und sie erweisen ihnen Gruß und ehrfürchtige Verehrung (τιµιτικὴ προσκύνισης), nicht aber die unserem Glauben gemäße wahrhaftige Anbetung (λατρεία), welche allein der göttlichen Natur gebührt ... Denn die Ehre, die man dem Bilde erweist, geht auf das Urbild über, und wer ein Bild verehrt, verehrt die in ihm dargestellte Person.“

 

Der Verteidiger der Orthodoxie: Der heilige Johannes von Damaskus

 

Als Johannes Mansur geboren, wurde er am Hof des Kalifen in Damaskus erzogen. Er hatte bald eine Stellung vergleichbar mit der eines Premierministers inne. Er war ein frommer orthodoxer Christ. Er trat in das Kloster des Heiligen Savvas in Palästina ein, wo er viele Gedichte, Hymnen und Abhandlungen schrieb. Eine davon trägt den Titel „Eine genaue Erklärung des orthodoxen Glaubens“. Dieses Werk ist eine systematische theologische Zusammenfassung aller grundlegenden Lehren der ersten sieben Jahrhunderte, ein Werk, das zum Klassiker der orthodoxen Theologie wurde.  

 

Triumph der Orthodoxie

 

Im Jahre 843 wurde unter Kaiserin Theodora eine Regionalsynode nach Konstantinopel einberufen. Dabei wurde in der Sophienkirche feierlich die Bilderverehrung verkündet. Mönche und Klerus formten eine Prozession und stellten die Ikonen wieder auf den ihnen gebührenden Platz. Dieser Tag wurde der „Triumph der Orthodoxie“ genannt. Seit dieser Zeit gedenken wir jedes Jahr am ersten Sonntag der großen Fastenzeit, dem „Sonntag der Orthodoxie“, dieses Ereignisses mit einem besonderen Gottesdienst.

 

Quelle: Internetseite des griechischen orthodoxen Erzbistums von Nordamerika: http://www.goarch.org/ourfaith

 

 

Die Ikonen-Theologie als rechtgläubiges Bekenntnis zur wahrhaften Menschwerdung des Gottessohnes

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Das siebte Ökumenische Konzil wurde durch den Kaiser Konstantin VI. und seine Mutter Irene im Jahre 787 in Nizäa einberufen, nachdem ein Jahr zuvor ein erster Versuch, das Konzil in Konstantinopel durchzuführen, am Widerstand bilderfeindlicher Militäreinheiten in der Stadt gescheitert war. Das Konzil dauerte vom 24. September bis zum 23. Oktober. An dem Konzil nahmen rund 350 Bischöfe teil. Den Vorsitz führte der Patriarch von Konstantinopel, der heilige Tarasios. Der Erzbischof von Alt-Rom und Patriarch des Westens Hadrian I., wurde durch zwei Legaten vertreten. Ebenfalls wurden die Patriarchen Politianos von Alexandrien, Theodoretos von Antiochien und Elias von Jerusalem durch zwei Mönche vertreten. Diese waren jedoch nicht so sehr im kirchenrechtlichen Sinne der römischen Legaten als vielmehr der Sache nach Sprecher der drei östlichen Patriarchen. Die ersten Sitzungen fanden in der Kirche zu Ehren der Göttlichen Weisheit, der Sophien-Kirche in Nizäa statt. Die achte und letzte Sitzung des Konzils wurde dann nach Konstantinopel in den Magnaura-Palast verlegt, wo auch die Entscheidungen des Konzils feierlich verkündet und der Horos unterzeichnet wurde.

 

Die einzelnen Entscheidungen des 7. Ökumenischen Konzils:

 

1. Die Konzilsväter bringen zum Ausdruck, daß sie, von Gott zusammengerufen, ein heiliges und großes ökumenisches Konzil abgehalten haben und in ihren Entscheidungen der Göttlichen Tradition der orthodoxen Kirche, insbesondere den sechs vorangegangenen ökumenischen Konzilen gefolgt sind. Sie haben dabei alles, was geschrieben oder ungeschrieben überliefert wurde, ohne jegliche Neuerung bewahrt und verkündet.

 

2. Eine dieser heiligen Überlieferungen ist auch die bildliche Darstellung, „welche, indem sie mit der Geschichte des evangeliumsgemäßen Glaubensüberlieferung übereinstimmt, die wahrhafte und nicht bloß erdachte Menschwerdung des göttlichen Logos bezeugt und uns zu einem, dem Evangelium ähnlichen Nutzen verhilft; denn das, „was sich gegenseitig verdeutlicht, verleiht sich auch wechselseitig eine nachdrückliche Bekräftigung".

 

3. Es wird deshalb als rechtgläubige Glaubenslehre bestimmt, daß unser Herr Jesus Christus, die allheilige Gottesmutter, die Engel und alle Heiligen bildlich dargestellt werden dürfen. Ihre heiligen Ikonen werden durch Farben, Mosaiksteine und jedes andere angemessene Material angefertigt und gleich dem heiligen und lebensschaffenden Kreuz überall angebracht.

 

4. Der Zweck für die Existenz der heiligen Ikonen besteht darin, daß sie den Betrachter „zum Andenken und zur Nachahmung der Urbilder" anregen.

 

5. Im Gegensatz zu Gott, Dem einzig und allein die eigentliche Anbetung (Latreia) gebührt, wird den heiligen Ikonen, wie auch dem Symbol des heiligen Kreuzes, dem Evangelienbuch und den heiligen Reliquien nur Verehrung (Proskynesis) dargebracht. Die der Ikone erwiesene Verehrung wird nicht der materiellen Ikone, sondern der abgebildeten Person dargebracht: „Die Ehre, die dem Bild dargebracht wird, geht auf das Urbild über“, so lautet die richtungsweisende Formulierung des heiligen Basilius des Großen (Basileios der Große, in: „De Spiritu Sancto“) zu rechtgläubigen Verständnis der Ikonenverehrung.

 

Für ihre Entscheidung haben sich die auf dem Siebten Ökumenischen Konzil versammelten heiligen Väter, sowohl die geschriebene Überlieferung (Heilige Schrift), als auch auf die ungeschriebene Überlieferung (Tradition) der Orthodoxen Kirche herangezogen. Dabei ging es ihnen darum, die Fülle des überlieferten Glaubens in seiner heiligen, apostolischen und katholischen (= in rechtgläubiger Übereinstimmung aller apostolischen Kirchen des gesamten christlichen Erdkreis (Oikumene) auszudrücken.

 

Besonders bedeutsam sind die Entscheidungen dieses Konzils für das rechtgläubige Verständnis der Christologie. Die heiligen Väter führten im die Konzilsbeschlüsse zusammenfassenden Horos deutlich aus, daß die Verehrung der heiligen Ikonen die wahrhafte und nicht bloß erdachte Menschwerdung des göttlichen Logos bezeugt. Damit verdeutlichen die heiligen Väter, daß ihre Entscheidungen nicht nur einfach die katechetisch-didaktische oder legitim devotionale Bedeutung des christlichen Bildes festhalten, sondern dass die Ikonentheologie wesensmäßig christologisch zu verstehen ist. Die Wirklichkeit der Inkarnation des Sohnes Gottes durch die Ikone Christus abbilden zu können ist gleichzeitig der Schlußpunkt der christologischen Streitigkeiten. Es beschließt die Ära der großen dogmatischen Auseinandersetzungen ab, die es der Orthodoxen Kirche ermöglicht haben, in theologischen Begrifflichkeiten, die jede Zweideutigkeit ausschließen, die inhaltlichen Grenzen des Heiligen Orthodoxen Glaubens genau abzustecken.

 

Sophien-Kirche in Nizäa.
Sophien-Kirche in Nizäa.

 

assen wir kurz die christologischen Entscheidungen der vorangegangenen Konzilien bis zum sechsten Ökumenischen Konzil zusammen: Nach dem Dritten und Vierten Ökumenischen Konzil (Ephesos (431) und Chalcedon (451)) bekennen wir Orthodoxen „unseren HERRN JESUS CHRISTUS , den eingeborenen Sohn Gottes, vollkommenen Gott und vollkommenen Menschen … , der Gottheit nach Eines Wesens mit dem Vater und der Menschheit nach eines Wesens mit uns“; wir bekennen „Einen und denselben CHRISTUS in zwei Naturen unvermischt, unverwandelt, ungeteilt und ungetrennt“, wobei „der Unterschied der Naturen niemals wegen der Union aufgehoben wird; vielmehr wird die Eigenschaft einer jeden Natur bewahrt, und sie kommen in einer Person oder einer Hypostase zusammen“. Dieser Entscheidung bleibt auch die Lehre des Fünften Ökumenischen Konzils (Konstantinopel (553)) treu und ihnen entspricht auch voll und ganz das Bekenntnis des sechsten Ökumenischen Konzils (Konstantinopel 680/81), nach dem wir in JESUS CHRISTUS „zwei natürliche Willen“ und „zwei natürliche Energien“ „unvermischt, unverwandelt, ungeteilt und ungetrennt“ verkünden; „Seine zwei Naturen erscheinen klar durch Seine Eine Hypostase… , wobei der Unterschied der beiden  Naturen in dieser einen Hypostase daran erkannt wird, daß jede Natur in Gemeinschaft mit der Anderen das je Eigene will und wirkt“. Nach diesem Bekenntnis, welches für die volle und unverkürzte Gottheit und Menschheit unseres HERRN JESUS CHRISTUS Zeugnis ablegt und für die Bewahrung der Eigenschaften einer jeden Natur, der göttlichen sowie der menschlichen, auch nach der Union eintritt begegnet uns in Jesus Christus die Eine Gottmenschliche Person.

 

Die Darstellung Christi Seiner menschlichen Natur nach auf den heiligen Ikonen ist ein wichtiger Bestandteil des rechtgläubigen christologischen Bekenntnisses. „Christus ist dem Leibe nach beschreibbar, der Gottheit nach aber unbeschreibbar“, so formuliert es deutlich der Heilige Gregor der Theologe. Die Ikonentheologie, wie sie die Heiligen Väter auf dem Siebten Ökumenischen Konzil ist und bleibt wichtiges Bekenntnis zur wirklichen geschichtlichen Fleischwerdung des Gottessohnes JESUS CHRISTUS und ihres heilbringenden Charakters. Es dreht sich also nicht nur um die Frage der Bildtheologie, sondern um ihre Verankerung im zutiefst christologisch fundierten unverzichtbaren Wesenskern des christlichen Glaubens, wenn die Heiligen Väter auf dem Siebten Ökumenischen Konzil feststellen: ,,Wenn jemand CHRISTUS, UNSEREN GOTT, nicht als darstellbar nach Seiner Menschheit bekennt, sei Anathema“. Es geht bei der Ikonentheologie eben nicht um eine besondere Spielart der ostkirchlichen ästhetischen Spiritualität, wie die an eine eher verhalten ausgeprägte Bildtheologie gewöhnte abendländischen Christenheit oft meint, sondern um den Kern des orthodoxen Verständnisses unserer Erlösung. Das Heilige Siebte ökumenische Konzil ist von der Theologie und Frömmigkeit der gesamten abendländischen Christenheit in seiner christologischen Tragweite nie voll verstanden worden, geht es im Grunde doch um die Frage der tatsächlichen Vereinigung der Göttlichen und der Menschlichen Natur in der Einen Person unseres Herrn und Erlösers und Gottes Jesus Christus und damit nach orthodoxem Verständnis um nicht mehr und nicht weniger als um unser Heil und unsere Erlösung. Da wir Orthodoxe die Erlösung nicht „relational“ von einer Rechtfertigungslehre her denken, sondern diese „personal“ in der Theosis erfahren, die die Vereinigung der Vollkommen Göttlichen und Vollkommen Menschlichen Natur in der fleischgewordenen Hypostase des Einen HERRN JESUS CHRISTUS voraussetzt, ist die genuin orthodox verstandene Bild- (Ikonen-) Theologie immer zugleich auch Christologie. 

 

Theosis ist die „Verchristlichung“ unserer eigenen menschlichen Natur, durch die gnadenhafte Teilhabe an der vollkommenen menschlichen Natur des Gottmenschen Jesus Christus. 

 

Allgemeine Erhöhung des kostbaren und lebensspendenen Kreuzes

unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus

 

Am 14. des Monats September

 

 

Als der heilige Konstantin der Große sich anschickte, nach Rom zu ziehen, zum Kampf gegen seinen Rivalen Maxentius, der ihm an Truppenstärke weit überlegen war, sah er mitten am Tag am Himmel das hellleuchtende Zeichen des lebenspendenden Kreuzes, mit der griechischen Inschrift  Ἐν τούτῳ νίκα („Durch dieses siege“). Da ließ er die Banner seines Heeres mit dem Kreuzeszeichen versehen und errang in der Tat einen glänzenden Sieg, der ihm das Tor öffnete zur Herrschaft über das ganze Römische Reich und den Triumph des Christentums in die Wege leitete. 

 

Das Christogramm, das der heilige apostelgleiche Kaiser Konstantin auf den Schilden seiner Soldaten anbringen ließ.
Das Christogramm, das der heilige apostelgleiche Kaiser Konstantin auf den Schilden seiner Soldaten anbringen ließ.

