Weihnachten- Fest der Geburt Chtisti

 

Auch Russische Orthodoxe Christen feiern an Weihnachten die Geburt Jesu Christi.

Und auch sie feiern Weihnachten am 24. und 25. Dezember. Nur fällt dieser 25.

Dezember auf unseren 07. Januar. Wie das sein kann? Die Russische Orthodoxe

Kirche richtet sich nach einem anderen Kalender, als das evangelische und

römisch- katholische Christen in Deutschland tun. Dieser Kalender wird der Alte

Kalender (Julianische Kalender) genannt. Dieser kirchliche Kalender, den zum

Beispiel auch die Serbische Orthodoxe Kirche, das Griechische Orthodoxe

Patriarchat von Jerusalem, die Orthodoxe Kirche in Polen und die Orthodoxe Kirche

in der  Tschechischen Republik und der Slowakei benutzen, bleibt dem

gregorianischen Kalender heute um dreizehn Tage zurück. Bis vor rund neunzig

Jahren galt der Julianische Kalender in Russland auch im bürgerlichen Leben. Dann

passte die damals sowjetische Regierung den säkularen Kalender an den

Gregorianischen Kalender an. Ihre Feiertage feiern religiöse Orthodoxe Christen in

Russland, in der Ukraine oder Weißrussland seit damals abweichend vom zivilen

Kalender nach den alten kirchlichen (Julianischen) Kalender.

 

 

Deine Geburt, o Christus unser Gott, ließ erstrahlen der Welt das Licht der Erkenntnis; in ihr wurden, die die Sterne verehr’n, von einem Sterne belehrt, Dich zu verehr’n, die Sonne der Gerechtigkeit, und Dich zu erkennen als den Aufgang der Sonne. Herr, Ehre Dir!

 

Troparion im 4. Ton zur Geburt Christi 

 

Siehe, gekommen ist die Zeit unserer Erlösung, halte dich bereit, Höhle, die Jungfrau naht, um zu gebären. Bethlehem im Lande Juda, freu dich und frohlocke, denn aus dir geht hervor unser Herr. Höret, ihr Berge und Hügel, und alle Gebiete Judäas, denn es kommt Christus, um zu retten den Menschen, den er gebildet, als der Menschenliebende.

 

Stichiron im 2. Ton zum Sonntag vor Christi Geburt 

 

Bethlehem, rüste dich, bereite die Krippe, die Höhle empfange, die Wahrheit ist gekommen, der Schatten gewichen und Gott ist den Menschen aus der Jungfrau erschienen. Er wurde uns gleich und vergöttlichte so den Leib. Deshalb ist Adam erneuert mit Eva und sie rufen: Auf Erden ist erschienen Dein Wohlgefallen, zu erretten unser Geschlecht.

 

Idiomelon im 8. Ton von Sophronios zum Fest der Geburt Christi 

 

 

Die Geburt Christi

 

zum Fest am 25. Dezember

 

„Er neigte die Himmel und stieg hernieder...“

 

Als der Schöpfer den Menschen, das Werk Seiner eigenen Hände, auf dem Wege der Verderbnis sah, neigte er die Himmel und stieg hernieder. Aus der göttlich reinen Jungfrau nahm Er die Natur des Menschen an und wahrhaft das Fleisch auf sich, denn er ist verherrlicht.

 

Troparion der 1. Ode des Weihnachtskanons im Morgengottesdienst

 

Es gibt kein größeres Mysterium als die Fleischwerdung Gottes. Mit der ruhigen Majestät der Begrüßung durch einen Erzengel begann ein unbeschreibliches Wunder. Und jetzt, in dieser Nacht, wird dieses Wunder wirklich. Das große Mysterium, das die heilige Jungfrau, nun heilige Mutter, unter ihrem Herzen für viele Tage bewahrt hatte, eine verborgene Wirklichkeit, nur einigen Auserwählten offenbar, wird nun erstrahlen mit dem ganzen Glanz eines himmlischen Sterns. Weise werden die Welt bereisen es zu sehen, Hirten werden es lärmend zu sehen begehren, ein König wird heucheln, um es zu verhindern. Aber nichts wird diese große erlösende Tat des Einen, der „den Menschen, das Werk Seiner eigenen Hände, auf dem Wege der Verderbnis sah“, vereiteln. In der Qual einer überraschenden Geburt, im Schmutz eines Stalles, findet das Wunder statt, das die Basis des christlichen Lebens ist. Hier neigte Gott die Himmel und stieg hernieder in die volle Realität Seiner Schöpfung. Doch, trotz unserer Lieder, gab es keine Krippe in Bethlehem. Die Nacht mag heilig gewesen sein, aber sie war nicht still. Soldaten jagten nach dem geheimnisvollen „neugeborenen König“, während sich Reisende in die überfüllten Herbergen drängten, um die Vorschriften der Volkszählung wegen einer neuen Steuererhebung zu erfüllen. Das wird wohl eine sehr laute Nacht gewesen sein. Und im Stall: Schmutz, Unrat, Gestank. Nirgends die heitere Harmonie unserer gewöhnlichen Vision der Geburt des Kindes. Auch war es nicht bloß ein Kind. Der ganze Schauplatz für dieses Mysterium erzählt uns von etwas Fremdartigem, nicht Normalem, Unmöglichem.

 

Die Jungfrau gebiert heute den, der über allem Sein und die Erde bietet eine Höhle dem Unumfassbaren; die Engel lobpreisen mit den Hirten, die Magier wandern dem Sterne nach, denn für uns ist geboren als kleines Kind, der vor Ewigkeiten Gott!

 

Kontakion des Kanons im Morgengottesdienst

 

Der ganze Lärm der Umgebung, das schreckliche Paradoxon der ‚göttlich reinen’ Jungfrau, untergebracht im schmutzigen Elend des Stalles, zwingt uns dazu, die ganze Wirklichkeit dieses Augenblicks zu überdenken. Einer wird in das Sein der menschlichen Natur gebracht, der über allem Sein, über aller Natur ist. Weise nähern sich Ihm, der unnahbar ist. Hirten blicken auf Ihn, den niemand erblicken und trotzdem weiterleben kann. Gott, der vor aller Zeit Alles geformt hat, schreit und atmet nun als kleines Kind den Hauch, mit dem Er den Menschen zum Leben erweckte.

 

Die Nacht war nicht still, die Hirten sangen nicht nur. Sie sammelten sich zu Füßen der Reinsten (selbst ein Wunder), die menschliche Geburt der Reinheit Selbst zu schauen. Die Hirten kamen zur Gottesmutter, um das Kommen Gottes zu den Menschen zu erspähen.

 

Diese Vorstellung von der Zusammenführung von Gott und Mensch liegt dem gegenwärtigen Mysterium zu Grunde und wird oft in den liturgischen Texten der Kirche zitiert. Wie sich die Hirten, und später, die Weisen aus dem Osten, dem neugeborenen Sohn nähern, so komme auch ich, spricht die Kirche:

 

Ein fremdartiges und unerwartetes Wunder sehe ich: Die Höhle ist der Himmel, die Jungfrau der Thron der Cherubim. Die Krippe, ein Ort, wo der Unumfassbare ruht, Christus, Gott. Lasst uns ihn besingen und verherrlichen!

 

Irmos der 9. Ode des Kanons im Morgengottesdienst

 

 

In der Herrlichkeit der Inkarnation sind das Göttliche und das Weltliche plötzlich in triumphierender Weise vereint und verwandelt. Die schmutzige Höhle ist nicht mehr nur ein Stall, sondern besteht nun im ganzen Glanz des Himmels selbst. Die Mutter Gottes, so menschlich wie ich, hält in ihren Armen den vorewigen Sohn und ist in ihrer leiblichen Person der Thron, der geehrter ist als die Cherubim. Das Holz des Futtertrogs in all seiner Rauheit ist hier und jetzt das Bett, das den Gott umfasst, den alle Himmel und die Erde nicht umfassen können. Göttliches und Menschliches sind in diesem Augenblick nicht unterscheidbar. Schaue ich Frau oder Thron? Höhle oder Himmel? Mensch oder Gott? Das Irdische wurde zum Göttlichen gebracht, das Göttliche zum Irdischen, und in diesem so ehrfurchtgebietenden Geheimnis schauen wir ein Etwas ‚fremd und herrlich’. Ich komme und bestaune, aber ich bin in Ehrfurcht erstarrt, denn ich erschaue Dinge aus dem Paradies in einer Höhle (vgl. den Ikos des Kanons im Morgengottesdienst).

