Heilige und Feste im Monat Januar

 

Gedanken zum Jahreswechsel

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Viele Menschen denken, das Weihnachten ein religiös geprägtes Fest ist, aber der Jahreswechsel und Neujahr reine weltliche Angelegenheiten sind. Doch ganz so einfach, wie es dem Betrachter auf den ersten Blick erscheinen mag, ist es am Ende nun doch nicht. Schon der in Deutschland verbreite Gruß zum Jahreswechsel ist auf einen zweiten Blick nicht mehr das, was er zuerst zu sein schient. 

 

Zum Jahreswechsel begrüßen sich die Menschen in Deutschland mit dem Wunsch "einen guten Rutsch". Viele denken dabei es ginge nun darum, über die Jahresschwelle ins Neue Jahr zu "rutschen". Der Wunsch geht ursprünglich aber nicht auf das deutsche Verb "rutschen" - also gleiten - sondern auf den rotwelschen oder jiddischen Ausdruck  "Rosch" zurück, was "Anfang" oder "Kopf" bedeutet. Also: "einen guten Rosch", einen "guten Anfang für das Neue Jahr!"

 

Der Jahresbeginn wird in der hebräischen Sprache "Rosch ha Schana", also "Kopf des Jahres" genannt. Das Jiddisch enthält mittelhochdeutsche, hebräische und slawische Elemente. Man wünschte sich zum Neujahr "a gut Rosch", einen guten Anfang. Erst später wurde dieses Wort mit dem deutschen "Rutsch" (von "rutschen") eine andere Berdeutung übergestülpt, so dass mit der Zeit seine ursprüngliche Herkunft in Vergessenheit geriet.

 

Am ersten und zweiten Tag des Monats Tischri wurde von den Israeliten das alttestamentliche Neujahrsfest "Rosch ha Schana" gefeiert, welches den jüdischen Jahreskreislauf bis heute einleitet. Dabei beglückwünschen sich Menschen jüdischen Glaubens bis heute mit dem Segen: ,,Möge dein Name in das Buch des Lebens eingeschrieben sein." Dies lässt sich nur vor dem Hintergrund verstehen, dass das Fest "Rosch ha Schana" des kommenden Jüngsten Gerichtes (vgl.: Matthäus 25: 31-46) gedenkt. Dann wird Gott, der Allmächtige, auf Seinem Thron sitzen und in Seinen Händen das Buch des Lebens halten (vgl.: Apokalypse 20: 13). Wir Christen wissen, dass dies der Eingeborene Sohn Gottes, der wiederkommende Christus, sein wird. Im Buche des Lebens sind alle Taten der Menschen, sowohl die guten als auch die schlechten, verzeichnet. Die Namen der Menschen, welche Gutes getan haben, werden in die Buchseite des Lebens eingetragen, während die Sünder ihren Namen auf der Buchseite des Todes wiederfinden. Schließlich gibt es im Buch des Lebens auch Buchseiten für diejenigen, die sowohl gute als auch schlechte Taten verübt haben. Die Entscheidung, ob dem einzelnen Menschen letztendlich das ,,Siegel des Lebens", also die Errettung, verliehen wird, fällt nach jüdischem Glauben in den zehn Tagen, die zwischen dem Neujahrsfest  "Rosch ha Schana" und dem Versöhnungsfest "Jom Kimpur" liegen. Denn durch Rückbesinnung auf das Gute und die innere Umkehr während den sogenannten "Tagen der Reue", ist es dem Menschen schließlich doch noch möglich, die Vergebung und den Segen Gottes zu erhalten. Deshalb ist der Neujahrsfeiertag im Alten Testament, trotz seiner ehrfurchtsgebietend strengen Ausstrahlung als Gedenktag des kommenden Gerichtes, zugleich auch ein Tag der Dankbarkeit und Freude für die Barmherzigkeit Gottes.

 

Zwischen den beiden Hochfesten der Geburt des Erlösers (25. Dezember) und Seiner Theophanie (06. Januar) liegt fast von allen unbeachtet das kleine Fest der "Beschneidung des Herrn". Es wird am achten Tag nach dem Weihnachtsfest begangen und beschließt die Nachfeier des Weihnachtsfestes. Danach erklingen im Abend- und Morgengottesdienst schon die Hymnen, die uns auf das Hochfest der Theophanie vorbereiten.