 

Im Jahr 326, dem zweiten seiner Alleinherrschaft, kurz nach dem Ersten Ökumenischen Konzil in Nikäa, als der Kaiser den Wunsch hegte, zum Dank für den Sieg der Orthodoxie über die Häresie des Arius einen Prachtbau zu errichten, unternahm seine schon fast 80 jährige Mutter, die Heilige Helena, eine Pilgerfahrt nach Jerusalem, um das Heilige Grab und das Kreuz zu suchen. Die Stätte am Golgotha war im Jahr 135, als der römische Kaiser Hadrian Jerusalem als heidnische Stadt, die Colonia Aelia Capitolina, neu aufbauen ließ, unter einem Schuttberg begraben worden, auf dem man einen Götzentempel mit einer Statue der Venus erbaute. Als nun Kaiserin Helena in der Heiligen Stadt ankam, wandte sie sich mit ihrem Anliegen an deren Bischof, den Heiligen Makarios. Dank der lokalen Überlieferung fand man die Höhle der Auferstehung unter dem Schutt. Auf Befehl des Kaisers wurde die Stätte sogleich freigelegt. Dabei fand man in der Nähe die drei Kreuze, die Tafel, auf welche Pilatus auf Hebräisch, Griechisch und Lateinisch hatte schreiben lassen: Jesus von Nazareth, König der Juden (Joh 19, 19-20), sowie die drei Nägel, mit denen der lebenspendende Leib des Erlösers ans Kreuz geheftet worden war. Doch die Kreuze waren zerbrochen und die Stücke verstreut, sodass es unmöglich war, zu unterscheiden, welches das Kreuz Christi war und welche die Kreuze der beiden Verbrecher. Die Heilung einer sterbenden Frau indessen, die sich dem heiligen Holze näherte, erlaubte dem Heiligen Makarios, dasselbe zu erkennen, denn die beiden anderen Kreuze wirkten keine Wunder. Daraufhin verehrten und küssten die Kaiserin und ihr ganzer Hofstaat mit großer Rührung und Andacht das heilige Kreuz. Das zahlreich versammelte Volk begehrte in seiner glühenden Liebe zum Erlöser ebenfalls an dieser Gnade teilzuhaben oder das Werkzeug unserer Erlösung zumindest von weitem zu sehen. Deshalb stieg der Bischof, das Kreuz mit beiden Händen haltend, auf die Kanzel und hob es für alle gut sichtbar in die Höhe. Da rief das ganze Volk spontan: "Kyrie eleison!"

 

Der heilige Patriarch Markarios erhebt das heilige und lebensspendende Kreuz.
Der heilige Patriarch Markarios erhebt das heilige und lebensspendende Kreuz.

 

Mit derselben Geste feierte im Jahre 631 der damalige Patriarch von Jerusalem, der Heilige Zacharias (21.2), die Rückkehr des Heiligen Kreuzes, das 614 von den Persern aus Jerusalem geraubt worden war, aber dank den erfolgreichen Feldzügen des byzantinischen Kaisers Heraklios zurückerobert werden konnte.

 

Die heiligen Väter haben angeordnet, dass jedes Jahr in allen Kirchen die feierliche Erhöhung des Kostbaren Kreuzes vorgenommen wird, zum einen als Erinnerung an jene beiden Erhöhungen, die den Sieg des Christentums versinnbildlichten, zum anderen aber, um auszudrücken, dass das Kreuz, in der antiken Welt ein Zeichen der Schmach und des Fluchs, für uns zum Ruhm geworden ist, zum Zeichen der göttlichen Herrlichkeit Christi, kundgetan durch das Licht Seiner Auferstehung. Indem heute die Geste des hl. Bischofs von Jerusalem wiederholt und zum Gesang des "Kyrie eleison" das Kreuz in die vier Himmelsrichtungen erhoben wird, bekennen wir, dassChristus mit Seiner Erhöhung am Kreuz alle Dinge versöhnt und in Seinem Leib die ganze Schöpfung in eins gebracht hat, in ihrer Länge und Breite, ihrer Höhe und Tiefe, damit wir durch Ihn Zugang erhalten möchten zum Vater (vgl. Eph 3,18 und Kol 1,20).

 

Es heißt, dass das Heilige Kreuz aus drei Arten von Holz gefertigt war: Zypresse, Kiefer und Zeder, in Erfüllung der Prophetie des Isaias (Jes 60,13 nach LXX). Seine in der ganzen christlichen Welt verstreuten Fragmente kennzeichnen sich dadurch, dass sie unverdorben sind und den Christen, die sie mit Glauben verehren, die Gnade der Auferstehung vermitteln.

 

Das Fest der Kreuzerhöhung ist schon im 6. Jh. als feste Institution belegt. Nach dem Raub des Kreuzes durch die Perser und mehr noch nach seiner Rückeroberung wurde es noch feierlicher begangen. Angesichts der drohenden arabischen Invasion wurde das hl. Holz 635 nach Konstantinopel gebracht, wo sich bereits ein von der Hl. Helena zusammen mit den Nägeln zurückgebrachtes Fragment davon befand, am Fuß der Porphyrsäule auf dem Forum.  Das bedeutendste Fragment des Hl. Kreuzes wird heute im Kloster Xiropotamos auf dem Hl. Berg verehrt. Es trägt die Spur eines Nagels.

 

Quelle: Synaxarion, die Leben der Heiligen der Orthodoxen Kirche, Bd. 1 September – Februar, Seite 76 ff. Der Text folgt der Darstellung der alten Kirchenhistoriker Rufinus, Sokrates, Sozomenos und Theodoret von Kyros.

 

 

Hochfest der Erhöhung des heiligen und lebensspendenen Kreuzes

 

 

Am 14. September feiert die heilige Kirche das Hochfest der Erhöhung des heiligen und Lebensspendenden Kreuzes. Nachdem die heilige Kaiserin Helena so glücklich war, das wahre Kreuz Christi zu finden, ließ sie an der selben Stelle, wo sie es fand, eine prächtige Kirche bauen, und in der selben die Hälfte des heiligen Kreuzes, reich in Gold und kostbaren Steinen gefasst, niederlegen; die andere Hälfte sandte sie ihrem Sohne, Kaiser Konstantin, der mit der tiefsten Verehrung dieses kostbare Geschenk empfing. Einen Teil behielt er in Konstantinopel, den anderen schickte er nach Rom in die Kirche, welche er dort mit großer Pracht erbauen ließ, und welche unter dem Namen der „Kirche zum heiligen Kreuz in Jerusalem” noch heute steht.

 

Der Teil des heiligen Kreuzes, welcher in der heiligen Kreuz-Kirche in Jerusalem aufbewahrt wurde, stand in höchster Verehrung. Von allen Seiten strömten Pilger herbei, um dies Kreuzholz zu sehen, und dort zu Dem um Hilfe zu flehen, der an diesem Holze für das Heil der Welt gestorben ist. Die frommen Pilger waren aber damit noch nicht zufrieden, sondern sie erbaten sich auch kleine Partikel des heiligen Kreuzes. Der heilige Cyrillus, der 24 Jahre nach dem heiligen Makarius Bischof von Jerusalem wurde, versichert, dass die ganze Welt mit kleinen Stücklein von diesem Teile des hl. Kreuzes in Jerusalem angefüllt sei. der heilige Makarius und seine Nachfolger, wie auch der heilige Cyrillus teilten nämlich den Pilgern kleine Splitter des heiligen Holzes mit, und der Letztere sagt, dass er mit eigenen Augen gesehen, wie sich das heilige Holz doch nicht verminderte, so viel man auch Teile hinweg nahm. Eben dasselbe behauptet auch der heilige Paulinus, Bischof von Nola, und sagt, dass das Kreuzholz, obschon verdorrt und wie tot, sich wieder zu erzeugen und neu zu beleben schien, und diese wunderbare Kraft ihm durch den Tod Jesu, der an diesem Kreuze litt, mitgeteilt wurde. Daher auch dasselbe, obwohl so viele Menschen Teile davon erhielten, doch immer ganz bleibe, als hätte man es nicht berührt. 

 

 

Bis zum Jahre 625 nach Christus blieb die Hälfte des heiligen Kreuzes in Jerusalem, als diese Stadt vom Perserkönig Chosroes II. belagert, und nach langer Verteidigung erobert wurde. Schrecklich hauste das Schwert der Perser, dieser geschworenen Feinde der Christen, unter den unglücklichen Bewohnern der Stadt. Wer nicht ermordet wurde, musste Sklave werden; auch der ehrwürdige Bischof Zacharias wurde fort geschleppt, aber zuvor musste er den Kasten, in welchen die Perser das geraubte Kreuzholz gelegt hatten, um es mit fort zu nehmen, mit dem Siegel seiner Kirche versiegeln. König Chosroes wusste nämlich, dass die Christen das Kreuzholz über Alles schätzen, und wollte es daher mit sich nehmen, in der Hoffnung, eine große Summe dafür als Lösegeld zu erhalten.

 

Der Kaiser Heraklius zu Konstantinopel zitterte und bat den Perserkönig um Frieden, allein dieser übermütige Christenfeind wollte nur unter der Bedingung Frieden machen, wenn der Kaiser und seine Völker Christus verleugnen, und die Sonne anbeten würden. 

 

Diese schmachvolle Forderung empörte die Priester. Der Patriarch Sergius von Konstantinopel sprach dem kleinmütigen Kaiser Mut ein, bot ihm die Schätze der Kirchen und Güter der Geistlichen zum Kriege an, und führte ihn in die Hauptkirche der Stadt, wo er ihn vor dem Hauptaltare einen feierlichen Eid schwören ließ, mit dem Volke leben und sterben zu wollen. Jetzt fasste der Kaiser Mut; er entließ das Weib, mit welchem er im Ehebruche lebte, zog das Gewand eines Büßers an und begann nun den Krieg gegen den stolzen Feind und Lästerer Jesu Christi. Er selbst trug ein wundertätiges Bild unseres Herrn Jesu Christi und stellte sich damit an die Spitze des Heeres. Obgleich an Zahl geringer, griff er doch dass Heer des gottlosen Königs an, besiegte ihn und schlug ihn in die Flucht. Entsetzt eilte der geschlagene König in das Innere seines Reiches, und schleppte mit sich den Bischof Zacharias und das heilige Kreuz. Doch der Kaiser Heraklius setzte ihm nach. In einer elenden Strohhütte ergriff ihn die Ruhr. Wütend über sein Unglück ließ er seine zwei besten Feldherren hinrichten. Da empörte sich gegen ihn sein eigener Sohn Sisroes, den er enterben wollte, nahm ihn gefangen und ermordete ihn. Das gerechte Gericht Gottes hatte den Lästerer Christi erreicht. Wie er es seinem eigenen Vater gemacht, so geschah auch ihm. Er musste sterben durch seines eigenen Sohnes Hand. Dieser, nun König der Perser, bat den Kaiser Heraklius um Frieden. der Kaiser willigte ein, aber nur unter der Bedingung, dass das heilige Kreuz zurückgegeben und der Bischof Zacharias nebst den anderen Christlichen Sklaven in Freiheit gesetzt würden. Sisroes erlaubte es und gab den Kasten, in welchem das heilige Kreuz lag, wohl versiegelt und unversehrt zurück. Auf einem prachtvollen Wagen, von vier Elefanten gezogen, hielt hierauf der Kaiser seinen Einzug in Konstantinopel. Vor ihm wurde das heilige Kreuzholz her getragen. Im Frühjahr darauf zog der Kaiser mit einem glänzenden Gefolge nach Jerusalem, um das heilige Kreuz wieder zurück zu bringen und Gott für den erhaltenen Sieg zu danken. In feierlicher Prozession, geschmückt mit dem kaiserlichen Ornate, trug der Kaiser selbst das Kreuzholz auf seiner Schulter. Als er aber unter allgemeinem Jubel und Gesang des Volkes zum Gipfel des Berges, auf dem die heilige Kreuzkirche stand, empor steigen und durch das Tor eingehen wollte, konnte er nicht mehr weiter; eine unsichtbare Macht hemmte hier seine Schritte. Der Kaiser erschrickt, das Volk staunt. Da erhebt Bischof Zacharias Augen und Hände zum Himmel, betet und spricht dann zum Kaiser:

 

„Du trägst den kaiserlichen Schmuck und Jesus Christus war arm gekleidet; dein Haupt ist mit der Krone geziert, Er aber war mit Dornen gekrönt; du bist beschuht und Er ging barfuss.” 

 

 

Sogleich legte der Kaiser seine Kleider, seine Krone und seine Schuhe ab, zog den Mantel eines gemeinen Mannes an, und nun konnte er ohne Hindernis und leicht das Kreuz in die Kirche tragen und auf den Altar stellen, wo es zuvor gewesen.

 

Als der Kasten geöffnet und das heilige Holz zur Verehrung des Volkes ausgesetzt wurde, geschahen viele wunderbare Heilungen. Das Andenken an diesen Tag der Erhöhung des heiligen Kreuzes wird seitdem am 14. September gefeiert.