 

Gerade diese Vermischung des Himmlischen mit dem Irdischen ist der Sinn unseres größten aller Mysterien. In dieser Vereinigung von Himmel und Erde, von Mensch und Gott, so predigt die Kirche, nimmt unsere Erlösung Form an. Deshalb rufen wir zu Christus: 

 

Selbst gleich gestaltet dem aus Lehm gebildeten ärmlichen Geschlecht, o Christus, und durch Teilnahme am Fleische des Geringeren hast Du ihm göttliche Eigenschaften mitgeteilt, der Du Mensch geworden und Gott geblieben und erhöht hast unsere Kraft, heilig bist du, o Herr!

 

Troparion aus der 3. Ode des Weihnachtskanons

 

Christus hat uns ‚göttliche Eigenschaften mitgeteilt’. Wir müssen diese Worte tausend Mal hören und ihr Wunder jedes Mal von Neuem empfangen. Bei diesem Fest, diesem Mysterium jenseits aller Beschreibung, geht es nicht nur darum, dass Gott Mensch wird. Wir sollten nicht von Staunen erfüllt sein, wenn wir in die Krippe blicken und darin die zweite Person der Heiligen Dreiheit, gezeugt vor aller Zeit, schauen – so ehrfurchtgebietend dieses Mysterium auch ist. Wenn ich mich an die Geburtshöhle in dieser Nacht heranwage, trage ich die schrecklichste, wundersamste, erhabenste Ehrfurcht in meinem Herzen, denn ich schaue in der Krippe nicht nur Gott, sondern mich. Es ist meine Natur, die der Sohn für Sich angenommen hat in dieser unsagbaren Liebestat und ich schaue heute, mit meinen Augen, dass dieser Natur die Natur meines Gottes gewährt wird. Ich schaue Adam, den aus Lehm geformten Sterblichen, vollkommen gemacht in der Gnade Christi.

 

Das ist das Wunder der Geburt. Gott kommt zu uns, gibt Sich uns nicht nur durch dieses Ereignis. Unsere Natur selbst wird aufgenommen in die Seine und unserem sterblichen Körper wird ein Stück des göttlichen Lebens zuteil. Dieses Leben, so erinnern wir uns gerne, überwältigt alles – das Böse, die Sünde, das Dunkel, sogar den Tod selbst, wie wir voll Inbrunst im Lichte der Auferstehung an Ostern singen. Dass dieses Leben in der Inkarnation unser Leben geworden ist, ist die Quelle all unserer Hoffnung, unseres Vertrauens und unserer Freude am christlichen Glauben. Sie ist die Motivation für unseren Kampf, unsere Mühe und sie ist das leichte Joch, durch das wir befreit wurden. Unsere Fesseln können jetzt gelöst werden, unsere Sklaverei beendet, unsere lange Knechtschaft unter der Sünde und die Verbannung aus dem Paradies können nun zum Ende kommen. Es ist bezeichnend und passend, dass die Klage der Israeliten in Gefangenschaft in dem Psalm, mit dem wir zu einer anderen Jahreszeit in die reinigende Trauer der Großen Fastenzeit eintreten, uns bewusst in der Hymnographie von Weihnachten in Erinnerung gebracht wird: 

 

Die Trauer ließ die Musikinstrumente sinken, denn die Töchter Zions sangen nicht unter den Fremden; als Christus sich in Bethlehem erhob, setzte er den Irrwegen ein Ende und gab der babylonischen Musik ihre Harmonie wieder. Darum lasst uns diesen Gesang hören: Die ganze Schöpfung preise den Herrn und erhebe ihn in alle Ewigkeiten!

 

Troparion aus der 8. Ode des Weihnachtskanons 

 

Wenn Menschliches und Göttliches in der Inkarnation zusammentreffen ist endlich unsere Gefangenschaft beendet und das Volk von Zion findet wieder seine Stimme für ihren Gesang. Unsere Natur weilt nicht länger im Exil, in einem fremden Land, auf ewig von ihrem Schöpfer getrennt durch die Sünde, durch die Ränke des Bösen, durch welche Macht auch immer. Die tiefsitzende Sorge des Exils ohne Hoffnung ist gebannt, wenn Christus den ‚Irrwegen ein Ende’ setzt und in Seiner Person vereint, was in meiner gefallen ist und vollkommen in Seiner. Es gibt keinen besseren Ausdruck der Ehrfurcht vor diesem Mysterium als die Worte, die zur Vesper am Heiligen Abend gesungen werden:

 

Kommet, lasset uns jubeln dem Herrn, wenn wir das gegenwärtige Geheimnis erzählen. Die Trennwand wird niedergerissen, das flammende Schwert zeigt den stumpfen Rücken und der Cherub gibt den Baum des Lebens frei. Auch ich werde teilhaft der Wonnen des Paradieses, aus welchem ich vertrieben wegen des Ungehorsams. Denn das unveränderliche Abbild des Vaters, der Ausdruck Seiner Ewigkeit, nimmt Knechtsgestalt an, aus der vom Gatten unberührten Mutter hervorkommend, ohne Veränderung erfahren zu haben, denn Er blieb, was Er war, der ewig Seiende, wahrhafte Gott; und was Er nicht war, nahm Er an, Mensch geworden aus Menschenliebe. Zu Ihm wollen wir rufen: Der Du bist geboren aus der Jungfrau, Gott, erbarme Dich unser!

 

Sticheron im 2. Ton aus der Vesper am Heiligen Abend

 

Quelle: Andreasbote

 

 

Die Feier der Geburt Christi

 

von Philip Kariatlis 

 

Jedes Jahr beginnen die Orthodoxen Kirchen am 15. November mit dem Weihnachtsfasten. Diese Fastenzeit ist auch als Philippus-Fasten bekannt, weil das Fest dieses Apostels unmittelbar davor liegt. Diese Zeit der Vorbereitung entspricht dem römischen Advent. Wir wissen nicht, wann genau dieses Fasten in der Kirche eingeführt wurde. Frühe christliche Dokumente aber bezeugen, dass die Geburt Christi erst gegen Ende des 4. Jh. am 25. Dezember gefeiert wurde, und das nur von einigen Kirchen, denn andere feierten Weihnachten am 6. Januar. 

 

Das erste Anzeichen einer Feier der Geburt Christi kommt aus Ägypten. Klement von Alexandria (ca. 200) erwähnt, dass gewisse Ägypter die Geburt Christi am 20. Mai feiern. In der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts legen die Satzungen der Kirche von Alexandria fest, dass die Feste der Geburt und der Epiphanie Christi beide am 6. Januar gefeiert werden. Deshalb wissen wir sicher, dass in den frühen christlichen Jahrhunderten Weihnachten und Theophanie (das heute am 6. Januar gefeiert wird und die Taufe Christi festlegt) zusammen gefeiert wurden. Deshalb wird, liturgisch gesprochen, die Zeitspanne von Weihnachten bis Theophanie als ein fortwährender Feiertag betrachtet, der das Kommen Christi in die Welt bezeugt. 

 

Aus den Predigten des Heilige Gregor von Nyssa wissen wir, dass im Jahre 380 die Gläubigen in Kappadokien Weihnachten am 25. Dezember feierten. Man weiß auch, dass die Kirche von Jerusalem, entgegen diesem Brauch, bis zum 6. Jh. nicht am 25. Dezember feierte. Wir wissen genau, dass im Jahre 385, als Aetheria die Stadt Jerusalem besuchte, das Weihnachtsfest dort noch nicht in den liturgischen Kalender aufgenommen worden war. In Antiochien wurde die Feier der Christgeburt ca. 386 vom Hl. Johannes Chrysostomos eingeführt. Die neuere Forschung behauptet, dass in Konstantinopel Weihnachten vom Hl. Johannes Chrysostomos zwischen 398 und 402 eingeführt wurde. Ab dem Jahre 354 begann man in Rom Weihnachten zu feiern. Aber das Konzil von Saragossa in Spanien kannte 380 das Fest noch nicht und der Heilige Augustinus erwähnt es im 5. Jahrhundert nicht in seiner Liste der großen Feste. Trotzdem wurde Weihnachten bald im liturgischen Kalender der Weltkirche anerkannt. 

 

Wenn man über die Einführung des Geburtsfestes in den liturgischen Kalender nachdenkt, würde man erst einmal nicht vermuten, dass der Grund, warum der 25. Dezember für die Feier der Geburt Christi gewählt wurde, darin liegt, dass dies der tatsächliche Tag Seiner Geburt wäre. Es gibt vielmehr zwei Gründe, die für diesen Tag sprechen. Der erste Grund ist, dass die Kirche gewisse heidnische Feste, die um dieses Datum gefeiert wurden, wie die Geburt des Dionysos in Delphi, die Saturnalien (1. bis 23. Dezember) und vor allem das Natalis Invicti (das Fest der unbesiegbaren Sonne) am 25. Dezember selbst, adaptieren und christianisieren wollte. Viele Kirchenväter, besonders der Hl. Kyprian von Karthago, verkündeten, dass die ‚Wiederkehr des Unbesiegbaren’ in der Geburt Jesu verwirklicht wurde, des einzig Unbesiegbaren und Sonne der Gerechtigkeit. Christus war die einzig Unbesiegbare Sonne, der durch Seine Geburt die Welt und den Morgen eines neuen Zeitalters erleuchtete. Deshalb bezeichnet das Apolytikion Christus als „Sonne der Gerechtigkeit“, denn Er ist die wahre Sonne, die die Welt erleuchtet. Der 25. Dezember wurde also gewählt, um ein heidnisches Fest in ein christliches zu verwandeln.