 

Der erste Januar besitzt wegen der Beschneidung des Herrn eine alttestamentliche Prägung. Die Beschneidung wurde von Gott schon im alten Testament eingesetzt, zum Zeichen des Alten Bundes, den Gott mit Abraham und seinen Nachkommen geschlossen hat. Unser Herr Jesus Christus geruhte am achten Tage nach Seiner Geburt sich diesem Ritus zur Erfüllung des Gesetzes zu unterwerfen. Dabei wurde ihm der NAME JESUS gegeben. (Lukas 2: 21). In der neutestamentlichen Kirche wich die Beschneidung dann dem Mysterion (Sakrament) der Heiligen Taufe, von welcher die Beschneidung ein Typos (Vorabbild) gewesen ist (vgl.: Kolosser. 2: 11-12).

 

Gleichzeitig ist das Fest der Beschneidung auch das Fest der Namensgebung Jesu, denn am achten Tag nach der Geburt soll jede männliche Erstgeburt gemäß mosaischem Gesetz beschnitten werden (Genesis 17: 10) und zugleich wurde ihm an diesem Tag auch Sein Name gegeben. Vorher hatte der Engel des Herrn im Traum zu Joseph gesprochen: "Und sie (die Imerjungfrau Maria) wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen JESUS geben, denn ER wird Sein Volk erretten von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Isaias 7: 14): »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden Ihm den Namen IMMANUEL geben«, das heißt übersetzt: "Gott mit uns"." In seiner Rede an den heiligen Joseph den Bräutigam legt der Engel des Herrn für uns also gleich die Bedeutung des Namens Jesus aus. Aber auch der Name JESUS Selbst ist in Seiner Wortbedeutung sprechend: Denn der Name Ιησους ist die griechische Übertragung des hebräischen Namens Jeschua (Jesus). Dieser ist identisch mit dem Namen Jehoschua (Josua). Übersetzt bedeutet er "Erlöser" oder "Heiland" ( = griechisch:  Χριστός "Christus") oder philologisch genauer: "Gott (Jahwe) ist Erlösung" oder die "Erlösung Gottes (Jahwes)" (vgl.: Ein Mönch der Ostkirche; das Jesusgebet).

 

Dieses Mysterion legt dann der Heilige Apostel Paulus für uns aus: "Darum hat Ihn auch Gott über alle Maßen erhöht und Ihm den Namen geschenkt, der über allen Namen ist, damit in dem Namen JESU sich alle Knie derer beugen, die in den Himmeln und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, dass JESUS CHRISTUS der HERR ist, zur Ehre Gottes, des Vaters" (Philipper 2: 9-11). Und der Heilige Apostel Lukas sagt zu uns: "Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter den Himmeln gegeben, durch den wir gerettet werden." (Apostelgeschichte 4: 12). Und in den Abschiedsreden des HERRN im Johannes-Evangelium hören wir: "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird ER es euch geben. Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass eure Freude vollkommen sei."

 

All dies schließt den Bogen zum jüdischen "Rosch ha Schana", denn das Neujahrsfest des Alten Bundes. Es ist ein Typos (Vorabbild) der Errettung, das seine Erfüllung gefunden hat fim Heil, das in der Geburt JESU CHRISTI zu uns gekommenen ist. Insofern ist das Fest der Beschneidung des Herrn am Termin des bürgerlichen Neujahrsfest zugleich auch ein Hinweis darauf, dass in der HILFE GOTTES allein unsere Hoffnung auf ein Gelingen des nun für uns neu anbrechenden Jahreskreises liegt. CHRISTUS JESUS ist der inkarnierte Logos, das fleischgewordene Wort Gottes, und mit dem Heilige Apostel Petrus dürfen wir zu Beginn eines jeden Neuen Jahres bekennen: "HERR, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des Ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, dass Du CHRISTUS, der SOHN DES LEBENDIGEN GOTTES bist." (Johannes 6: 68)

 

 

Gebete zu Beginn des Neuen Jahres:

 

 

Troparion im 2. Ton


Bildner der ganzen Schöpfung, der Du die Jahresabschnitte und Zeiten in Deiner eigenen Macht festgesetzt hast, segne den Kranz des Jahres Deiner Güte, o Herr! Bewahre in Frieden Dein Volk und Dein Land, auf die Fürbitten der Gottesgebärerin, und errette uns!

 

Kondakion im 4. Ton


Christus König, der Du in den Höhen wohnst, Du Schöpfer und Bildner alles Sichtbaren und Unsichtbaren, Du hast die Tage und Nächte, die Jahresabschnitte und Zeiten geschaffen. Segne jetzt den Kranz des Jahres, bewahre und behüte in Frieden Dein Land und Dein Volk, o Gnadenreicher!