 

Einige Jahre nach diesem denkwürdigen Tage eroberten die Sarazenen Jerusalem, und um das heilige Kreuz nicht dem Spotte der Ungläubigen zu überlassen, wurde es zuvor nach Konstantinopel gebracht. Von diesem und dem Teile, der noch vom Kaiser Konstantins Zeit dort sich befand, machten die nachfolgenden Kaiser mit mehreren Partikeln Geschenke an christliche Fürsten und hohe Herren, die damals solche heilige Partikeln wie den kostbaren Schatz ehrten. 

 

Quelle: Heiligenleben im Jahreskreis.

 

 

Unter dem heiligen apostelgleichen Konstantin machte sich die seine Mutter, die heilige Kaiserin Helena nach Jerusalem auf, um das größte aller Heiligtümer aufzufinden - das heilige und lebensschaffende Kreuz des Herrn. Mit Hilfe einiger Bewohner der Heiligen Stadt, die den Aufbewahrungsort des Kreuzes noch von ihren Vorfahren her kannten, begann die Suche. Der zu Zeiten des durch seine Christenverfolgungen berüchtigten Kaisers Hadrian gebaute heidnische Tempel wurde mitsamt seinen Fundamenten abgetragen. Unter der Erde trat eine Höhle zutage, in der sich drei Kreuze und Nägel befanden. Die Nägel vom Kreuze unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus schienen aus Silber geschmiedet zu sein. Man trug Kranke zum Kreuz des Heilands herbei und sie wurden augenblicklich geheilt. Das heilige und lebenschaffende Kreuz wurde in der Zeit vor dem Osterfest aufgefunden. Damals war eine große Zahl an Pilgern in der heiligen Stadt Jerusalem zusammengekommen. Die Straßen und Plätze der Stadt waren von großen Menschenmassen erfüllt. Deshalb konnten sich weder alle Pilger und Gläubigen der Stadt dem heiligen Kreuz nähern.

Der Jerusalemer Patriarch Makarius samt der Geistlichkeit schulterte das heilige Kreuz und trug es auf die Anhöhe der Golgothahügels. Einige Male hoben sie den Kreuzespfahl empor und richteten ihn auf, damit das gläubige Volk das heilige Kreuz sehen könne. Dabei warfen sich die Menschen zu Boden und riefen: "Herr, erbarme Dich.". nur kurze Zeit darauf errichtete der heilige Kaiser Konstantin die Auferstehungsbasilika (Grabeskirche), deren Gewölbe einer heiligen Lade gleich die wichtigsten Heiligtümer der Christenheit bergen .

Anfang des siebten Jahrhunderts wurde Jerusalem vom persischen König Chosrau eingenommen, welcher neben anderen Beutestücken auch das heilige Kreuz nach Persien fortbrachte. Auf dem Weg dorthin wurde es von den Christen in Armenien und Mesopotamien verehrt. In dieser für das christliche Reich Byzanz schwierigen Situation bestieg der Statthalter von Ägypten als Herakleius I. den oströmischen Kaiserthron. Mit einem großen Heer zog er gegen das Sassanidenreich in Persien. Die Perser erlitt eine schwere Niederlage und Chosraus ältester Sohn ermordete den eigenen Vater. Das heilige und lebensschaffende Kreuz wurde den Christen zurückgegeben und nach nach Jerusalem zurückgeführt. Der byzantinische Kaiser Herakleius persönlich trug das heilige Kreuz auf seinen Schultern von den Toren Jerusalems bis zur Auferstehungsbasilia. Aus Ehrfurcht vor dem heiligen Kreuz und der Maiestät des an ihm gekreuzigten Herrn Jesus Christus legte der Kaiser die Krone und das kaiserliche Purpurgewand ab und schritt nur in sein Untergewand gekleidet bei der feierlichen Kreuzesprozession durch die Straßen der Heiligen Stadt.

 

Heutzutage ist das heilige Kreuz in verschiedene Stücke aufgeteilt, welche in vielen Ländern der christlichen Welt aufbewahrt werden. Sein größtes Stück wird im orthodoxen Altars der Jerusalemer Auferstehungsbasilika (Katholikon der Grabeskirche) aufbewahrt.

 

 

 

Die Limburger Staurothek ist ein in Konstantinopel um 964 entstandenes Kreuzreliquiar und ist ein herausragendes Beispiel byzantinischer Sakralkunst. Eine Staurothek (von griechisch σταυρός = Kreuz und θήκη = „Behälter“) ist ein Gefäss, in dem Partikel vom heiligen und lebenssschaffenden Kreuz Christi aufbewahrt werden. Die Limburger Staurothek wurde um 964 vom oströmischen Parakoimomenos Basileios Lakapenos gestiftet. Während des vierten Kreuzzugs brachte der Ritter Heinrich von Ulmen unter vielen anderen Stücken auch die Staurothek nach Deutschland. Als seine Stiftung kam das Reliquiar in das Augustinerinnenkloster Stuben bei Bremm an der Mosel. Nach der Auflösung des Klosters im Jahre 1802 wurde es auf die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz gebracht, von wo es in Besitz des Fürsten von Nassau-Weilburg gelangte. Dieser schenkte es im Jahre 1835 dem Bistum Limburg. Das Reliquiar wird heute im Diözesanmuseum in Limburg an der Lahn aufbewahrt. Am Sonntag der Kreuzverehrung in der Großen Fastenzeit wird die Kreuz-Reliquie von den orthodoxen Christen im Limburger Dom verehrt.

 

Verehrung der Kreuz-Reliquie am Kreuzsonntag in der großen Fastenzeit.
Verehrung der Kreuz-Reliquie am Kreuzsonntag in der großen Fastenzeit.

 

Über das heilige Kreuz – Zum Fest der Kreuzerhöhung

 

14. September

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Seit der Mitte des 3. Jahrhunderts sind uns heute die ersten Darstellungen des heiligen und lebensspendenden Kreuzes erhalten. Nachdem sich der heilige und apostelgleiche Konstantin im Jahre 312 anschickte, gegen seinen Rivalen, den Christenverfolger Maxentius in den Kampf vor den Toren Roms auszuziehen, sah Konstantin, dessen Truppenstärke der des Maxentius weit unterlegen war, mitten am Tag am Himmel das hellleuchtende Zeichen des lebenspendenden Kreuzes, mit der griechischen Inschrift: „Ἐν τούτῳ νίκα“ ( = „Durch dieses siege“) Darauf ließ er heilige Kaiser Konstantin, in dessen Heer bereits viele christliche Soldaten kämpften, die Banner seines Heeres mit dem Kreuzeszeichen versehen und errang so einen glänzenden Sieg, der ihm das Tor eröffnete zur Alleinherrschaft im ganzen römischen Reich. 

 

Die Vision des heiligen Konstantin. Buchmalerei in einem byzantinischen Mauskript.
Die Vision des heiligen Konstantin. Buchmalerei in einem byzantinischen Mauskript.

 

Mit dem Antritt seiner Herrschaft wurde der Kirche eine lange Zeit der Ruhe geschenkt, bis sich dann die Häresie der Arianismus gegen den Glauben erhob. Doch weder durch diese Häresie noch durch die kurzzeitige Rückkehr eines Heiden auf den Kaiserthron unter Julian Apostata konnte der Triumph des christlichen Glaubens aufzuhalten. Mit der Erscheinung des heiligen Kreuzes am Himmel begann die antike Welt des Römerreiches den Glauben anzunehmen. In den folgenden Jahrhunderten entstand dadurch das christliche Reich der Rhomäer, von wo aus der christlich-orthodoxe Glaube bis an die Enden der Erde getragen wurde. Überall dort, wo nun durch den Siegeszug des Glaubens Kirchen Gottes entstanden, schmückte die Kuppeln der großen und kleinen Gotteshäuser nun das Zeichen des heiligen Kreuzes.

 

Spätantike Darstellung des Chritogramms Chi-Rho an der Kirche Santa Maria de l'Assumpció in Cóll (Spanien).
Spätantike Darstellung des Chritogramms Chi-Rho an der Kirche Santa Maria de l'Assumpció in Cóll (Spanien).

 

Hatte der heilige Kaiser Konstantin das Monogramm Christi, das nach seinen griechischen Anfangsbuchstaben als Chi-Rho-Monogramm bezeichnet wird, auf den Feldzeichen des römischen Heeres anbringen lassen, so schmückte das Triumpfkreuz als Zeichen der sieghaften Auferstehung unseres Erlösers Kirchen, Taufkapellen und Sarkophage in der nun christlichen werdenden antiken Welt. Auch Fußböden wurden reichlich und in großer Vielfalt mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes geschmückt, bis Kaiser Theodosios II. (408-450) im Jahre 427 verbot, das Kreuzzeichen auf Fußböden anzubringen, damit niemand auf das Zeichen der Erlösung trete. Auch das Sechste Ökumenische Konzil schärfte im 73. Kanon seiner Horoi dieses Verbot unter Androhung des Kirchenausschlusses noch einmal nachdrücklich ein.

 

 

In der Kirche San Apollinare in Classe in Ravenna sind die ursprünglichen christlich-spätantiken Mosaikikonen bis heute erhalten geblieben. In der Apsis ist das Triumpfkreuz aus den Jahre 549 nach Christus zu sehen.
In der Kirche San Apollinare in Classe in Ravenna sind die ursprünglichen christlich-spätantiken Mosaikikonen bis heute erhalten geblieben. In der Apsis ist das Triumpfkreuz aus den Jahre 549 nach Christus zu sehen.

 

Dem Wunsch seiner Mutter, der heiligen Kaiserin Helena folgend, die im Jahre 324 Palästina mit seinen heilige Städten besuchte und dabei in Jerusalem das heilige Kreuzesholz aufgefunden hat, ließ der heilige Kaiser Konstantin an den christlichen Stätten im ganzen heiligen Land prachtvolle Basiliken errichten. Vor allen ließ er den Ort der Geburt des Erlösers in Bethlehem und den Ort seiner Kreuzigung, Grablegung und glorreichen Auferstehung mit prachtvollen Basiliken schmücken. In der heiligen Stadt Jerusalem wurde eine wunderbare Doppelkirche, die durch einen Atriumshof verbundene Martyrion-und-Anastasis-Basilika errichten, die den Felsen von Golgotha und das Grab Christi in einen gemeinsamen Heiligtum barg. Die fünfschiffige Martyrion-Basilika wurde am 13. September 335 in Anwesenheit des heiligen Konstantin von vielen Bischöfen, die von einer Synode in Tyrus (Libanon) nach Jerusalem gekommen waren, als Mutterkirche der gesamten Christenheit und aller rechtgläubigen Kirchen geweiht. Auch nach der Eroberung des Heiligen Landes durch die Muslime blieb dieser prächtige Ort des christlichen Gebetes und der wahren Gottesverehrung erhalten. Erst der Fatimiden-Kalif al-Hakim (996-1021) ließ im Jahr 1009, erfüllt vom Hass gegen den christlichen Glauben, die Doppelkirche plündern und das Grab Christi vollständig zerstören. Um das Jahr 1048 ließ der Jerusalemer Patriarch Nikephoros über der Grabanlage eine neue Rotunde errichten und den Atriumshof zur Kirche umgestalten. Hier befindet sich heute das Katholikon der Grabeskirche, das bis heute die Bischofskirche des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem geblieben ist. Als die franko-lateinischen Kreuzfahrer Jerusalem eroberten, wurde die Kirche über dem alten Atrium in abendländischen Bauformen erneuert, so dass sie sich heute als frühgotisch-spätromanischer Bau zeigt. Die große alte Martyrion-Kirche ist bis heute eine unter Schutt und Läden verborgene und von einem koptischen und äthiopischen Kloster überbaute Ruine geblieben.

 

Die heiligen, apostelgleichen Kaiser Konstantin und Helena mit dem heiligen Kreuz. Ikone des 18. Jahrhunderts.
Die heiligen, apostelgleichen Kaiser Konstantin und Helena mit dem heiligen Kreuz. Ikone des 18. Jahrhunderts.

 

Um den Felsen auf dem Golgotha-Hügel, den Ort der Kreuzigung unseres Herrn, ließ der heilige Kaiser Konstantin neben dem Atriumhof eine Kapelle erbauen. Hier wurde dann der Teil des heiligen und lebensschaffenden Kreuzes des Herrn, den die Kaiserin Helena in Jerusalem zur Verehrung durch die Pilger belassen hatte, aufgestellt. Der Heilige Kyrillos, der Patriarch von Jerusalem erwähnt in seinen Taufkatechesen nicht nur die Verehrung des allerheilgsten Kreuzesholzes, sondern auch, dass von diesem und den anderen Teilen des heiligen Kreuzes Partikel in alle Kirchen der christlichen Welt gebracht worden waren, so dass das Heilige Kreuz bei den Gläubigen in der gesamten orthodoxen Oikomene und in allen christlichen Ländern des Erdkreises anwesen war.