 

Der zweite Grund für den 25. Dezember war, dass man den Tag der Geburt Christi vom Tag der Empfängnis Jesu, die am 25. März (Mariae Verkündigung) gefeiert wird, abhängig machen wollte. Der Grund wiederum, warum man meinte, dass das Datum der Verkündigung der 25. März war, ist, dass Jesus Christus nach der Schrift sechs Monate nach dem Hl. Johannes dem Täufer empfangen wurde. Aus dem Neuen Testament können wir entnehmen, dass der Hl. Johannes im September empfangen wurde. Das ergibt sich aus der Ankündigung der Geburt Johanni an Zacharias, seinen Vater, der als der Hohepriester am Versöhnungsfest das Allerheiligste betrat. Man meinte, dass das im September stattfand. Obwohl die o.g. Berechnungen logisch klingen, muss man doch sagen, dass sie historisch nicht belegbar sind und wir das tatsächliche Datum der Geburt des Messias nicht kennen. 

 

Sogar das Jahr der Geburt ist ungewiss. Einige Gelehrte versuchten das Datum durch das Studium alter Aufzeichnungen von Astronomen zu finden, durch Belege für die Erscheinung des hellleuchtenden Sterns, den die Weisen sahen und dem sie gefolgt waren. In bezug darauf wurden drei Theorien aufgestellt. Die erste ist, dass man glaubt Christus sei ca. 11 vor unserer Zeitrechnung geboren, denn es gibt Anzeichen dafür, dass der Halley’sche Komet in diesem Jahr erschienen war. Die zweite Theorie nimmt ungefähr das Jahr 7 v.u.Z. an. Die Wissenschaftler argumentieren, dass damals die Konjunktion von Saturn und Jupiter hell am Himmel leuchtete. Die Nähe dieser beiden Planeten wäre als hellleuchtender Stern erschienen, den die Weisen gesehen haben könnten. Die letzte, und vielleicht plausibelste Erklärung ist, dass die Geburt Christi zwischen den Jahren 5 und 2 v.u.Z. stattgefunden habe. In jenen Jahren, am ersten Tag des ägyptischen Monats Mesori, stieg der Stern Sirius am Morgen wie die Sonne auf und leuchtete mit außergewöhnlichem Glanz. Mesori bedeutet ‚Geburt eines Prinzen’, und so ein Stern würde zweifellos als die Geburt eines großen Königs interpretiert. 

 

Was vom oben beschriebenen wirklich bleibt, ist, dass die Feier der Geburt Christi im 3. Jh. – einem relativ späten Datum – in den Kirchenkalender aufgenommen wurde. In den ersten Jahrhunderten konzentrierte sich die Kirche auf Epiphanie, da sie die glorreiche Erscheinung des Herrn und Seine Geburt feierte. Im 5. Jh. wurden Weihnachten und Epiphanie getrennt. Im Osten haben nur die Armenier das Fest am 25. Dezember nie akzeptiert und feiern noch Epiphanie als die Geburt des Herrn.

 

Was von all dem wirklich wichtig ist, ist nicht die Kenntnis des exakten Datums der Geburt Christi sondern letztlich die Bedeutung dieses Ereignisses. Alle, ob sie nun die Wichtigkeit der christlichen Bedeutung von Weihnachten anerkennen oder nicht, sind sich einig, dass es ein Ereignis ist, das gefeiert wird. Die Tatsache, dass Weihnachten ungeachtet ihres religiösen Hintergrundes von allen gefeiert wird, ist ein Anzeichen für seine festliche und frohe Bedeutung. Alle sind sich einig, dass in der Weihnachtszeit eine andere Stimmung und eine ganz andere Beziehung zwischen den Menschen herrscht. Sogar die, die nicht wissen, was an Weihnachten gefeiert wird, empfinden es als eine frohe Zeit des Jahres. In dieser Zeit scheinen die meisten ihre Schranken und Masken, die ihnen die Sorgen des täglichen Lebens aufgezwungen haben, fallen zu lassen und sie zeigen wieder eine fast kindliche Natürlichkeit. Allein dadurch müssten wir akzeptieren, dass vor ca. 2.000 Jahren etwas Bedeutendes stattgefunden haben muss, an das man sich immer noch erinnert und das noch heute gefeiert wird. Wie alle Staaten ihren Nationalfeiertag haben, an dem an ein wichtiges Ereignis erinnert wird, so gedenkt die Kirche des ungewöhnlichsten Ereignisses in der Geschichte der Menschheit und feiert es – die Geburt Gottes in die Welt. 

 

Die Bedeutung von Weihnachten wird in einem einzigen Vers der Bibel zusammengefasst: „Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“ (Matthäus 1: 21).

 

Im Hebräischen ist der Name Jesu „Jeschua“ und bedeutet „Gott rettet“ oder „Gott ist Rettung“. Deshalb gedenkt die Geburt Christi nicht einfach der Geburt eines genialen religiösen Menschen oder inspirierten Propheten, sondern des Herrn und Heilands des Lebens. Die Bedeutung der Geburt Christi ist zusammengefasst im Kommen Christi in die Welt als Gott, der unsere menschliche Natur angenommen hat, damit wir vergöttlicht werden. Christus kam, und als der zweite Adam versöhnte er das Leben und die Geschichte zu einer innigen Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf, zwischen Ewigkeit und Zeit. Christus nahm unseren Leib an, der verfällt und Tag für Tag älter wird, und bezwang den Tod durch den Leib. Deshalb ist letztendlich Weihnachten die Botschaft von Gottes Sieg über den Tod und Seines Geschenks des ewigen Lebens für die gesamte geschaffene Ordnung.

 

Dr. Philip Kariatlis ist Dozent (Academic Director, Senior Lecturer in Systematic Theology am Saint Andrew’s Greek Orthodox Theological College in  Sydney, New South Wales, Australia.

 

 

Die Ikone von der Geburt Christi

 

Die Weihnachtsikone erzählt die Geschichte von Christi Geburt, wie sie in den Evangelien steht. Sie zeigt auch, dass die ganze Schöpfung an dieser Geburt teilnimmt. Die Engel danken mit ihrem Lied; die Himmel spenden den Stern; die Weisen legen ihre Gaben von Gold, Weihrauch und Myrrhe vor. Die armen, einfachen Hirten spenden ihr Loblied und ihr Erstaunen; die Erde bietet die Höhle und die Menschheit schenkt die Jungfrau. 

 

 

Es ist eine Ikone mit vielen Szenen. Zuerst betont sie die Wichtigkeit der Theotokos, der Mutter Jesu. Sie ist in den Mittelpunkt gestellt und die größte Figur auf der Ikone. Die drei Sterne auf ihrem Gewand deuten ihre Jungfräulichkeit vor, während und nach der Geburt an. Das Christuskind genau in der Mitte der Ikone liegt in Windeln gewickelt in der Krippe. Im Hintergrund sieht man die dunkle Höhle, in dem es geboren wurde. In der Höhle sind ein Ochse und ein Esel, die das Neugeborene beschützen. Wenn auch die Evangelien nicht von der Höhle berichten, ist das doch Teil der heiligen Tradition. Die Evangelien sprechen auch nicht von Ochs und Esel, aber alle Weihnachtsikonen stellen diese Tiere dar. Sie mit aufzunehmen erfüllt die Prophezeiung des Jesaias 1: 3 „der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.“ Der lange Lichtstrahl aus dem Stern deutet direkt auf die Höhle. Der Strahl kommt vom Stern und findet zu allen Teilen der Welt. Er lehrt, dass dieser glänzende Stern ein Himmelsbote ist, der die Geburt Jesu verkündet. 

 

 

Auf der linken Seite der Ikone ist eine andere Szene dargestellt. Die Drei Weisen, geführt vom Stern, reiten herbei ihre Gaben von Gold, Weihrauch und Myrrhe zu Jesus zu bringen. Die Weisen sind unterschiedlich alt. Einer ist bartlos. In jenen Tagen trugen die jungen Männer keinen Bart. Der Andere hat langes Haar und einen langen Bart, was andeutet, dass er viel älter ist. Diese Details lehren, dass die Gute Nachricht zu jedem kommt, ungeachtet des Alters und der persönlichen Erscheinung. 