 

O Gebieter, Herr unser Gott, Quelle des Lebens und der Unsterblichkeit, Urheber aller sichtbaren und unsichtbaren Schöpfung, der Du in Deiner Macht die Zeiten und Jahre festgelegt hast und das Universum in Deiner allweisen und allgütigen Vorsehung lenkst, wir danken Dir für Deine Wohltaten, mit denen Du uns in der vergangenen Zeit unseres Lebens wunderbar beschenkt hast. Wir bitten Dich, o allbarmherziger Gott, segne den Kranz des beginnenden Jahres mit Deiner Gnade! Behüte die Regierenden dieses Landes, vermehre die Tage ihres Lebens in unversehrter Gesundheit, und in allen Tugenden schenke ihnen gute Fortschritte. Spende aus den Höhen auch Deinem ganzen Volk Deine Wohltaten, Gesundheit und Heil, und in allem gutes Wohlgedeihen. Deine heilige Kirche, diese Stadt und alle Städte und Länder befreie aus allen bösen Gefahren, schenke ihnen Frieden und Ruhe. Mache uns würdig, Dir, dem in einem Wesen gepriesenen Gott, immer Dank entgegenzubringen, dem anfanglosen Vater, samt Deinem eingeborenen Sohn und Deinem allheiligen, guten und lebenschaffenden Geist, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Quelle: Russische Orthodoxe Michaelsgemeinde in Göttingen

 

 

Wissenswertes rund um die Neujahrsfeier

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

 

Das kirchliche Jahr beginnt in der orthodoxen Tradition weder an ersten Advent (wie in der abendländisch-westlichen Christenheit), noch am 01. Januar (wie in unserer weltlich-bürgerlichen Lebenswelt), sondern der rhomäisch-byzantinischen Tradition folgend am 01. September.

 

Schon im Jahre 153 vor Christus verlegten die Römer den Beginn des Amtsjahrs vom 1. März auf den 1. Januar als dem Tag des Amtsantrittes der Magistrate. Im Jahr 1691 verlegte dann Papst Innozenz XII. den Jahresbeginn auf den 01. Januar. Bis dahin hatte in weiten Teilen Europas der erste Adventssonntag oder der 06. Januar (Ephiphaniastag)  als Jahresbeginn gegolten. Das Kirchenjahr in der katholischen und evangelischen Kirche beginnt jedoch bis heute am ersten Adventssonntag, während des neue Kalenderjahr am 01. Januar beginnt. An diesem Tag begeht die abendländische Christenheit das Fest des Heiligen Sylvester, des Pariarchen und Papstes von Alt-Rom. Von diesem "Sylvestri-Tag" leitet sich die deutsche Bezeichnung des Jahreswechsels "Silvester" ab.

 

Nach rhomäisch- byzantinischem Vorbild begann in Alt-Russland das bürgerliche Jahr am 01. März, und das kirchliche am 01. September. Gleichzeitig rechnete man nicht nach der westlich üblichen Jahreszählung (Nach der Geburt Christi), sondern nach dem  Beginn der Schöpfung, so dass man zum Datum nach der Geburt Christi 5508 Jahre hinzuaddieren muss, um zum Datum der byzantinisch-altrussischen Jahreszählung zu gelangen. 

 

 

Das Kalenderjahr mit dem 01. Januar zu beginnen und die Jahre ab der Geburt Christi zu zählen kam nach Russland unter Peter I. Im Jahre 1699 beschloss dieser Zar, dass die Festtage in Russland zur selben Zeit wie in Westeuropa gefeiert werden sollten. Doch während Peter sein Neujahr am westeuropäischen Termin ausrichtete, ging zuerst die römisch-katholische und etwa einhundert Jahre später auch die protestantische Welt vom julianischen zum gregorianischen Kalender über. Da Russland bis 1919 am julianischen Kalender festhielt, blieben zwischen den Kalenderdaten in Russland und Westeuropa eine Differenz von 13. Tagen. Ursprünglich betrug diese Differenz nur zehn Tage, aber in letzten vier Jahrhunderten sind drei weitere Tage hinzugekommen, so dass man heute 13 Tage abziehen muss, um vom Bürgerlichen zum kirchlichen Datum (nach den "Alten Kalender") zu gelangen. Diese komplizierte Regelung führt inzwischen dazu, dass selbst volkstümliche Kirchenkalender in der orthodoxen Kirche Russlands das Weihnachtsfest am 07.Januar oder das Fest der Taufe Christi am 19. Januar anzeigen, obwohl auch in der russischen Orthodoxie Weihnachten am 25. Dezember gefeiert und Theophanie am 06. Januar wird.