 

Die Heilig-Kreuz-Reliquie aus einem Staurothek-Triptychon. Diese Kreuzreliquie gelangte ursprünglich durch die Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzritter nach Belgien. Heute ist sie in der Morgan-Library in New York zu finden.
Die Heilig-Kreuz-Reliquie aus einem Staurothek-Triptychon. Diese Kreuzreliquie gelangte ursprünglich durch die Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzritter nach Belgien. Heute ist sie in der Morgan-Library in New York zu finden.

 

Um das Jahr 395 verfasste der heilige Bischof Ambrosius von Mailand einen Bericht, indem er die Einzelheiten um Auffindung des heiligen und lebensschaffenden Kreuzes Christi durch die Kaiserin-Mutter Helena zusammenfasst: Unter Schutt und Geröll neben dem Golgotha-Felsen wurden drei Kreuze gefunden. Da man nicht wusste, welches das wahre Kreuz unseres Herrn und Erlösers und welches die Kreuze der beiden Schächer waren, brachte man eine todkranke Frau herbei. Nachdem man ihr nacheinander die drei Kreuzeshölzer aufgelegt hatte, erlangte sie Heilung bei der Berührung mit dem kostbaren und wahren Kreuz Christi.

 

Desweiteren wissen wir aus der kirchlichen Überlieferung, dass das georgische Kreuzkloster am Rande der Jerusalemer Altstadt an der Stelle steht, wo aus einem Schössling vom Lebensbaum im Paradies, den unser Stammvater Adam aus dem Paradiesgarten mitgenommen hatte, jener Baum erwuchs, aus welchem der Hauptbalken des heiligen Kreuzesholzes gezimmert worden war.

 

Der Golgotha-Felsen ist nach dem Zeugnis der kirchlichen Überlieferung zugleich auch der Ort, wo in einer Höhle unter der schädelförmigen Kuppe des Felsens die Gebeine und der Schädel unseres Stammvaters Adams beigesetzt worden sind. Während der Kreuzigung unseres Herrn und Erlösers floss das lebenspendende Blut Christi, des neuen Adam, auf die Knochen des alten Adam herab, um durch seine lebensspendende Kraft Adam und seine Nachkommen die Erlösung und das neuem Leben in Christus zu schenken. Die ist auf allen orthodoxen Ikonen des Heiligen Kreuzes zu sehen: Unterhalb des Kreuzesholzes ist in einer Grabhöhle der Schädel und die Knochen Adams dargestellt.

 

Das Heilig-Kreuz-Kloster in Jerusalem.
Das Heilig-Kreuz-Kloster in Jerusalem.

 

Das Heilig-Kreuz-Kloster (arabisch Deir el-Musalliba) ist ein orthodoxes Kloster in Jerusalem. Es wurde nach der kirchlichen Überlieferung an der Stelle erbaut, wo sich Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies niedergelasssen haben. Hier pflanzte Adam den Schössling des Lebensbaumes ein, aus dessen Holz später die Hauptteile des heiligen Kreuzes gefertigt wurden. Zur Gründung des Klosters gibt es zwei unterschiedliche Überlieferungen: Nach der griechischen Tradition hat die heilige, apostelgleiche Kaiserin Helena, die Mutter des heiligen Kaisers Konstantin, das Kloster bereits bei ihrem Besuch im Heiligen Land gegründet. Nach der georgischen Überlieferung wurde das Gelände vom heiligen Kaiser Konstantin an Mirian III., dem ersten christlichen König von Georgien, übergeben. Dier errichte dann dort die ersten Klostergebäude und die Hauptkirche des Klosters. In den Jahren von 1039 bis 1056 wurde dann vom georgischen König Bagrat über den Ruinen der ursprünglichen Klosterkirche aus dem 5. Jahrhundert das heutige Kloster erbaut. In der Folgezeit wurden Teile der Klosteranlage mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Da die abnehmende Zahl der georgischen Mönche die hohen muslimischen Steuerforderungen nicht mehr aufbringen konnten, wurde das Kloster im Jahre 1685 wurde das Kloster an das Griechische Orthodoxe Patriarchat von Jerusalem verkauft. Zahlreiche georgische Handschriften werden bis heute in der Patriarchatsbibliothek aufbewahrt und können dort an Wochentagen besichtigt werden.

 

Blick in die Klosterkirche des Heilig-Kreuz-Klosters in Jerusalem.
Blick in die Klosterkirche des Heilig-Kreuz-Klosters in Jerusalem.

 

Nach der Eroberung der Heiligen Stadt Jerusalem durch die sassanidischen Perser im Jahr 614 führte Schah Chosroes II. Abharwez das heilige Kreuz Christi als Trophäe nach Babylon fort. Doch der rhomäische Kaiser Herakleios (610-641) brachte es nach seinem Sieg über die Perser im Jahr 628 feierlich nach Jerusalem zurück. Nach der Eroberung Jerusalems durch die franko-lateinischen Kreuzritter zwangen sie unter Foltern die orthodoxen Hüter der Heiligtümer von Jerusalem, ihnen mit den anderen Heiligtümern auch das heilige Kreuzesholz auszuliefern. Dieser Teil der Heilig-Kreuz-Reliquie ging dann im Jahr 1187 in einer Schlacht gegen das arabische Heer des Sultans Salah ed-Dins (Saladin) bei Hittim in Galiläa verloren.

 

Die Heilig-Kreuz-Reliquie, die heute in der Schatzkammer der Anastasis-Kirche von den Orthodoxen aufbewahrt wird.
Die Heilig-Kreuz-Reliquie, die heute in der Schatzkammer der Anastasis-Kirche von den Orthodoxen aufbewahrt wird.
Ein Teil des Kreuzes des Heiligen Dismas, des Guten Schächers. Santa-Croce-in Gerusalemme. Dieses Kloster in Rom bewahrt bis heute viele Passionreliquien, die die heilige Helena hierher brachte.
Ein Teil des Kreuzes des Heiligen Dismas, des Guten Schächers. Santa-Croce-in Gerusalemme. Dieses Kloster in Rom bewahrt bis heute viele Passionreliquien, die die heilige Helena hierher brachte.
Der Titulus Crucis, die Inschrift vom Kreuz des Herrn in der Basilika Santa-Croce-in-Gerusalemme in Rom.
Der Titulus Crucis, die Inschrift vom Kreuz des Herrn in der Basilika Santa-Croce-in-Gerusalemme in Rom.
Kapelle im unteren Teil der Anastasis-Kirche, in der sich der Brunnenschacht befindet, in dem die Heilige Helna das lebensspendende Kreuzesholz fand.
Kapelle im unteren Teil der Anastasis-Kirche, in der sich der Brunnenschacht befindet, in dem die Heilige Helna das lebensspendende Kreuzesholz fand.
Der Ort des Hügels Golgotha in der Anastasis-Kirche. Unter dem orthodoxen Altar befindet sich der heilige Ort, wo das Kreuz Christi während der Kreuzigung stand.
Der Ort des Hügels Golgotha in der Anastasis-Kirche. Unter dem orthodoxen Altar befindet sich der heilige Ort, wo das Kreuz Christi während der Kreuzigung stand.
Die Kapelle auf dem Golgotha-Hügel ist bis heute ein Ort der Anbetung und Verehrung Christi, der alle Christen, unabhängig von ihrem Bekenntnis vereint.
Die Kapelle auf dem Golgotha-Hügel ist bis heute ein Ort der Anbetung und Verehrung Christi, der alle Christen, unabhängig von ihrem Bekenntnis vereint.

 

Das heilige und lebensschaffende Kreuz des Herrn wird in der orthodoxen Kirche viermal im Kirchenjahr verehrt:

 

-  Am 14. September, dem Fest der Auffindung und Erhöhung des Heiligen Kreuzes im Jahre 326 in     Jerusalem.

-  Am 3. Sonntag in den Großen Fasten vor Ostern, dem Fest der Kreuzverehrung.

-  Am 1. August mit der Prozession des Heiligen Kreuzes um die Kirche.

-  Am Hohen und Heiligen Freitag (Karfreitag) vor Ostern.

Zeitgenössische rumänische Ikone: Das heilige und lebenssschffende Kreuz wird nach seiner Auffindung der sterbenskranken Frau aufgelegt, wodurch diese geheilt wird.
Zeitgenössische rumänische Ikone: Das heilige und lebenssschffende Kreuz wird nach seiner Auffindung der sterbenskranken Frau aufgelegt, wodurch diese geheilt wird.

 

An jedem dieser Festtage wird das Kreuz Christi durch die orthodoxen Gläubigen verehrt zum Trost und zur Stärkung beim Fortschreiten im geistlichen Leben:

 

Die Verehrung des heiligen und kostbaren Kreuzes des Herrn ist uns Orthodoxen zugleich ein Anruf, dass wir Christen beständig aufgerufen sind, „das Fleisch und damit seine Leidenschaften und Begierden zu kreuzigen“ (vgl. Galater 5: 24). Das heilige Kreuz erinnert uns während unserer täglichen Christusnachfolge beständig an die Passion unseres Herrn. Durch das Vorbild Seiner Demut zeigt uns unser Herr und Erlöser Jesus Christus Selbst den wahren Weg des christlichen Glaubens. Das heilige Kreuz lehrt uns, dass wenn wir die Schwierigkeiten und Bedrängnisse unseres Lebens - den „Podwig“ (1), den Gott uns schickt - als uns von Gott geschickte und gegebene Gelegenheiten begreifen, im Glauben heranzuwachsen und zu reifen, auch unser Kampf und unsere Opfer am Ende mit der Krone des Sieges durch unseren Herrn Jesus Christus belohnt und beschenkt werden. So ist die Verehrung des heiligen Kreuzes zugleich eine Linderung und Medizin für den gläubigen Christen, wenn Bitterkeit, Unwillen oder Niedergeschlagenheit ihn in Versuchungen führen wollen. Das heilige Kreuz ist uns dann Trost, Erfrischung und Ermunterung unverzagt den christlichen Lebensweg weiter zu beschreiten. So ist das heilige Kreuz der uns Ermutigung und Stärke spendende Lebensbaum, den die Heilige Kirche am Beginn des neuen Kirchenjahres zur Verehrung durch die Gläubigen in der Mitte der kirchlichen Lebens eingepflanzt hat. Es ist das starke Zeichen des Sieges über das Böse, den unser Herr und Heiland Jesus Christus bereits errungen hat. So war das heilige Kreuz das Licht, die unerschütterliche Hoffnung, das die russischen Christen in den Zeiten der Bedrängnis und Verfolgungen durch die Atheisten am Glauben hielt und sie wieder aufrichtete. So ist das Heilige Kreuz das leuchtende Licht in der Dunkelheit, und die nicht zu besiegende Hoffnung im Tal der Bosheit, das die orientalischen Christen in ihren derzeitigen Verfolgungen in den Ländern des Nahen Osten erfüllt. Auch der Widersacher und seine Dämonen wissen sehr genau um die Kraft des heiligen und lebenschaffenden Kreuzes, an dem der Herr ihre Mächte und Gewalten endgültig zerbrochen hat. Nicht von ungefähr kommt es, dass der islamische Staat  überall dort, wo er seine Gewaltherrschaft errichten konnte, als Erstes die Kreuzzeichen von den Kirchenkuppeln heruntergerissen hat.

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(1) Der russisch-slavische Begriff des Podwig (russ. подвиг, griech. ἀγὼν), das in der russischen orthodoxen Literatur sehr häufig vorkommt, ist kaum vollkommen in westliche Sprachen zu übersetzen. Etymologisch stammt das Wort vom slawischen Wortstamm „dwig“. Dieser Begriff drückt Bewegung aus: Buchstäblich bedeutet Podwig also ein Voranschreiten, ein Vorwärtsbringen oder ein Vorwärtskommen. Als Begriff in der geistlichen orthodoxen Literatur kann das Wort Podwig in folgenden Bedeutungszusammenhängen vorkommen: Übung, Anstrengung, Kampf, Selbstüberwindung. In diesem Fall kommt der Begriff Podwig dem orthodoxen Verständnis des Begriffs der Askese sehr nah. Es kann aber auch sich selbst überwindende Tugend- oder Glaubenstat bedeuten.

 

In der russischen Tradition bekommt jeder neugeweihte Priester von seinem Bischof ein Brustkreuz überreicht als Zeichen dafür, worin der priesterliche Dienst eigentlich besteht.
In der russischen Tradition bekommt jeder neugeweihte Priester von seinem Bischof ein Brustkreuz überreicht als Zeichen dafür, worin der priesterliche Dienst eigentlich besteht.
Bei seiner Taufe erhält jeder orthodoxe Gläubige vom Priester ein Taufkreuz überreicht zum Zeichen, worin der Lebensweg eines aufrichtigen Christgläubigen besteht.
Bei seiner Taufe erhält jeder orthodoxe Gläubige vom Priester ein Taufkreuz überreicht zum Zeichen, worin der Lebensweg eines aufrichtigen Christgläubigen besteht.