 

 

Gegenüber den Weisen ist die Szene mit den einfachen Schäfern. Ein Engel verkündet die frohe Nachricht. Ein junger Hirte spielt ein Blasinstrument. Diese Szene offenbart, dass die Musik der Menschen dem himmlischen Chor der Engel zugesellt wurde. Gegenüber der Hirtenszene sieht man den Engelschor. Sie verherrlichen Gott. Die Engel dienen zwei Zwecken bei der Geburt Christi. Sie verherrlichen Gott und verkünden allen Menschen die gute Nachricht. 

 

 

Der Hintergrund zeigt eine sehr zerklüftete Landschaft. Das gibt nicht die tatsächliche Form dieser Gegend wieder. Josef konnte in Bethlehem keine Bleibe finden, deshalb ging er außerhalb Bethlehems in eine Höhle. Die felsige Gebirgslandschaft dient nur als Hintergrund für das Ereignis.

 

Im unteren Teil der Ikone sind noch zwei Szenen. In der rechten Ecke sind die beiden Frauen, die Josef mitgebracht hatte, um sich um das Kind zu kümmern. Sie baden Ihn wie ein Kind eben gebadet wird. Die menschliche Natur Jesu wird hier klar gezeigt. 

 

Gegenüber der Badeszene sitzt ein trauriger und bestürzter Josef. Er ist nicht Teil der zentralen Gruppe Christuskind und Gottesgebärerin. Josef ist nicht der natürliche Vater. Josef ist besorgt und verzagt. Ein alter Mann spricht mit ihm. Der alte Mann ist Satan. Satan kann in vielen Formen auftreten. Hier ist er ein alter Mann, der Josef in Versuchung führen und verwirren will. Satan sagt zu Josef, dass eine jungfräuliche Geburt nicht möglich ist. Er sagt zu Josef, dass er ein Narr sei, wenn er das glaube. Diese Erklärung kommt zu uns durch die heilige Tradition. Der traurige Josef zeigt uns nicht nur seine persönliche „Klemme“ sondern das Dilemma der ganzen Menschheit in der Schwierigkeit anzunehmen, was „jenseits von Logik und Vernunft“ ist. 

 

Der Baum in der Mitte des unteren Teils der Ikone ist ein Symbol für die Wurzel Jesse. Der Baum bezieht sich auf Jesaia 11,1-2, „doch aus dem Baumstumpf Jesse wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn läßt sich nieder auf ihm.“ König David wurde oft als der Sohn Jesse bezeichnet und Jesus war aus dem Hause Davids. 

 

Die Ikone der Geburt mahnt uns die Geburt Christi zu lobpreisen und zu verherrlichen. Die Feier des Weihnachtsfestes jedes Jahr dient dazu, alle und jeden daran zu erinnern, dass Christus für dich und für mich gekommen ist. 

 

Quelle: Internet-Seite der Griechischen Orthodoxen Erzdiözese in Australien

 

Ikone "die Wurzel Jesse mit der Gottesmutter-Ikone vom Kykkos-Kloster auf Zypern.
Ikone "die Wurzel Jesse mit der Gottesmutter-Ikone vom Kykkos-Kloster auf Zypern.

 

 

 

Die orthodoxe Vorbereitung auf das Weihnachtsfest

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Mit großer Freude feiert die Heilige Kirche das Fest der Geburt Christi. Um dasselbe würdig zu begehen, bereiten sich die Gläubigen auf die Feier des Christfestes durch Fasten vor. Vom 15. November bis zum 24. Dezember dauert diese vorweihnachtliche Vorbereitungszeit. Schon mit dem Festtag der Einführung der Allheiligen Gottesgebärerin in den Tempel am 21. November erklingen im Morgengottesdienst bereits die Irmen aus dem Kanon zum Fest der Geburt des Erlösers: "Christus wird geboren, rühmet IHN...".

Die Adventszeit ist in der orthodoxen Tradition als eine Zeit der Besinnung und der Umkehr, also als eine  Fastenzeit gestaltet. Jedoch sind die vier Fastenzeiten des Kirchenjahres keine Zwangsjacke, mit der die Kirche uns knebeln oder einschränken möchte, sondern eine Einladung zur Freiheit der Kinder Gottes. Wie der einzelne Gläubige sich angemessen und würdig auf die Feier des Weihnachtsfestes vorbereiten kann, sollte er mit seinem geistlichen Vater im Rahmen der Beichte besprechen.

Das Fasten vor Weihnachten beginnt in der Orthodoxen Kirche am 15. November. Es wird auch "Philippus-Fasten" genannt, weil am 14. November das Gedächtnis des heiligen Apostels Philippus gefeiert wird. Die Weihnachtsfastenzeit ist nach dem Typikon weniger streng gestaltet als die vorösterliche Fastenzeit: So darf zu den Mahlzeiten pflanzliches Öl und Fisch gereicht werden. Einige Tage vor Weihnachten wird das Fasten dann strenger, und schließlich am Vortag des Festes, den letzten Tag vor Weihnachten, wird bis zum ersten Stern am Abend nicht gegessen. Dieses strenge Fasten ist sowohl ein eucharistisches Fasten, das uns auf den Empfang der Allheiligen Gaben in der mit der Feier der Vesper verbundenen Basilius-Liturgie vorbereitet, als auch eine Erinnerung an den Stern, der bei der Geburt des Erlösers über Betlehem erschien.

Während der Fastenzeit wird kein Fleisch oder Fett, keine Eier, Milch, Butter und alles, was aus diesen Lebensmitteln bestehen, gegessen. Aber auch hier sind die Regeln des Typikons nicht fanatisch, sondern auf das Heil der Menschen hin orientiert: Alte und Schwache, Kranke und Schwangere und ganz kleine Kinder sind vom strengen Gebrauch des asketischen Hilfsmittels der Fasten ausdrücklich ausgenommen. Während der vier Fastenzeiten müssen die orthodoxen Gläubigen auf die Feier von Hochzeiten verzichten. Auch sollen sie sich auf das Gebet und das geistliche Leben konzentrieren und deshalb auf weltliche Vergnügungen (Konzerte, Theater- und Kinobesuche, allzu ausgelassene und exzessive Feiern etc.) verzichten. Das Wichtigste während der Fastenzeiten ist, das wir den Kompass unseres Lebens wieder auf Gott ausrichten. Das beste Mittel dafür ist das Gebet. Denn: "Gebet ist die Nahrung für die Seele", wie uns der heilige Theophan der Klausner sagt.

 

 

 

Sonntag der Heiligen Vorväter

 

S. E. Metropolit Anthony von  Sourozh über Matthäus 1: 1-25

 

Im Vorfeld der Weihnacht, wenn wir voller Erwartung der Menschwerdung des Gottessohnes entgegen schauen, erinnert uns die Kirche in sehr anrührender Weise an all jene, die ihr Leben, ihren Leib dafür hingaben, dass der Heiland geboren werden konnte. Heute begehen wir das Fest der Vorfahren Christi. Jeder von uns trägt in sich, in seinem Leib, in seiner Seele die gesamte Geschichte der Menschheit. Christus, der die menschliche Natur angenommen hatte, erschien nicht als ein ganz neuer Mensch, den Gott ja auch neu erschaffen hätte können. Christus nahm die menschliche Natur an von einer Menschheit, die bereits eine vieltausendjährige, vielleicht sogar millionenjährige Geschichte hinter sich hatte. In Seinem Leib, in Seiner menschlichen Natur lebten all jene, die irgendwann vor Ihm einmal auf der Erde gelebt hatten.

 

Auch in unserem Körper und in unserer Seele lebt die gesamte vergangene Menschheit. Christus vereinigte sich mit der Menschheit. Dabei erwählte Er in ihr nicht nur die sogenannten Gerechten oder Heiligen, das heißt all jene, die würdig gewesen wären für eine Begegnung mit Gott, welche selbst so wunderbar ist und jegliche menschliche Phantasie übersteigt, dass man sie mit keinerlei Worten auszudrücken vermag: In Ihm lebt die gesamte Menschheit, sowohl die Gerechten als auch die Sünder. 

 

In der Reihe der Namen, die wir heute gehört haben und unter denen wir einige als Heilige verehren, gibt es einige, von denen das Alte Testament als Sünder spricht. Alle jedoch waren Menschen, die sich durch die Sünde hindurchgerungen haben, die sich mit menschlicher Schwäche, dunklen Gedanken und fleischlicher Erregung herumgeschlagen haben, die sich durch das Toben der Geschichte und ihres Alltag hindurch durchgeschlagen haben zu Gott, die auf der Suche waren nach dem Licht, nach der Wahrheit, die nach Heiligkeit strebten, auch wenn ihnen oft die Kräfte dazu nicht ausreichten ihren Traum zu verwirklichen. 