 

 

Auf einem pan-orthodoxen Synaxis in Konstantinopel im Jahre 1923 beschlossen die Delegierten der dort versammelten orthodoxen Kirchen eine Kalenderreform. Dabei handelt es sich nicht, wie immer wieder behauptet wird, um eine Übernahme des gregorianischen Kalenders, sondern vielmehr um eine ganz eigene Kalenderreform. Der "neo-julianischer Kalender, auch "meletianischer Kalender" oder "Milanković-Kalender wurde vom serbischen Geophysiker Milutin Milanković entwickelt. Er sollte die Differenz von 13 Tagen zwischen dem bis dahin in den orthodoxen Kirchen gebräuchlichen julianischen Kalender und dem modernen gregorianischen Kalender ausgleichen. Alle Teilnehmer der Synaxis waren mit einem Sprung vom 09. März 1924 auf den 23. März 1924 und der Einführung dieses neuen Kalenders mit den seinen gegenüber dem gregorianischen Kalender deutlich verbesserten Schaltregeln einverstanden. Nach dem "meletianischer Kalender" werden alle nicht beweglichen Festtermine (zum Beispiel Weihnachten) bis zum Jahre 2799 mit denen im gregorianischen Kalender identisch sein.

 

Eine Ausnahme blieb die russische orthodoxe Kirche, die aufgrund der politischen und kirchlichen Situation nach der Oktoberrevolution an dieser orthodoxen Synaxis nicht teilnehmen konnte und deshalb beim alten julianischen Kalender blieb. Daraufhin revidierten einige orthodoxe Kirchen ihren Beschluss, um auf die Zeit zu warten, da die russische und andere orthodoxe Kirchen unter den damaligen kommunistischen Regierungen ebenso an den Entscheidungen mitwirken könnten. Andere orthodoxe Kirchen wiederum meinten, dass die Reform notwendig sei. Dies hat dazu geführt, dass vor allem die griechisch geprägten orthodoxen Kirchen, aber auch die Kirche von Antiochia und die Kirchen in Bulgarien und Rumänien den "meletianischer Kalender" einführten, während ein anderer Teil der orthodoxen Kirchen weiterhin dem "alten (julianischen) Kalender" folgt. Beim der Berechnung des Osterdatum entschieden aber auch diese orthodoxen Landeskirchen, dass die Gemeinsamkeit des Osterdatums in allen orthodoxen Kirchen wichtiger sei als das Bestehen auf einer astronomischen Richtigkeit. Daher erfolgt die Berechnung des Osterdatums und damit auch alle davon abhängigen beweglichen Festtage fast in der gesamten Orthodoxie nach dem julianischen Kalender. Nur die Orthodoxe Kirche Finnlands feiert Ostern am gleichen Datum wie die westliche Christenheit. In Griechenland und Rumänien blieben bis heute die, aus Protest gegen die Kalenderumstellung erfolgten Abspaltung einiger altkalendarischer Gruppen von der orthodoxen Kirche bestehen.

 

Die Einführung des "neujulianischen Kalenders" war und ist in der Orthodoxie umstritten. Gerade bei russischen Orthodoxen weckt er ungute Erinnerungen an die Zeit der kommunistischen Zwangsherrschaft und des damit verbundenen "Erneuerer" -Schismas.

 

Nach der Oktoberrevolution erließ die Regierung der Bolschewiki auch ein "Dekret über die Zeit". Das sich damals die orthodoxe Kirche Russlands in der größten Christenverfolgung seit den Zeiten des heidnischen römischen Imperiums befand, sah sich Patriarchen Tichon gezwungen, dieser staatlich angeordneten Kalenderreform keinen offenen kirchlichen Widerstand entgegen zu setzen. Jedoch wies das gläubige russische Kirchenvolk, durch die liturgischen und theologischen Willkürakte der "Erneuerer" alarmiert und sensibilisiert, diese Änderung zurück, so dass der Patriarch im Oktober 1924 an die kommunistischen Machthaber schrieb, dass er sich nicht über den Willen des Volkes Gottes hinwegsetzen werde: "Wir hielten es für unsere pastorale Pflicht, die Stimme der Gläubigen zur Kenntnis zu nehmen, um dem Gewissen des Volkes nicht Gewalt anzutun". Bis heute lehnt deshalb die überwiegende Mehrheit in der russischen Orthodoxie den "meletianischer Kalender"  ab. Nur in verschiedenen, von der russischen Gottesdienst-Tradition geprägten Gemeinden in orthodoxen Diaspora wurde er erfolgreich eingeführt.