 

Wenn vor der Ankunft des Herrschers die königlichen Standarten, Trophäen und Siegeszeichen voraus getragen werden und dann der König selbst im Triumphzug jubelnd und frohlockend ob Seines Sieges erscheint und seine Untertanen mit Freude erfüllt sind, so geht das Fest der Kreuzverehrung am Beginn des kirchlichen Jahres der Festfreude über die Geburt des Gottessohnes aus der Immerjungfrau Maria voraus. Am Beginn des neuen kirchlichen Jahres tragen wir das Heilige und Lebenspendende Kreuz als das königliche Zepter unseres Herrn, des Christus Pantokrator, dem Herrscher über das All, die sichtbare und unsichtbare Welt, in unsere Mitte. Wir bekennen als Christen damit, dass unser Herr und Erlöser und Gott Jesus Christus die Mitte und das Ziel unseres Lebens ist. Wenn wir das Zeichen des heiligen Kreuzes verehren, werden wir deshalb mit Freude erfüllt und erweisen Ihm die Ehre,  der durch Sein heiliges Kreuz so offenbar über die Mächte der Finsternis triumphiert hat.

 

 

Das Heilige Kreuz ist der Christen Ruhm

 

Predigt des heiligen Johannes Chrysostomos; 54. Homilie zum Matthäus-Evangelium.

 

Niemand schäme sich des ehrwürdigen Zeichens unserer Erlösung und des Ursprungs aller Wohltaten, durch das wir leben und durch das wir sind. Wir wollen vielmehr das Kreuz Christi wie eine Krone tragen. Denn durch das Kreuz findet alles, was unseretwegen geschieht, seine Vollendung. Wenn jemand wiedergeboren werden soll, ist das Kreuz zugegen; wenn jemand jene geheimnisvolle Speise isst, wenn jemand die Weihe empfängt und wenn eine andere heilige Handlung vollzogen wird, überall steht uns das Zeichen des Sieges zur Seite. Deshalb zeichnen wir es mit großem Eifer an die Häuser, an die Wände, an die Pforten, auf die Stirn und auf das Herz. Es ist ja das Zeichen unserer Erlösung, der gemeinsamen Befreiung und der Milde unseres Herrn. „Wie ein Lamm wurde er zur Schlachtung geführt“ (Jes 53, 7). So oft du dich also mit dem Kreuz besiegelst, bedenke seine ganze Bedeutung und besänftige den Zorn und alle übrigen Leidenschaften. Wenn du dein Antlitz besiegelst, erfülle dich mit großer Zuversicht und bereite dir eine edle Gesinnung. ... Man darf das Kreuz aber nicht bloß mit dem Finger zeichnen, sondern zuerst mit Überlegung aus tiefem Glauben. Wenn du in dieser Weise dein Antlitz mit ihm bezeichnest, wird keiner der bösen Dämonen dir nahe treten können, weil er den Dolch sieht, durch den er die Wunde empfangen hat, weil er das Schwert sieht, mit dem er den Todesstoß erhalten hat. Wenn schon wir beim Anblick der Richtstätten erschaudern, wo die Verurteilten enthauptet werden, bedenke doch, wie der Teufel dir gehorcht beim Anblick der Waffe, mit der Christus seine ganze Macht vernichtet und das Haupt des Drachen abgeschlagen hat! Schäme dich also eines so großen Gutes nicht, damit auch Christus sich deiner nicht schäme, wenn er in seiner Herrlichkeit kommt und vor ihm dieses Zeichen erscheint, leuchtender als der Glanz der Sonne. Dann wird das Kreuz auftreten und bei seinem Erscheinen seine Stimme erschallen lassen und vor der ganzen Welt Zeugnis ablegen für den Herrn. ... Wir aber wollen mit klarer Stimme, laut und stolz, rufen, ja schreien, und bekennen, und wenn alle Heiden zuhören, mit desto größerem Mut: Unser Ruhm ist das Kreuz! 

 

 

In den Kirchen der griechischen Tradition wird das heilige und lebensspendende Kreuz nicht nur mit Blumen wie in den Kirchen der russischen Tradition, sondern auch mit wohlriechenden Kräutern, geschmückt. Die Heilkräuter, vor allem Basilikum und Thymian werden nach dem Gottesdienst an die Gläubigen als Segen verteilt. So nimmt jeder Gläubige ein gesegnetes Heilsträußchen mit nach Hause. Dieses wird in der Ikonenecke aufbewahrt, um bei Krankheit daraus einen Heiltee zuzubereiten zu können. Auch hier gilt, dass die Heilwirkung nicht allein auf dem in den Kräutern enthaltenen Wirksubstanzen basiert, schon gar nicht magisch wirkt, sondern darauf, dass sie im Glauben und unter Gebet im Sinne der Lehre der heiligen Kirche angewendet werden.

 

 

Das heilige und lebensschaffende Kreuz und die Nachfolge Christi

 

Priester George Nicozisin

 

In der Evangeliumsperikope (Markus 8:34-9,1), die wir am Fest der Kreuzerhebung während der großen Faftenzeit lesen,  sagt unser Herr Jesus Christus: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. “ Nach dem Wörterbuch heißt "verleugnen" zurückweisen, bestreiten, als falsch hinstellen. Wenn wir uns auf diese Definitionen beschränken, sind wir der christlichen Selbstverleugnung gegenüber ungerecht. Um besser zu verstehen, was Jesus meint, müssen wir zum griechischen Urtext zurück. Hier heißt es „ἀπαρνησάσθω“, das die Bedeutung von Verzicht und völliger Ablehnung von allem hat, was mit Jesu geplanter Erlösung unser aller unvereinbar ist.

 

Es gibt manche unter uns, die ein enges und begrenztes Verständnis von Selbstverleugnung haben. Wir wählen mehr oder weniger zufallsgesteuert aus, was wir nicht mehr machen wollen, und was wir im Namen des Christentums tun wollen. Wir heißen das „unsere kleinen Kreuze, die wir tragen müssen“. „Ich werde in der Großen Fastenzeit nicht ins Kino gehen/nicht fernsehen.“ So enden wir mit einer Liste von Nebensächlichkeiten, die keine Beziehung zur „Selbstverleugnung“ haben, über die Jesus in unserer heutigen Perikope spricht. Die christusgleiche Selbstverleugnung geht viel tiefer. Sie durchdringt die Fassade, die unsere verborgenen Sünden verdeckt, unsere Unzulänglichkeiten und Fehler.

 

Verzicht heißt nicht, dass wir unsere Lebensbedürfnisse nicht befriedigen dürften, noch dass wir als Bettler in Lumpen herumlaufen müssten. Es heißt auch nicht, dass wir unsere Individualität, Persönlichkeit oder Identität verlieren. Wenn Jesus von der völligen und äußersten Selbstverleugnung redet, meint Er, dass wir unser Aufmerksamkeit heischendes Ego zurückstellen müssen, das uns hindert die Kinder Gottes zu werden, zu denen wir bestimmt waren. Gute Absichten genügen nicht. Deshalb sagt Jesus: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach."

 

 

Nimm dein Kreuz und folge mir“ heißt, dass wir unsere Reise zur Erlösung antreten. Wenn der Weg, den wir gehen nicht Gottes ewiges Reich zum Ziel hat, dann sollten wir besser umkehren und den richtigen suchen!

 

„Sein Kreuz auf sich nehmen und Jesus folgen“ heißt sich noch größere Mühe zu geben, wenn diese Augenblicke des Elends, des Unglücks, von Trauer, Verlust und Kummer uns überkommen. Es heißt unseren unkontrollierbaren Zorn beherrschen, unsere unangebrachte Gefühllosigkeit, unsere Ungeduld und unser Ungestüm. Es heißt Temperament und Veranlagung zu bändigen, damit wir sie beherrschen und nicht sie uns.

 

Quelle: http://www.goarch.org

 

 

 

Hochfest der Erhöhung des heiligen und lebenspendenen Kreuzes 

 

14. September

 

Am 14. September feiert die heilige Kirche das Hochfest der Erhöhung des heiligen und Lebensspendenden Kreuzes (Ὕψωσις τοῦ Τιμίου καὶ Ζωοποιοῦ Σταυροῦ). Nachdem die heilige Kaiserin Helena so glücklich war, das wahre Kreuz Christi zu finden, ließ sie an der selben Stelle, wo sie es fand, eine prächtige Kirche bauen, und in der selben die Hälfte des heiligen Kreuzes, reich in Gold und kostbaren Steinen gefasst, niederlegen; die andere Hälfte sandte sie ihrem Sohne, Kaiser Konstantin, der mit der tiefsten Verehrung dieses kostbare Geschenk empfing. Einen Teil behielt er in Konstantinopel, den anderen schickte er nach Rom in die Kirche, welche er dort mit großer Pracht erbauen ließ, und welche unter dem Namen der „Kirche zum heiligen Kreuz in Jerusalem” noch heute steht.

 

Der Teil des heiligen Kreuzes, welcher in der heiligen Kreuz-Kirche in Jerusalem aufbewahrt wurde, stand in höchster Verehrung. Von allen Seiten strömten Pilger herbei, um dies Kreuzholz zu sehen, und dort zu Dem um Hilfe zu flehen, der an diesem Holze für das Heil der Welt gestorben ist. Die frommen Pilger waren aber damit noch nicht zufrieden, sondern sie erbaten sich auch kleine Partikel des hl. Kreuzes. Der heilige Cyrillus, der 24 Jahre nach dem heiligen Makarius Bischof von Jerusalem wurde, versichert, dass die ganze Welt mit kleinen Stücklein von diesem Teile des hl. Kreuzes in Jerusalem angefüllt sei. der hl. Makarius und seine Nachfolger, wie auch der heilige Cyrillus teilten nämlich den Pilgern kleine Splitter des heiligen Holzes mit, und der Letztere sagt, dass er mit eigenen Augen gesehen, wie sich das heilige Holz doch nicht verminderte, so viel man auch Teile hinweg nahm. Eben dasselbe behauptet auch der hl. Paulinus, Bischof von Nola, und sagt, dass das Kreuzholz, obschon verdorrt und wie tot, sich wieder zu erzeugen und neu zu beleben schien, und diese wunderbare Kraft ihm durch den Tod Jesu, der an diesem Kreuze litt, mitgeteilt wurde. Daher auch dasselbe, obwohl so viele Menschen Teile davon erhielten, doch immer ganz bleibe, als hätte man es nicht berührt.

 

Bis zum Jahre 625 nach Christus blieb die Hälfte des heiligen Kreuzes in Jerusalem, als diese Stadt vom Perserkönig Chosroes II. belagert, und nach langer Verteidigung erobert wurde. Schrecklich hauste das Schwert der Perser, dieser geschworenen Feinde der Christen, unter den unglücklichen Bewohnern der Stadt. Wer nicht ermordet wurde, musste Sklave werden; auch der ehrwürdige Bischof Zacharias wurde fort geschleppt, aber zuvor musste er den Kasten, in welchen die Perser das geraubte Kreuzholz gelegt hatten, um es mit fort zu nehmen, mit dem Siegel seiner Kirche versiegeln. König Chosroes wusste nämlich, dass die Christen das Kreuzholz über Alles schätzen, und wollte es daher mit sich nehmen, in der Hoffnung, eine große Summe dafür als Lösegeld zu erhalten.

 

Der Kaiser Heraklius zu Konstantinopel zitterte und bat den Perserkönig um Frieden, allein dieser übermütige Christenfeind wollte nur unter der Bedingung Frieden machen, wenn der Kaiser und seine Völker Christum verleugnen, und die Sonne anbeten würden.

 

Diese schmachvolle Forderung empörte die Priester. Der Patriarch Sergius von Konstantinopel sprach dem kleinmütigen Kaiser Mut ein, bot ihm die Schätze der Kirchen und Güter der Geistlichen zum Kriege an, und führte ihn in die Hauptkirche der Stadt, wo er ihn vor dem Hauptaltare einen feierlichen Eid schwören ließ, mit dem Volke leben und sterben zu wollen. Jetzt fasste der Kaiser Mut; er entließ das Weib, mit welchem er im Ehebruche lebte, zog das Gewand eines Büßers an und begann nun den Krieg gegen den stolzen Feind und Lästerer Jesu Christi. Er selbst trug ein wundertätiges Bild unseres Herrn Jesu Christi und stellte sich damit an die Spitze des Heeres. Obgleich an Zahl geringer, griff er doch dass Heer des gottlosen Königs an, besiegte ihn und schlug ihn in die Flucht. Entsetzt eilte der geschlagene König in das Innere seines Reiches, und schleppte mit sich den Bischof Zacharias und das heilige Kreuz. Doch der Kaiser Heraklius setzte ihm nach. In einer elenden Strohhütte ergriff ihn die Ruhr. Wütend über sein Unglück ließ er seine zwei besten Feldherren hinrichten. Da empörte sich gegen ihn sein eigener Sohn Sisroes, den er enterben wollte, nahm ihn gefangen und ermordete ihn. Das gerechte Gericht Gottes hatte den Lästerer Christi erreicht. Wie er es seinem eigenen Vater gemacht, so geschah auch ihm. Er musste sterben durch seines eigenen Sohnes Hand. Dieser, nun König der Perser, bat den Kaiser Heraklius um Frieden. der Kaiser willigte ein, aber nur unter der Bedingung, dass das heilige Kreuz zurückgegeben und der Bischof Zacharias nebst den anderen Christlichen Sklaven in Freiheit gesetzt würden. Sisroes erlaubte es und gab den Kasten, in welchem das heilige Kreuz lag, wohl versiegelt und unversehrt zurück. Auf einem prachtvollen Wagen, von vier Elefanten gezogen, hielt hierauf der Kaiser seinen Einzug in Konstantinopel. Vor ihm wurde das heilige Kreuzholz her getragen. Im Frühjahr darauf zog der Kaiser mit einem glänzenden Gefolge nach Jerusalem, um das heilige Kreuz wieder zurück zu bringen und Gott für den erhaltenen Sieg zu danken. In feierlicher Prozession, geschmückt mit dem kaiserlichen Ornate, trug der Kaiser selbst das Kreuzholz auf seiner Schulter. Als er aber unter allgemeinem Jubel und Gesang des Volkes zum Gipfel des Berges, auf dem die heilige Kreuzkirche stand, empor steigen und durch das Tor eingehen wollte, konnte er nicht mehr weiter; eine unsichtbare Macht hemmte hier seine Schritte. Der Kaiser erschrickt, das Volk staunt. Da erhebt Bischof Zacharias Augen und Hände zum Himmel, betet und spricht dann zum Kaiser:

 

„Du trägst den kaiserlichen Schmuck und Jesus Christus war arm gekleidet; dein Haupt ist mit der Krone geziert, Er aber war mit Dornen gekrönt; du bist beschuht und Er ging barfuss.” 