 

Auch mit ihnen war Gott, ja, Er war wirklich auch mit ihnen, denn Gott überlässt keinen einzigen Sünder sich selbst. Ihn erschreckt keinerlei Unrecht. Er erscheint uns nur dann als fern, wenn wir selbst Ihn wegen unserer eigenen eiskalten Gleichgültigkeit nicht kennen wollen. Aber auch dann überlässt Er uns nicht uns selbst. Er bleibt uns gleichsam nahe, wenn auch voller Kummer und vom Kreuz her auf uns blickend.

 

Wenn wir nun heute der gesamten vergangenen Menschheit gedenken, all diese Menschen, die durch die Jahrtausende hindurch den Leib und die menschliche Natur Christi gewebt haben, dann lasst uns ihrer voller Ehrfurcht und Dankbarkeit gedenken. Lasst uns an all unsere Vorfahren denken, an die, die wir kennen und an die, die wir vergessen haben, an die, derer sich das Herz freut und auch an die, wegen derer unser Stolz Scham empfindet. Lasst uns aller gedenken! 

 

Durch seine menschliche Heiligkeit hat Christus alle gerechtfertigt, die Seines Leibes und Seines Blutes sind. Und jeder von uns ist durch tatkräftiges Leben dazu berufen, mit Schöpferkraft und Ringen, durch Siege und Niederlagen hindurch, auf dem Wege zur völligen Selbsthingabe zu Gott, auf dem Wege zur Heiligkeit nicht nur für sich selbst das Heil zu erlangen und somit sein zeitliches Verweilen auf der Erde zu rechtfertigen, sondern ebenso auch dem gesamten Leben der Jahrtausende, die in unserem Leib und unserer Seele lebendig sind, einen Sinn zu geben. 

 

Jeder, der sich bis zur Heiligkeit durchschlägt, jeder, der zum Gefäß des Heiligen Geistes wird, der sich wirklich so mit Christus vereinigt, dass er eine Zelle Seines Allerreinsten und Allerheiligsten Leibes wird, jeder, der zu einem Kind Gottes wird, führt all jene zum Heil, rechtfertigt, verherrlicht und gibt dem Leben und dem Schicksal aller jener einen Sinn, deren Erbe er in seinem Menschsein ist.

 

Lasst uns deshalb gedanklich eindringen in diese Aufzählung der Generationen der Vorfahren Christi. Lasst uns ihre Namen anschauen. Alle sie waren lebendige Menschen, Menschen aus Fleisch und Blut, die Ehrfurcht vor dem Leben hatten, die zum Teil geplagt waren, zum Teil jedoch auch voller Freude triumphierten. Alle sie haben Anteil und leben weiter in dem Wunder der Menschlichkeit Christi ebenso wie an Seiner menschlichen Natur. 

 

Auch in uns lebt die Vergangenheit weiter. Christus hat die gesamte Vergangenheit Seiner Vorfahren so geheiligt, dass alle ohne Ausnahme heute Kinder Gottes sind, zu Gott gehören im wahrsten Sinne dieses Wortes. Auch wir können durch unser Leben, durch unser Mühen und Ringen, durch unser Streben zu Gott hin, durch unsere Sehnsucht nach Ihm, durch unsere Entschlossenheit für Ihn, durch jeden Sieg, den wir Ihn in uns erringen lassen, der gesamten Vergangenheit unseres Geschlechts einen Sinn geben und es rechtfertigen, es Gott als Gabe darbringen. Indem wir selbst zu Gottes Kinder werden, lassen wir auch all unsere Vorfahren zu Kindern Gottes werden, obwohl der eine oder andere von ihnen Gott vielleicht gar nicht gekannt hat oder Ihn, wenn auch gekannt, durch Sünde und Untreue im Herzen und im Leben von sich gestoßen hat. 

 

Wie wunderbar ist all dies! Wie kann all dies uns eine neue Lust zum Leben verleihen! Wir leben nicht für uns selbst, nicht einmal nur für unsere Mitmenschen oder für unsere Liebsten. Ja, selbst nicht einmal für unsere Feinde. Wir leben für die gesamte Menschheit und dahinter steht gleichsam das Schicksal des gesamten Kosmos. Gott sei ewig Dank, dass Er so an uns glaubt und uns ein solch großes und wunderbares Schicksal anvertraut. 

 

Amen.

 

 

Zur Genealogie Christi

 

Predigt von Metropolit Anthony von Sourozh 

 

Jedes Jahr lesen wir vor Weihnachten die Genealogie Christi im Matthäus-Evangelium (1: 1-17) und jahrelang habe ich mich gefragt, warum? Warum müssen wir denn alle diese Namen lesen, die uns so wenig, wenn überhaupt etwas, bedeuten? Doch dann wurde ich aufmerksamer für das, was sie uns sagen wollen. 

 

Erst einmal sind es die Menschen, zu deren Familie der Herr Jesus Christus durch Seine Menschlichkeit gehört. Es sind Seine Verwandten, und das allein sollte uns genügen, dass wir ihre Namen rührend finden: Christus ist von ihrem Blut, Christus ist aus ihrer Familie. Jeder von ihnen kann von der Gottesmutter sagen: ‚Sie ist ein Kind unserer Familie’, und dasselbe von Christus: ‚Auch Er ist ein Kind unserer Familie, obwohl Er unser Gott ist, unser Retter, die wahrhafte Göttliche Gegenwart in unserer Mitte’. Zudem gibt es einige hervorragende Namen: Namen von Heiligen, Heroen des Geistes und Namen von Sündern. 

 

Die Heiligen unter ihnen könnten uns wirklich lehren, was es heißt zu glauben; nicht einfach einen intellektuellen Glauben zu haben, eine Weltsicht, die, soweit als es ihr möglich ist, mit der Sicht Gottes übereinstimmt, sondern einen Glauben, der völliges Vertrauen in Gott bedeutet, eine unbegrenzte Treue zu Ihm, die Bereitschaft unser Leben zu geben für das, wofür Er steht, was Er ist, begründet in dem, was wir von Ihm wissen. In diesem Zusammenhang können wir uns an Abraham erinnern, dessen Glaube bis zum Äußersten geprüft wurde. Wie schwierig finden wir es Gott etwas von uns zu geben: aber von Abraham wurde verlangt seinen eigenen Sohn als Blutopfer zu bringen – und er zweifelte nicht an Gott. Und Isaak? Er gab sich ohne Widerstand hin, in völligem Gehorsam zu seinem Vater, und durch ihn – zu Gott. 

 

Denken wir an den Kampf Jakobs in der Finsternis mit dem Engel, wie auch wir manchmal um unseren Glauben kämpfen, um unsere Rechtschaffenheit, um unsere Treue, in der Dunkelheit der Nacht oder des Zweifels, in der Dunkelheit, die uns manchmal von allen Seiten einschließt.

 

Aber wir können auch etwas von denen lernen, die uns in der Geschichte, in der Bibel als Sünder erscheinen. Sie waren schwach, diese Schwäche besiegte sie, sie hatten nicht die Kraft den Forderungen ihres Leibes und ihrer Seele zu widerstehen, den vielfältigen Leidenschaften des Menschen. Und doch – und doch glaubten sie mit Leidenschaft an Gott. Einer von ihnen war David, einer seiner Psalmen (Ps 129 LXX) drückt das so gut aus: „Aus der Tiefe rufe ich zu Dir...“ Aus der Tiefe der Verzweiflung, der Schande, aus der Tiefe seines Falls, aus der Tiefe seiner Entfremdung von Gott, aus der dunkelsten Tiefe seiner Seele ruft er immer noch nach Gott. Er versteckt sich nicht vor Ihm, er läuft nicht weg von Ihm, er kommt zu Ihm mit dem verzweifelten Schrei eines hoffnungslosen Menschen. Und auch andere, Männer wie Frauen, sind gleich wirklich, wie Rahab, die Hure – und so viele andere.

 

Wenn wir am dunkelsten Punkt unseres Lebens stehen, wenn wir eingehüllt sind in die Dunkelheit in uns – wenden wir uns Gott zu und sagen: Zu Dir rufe ich, o Gott! Ja – ich bin im Dunkel, aber Du bist mein Gott. Du bist der Gott, der das Licht geschaffen hat und die Dunkelheit, und Du bist in der Dunkelheit wie Du auch im blendendhellen Licht bist; Du bist im Tod wie Du im Leben bist; Du bist im Hades, wie Du auch auf dem Throne sitzt; und wo ich auch immer bin, ich kann zu Dir rufen. 