 

Aber auch die am alten Kalender orientierten Gemeinden in der russischen Diaspora verstehen es, mit zwei Kalendern zu leben. Inzwischen ist in vielen russischen Kirchengemeinden ein Bitt-Moleben zum Beginn des bürgerlichen neuen Jahres gelebte Tradition. Ein gewisses Problem bilden aber bis heute die in der modernen russischen Kultur ausgeprägt begangenen Neujahrfeierlichkeiten, da diese noch in die Zeit der Weihnachtsfasten fallen. Hieraus hat sich, quasi als ein Geschenk des Kalenderwechsels, bei kirchlich orientierten Russen der Brauch der Feier des "Alten Neuen Jahres" entwickelt.

 

Wegen der Abweichung in den beiden Kalendern feiern Russen also zwei Neujahrsfeste, eines nach dem "Alten" und eines nach dem "Neuen Kalender". So können auch diejenigen, die die kirchlichen Fastenregeln beachten in der Nacht vom 13. auf den 14. Januar das beliebte russische Neujahr nachfeiern. Für viele orthodoxe Gläubige hat das Alte Neue Jahr deshalb bis heute seine besondere Bedeutung bewahrt. Heute feiert man das "Alte Neue Jahr" in Russland, der Ukraine, Weißrussland, Moldawien, Armenien und Georgien. Eine gleichartige Tradition gibt es auch in Serbien und Montenegro, da auch die serbische orthodoxe Kirche genauso wie die russische nach wie vor den alten julianischen Kalender verwendet. Die Serben nennen dieses Fest das "Serbische Neue Jahr". Auch in Mazedonien wird das "Alte Neue Jahr" gefeiert. Denn viele Menschen im orthodox geprägten Teil Europas betrachten es als ein wunderbares Fest, welches den Zauber des Neujahrsfestes verlängert oder ihn zum ersten Mal erleben lässt. Das Alte Neue Jahr wird freilich viel gelassener gefeiert und kennt nicht jene Hektik, die unvermeidliche Begleiterin des Neuen Neujahrsfestes in Russsland geworden ist. Auch ist es in Russland kein offizieller Feiertag.

 

Im vorrevolutionären Russland waren die "Koljadki", weihnachtliche Lieder und Tänze zum Neuen Jahr, sehr beliebt. Jede Familie erwartete zwischen den erstenweihnachtsfeiertag und dem Vorabend von Theophanie die Koljadki-Gruppen und bereitete für sie verschiedene Speisen zu.

 

In vielen aus Russland stammenden Familien beginnen die Feierlichkeiten am 24. Dezember mit dem "deutschen" (europäischen) Weihnachtsfest. Danach kommt am 01. Januar das Neujahrsfest, am 07. Januar (25. Dezember) das orthodoxe Weihnachtsfest und schließlich am 14. Januar das "Alte Neue Jahr". Traditionell wird zum Neujahrsfest eine reiche Auswahl an Sakuski gereicht, zu der Kulebjak (russisch Кулебяка (Kulebjaka) eine mit Kohl, Pilzen und Fisch gefüllte Pastete und Salat „Olivier" gehören.

 

Zum Schluss sei hier angemerkt, dass das Alte Neue Jahr nach dem julianischen Kalender (Altes Silvester) auch in einigen deutschsprachigen Kantonen der Schweiz gefeiert wird. Wie in Russland finden sich auch hier Spuren der Nichtakzeptanz des gregorianischen Kalenders durch das Volk.

 

Nach römischer Tradition hat der Heilige Silvester den Heiligen Konstantin nicht nur mit dem christlichen Glauben vertraut gemacht, sondern ihn auch von der Lepra geheilt.
Nach römischer Tradition hat der Heilige Silvester den Heiligen Konstantin nicht nur mit dem christlichen Glauben vertraut gemacht, sondern ihn auch von der Lepra geheilt.

 

Altjahrsabend oder woher kommt eigentlich der Name Silvester?