 

Sogleich legte der Kaiser seine Kleider, seine Krone und seine Schuhe ab, zog den Mantel eines gemeinen Mannes an, und nun konnte er ohne Hindernis und leicht das Kreuz in die Kirche tragen und auf den Altar stellen, wo es zuvor gewesen.

 

Als der Kasten geöffnet und das heilige Holz zur Verehrung des Volkes ausgesetzt wurde, geschahen viele wunderbare Heilungen. Das Andenken an diesen Tag der Erhöhung des heiligen Kreuzes wird seitdem am 14. September gefeiert.

 

Einige Jahre nach diesem denkwürdigen Tage eroberten die Sarazenen Jerusalem, und um das heilige Kreuz nicht dem Spotte der Ungläubigen zu überlassen, wurde es zuvor nach Konstantinopel gebracht. Von diesem und dem Teile, der noch vom Kaiser Konstantins Zeit dort sich befand, machten die nachfolgenden Kaiser mit mehreren Partikeln Geschenke an christliche Fürsten und hohe Herren, die damals solche heilige Partikeln wie den kostbaren Schatz ehrten. 

 

Quelle: Synaxarion der Heiligen.

 

 

Über das heilige und lebenspendende Kreuz

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

 

Nach der Passion und Auferstehung Christi wurde das heilige Kreuz in einem Brunnenschacht am Fuße des Golgotha- Felsens verborgen. Dort blieb es unerkannt für die nächsten 300 Jahre. Als der heilige Kaiser Konstantin, gegen seinen Widersacher Maxentius zu Felde zog, erschien ihm im Jahre 312 das Zeichen des heiligen Kreuzes hell leuchtend am Himmel mit der Umschrift: „In diesem Zeichen wirst du siegen.“ Kaiser Konstantin glaubte der göttlichen Verheißung und erhob das Zeichen des heiligen Kreuzes an Stelle des bisherigen römischen Adlers zu seinem Feldzeichen. So ließ Konstantin das Christusmonogramm auf der Reichsstandarte, dem Labarum, aber auch auf den Schilden seiner Soldaten anbringen.

 

Diskos mit dem Christogramm. Teil eines antiken Silberschatzes aus der Ruine der Kirche zu Ehren der allheiligen Gottesgebärerin auf dem Berg Zion in Jerusalem.
Diskos mit dem Christogramm. Teil eines antiken Silberschatzes aus der Ruine der Kirche zu Ehren der allheiligen Gottesgebärerin auf dem Berg Zion in Jerusalem.
Ikone mit den Heiligen Kaisern Konstantin und Helena und dem Heiligen Kreuz.
Ikone mit den Heiligen Kaisern Konstantin und Helena und dem Heiligen Kreuz.

 

In der Stadt Jerusalem wurde dann auf Anordnung Konstantins die Anastasis-Kirche (bei den abendländischen Christen Grabeskirche genannt) über dem Kalvarienberg (Golgotha = dem Ort der Kreuzigung) und dem Heiligen Grabe errichtet. Am 13. September des Jahres 335 wurde die neue Kirche dann zu Ehren der "Auferstehung unseres Herrn und Erlösers und Gottes Jesu Christi und zu Ehren des Heiligen und Lebensschaffenden Kreuzes" geweiht. Am darauffolgenden Tag wurde vom Ambon des neuen Gotteshauses aus das rechtgläubige Volk zum ersten Male mit der heiligen Reliquie des Lebenspendenden Kreuzes gesegnet. Zur Erinnerung daran feiern wir in der orthodoxen Kirche bis heute das Hochfest der Kreuzes- Erhöhung (14. September).

 

Der Heilige Makarius segnet das rechtgläubige Volk mit der Heilig-Kreuz-Relique. Ikone des Festes Kreuzerhöhung (14. September).
Der Heilige Makarius segnet das rechtgläubige Volk mit der Heilig-Kreuz-Relique. Ikone des Festes Kreuzerhöhung (14. September).

 

Da das Lebenspendende Kreuz unseres Erlösers in Jerusalem von Pilgern aus allen Kirchen des Erdkreises verehrt wurde, erbaten sich schon bald viele Ortskirchen von der Kirche von Jerusalem Reliquienstücke vom Heiligen Kreuz. Nach dem Zeugnis des heiligen Cyrill, des Bischofs von Jerusalem († 386), waren bereits im 4. Jahrhundert Partikel und Teilchen des Heiligen Kreuzes in der ganzen orthodoxen Welt verbreitet.

 

Seitdem der ungläubige französische Philosoph Voltaire im 18. Jahrhundert behauptet hatte, dass die vielen Teilchen und Splitter des Heiligen Kreuzes, die in den christlichen Kirchen in aller Welt verehrt werden, nur Ergebnis der Betrügereien der mittelalterlichen Kirche und ihre Verehrung deshalb unaufgeklärter Aberglaube sei, sprechen gerade auch zeitgenössische Ungläubige gern von der "wissenschaftlich erwiesenen absichtlichen Reliquienfälschung". Diesen Behauptungen widerspricht aber schon eine nüchterne Berechnung der Kreuzesmaße. Nach den Berichten des Johannesevangelium (19: 29) musste sich nämlich ein Soldat, um den Schwamm mit Essig an den Mund des Gekreuzigten zu bringen, eines Hysopstengels bedienen. Nimmt man für dieses Rohr eine durchschnittliche Länge von etwa einem Meter an stellt man in Rechnung, dass das Kreuz wohl mindestens ½ bis 1 Meter tief im Felsgrund von Golgotha verankert gewesen sein muss, so ergibt sich daraus eine Gesamtlänge des Kreuzes von etwa 4 Metern. Dazu kommt ein Querbalken mit einem Mass von etwa 2 Metern. Nimmt man für beide Balken eine Breite von etwa 12 und eine Dicke von etwa 8 Zentimetern an, so macht dies einen Kubikinhalt von 6000 x 120 x 80 = 57.600.000 Kubikmillimetern aus. Schon im Jahre 1870 hat der römisch-katholische französische Gelehrte Rohault de Fleury fast alle bekannten namhaften Kreuzreliquien in den verschiedenen Ländern des Orients sowie des Abendlandes beschrieben und dabei errechnet, dass ihr Gesamtvolumen kaum mehr als 10 Millionen Kubikmillimeter ausmacht. Selbst wenn den Forschern sogar die Hälfte aller noch erhaltenen Kreuzreliquien verborgen geblieben wären, so ergebe sich auch bei dieser Annahme, dass alle je vorhandenen Reliquien des heiligen Kreuzes nie mehr als ein Drittel der oben berechneten Gesamtmasse des heiligen Kreuzes ausgemacht haben können.

 

Die Heilig-Kreuz-Reliquie im Stavrovouni-Kloster auf Zypern.
Die Heilig-Kreuz-Reliquie im Stavrovouni-Kloster auf Zypern.
Die Heilig-Kreuz-Reliquie (Τρίκαλα ο Τίμιος Σταυρός) aus dem Soumela-Kloster (ursprünglich Pontos; heute Griechenland/ Makedonien).
Die Heilig-Kreuz-Reliquie (Τρίκαλα ο Τίμιος Σταυρός) aus dem Soumela-Kloster (ursprünglich Pontos; heute Griechenland/ Makedonien).
Die Heilig-Kreuz-Reliquie im Kloster der Panagia Eikosifoivissa ( Παναγίας Εικοσιφοινίσσα) in Griechenland/Makedonien.
Die Heilig-Kreuz-Reliquie im Kloster der Panagia Eikosifoivissa ( Παναγίας Εικοσιφοινίσσα) in Griechenland/Makedonien.
Die Heilig-Kreuz-Reliquie, die der Heilige Johannes Chrsostomos als Patriarch von Konstantinopel aufbewahrt hat.
Die Heilig-Kreuz-Reliquie, die der Heilige Johannes Chrsostomos als Patriarch von Konstantinopel aufbewahrt hat.
Die Heilig-Kreuz-Reliquie aus Arnaia in Griechenland/ Makedonien.
Die Heilig-Kreuz-Reliquie aus Arnaia in Griechenland/ Makedonien.
Das "Crucis Vaticana", die Heilig-Kreuz-Reliquie aus aus der Peterskirche in Rom.
Das "Crucis Vaticana", die Heilig-Kreuz-Reliquie aus aus der Peterskirche in Rom.
Die Limburger Staurothek mit der Heilig-Kreuz-Reliquie.
Die Limburger Staurothek mit der Heilig-Kreuz-Reliquie.
Staurothek mit einer Heilig-Kreuz-Reliquie in der Abtei Sankt Matthias in Trier.
Staurothek mit einer Heilig-Kreuz-Reliquie in der Abtei Sankt Matthias in Trier.
Die Heilig-Kreuz-Reliquie (Lignum Crucis) aus dem Kloster Santo Toribio de Liébana (Spanien/Cantabrien).
Die Heilig-Kreuz-Reliquie (Lignum Crucis) aus dem Kloster Santo Toribio de Liébana (Spanien/Cantabrien).
Das Heilig-Kreuz-Reliquiar aus der Zisterzienserabtei Holycross Ballycahill in Irland (Tipperary).
Das Heilig-Kreuz-Reliquiar aus der Zisterzienserabtei Holycross Ballycahill in Irland (Tipperary).
Die eigenliche Heilig-Kreuz-Reliquie in Ballycahill ist nur ein kleiner Splitter, der in ein kleines umhängbares Reliquienkreuz gefasst ist.
Die eigenliche Heilig-Kreuz-Reliquie in Ballycahill ist nur ein kleiner Splitter, der in ein kleines umhängbares Reliquienkreuz gefasst ist.

 

Nach der Überlieferung war das Kreuz Christi aus vier Holzarten gezimmert: aus Palmenholz, Zedernholz, Zypressenholz und Olivenholz. Anhand von dendrologisch- mikroskopischen Untersuchungen verschiedener Reliquien hat sich aber bisher nur die Verwendung von Zedern- oder Pinienholz nachweisen lassen.

 

Im Jahre 614 fiel die Stadt Jerusalem in die Hände der sassanidischen Perser, die damals der antiken Religion des Zoroastrismus anhingen. Die Sassaniden raubten das Kreuzesholz und gaben es erst 14 Jahre später an den siegreichen Kaiser Heraklius zurück. Dieser brachte das Heiligtum persönlich nach Jerusalem zurück. Vor den Toren der Stadt an und trug der Kaiser das Heilige Kreuz in feierlicher Prozession bis zu den Füßen des Golgothafelsen. Als er jedoch am Fuße des heiligen Berges angelangt war, wurde er auf geheimnisvolle Weise an der Vollendung seines Weges gehindert. Erst als er auf Rat des Heiligen Zacharias, des damaligen Bischofs von Jerusalem, alle Insignien eines rhomäischen Kaisers ablegt hatte und nur noch barfuß mit einem schlichten Pilgergewand bekleidet seinen weg fortsetzen wollte, konnte er sein Ziel mit der heiligen Reliquie in seinen Händen erreichen. Seit dem 7. Jahrhundert, als Kaiser Heraklius das Heilige Kreuzes von den Persern zurückholte, wird dieser Gedenktag in  der gesamten orthodoxen Welt feierlich begangen.

 

Am Fest der Kreuzerhöhung am 14. September steht eine blumengeschmückte Ikone des Heiligen Kreuzes im Zentrum der gottesdienstlichen Zeremonien. Nach allgemeinen Fürbitten und unter dem Gesang des „Herr erbarme Dich" wird dieses blumengeschückte Kreuz durch den Bischof oder seinen Vertreter von ganz tief am Boden bis in die höchste erreichbare Höhe erhoben. Dabei wird mit dem Kreuz der Segen in alle Himmelsrichtungen erteilt.