 

Und dann möchte ich, dass ihr zuletzt noch daran denkt. Für uns sind diese Personen nur Namen; von einigen wissen wir etwas aus der Bibel, über andere wissen wir nichts. Aber alle waren wirkliche menschliche Wesen, Männer und Frauen wie wir, mit all unserer Schwachheit und all unseren Hoffnungen, mit aller Unentschlossenheit und Zögerlichkeit, mit all der beginnenden Liebe, die so oft gestört wird, und doch Licht und Feuer bleibt. Sie sind konkret und real und wir können ihre Namen voll Mitgefühl lesen: Ja – ich kenne dich nicht, aber du bist einer aus der Familie Gottes, wirklich, real, der durch die inneren und äußeren Wechselfälle des Lebens zu Gott gehört. Und wir selbst können versuchen in der Realität unseres Lebens, ob wir nun zu einem gegebenen Augenblick schwach oder stark sind, Gott zu eigen zu sein. 

 

Denken wir nach über diese Genealogie, hören wir sie doch das nächste Mal mit einem Funkeln in unseren Augen, mit einem warmen Gefühl in unserem Herzen. Aber das wird nur möglich sein in dem Maß, in dem Christus immer realer wird für uns und wenn wir sie alle in Ihm und durch Ihn entdecken als wirklich und lebendig und als uns und Gott zu eigen.

 

Amen. 

 

 

Im Mittelpunkt des Weihnachtsfestes

 

von Erzpriester Andrew Demotses

 

Die Weihnachtszeit gibt uns allen die Gelegenheit über die wahre Bedeutung dieser wunderbaren Feier nachzudenken. Es würde uns dabei sehr helfen, wenn wir uns die Ikone der Geburt Christi genau anschauen. Diese Ikone stellt die Ereignisse der Geburt Christi dar, wie sie im Lukas-Evangelium aufgeschrieben sind. Wenn man die Ikone anschaut, sieht man die Schäfer auf dem Feld, man sieht die drei Weisen auf ihrem Weg und man sieht die Tiere im Stall. Der Ikonenmaler aber versuchte unsere Aufmerksamkeit auf das kleine Kind in der Krippe zu lenken. Dafür malte er die Engel so, dass sie genau auf das Christuskind zeigen, das zusammen mit Seiner Mutter, die beiden weitaus größten Figuren in der ganzen Bildkomposition darstellen. 

 

Das Lukas-Evangelium gibt uns einen ähnlichen Bericht von der Geburt Jesu und die damit zusammenhängenden Ereignisse. Der Retter bleibt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit eines jeden. Die Hirten, die zuerst die frohe Botschaft gehört hatten, erblickten das neugeborene Kind, kehrten wieder heim und „und rühmten Gott und priesen Ihn“ (2: 20). Der fromme Priester Simeon nahm das Kind in seine Arme und verkündete es als „ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel“ (2: 32). Die Prophetin Hanna „sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten“ (2: 38). Die drei Weisen, die später kamen, sagten „Wir haben Seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um Ihm zu huldigen“ (Matthäus 2: 2). 

 

Man kann sehen, dass dieser große Prozess der geistigen Entdeckung von denen, die Teil davon waren, zwei Dinge verlangte. Erstens, dass sie, wenn auch nur für kurze Zeit, die Sorgen und Wirren ihres täglichen Lebens beiseite lassen. Die Schäfer verließen ihre Felder und die Schafe und kamen zum Heiligen, der als ein kleines Kind in der kargen Krippe lag. Die Heiligen Simeon und Hanna lösten sich aus der Routine ihres Alltags, fanden sich im Tempel wieder und erblickten Ihn, als Er von Seinen Eltern zur Weihefeier am vierzigsten Tages nach Seiner Geburt gebracht wurde. Die drei Weisen verließen Haus und Hof und machten sich auf die lange und schwierige Reise, um ihre Gaben zu bringen. Und zweitens, dass jeder von ihnen, je nach Stellung und Umständen in seinem Leben, Christus zum Mittelpunkt seiner ganzen Aufmerksamkeit machte. 

 

Wenn wir nun Weihnachten, die Geburt Jesu, feiern, gibt es auch für uns nur eine passende Antwort: Weg von den hirnlosen Ablenkungen und der schamlosen krassen Geschäftemacherei dieser Monate und Ihn in den Mittelpunkt stellen, Ihn preisen und anbeten, Der Jesus Christus der Herr ist

 

 

Die Gottesdienste an Weihnachten

 

von Vater Alexander Schmemann

 

Als orthodoxe Christen beginnen wir die Feier der Geburt Christi am 25. Dezember mit einer Vorbereitungszeit. Vierzig Tage vor dem Fest treten wir in die Zeit des Weihnachtsfastens ein: um Seele und Leib zu reinigen, damit sie angemessen in die große geistige Wirklichkeit des Kommens Christi eintreten und an ihr teilhaben können. Diese Fastenzeit ist nicht so intensiv liturgisch, wie es für die Große Fastenzeit typisch ist. Das Weihnachtsfasten ist mehr „asketischer“ als „liturgischer“ Natur. Trotzdem spiegelt sich die weihnachtliche Fastenzeit im Leben der Kirche in einer Reihe liturgischer Zeichen, die das kommende Fest ankündigen.

 

Während der 40 Tage der Vorbereitung wird das Thema der kommenden Geburt allmählich in die Gottesdienste und liturgischen Feiern eingeführt. Wenn auch der Beginn der Fastenzeit am 15. November liturgisch nicht durch einen Hymnus gekennzeichnet wird, so hören wir doch fünf Tage später, am Vorabend des Festes des Einzugs Mariae in den Tempel, die erste Ankündigung aus den neun Irmen des Weihnachtskanons: „Christus ist geboren, verherrlicht Ihn!“ Bei diesen Worten verändert sich etwas in unserem Leben, in der Luft, die wir atmen, in der ganzen Stimmung des Lebens der Kirche. Es ist, als ob wir ganz weit weg das erste Licht der größtmöglichen Freude wahrnehmen würden – die Ankunft Christi in Seiner Welt! So kündigt die Kirche das Kommen Christi an, die Fleischwerdung Gottes, Seinen Eintritt in die Welt zu ihrer Erlösung. Dann, an den beiden Sonntagen vor Weihnachten gedenkt die Kirche der Vorväter und Väter: der Propheten und Heiligen des Alten Testaments, die dieses Kommen vorbereiteten, die die Geschichte selbst zur Erwartung machten, zum Warten auf die Erlösung und auf die Versöhnung der Menschheit mit Gott. Schließlich beginnt die Kirche am 20. Dezember die Vorfeier zur Geburt, deren liturgische Struktur ähnlich ist der Großen Woche vor Ostern – denn die Geburt des Sohnes Gottes als Kind ist der Anfang Seines Erlösungsdienstes, der Ihn zu unserem Heil zum höchsten Opfer am Kreuz führen wird.

 

Heiliger Abend

 

Die Gottesdienste am 24. Dezember, dem Vorabend von Weihnachten:

 

1. Stunden (Horen)

2. Vesper,

3. Göttliche Liturgie des Hl. Basilius.

 

Am Ende der Vorfeier und damit des Advents, fassen die Stunden die ganze Thematik des Festes zusammen und machen sie zu einer letzten feierlichen Ankündigung. In den besonderen Psalmen, Hymnen und Schriftlesungen, die für jede Stunde bestimmt sind, wird die Freude und die Macht des Kommens Christi kund - die entscheidende und drastische Änderung in der ganzen Schöpfung.

 

Die Vesper, die meist auf die Stunden folgt, eröffnet die eigentliche Feier des Festes – denn wir wissen ja, dass der liturgische Tag am Abend davor beginnt. Die Atmosphäre des Festes wird durch die fünf Stichera zum Psalm 140 „Herr, ich rufe zu Dir ...“ vorgegeben. Sie sind ein Ausbruch der Freude über das Geschenk der Menschwerdung Christi, die nunmehr erfüllt ist!

 

Kommt, lasst uns jubeln im Herrn, auslegen das heutige Geheimnis. Die Scheidewand ist niedergerissen, das Flammenschwert wendet sich ab, die Cherubim weichen vom Baum des Lebens, und ich habe teil an des Paradieses Köstlichkeit, von der mich der Ungehorsam früher vertrieben. Denn des Vaters gleiches Bild, die Prägung Seiner Ewigkeit, nimmt Knechtsgestalt an, tritt hervor aus der Mutter, die vom Manne nichts weiß, und erleidet doch keine Veränderung. Denn Er blieb, was er war: der wahre Gott – und nahm an, was Er nicht war: Mensch geworden aus Menschenliebe. Ihm rufen wir zu: Aus der Jungfrau geborener Gott, erbarme Dich unser.

 

Acht Schriftlesungen zeigen, dass Christus die Erfüllung aller Prophezeiungen ist, dass Sein Königreich das Reich „auf ewig“ ist, dass die menschliche Geschichte darin ihren Sinn findet und das gesamte Weltall seinen Mittelpunkt. Die Liturgie des heiligen Basileius, nach der Vesper, war in der Vergangenheit die Taufliturgie, bei der die Katechumenen getauft, gesalbt und in die Kirche – den Leib Christi – aufgenommen wurden. Die doppelte Freude des Festes für die neugetauften und die anderen Mitglieder der Kirche spiegelt sich im Prokeimenon des Tages:

 

Der Herr sagte zu mir: Du bist Mein Sohn, heute habe ich Dich gezeugt. Fordere von mir, und ich gebe Dir die Völker zum Erbe, die Enden der Erde zum Eigentum.

 

Am Ende der Liturgie nimmt dann der Zelebrant eine brennende Kerze, geht in die Mitte der Kirche und singt, umringt von der ganzen Gemeinde, das Troparion und das Kontakion des Festes:

 

Deine Geburt, o Christus, unser Gott,ließ erstrahlen der Welt das Licht der Erkenntnis; in ihr wurden, die die Sterne verehren, von einem Stern belehrt, Dich zu verehren, die Sonne der Gerechtigkeit und Dich zu erkennen als den Aufgang der Sonne. Herr, Ehre Dir!

 

 

Vigil und Liturgie

 

Da die Vesper des Festes bereits gefeiert wurde, beginnt die Vigil mit der Großen Komplet und der freudigen Verkündigung aus Jesaja „Gott ist mit uns!“ Die Ordnung der Morgenfeier (griechisch des Orthros, slavisch Utrenja) ist die eines großen Festes. Nun wird, zum ersten Mal der ganze Kanon „Christ ist geboren ...“ gesungen, einer der schönsten Kanones des orthodoxen Gottesdienstes, während die Gläubigen die Ikone von der Geburt Christi verehren. Die Lobpsalmen folgen und fassen die Freude und die Thematik des ganzen Festes zusammen:

 

Freut euch, ihr Gerechten, ihr Himmel jauchzet! Neigt euch, ihr Berge, Christus ist geboren; die Jungfrau thront den Cherubim gleich, tragend in ihrem Schoße das fleischgewordene Wort. Die Hirten bestaunen den Neugeborenen. Die Magier bringen dem Herrn ihre Gaben dar. Die Engel singen, rufend: Unvergleichlicher Herr, Ehre sei dir!

 

Die Liturgie des Tages beschließt die Feier der Geburt Christi mit ihren Festantiphonen, die verkünden:

 

Das Szepter Deiner Macht wird der Herr ausgehen lassen aus Zion, herrsche inmitten Deiner Feinde!

 

Bei Dir ist die Herrschaft am Tage Deiner Kraft im Glanze der Heiligen.

 

Die Nachfeier

 

Am 2. Tag des Festes wird die Synaxis der Gottesmutter gefeiert. Die Kirche verbindet die Hymnen der Geburt mit denen, die die Gottesmutter preisen und deutet damit auf Maria als die Eine, durch die die Fleischwerdung Christi möglich wurde. Sein Mensch- Sein – greifbar und historisch – ist das Mensch- Sein, das Er von Maria empfing. Sein Leib ist zuallererst ihr Leib; Sein Leben ist ihr Leben. Dieses Fest der Versammlung zu Ehren der Gottesgebärerin (Theotokos), ist wahrscheinlich das älteste Marienfest der christlichen Tradition, der Anfang ihrer Verehrung durch die Kirche. Sechs Tage Nachfeier bringen das Weihnachtsfest am 31. Dezember zum Abschluss.

 

In allen Gottesdiensten dieser Tage wiederholt die Kirche die Hymnen und Lieder, die die Menschwerdung Christi verherrlichen und erinnern uns daran, dass die Quelle und das Fundament unserer Erlösung nur in Dem gefunden werden kann, Der als Gott vor aller Zeit in die Welt kam und um unsertwillen „als kleines Kind geboren“ wurde.

 

Quelle: Father Alexander Schmemann in: The Services of Christmas: The Nativity of Our Lord Jesus Christ, New York 1981. 

 

 

Lobpreis auf die Menschwerdung

 

Gottes Kind, älter als der Himmel! O dreimal gesegneter Sohn, der auf Seinen Schultern seine Herrschaft trägt und nicht nach Würde aus fremder Hand zu trachten braucht. Denn von Natur ist dem göttlichen WORT als dem Sohn Gottes die Herrschaft über das All eigen; nichts ist ihm gegeben worden, wie es einem Geschöpf zukommt. Es heißt: »Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter« (Jesaja 9: 5). O allmächtige Gewalt! »Wunderbarer Ratgeber und Friedensfürst ist ER« (Jesaja 9: 5). Wie sollen wir das heutige Fest ruhmvoll feiern? Wie sollen wir die gegenwärtige mystische Feier herrlich begehen? Wer kann den unvergänglichen Reichtum dieses Tages ausschöpfen? Mit welchen klangvollen und machtvollen Worten sollen wir das hochgepriesene und siegreiche Mysterium der Unvergänglichkeit verkünden? O Tag, unzähliger Gesänge wert, an dem für uns der Stern aus Jakob aufging und der himmlische Mensch aus Israel erstrahlte und der gewaltige Gott unter uns Wohnung nahm! »Die Sonne der Gerechtigkeit« (Malachias 3: 20) vertrieb die Dunkelheit; der Schatz göttlicher Tugenden wurde aufgeschlossen; der Baum des ewigen Lebens hat für uns zu sprossen begonnen und die aufgehende Sonne leuchtete aus der Höhe. Der Herr des Himmels und der Erde kam aus jungfräulichem Schoß in die vergängliche Welt, um sie zu erlösen. Denn »heute wurde uns der RETTER geboren, der MESSIAS, der HERR« (Lukas 2: 11), »das LICHT für die Heiden« (Lukas 2: 32) und die RETTUNG des Hauses Israel. O Wunder! Als Kind in der Krippe liegt der, den die Himmel nicht fassen können, und in den Armen einer Frau ruht der, der durch kurzen Befehl das All erschaffen hat. Von den makellosen Brüsten der heiligen Jungfrau wird genährt, der allen himmlischen Mächten das Dasein geschenkt hat. ... Durch eine Jungfrau wird die Welt befreit, die einst durch eine Jungfrau der Sünde unterlegen war. Durch die Geburt aus der Jungfrau sind die unsichtbaren Dämonen jeder Zahl und jeder Art in die Unterwelt gebannt worden. Der Herr nahm die Gestalt der Knechte an, damit die Knechte Gottes Gestalt erlangen können. ... O Bethlehem, geheiligte Stadt, aller Menschen gemeinsames Erbe! O Krippe, Gefährtin der Cherubim, gleicher Ehren wert wie die Seraphim! Denn der auf jenen in göttlicher Ewigkeit thront, ist nun dem Leib nach in dir eingeschlossen. O Maria, o Maria, die du den Schöpfer des Alls als deinen Erstgeborenen geboren hast. O Menschennatur, dem WORT Gottes schenkst du leibliches Sein. Mehr Ehre verdienst du deshalb in dieser Hinsicht als die himmlischen und geistigen Kräfte. Denn nicht die Gestalt der Erzengel wollte Christus annehmen, noch der Herrschaften, Mächte und Gewalten unwandelbare Erscheinungen, sondern die deine hat er angenommen, die dem Untergang unterworfen und unvernünftigen Wesen gleichgestaltet ist. Doch bedürfen nicht die Gesunden des Arztes (vgl. Matthäus 9: 12); deshalb hat die von großer Krankheit befallene Menschheit einen solchen ARZT erhalten, damit sie, von der Krankheit geheilt, das Glück der größeren Gesundung genieße. ... Brüder, seliger himmlischer Berufung teilhaftig, zu Söhnen und Brüdern Gottes seid ihr berufen! Darum ist es unsere Pflicht, dankbar Den zu preisen, der uns berufen hat.

 

Quelle: Amphilochios von Ikonium; Predigt zur Geburt Christi.

 

Ikone des Christus Emmanuel („Mit uns ist Gott“).
Ikone des Christus Emmanuel („Mit uns ist Gott“).

 

 

Ikone des Christus Emmanuel („Mit uns ist Gott“)

 

Dieser Ikonen-Darstellung liegt ein Zitat aus der Weissagung  des heiligen Propheten Isaias  (Jesaja 7:  14. 8: 8) zugrunde, das das Kommen Christi, des Messias ankündigt. Seine Worte über Christus werden dann wiederum vom heiligen Apostel und Evangelisten Matthäus (Matthäus 1: 23) zitiert. 

 

 

 

 

Eine Betrachtung über Weihnachtsevangelium

 

Heute wollen wir über einige Worte aus den Evangelien nachdenken, auf die uns die Kirche an den Festtagen aufmerksam machen will.  