 

Kreuz-Reliquie aus der Schatzkammer der Anastasis in Jerusalem.
Kreuz-Reliquie aus der Schatzkammer der Anastasis in Jerusalem.

 

Wir Orthodoxen verehren das Holz des lebensspendenden Kreuzes als neuen Baum des Paradieses an dem das Heilsgeschehen  (Christi Tod und Seine lichte Auferstehung) seinen sichtbaren Mittelpunkt gefunden hat. So singt wir Orthodoxen in den Stichira zu den Lobpsalmen in der Utrenja (Morgengottesdienst) des Festes:

 

Heute wird erhöht,  der in der Erde verborgen gewesene Baum des Lebens an den Christus geheftet war. So wird gefestigt unser Glaube an die Auferstehung. Hoch erhoben durch des Priesters Hand, verkündet das Kreuz Seine Auffahrt in die Himmel. Durch sie wird unsere gefallene Natur erhöht und in die himmlische Heimat versetzt. Lasset uns danksagen und rufen: „O Herr, der Du auf das Kreuz erhöht wurdest, Du hast mit Dir Selbst auch uns erhöht. Würdige der himmlischen Freude, die Dich in Liebe hochpreisen!"

Und im zweiten Troparion des Festes heißt es:

 

Das lebenspendende Kreuz Deiner Güte, welches Du uns Unwürdigen geschenkt hast, o Herr,  tragen wir zu Dir hin als unsere Fürbitte. Bewahre die rechtgläubigen Christen und Deine Stadt, die sich um den Frieden bemühen, durch die Gottesgebärerin, Du allein Menschenliebender.

 

Der Ort in der Anastasis auf dem Golotha-Felsen, wo das Kreuz der Herrn gestanden hat.
Der Ort in der Anastasis auf dem Golotha-Felsen, wo das Kreuz der Herrn gestanden hat.

 

Am Vorabend des Festes (13. September) beginnt mit der Großen Vesper das Hochfest der "Erhöhung des Heiligen und lebendigmachenden Kreuzes". Die in diesem Vespergottesdienst den Gläubigen vorgetragenen alttestamentlichen Lesungen weisen auf die typologische (bildhafte) Deutung des Kreuzes Christi hin: Mit einem Holz hat Mose beim Zug durch die Wüste das bittere Wasser von Mara für das Volk genießbares Wasser gewandelt (Exodus 15:22-16:1). Gottes Weisungen, kostbarer als Gold und Silber, sind ein Lebensbaum,denn sie gewähren uns langes Leben und Ehre (Sprüche 3:11-18). Nach Jerusalem, dessen Tempelheiligtum aus Palmen, Zypressen und Zedern vom Libanon errichtet wurde, ziehen die Völker, um Gott Zebaoth dort zu verehren (Jesaja 60:11-16). Hier zeigt sich auch die vorabbildende Funktion der Alten Testamentes, denn aus diesen drei Holzarten war auch das Kreuz gefertigt. Die vierte Holzart, das Holz des Olivenbaum, weist uns sinnbildlich auf die Rettung des Gläubigen durch Gott und das kommende Friedensreich Christi hin.

 

 

Der Vespergottesdienst nimmt dann seinen Fortgang mit der Litia, der Segnung von Brot, Weizen und Öl und geht dann über in den abendlichen Bittgottesdienst. Dann wird eine Ikone des Heiligen Kreuzes in den Altarraum getragen und auf dem Thron Gottes, den  Altar an der Stelle des Evangelium- Buches auf dem Antimension niedergelegt. In Hymnen auf der feder der Heiligen Andreas von Kreta, Andreas von Jerusalem, Theophanes und Anatolios, sowie des Kaisers Leon des Weisen betrachtet die betende Gemeinde das heilbringende Leiden Christi und Seinen Sieg am Kreuz. Zum Abschluss wird das Kreuz-Troparion gesungen:

 

Errette, o Herr, Dein Volk und segne Dein Erbe, Siege schenke Deinen Frommen über Ihre Widersacher und behüte durch Dein Kreuz, die Dir eigene Gemeinde. 

 

(übersetzt nach der heutigen, griechischen Textversion)

 

Diese Ikone zeigt die apostelgleiche, heilige Kaiserin-Mutter Helena mit der Heilig-Kreuz-Reliquie und den Heiligen Nägeln.
Diese Ikone zeigt die apostelgleiche, heilige Kaiserin-Mutter Helena mit der Heilig-Kreuz-Reliquie und den Heiligen Nägeln.

 

Wenige Jahre nachdem Kaiser Heraklius das Heilige Kreuz nach Jerusalem zurückgebracht hatte, wurde Jerusalem im Jahre 636 durch die Muslime erobert. Dies löste in der mittelalterlich-feudalen Gesellschaft Westeuropas eine militärische Bewegung aus, die wir heute als die Epoche der Kreuzzüge. Im Jahre 1099 gelang es den Kreuzfahrern unter Gottfried von Bouillon die Stadt Jerusalem zu erobern. Sowohl die muslimische, als auch die christlich-orthodoxe Bevölkerung der Stadt wurde niedergemetzelt. Im Jahre 1204 eroberten dann die westeuropäischen Kreuzritter, wieder begleitet von unsäglicher Gewalt, Plünderung und Mord, die Kaiserstadt Konstantinopel. Bis heute haben sich die damaligen Ereignisse tief in das Bewusstsein der orthodoxen Völker eingebrannt und begründen dort weitverbreite Vorbehalte gegen das westliche Christentum. Durch Wegnahme und Plünderungen kamen zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert mit vielen anderen Heiligtümern auch viele Heilig-Kreuz-Reliquien in den Westen Europas.

 

S. E. Erzbischof Iov (Getcha) von Telmessos mit der heiligen Reliquie der Dornenkrone in Notre-Dame in Paris.
S. E. Erzbischof Iov (Getcha) von Telmessos mit der heiligen Reliquie der Dornenkrone in Notre-Dame in Paris.

 

Wenn diese Heiligtümer aber nicht durch den Lauf der Geschichte nach Westeuropa gelangt wären, wären sie sicherlich in der langen Zeit der muslimischen Herrschaft für die Christenheit verloren gegangen oder einfach vernichtet worden wären. Nachdem im Laufe des 20 Jahrhunderts viele orthodoxe Christen ihren Lebensmittelpunkt in Westeuropa genommen haben, können die in den westen gelangten Reliquien ein spirituelles Band des wachsenden gegenseitigen Verstehens und der brüderlichen Wiederannäherung zwischen orthodoxen und katholischen Christen bilden, wie sie sich in der gemeinsamen Verehrung der heiligen Dornenkrone in Paris (heute aufbewahrt in der Sainte-Chapelle in Paris) oder der alljährlichen orthodoxen Kreuzverehrung in der Domkirche zu Ehren des Heiligen Großmärtyrers Georg in Limburg an der Lahn zeigt.

 

Der Reliquien-Partikel des Heiligen Kreuzes aus dem Zisterzienserstift des Heiligenkreuzes zu Besuch in der Griechischen Orthodoxen Metropolitankirche Agia Trias in Wien.
Der Reliquien-Partikel des Heiligen Kreuzes aus dem Zisterzienserstift des Heiligenkreuzes zu Besuch in der Griechischen Orthodoxen Metropolitankirche Agia Trias in Wien.

 

Als Konstantinopel während des 4. Kreuzzugs im Jahre 1204 erobert und von den lateinischen Kreuzfahrern schwer geplündert wurde, kamen neben viele anderen Reliquien auch Teile des Heiligen und Lebenspendenden Kreuzes in die Länder des lateinisch-katholischen Westens. Während die Ereignisse im Jahre 1054 noch eine Unterbrechung der Kommuniongemeinschaft zwischen den Patriarchaten Konstantinopel und Rom darstellte, vertiefte der Eroberung der Kaiserstadt, die mit schwersten Ausschreitungen verbunden war, den Graben zwischen den orthodoxen und katholischen Christen. Dieses Schisma, das seinen fast unüberwindlichen Charakter durch die Ereignissen in der Zeit der Kreuzüge, aber auch durch den bis heute nicht überwundenen römischen Uniatismus des 17. bis 19. Jahrhunderts gewonnen hat, konnte bis zum heutigen Tag, trotz der Versöhnungsgesten der Päpste Paul VI. und Johannes Paul II. und den heutzutage guten zwischenkirchlichen Beziehungen, nicht überwunden werden.

Aber auch wir Orthodoxen müssen, trotz der vielen bitteren und leidvollen Erinnerungen, die mit dem Verhalten der römischen Kirche und vieler lateinischer Christen gegenüber den Orthodoxen verbunden sind zugeben, dass diese heiligen Reliquien bei der Eroberung Konstantinopels durch die muslimisch-türkischen Osmanen im Jahre 1453 mit größter Wahrscheinlichkeit vernichtet worden wären. Insofern konnten sie durch den Raub der Lateiner und die unbestritten damit verbundene Gewalt für die gesamte Christenheit - im Osten und Westen - bis heute bewahrt werden. Denn Gott kann trotz des Bösen im Tun der Menschen das Gute entstehen lassen.

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts bemühen sich orthodoxe und römisch-katholische Christen - nicht nur in der westlichen Diaspora - um ein zunehmend brüderliches Verhältnis und wachsendes gegenseitiges Verständnis, damit die historischen Verletzungen der orthodoxen Gläubigen und bösen Erinnerungen der orthodoxen Völker heilen können.

 

 

Ikone und Kloster der

allheiligen Gottesgebärerin von Lesna

 

14. September
Thomas Zmija v. Gojan
 
Die Geschichte des orthodoxen Nonnenklosters in Lesna (Лесьна-Подляска) ist eng mit der Auffindung der wundertätigen Ikone der allheiligen Muttergebärerin im 17. Jahrhundert verbunden. Dieses Gebiet in Podlachien wurde damals sowohl von einer polnischsprachigen und römisch-katholischen, als auch von einer ukrainischsprachigen und orthodoxen Bevölkerung bewohnt. Im 17. Jahrhundert gab es zudem in diesem Gebiet zudem kirchliche und politische Auseinandersetzungen, die mit dem Entstehen der unierten Kirche verbunden waren.  
 
Das Dörfchen Lesna ist am Flüsschen Belka westlich des Flusses Bug im Distrikt Janov im Verwaltungsbezirk Sedlez gelegen. An einem Sonntagmittag, es war der 14. September 1683, trieben die ukrainischen Hirten Alexander Stelmaščuk und Miron Makaruk aus Lesna ihre Tiere auf eine Weide in der Nähe des Dorfes. Die Weiden des Dorfes lagen inmitten dichter Waldgebiete und auch dieses Mal verirrte sich im Unterholz wieder einmal ein Teil der Herde. Alexander folgte den Tieren ins Walddickicht hinein. Als er dort nach den verirrten Tieren Ausschau hielt, erblickte er plötzlich zwischen den Zweigen eines Birnbaums einen Lichtschimmer. Als der Hirte schaute genauer hinsah, erblickte er in den Zweigen eine Ikone von wunderbarer Schönheit. Das Bild der allheiligen Muttergottes war umgeben von einem strahlenden Lichtkranz. Sie drückte mit ihrer Rechten das Christuskind an sich. In der Linken hielt sie ein Buch, und über ihr schwebte der Heilige Geist in Gestalt wie die einer Taube. Ihre Darstellung war in der Form eines geschnitzten Reliefs auf einem ovalen, dunkelroten Stein gearbeitet. Die Hirten fielen vor der durch die gelben Herbstblätter des Birnbaums leuchtenden Ikone betend auf die Knie. Dann holten sie die Ikone aus den Ästen herunter. Die neuerschiene Ikone der allheiligen Gottesgebärerin wurde in der orthodoxen Kirche des Dorfes Bukoviči aufgestellt, das nicht weit von Dorfe Lesna entfernt lag. Schon bald begann die Ikone und ihre wunderbare Erscheinung viele Gläubige zum Gebet in die orthodoxe Kirche von Bukoviči zu ziehen. Auch wurden Wunder und Gebetserhörungen, die vom Gebet vor der Lesnaer Ikone ausgingen, in der ganzen Gegend bekannt.
Die Hirten Alexander Stelmaščuk und Miron Makaruk finden die Ikone der Gottesmutter von Lesna in einem Birnbaum.
Die Hirten Alexander Stelmaščuk und Miron Makaruk finden die Ikone der Gottesmutter von Lesna in einem Birnbaum.

 

 

Darauf ließ der polnische katholische Grundherr der Gegend die Ikone beschlagnahmen und aus der orthodoxen Kirche in Bukoviči gewaltsam in die römisch-katholischen Kirche von Lesna überführen. Diese wurde im 18. Jahrhundert von den Pauliner-Patres in eine große barocke Wallfahrtskirche umgebaut, wo die wundertätige Ikone  nun verehrt wurde. Als sich die Pauliner im Jahre 1863 an einem Aufstand der Polen gegen die inzwischen russische Staatsmacht beteiligten, wurde das Kloster der katholischen Kirche weggenommen und im Jahre 1875 an die orthodoxe Kirche übergeben. Auch die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerin von Lesna kehrte so nach 200 Jahren wieder in die Obhut der Orthodoxen zurück.
 
Jedoch sollten die gegenseitigen Erfahrungen von Gewalt und Gegengewalt als eine bittere Saat das Verhältnis zwischen orthodoxen und katholischen Christen in Polen noch bis zum Ende des 20. Jahrhunderts leidvoll prägen. 
 
Im 19. Jahrhundert wurde die bisher katholische Wallfahrtskirche in Lesna zu einer orthodoxen Kirche umgebaut und am 31. Mai 1881 von Erzbischof Leontij von Warschau feierlich geweiht. Im Jahre 1885 wurde dann auf Initiative von Erzbischof Leontij ein der Allheiligen Gottesgebärerin geweihtes Frauenkloster in Lesna errichtet. Am 19. Oktober 1885 siedelte die Gräfin Evgenija Borisovna Efimovskaja, mit monastischem Namen Katherina, die die erste Vorsteherin des Klosters werden sollte, von Moskau nach Lesna über. Sie war 35 Jahre alt und kam aus einer tief religiösen Familie. Nach Lesna begab sie sich zusammen mit fünf Mitschwestern und zwei verwaisten Mädchen. Am 26. August 1889 wurde die die religiöse Frauengemeinschaft dann in das koinobitische Kloster zu Ehren der Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin von Lesna umgewandelt. Die Nonne Ekaterina wurde zur ersten Äbtissin des neuen Konventes ernannt.
Blick in das Innere der orthodoxen Kreuz-Erhöhungs-Kathedrale in Lesna vor den Ersten Weltkrieg.
Blick in das Innere der orthodoxen Kreuz-Erhöhungs-Kathedrale in Lesna vor den Ersten Weltkrieg.

 

In den folgenden dreißig Jahren war das Lesnaer Nonnenkloster das geistliche Zentrum der Orthodoxen in der gesamten Region jenseits des Flusses Bug. Die Mitschwestern von Igumenija Ekaterina wurden zu Vorsteherinnen anderer Klöster in der Nähe ernannt. Die Schwestern von Lesna kümmerten sich besonders um die Bildung der Mädchen aus der umwohnenden Landbevölkerung. Bald unterrichtete der Konvent in Lesna rund 400 Mädchen. Im Kloster besuchten 250 Schülerinnen die neunjährige Ausbildung zur Lehrerin für die dörflichen Gemeindeschulen. Daneben wurden handwerkliche, hauswirtschaftliche und landwirtschaftliche Ausbildungsgänge angeboten. Gerade für die bisher benachteiligte und wenig gebildete orthodoxe Landbevölkerung war dieses Angebot besonders attraktiv, verlangte doch das Kloster für die Betreuung, Ernährung und Unterricht der Schülerinnen kein Schulgeld. Das Kloster in Lesna pflegte traditionell ein besonders ausgeprägtes Niveau im orthodoxen Kirchengesang, so daß das ihm angeschlossene Institut gleichzeitig hervorragende Chorleiterinnen hervor brachte.
 
Neben den pädagogischen Aktivitäten kümmerten sich die Schwestern um die medizinische Versorgung der Landbevölkerung. Im Spital des Klosters konnten ständig 60 Patienten betreut werden. Außerdem versorgte das Krankenhaus jedes Jahr ohne Entgelt noch einige tausend auswärtige Patienten ambulant. Die Arzneien wurden an diese ebenfalls kostenlos verteilt. Um die pharmazeutische Betreuung sicher zu stellen, bauten die Schwestern im Klostergarten Heilkräuter an und sammelten darüber hinaus auch wild wachsende Heilkräuter. Die daraus hergestellten Arzneien wurden von den Schwestern selbst in der Klosterapotheke hergestellt. Darüber hinaus war den Kloster auch ein Altersheim für Frauen angeschlossen.
 
Die Kreuz-Erhöhungs-Kathedrale des Nonnenklosters in Lesna vor dem Ersten Weltkrieg (Bild ca. um 1909).
Die Kreuz-Erhöhungs-Kathedrale des Nonnenklosters in Lesna vor dem Ersten Weltkrieg (Bild ca. um 1909).
Christi-Auferstehungs-Kirche in Lesna (Bild um 1917).
Christi-Auferstehungs-Kirche in Lesna (Bild um 1917).

 

Vor den Ersten Weltkrieg gehörten zum Kloster in Lesna insgesamt sechs Kirchen. Die Hauptkirche des Klosters war dem Fest der  Kreuzerhöhung des Herrn geweiht ud besaß vier Altäre. Dort wurde auch die wundertätige Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin von Lesna aufbewahrt. Das Kloster besaß weiterhin eine Kirche zu Ehren der Heiligen Dreieinigkeit, die im Inneren eine Quelle barg, die sich an der Stelle gebildet hatte, wo einst der Birnbaum stand, in dessen Zweigen das wundertätige Ikone einst erschienen war. Außerden gab es eine kleinere Kirche zu Ehren der heiligen Märtyrer Antonius, Ioannes und Eustachius von Wilna. In einem der Klostergebäude befand sich die Winterkirche zu Ehren der heiligen Märtyrerinnen Sophia, Vera, Nadjeschda und Ljubov’. In der landwirtschaftlichen Schule gab es eine weitere Kirche zu Ehren des Einzugs der Allerheiligsten Gottesgebärerin in den Tempel. Doch konnten all diese Kirchen während der großen Feste, zu denen zuweilen Zehntausende von Menschen herbeiströmten, nicht alle Gläubigen fassen.
 
Vor dem ersten Weltkrieg gab es im Lesnaer Kloster über 400 Nonnen. Mit seiner weitläufigen Anlage von Kirchen und Nebengebäuden glich das Kloster einer Lavra.  Die änderte sich grundlegend im Jahre 1915, als sich während des Ersten Weltkrieges das russische Heer hinter den Fluss Bug zurückziehen mußte. Im Rahmen der Flucht großer Teile der Bevölkerung wurde auch das Lesnaer Kloster in das Innere Russlands evakuiert. Die wundertätige Ikone der Muttergottes von Lesna wurde damals in die Metochia des Klosters nach Petrograd gebracht. Ungefähr 100 Schwestern siedelten in das Novodevičij-Auferstehungskloster in Moskau über. Einhundert Schwestern nahm das Ioannovskij-Kloster auf. Die Lesnaer Schwestern wohnten bis August 1917 in Petrograd. Dann siedelten sie in die Eparchie von Kišinev über. Etwa vier Jahre wohnten die Lesnaer Schwestern dann am Dnestr auf rumänischem Hoheitsgebiet. Als die rumänische Regierung jedoch darauf bestand, dass die dortigen Russen rumänische Staatsbürger würden und die rumänische Kirche darauf bestand, dass die Gottesdienste in der Kirche auf Rumänisch abzuhalten seien, verließen die russischen Nonnen Moldawien. Im Herbst 1920 siedelten sie auf Einladung des serbischen Königs Alexander nach Jugoslawien über. So fanden sich am Ende 62 Nonnen aus Lesna in Belgrad wieder. Die serbische Kirche begrüßte den Zuzug der russischen Nonnen und hoffte, dass die russischen Nonnen in Serbien die Frauenklöster, die seit der Zeit der türkischen Besatzung nicht mehr existierten, wieder aufbauen würden.

 

Hatten sich die Orthodoxen in Podlachien unter der russischen Herrschaft vollkommen frei entfalten können, so bekam die orthodoxe Minderheit dann im wieder erstandenen Polen der Zwischenkriegszeit die aufgestauten anti-russischen Ressentiments und Aversionen der Polen deutlich zu spüren. Das Kloster von Lesna wurde erneut an die katholischen Kirche übergeben und  die Umbauten aus russischer Zeit wurden nun weitestgehend rückgängig gemacht. Im ganzen Osten Polens kam es in den 1930-er Jahren im Rahmen der sogenannten "Revindikationen" zur Enteignung und Zerstörung orthodoxer Kirchen und zu vielfältigen Unterdrückungsmaßnahmen gegen das orthodoxe kirchliche Leben. Wenn dies auch nicht direkt von der katholischen Hierarchie verursacht wurde, so wurden die anti-orthodoxen Aktionen doch von einer polnisch-nationalistisch dominierten katholischen Öffentlichkeit inhaltlich gebilligt und unterstützt. Gleiches gilt auch für die nach dem Zweiten Weltkrieg stattfindende Vertreibung und Zwangsumsiedlung der orthodoxen Minderheit aus Podlachien im Rahmen der "Aktion Weichsel" (Akcja Wisła). Die meisten Angehörigen der religiösen (orthodoxen) und gleichzeitig nationalen (ukrainischen) Minderheit wurden entweder in die ehemaligen deutschen und nun polnischen Westgebiete verschleppt, oder in die Gebiete der heutigen Westukraine vertrieben. Dadurch kam das orthodoxe kirchliche Leben in Podlachien weitestgehend zum erliegen. Erst nach Ende der kommunistischen Herrschaft verbesserte sich auch die Situation für die verbliebenen Orthodoxen in Podlachien. Seit den Ende der kommunistischen Herrschaft konnte nun der Diözesanbischof  von Podlasie, S. E. Erzbischof Abel von Lublin, mit der Konsolodierung und dem Wiederaufbau des orthodoxen kirchlichen Lebens beginnen. Mit dem Ende des Kommunismus war auch die Verbesserung des ökumenischen Klimas zwischen der orthodoxen Kirche und der katholischen Kirche verbunden, so daß das Verhältnis der beiden Kirchen in Polen heute als im großen und ganzen gut bezeichnet werden kann. Von den Gläubigen in der orthodoxen Diözese von Lublin und Chelm wird in der nahe bei Lesna liegenden orthodoxen Kirche in Nesow heute die Verehrung der wundertätigen Ikone von Lesna gepflegt. 

 

Prozession mit der Ikone in Nesow. Wie gut das ökumenische Klima zwischen Orthodoxen und Katholiken heute geworden ist, zeigt die Teilnahme des Pauliner-Paters am orthodoxen Gottesdienst.
Prozession mit der Ikone in Nesow. Wie gut das ökumenische Klima zwischen Orthodoxen und Katholiken heute geworden ist, zeigt die Teilnahme des Pauliner-Paters am orthodoxen Gottesdienst.
Die Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin von Lesna (Икона Лесная Богородица / Leśniańskiej Ikony Matki Bożej) in der orthodoxen Kirche von Nosow.
Die Ikone der Allheiligen Gottesgebärerin von Lesna (Икона Лесная Богородица / Leśniańskiej Ikony Matki Bożej) in der orthodoxen Kirche von Nosow.

 

Anfangs ließen sich die Lesnaer Schwestern im Königreich Jugoslawien im Kloster Kuvedžin nieder. Nach einigen Monaten wechselten sie in das Kloster Chopov über, wo sie die nächsten 20 Jahre bleiben sollten. Durch das klösterliche Beispiel der Schwestern des Lesnaer Gottesmutter-Klosters konnte, wie vom Patriarchen und dem Heiligen Synod in Belgrad erhofft, das monastische Leben für Frauen in der serbischen Kirche wieder erneuert werden. Auf das monastische Wirken der Lesnaer Schwestern gehen in Serbien heute 32 größere und vielen kleinere Nonnenklöster zurück.

 

Als nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Jugoslawien der Kommunismus an die Macht kam, gelang es den Lesnaer Schwestern mit Erlaubnis der Behörden das Land Richtung Westen zu verlassen. In den Jahren 1950 bis 1967 befand sich das Kloster in Fourqeux bei Paris. Die Gebäude in denen der Lesnaer Konvent Aufnahme fand, gehörten der katholischen Kirche. Nachdem der Eigentümer die Liegenschaft anderweitig veräußerte, fanden die Schwestern im Schloss von Étrépagny eine neue Heimat. Das ehemalige Schloss, zu dem auch eine alte Kirche gehörte, wurde von den Schwestern mit Hilfe der orthodoxen Gläubigen erworben. Im Laufe der Jahre wurde die Schlosskirche dann entsprechend den Erfordernissen des orthodoxen Gottesdienstes ausgeschückt und eingerichtet. Im Schloss wurde der Nonnenkonvent und die Winterkirche untergebracht. In dieser Hauskapelle befindet sich bis heute auch die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesgebärerion von Lesna.  Bis heute ist das Kloster Ziel von orthodoxen Wallfahrern aus Europa und Übersee geblieben, die dort die wundertätige Ikone der Gottesmutter verehren, obwohl das Kloster zur Zeit nicht zur orthodoxen Kirche gehört, denn nach der Wiedervereinigung der Russischen Auslandskirche mit dem Moskauer Patriarchat hat sich der Lesnaer Konvent einer schismatischen kirchlichen Organisation in Sibirien unterstellt.

 

Zeitgenössische russische Ikonde der Gottesmutter von Lesna.
Zeitgenössische russische Ikonde der Gottesmutter von Lesna.