 

Die Hirten sagten zueinander: "Kommt, wir gehen nach Bethlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ“ (Lukas 2: 15). Daher sollten auch wir nach Bethlehem gehen. Steigen wir, im Geiste, den Hügel hinauf, „zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe?“ (Psalm 121: 1). Nach Bethlehem hinaufsteigen bedeutet Anstrengung, aber sollten wir eine so günstige Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen? 

 

„So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt ... Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete“ (Lukas 2: 4-5). Nicht der Kaiser Augustus, sondern der König der Könige verordnet, „alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen ... jeder in seiner Stadt“ (Lukas 2: 1-3). Jeder muss sich für eine Stadt entscheiden und für die Gruppe, der er sich zugehörig fühlt. Einige werden Rom wählen, andere Athen. Soll ich mich für Reichtum oder Macht oder Intelligenz entscheiden? Nein, diese Städte sind nicht meine Städte. Ich werde nicht einmal Jerusalem wählen, den Ort an dem Gott seine Herrlichkeit beweist. In meinem irdischen Leben will ich ein Bürger Bethlehems sein und teilhaben an der Bescheidenheit und Armut. Mit Maria, mit Josef und mit Jesus hätte ich gerne meinen Namen aufgeschrieben in der kleinen Stadt, die von den Menschen verachtet oder vergessen wird, aber so groß ist vor Gott. 

 

„Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude ... heute ist euch ... der Retter geboren“ (Lukas 2: 10-11). Die Geburt Jesu in Bethlehem ist nicht das lange zurückliegende geschichtliche Ereignis, das mich nichts mehr angeht. Aber wenn es mich etwas angeht, ist es nicht nur weil ich ein Mitglied der großen menschlichen Gemeinschaft bin. Die Botschaft von Weihnachten ist nicht nur an die Menschheit im Allgemeinen gerichtet, sie ist an jede einzelne Person im Besonderen gerichtet. Sie erreicht jede Seele in einzigartiger und außergewöhnlicher Weise. Diese Freude ist mir auf andere Weise als jedem Anderen verkündet. Der Retter ist mir und für mich geboren. Wir sollten die Geburt Christi als sehr persönliches Geschenk erkennen. Nehmen wir dieses Geschenk im Glauben und mit Dankbarkeit an. 

 

„Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen“ (Matthäus 2: 9). Die Drei Weisen folgten gläubig dem Licht, das ihnen gegeben war: dem Licht gehorsam, wurden sie von ihm zum Kinde geführt. Wenn ich versuche der Fülle des Licht, das Gott mir gegeben hat, treu zu folgen, wenn ich den Mut habe alles zu verlassen um dem Stern zu folgen, wenn ich entscheide, meinem Gewissen treu und gehorsam zu sein (was immer auch geschehen möge) und bereit bin Zeugnis abzulegen für das Licht ... das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet“ (Johannes 1: 7.9), dann wird das göttliche Licht nicht zögern mich trotz meiner Unwissenheit – nicht in abstrakter Weise, sondern durch all die konkreten Umstände des Lebens und wo auch immer es gebraucht wird – zum Kinde zu führen, in das ich alle meine Hoffnung gesetzt habe.

 

"Und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war“(Lukas 2: 7). Die Geburt in der Futterkrippe zeigt, dass Jesus unter die Ärmsten gezählt werden will, unter die Demütigsten. Er ist unter den Enterbten, den Kranken, den Gefangenen, den Sündern zu finden. Ich wollte lieber arm mit Jesus sein als reich ohne Jesus. Ich wollte lieber mit Jesus, Maria und Josef in einer Höhle sein, als in der Herberge, in der kein Platz für sie ist. Dann müssen wir aber auch hinnehmen, dass es für die, die Jesus lieben keinen Platz in dieser Welt gibt. Der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Lukas 9: 58).

 

 

„Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“ (Lukas 2: 12). Ich suche einen Gott undHerrn und finde ein kleines Kind. Die Botschaft von Weihnachten ist eine Botschaft der Kindheit: „Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“ (Lukas 18: 17). Gott verlangt von uns nicht, dass wir unserem Wissen und unserer Besonnenheit als Erwachsener, die wir zur Erfüllung unseren irdischen Aufgaben brauchen, entsagen, aber in unserer Beziehung zu ihm möchte er, dass wir zum einfachen kindlichen Vertrauen zurückfinden. Das Kind vertraut seinem Vater; es geht Hand in Hand mit ihm; es weiß, dass sein Vater es dahin führen wird, wohin es gehen muss; es weiß, dass es sein Vater immer beschützen, ernähren und beherbergen wird; es läßt sich führen von seinem Vater mit geschlossenen Augen, ohne die geringste Furcht. Wenn es zu seinem Vater spricht, gebraucht es keine schwierigen Formulierungen, sondern sagt es einfach und liebevoll. Das bedeutet das kleine Kind von Bethlehem. Mehr noch, die Kindheit Jesu ist mehr als ein zu imitierendes Vorbild. Es ist eines dieser Mysterien im Leben des Heilandes, die, obschon historisch und vergänglich, auch eine ewige Wirklichkeit haben. Weihnachten ist eine günstige Zeit das Mysterium der Kindheit Jesu zu ehren. 

 

„Sie ... sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar“ (Matthäus 2:11). Wie die Drei Weisen bieten wir holen wir unsere Schätze hervor und bringen ihm die wertvollsten Sachen, die wir haben. Im Geiste geben wir Gold, das Zeichen der Macht Jesu über allen Reichtum und alles Geschaffene, ein Zeichen auch unserer eigenen inneren Freiheit von irdischen Gütern. Im Geiste geben wir Weihrauch, das Zeichen der Anbetung, denn Jesus ist nicht nur der König des Alls, er uns unser Gott. Im Geiste geben wir Myrrhe, das Gewürz, mit dem wir vorab den Tod und das Begräbnis Jesu ehren und durch das auch unsere eigene Absage an irdische Vergnügungen vergegenwärtigt wird. Herr Jesus, nimm meine Gaben an.

 

„Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten“ (Lukas 2: 20). Herr Jesus, bevor wir Bethlehem verlassen, oder zum Ende des Festes Deiner Geburt kommen, erlaube uns etwas davon zu sehen, was die Hirten sahen, davon zu hören, was sie hörten und in unserem Herz die Botschaft zu empfangen, die uns aus der Krippe verkündet wird. 

 

Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an Ihm“ (1. Korinther 12: 27). Das Weihnachtsfest ist das Fest des mystischen Leibes Christi, denn durch die Inkarnation wurden die Menschen Glieder des Leibes Christi. Was auch immer die theologische Erklärung ist, die wir der Teilhabe am Leibe Christi geben – großartig bestätigt in den Schriften und bei den Kirchenvätern – müssen wir glauben, dass mit der Inkarnation eine nicht in Worten auszudrückende Vereinigung zwischen Jesus Christus und dem Menschen begann, die alles Verstehen übersteigt. Jenseits des besonderen historischen Ereignisses, das in Bethlehen stattfand und wodurch der Sohn Gottes Seinen sichtbaren menschlichen Leib annahm, fand noch ein anderes Ereignis statt, das die ganze Menschheit betrifft: Indem Er Fleisch annahm, nahm Er in gewisser Weise auch die menschliche Natur an, an der wir alle teilhaben und schafft zwischen Sich und uns eine Beziehung, die der zwischen dem Leib und seinen Gliedern entspricht, auch wenn sie nie aufhört nur die Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf zu sein. Es ist eine Vereinigung ohne Vermischung. Christus lässt uns unserer wahren menschlichen Natur – erneuert durch Jesus Christus – gewahr werden. 

 

„Und das Wort ist Fleisch geworden“ (Johannes 1:14). Diese Worte fassen das Weihnachtsfest perfekt zusammen. Wenn wir sie in ihrer ganzen Bedeutung erfassen, verstehen wir, dass sie nicht nur das Mysterium betreffen, durch das der Sohn und das Wort des Vaters Mensch wurde, diese Worte haben auch Konsequenzen im moralischen und praktischen Sinne. Unser Fleisch ist oft eine Quelle der Versuchung und der Sünde. Möge das Wort Gottes daher in uns Fleisch werden, möge es in unseren Leib eindringen. Möge die Macht des Wortes vom Äußeren ins Innere dringen und damit in unsere Körper. Dann wird das Gesetz des Geistes über das Gesetz des Fleisches obsiegen. Weihnachten wird nur dann eine wahre Bedeutung für uns haben, wenn unser Fleisch verändert und geleitet wird vom fleischgewordenen Wort. 

 

Quelle: A Monk of the Eastern Church,

The Year of Grace of the Lord,

A Spiritual and Liturgicaler of the Orthodox Church.