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Als Silvester wird der 31. Dezember, der letzte Tag des Jahres, bezeichnet. Nach dem römisch-katholischen Heiligenkalender ist es der Gedenktag des Heiligen Silvester I. († 31. Dezember 335), des Erzbischofs von Alt-Rom und Patriarchen des Abendlandes. Es ist sein Todestag. Er wird als Heiliger verehrt und ist der erste heilige Patriarch von Rom, der nicht das Martyrium erlitten hat. Sein Gedächtnis wird von der Orthodoxen Kirche am 02. Januar, beziehungsweise in der Russischen Kirche erst am 15. Januar begangen. Von der römisch-katholischen Kirche wird sein Gedächtnis an seinem Todestag, dem 31. Dezember, gefeiert. Dieser Tag wird deshalb Silvester oder auch Silvestri-Tag genannt.

 

Auf Silvester folgt der Neujahrstag, der 01. Januar des folgenden neuen Jahres. Das Jahresendfest hatten bereits die Römer gefeiert; erstmals im Januar zu Beginn des Jahres 153 vor Christus, als der Jahresbeginn vom 01. März auf den 01. Januar verschoben wurde. Das Feuerwerk zu Silvester um böse Einflüsse zu vertreiben hat hingegen heidnisch- germanische Wurzeln.

 

Die Assoziation des Jahresendes mit dem Namen der Heiligen Silvester geht auf das Jahr 1582 zurück. Damals verlegte die gregorianische Kalenderreform den letzten Tag des Jahres vom 24. Dezember auf den 31. Dezember, den Todestag des Papstes Silvester I. († 31. Dezember 335). Der liturgische Kalender der abendländisch- lateinischen Kirche führt den Tag seit 813 auch als seinen Gedenktag.

 

In einigen Gegenden Deutschlands heißt der Tag, quasi als Gegenstück zum folgenden Neujahrstag, auch Altjahr, Altjahrsabend oder das Alte Jahr.

 

Das römisch-katholische Kirchenjahr endet jedoch nicht an Silvester, sondern vor der Vesper am Vorabend des ersten Adventssonntags, und der Weihnachtsfestkreis endet erst an Epiphanias (6. Januar, „Erscheinung des Herrn“) bzw. am Fest der Taufe Christi, das die römisch- katholische Kirche jedoch erst am darauffolgenden Sonntag begeht. Das orthodoxe Kirchenjahr beginnt hingegen in rhomäisch-byzantinischer Tradition am 01. September.

 

So war der Silvestri-Tag ursprünglich ein Heiligen-Gedenktag und kein kirchlicher Feiertag zum Jahreswechsel. Dennoch wird Silvester als Jahrsschluß heutzutage auch kirchlich mit Gebet und Gottesdienst begangen, da Anfang und Ende des bürgerlichen Jahres auch auf im Empfinden der Christen eine Bedeutung hat. Auch vile orthodoxe Gemeinden im Westen laden am Altjahrabend zu einen Dank- und Bitt-Moleben ein.

 

Fest der Beschneidung im Fleisch unseres Herrn,

Gottes und Erlösers Jesus Christus

 

01. Januar

 

Acht Tage nach der Geburt des Erlösers ließen Ιhn Seine Eltern beschneiden (Lukas 2: 21), so wie Gott es geboten hatte, als Er Αbraham und seiner ganzen Nachkommenschaft einen ewigen Bund verhieß: „Und dies ist der Bund, den du halten sollst, zwischen Mir und euch und deiner Nachkommenschaft nach dir ... Als Kind von acht Tagen soll alles Männliche bei euch beschnitten werden, von Generation zu Generation“ (Genesis 17: 10-12). Durch die Entfernung dieses Stücks toter Haut als Symbol menschlicher Sündhaftigkeit und Sterblichkeit ließ der menschgewοrdene Gοtt, der Makellοse, der Sündlοse, sich herab, auch selbst das Zeichen der Versöhnung zu empfangen, das Er selbst als Urheber des Gesetzes vorgeschrieben hatte. In aller Demut unterwarf Er sich bei Seinem Erscheinen auf Erden dem Gebot des Gesetzes und zeigte damit, dass dessen dunkle Andeutungen in Ihm zur Erfüllung gekommen waren. Die paar Blutstropfen, die Er an diesem Tag vergoss, weisen bereits hin auf das Blut, das Er bald am Kreuz vergießen sollte, um die Sünden der Welt hinweg zunehmen und uns zu erlösen von unserer Verurteilung. Deshalb gedenken wir heute mit der Beschneidung des Herrn tatsächlich des ganzen Mysteriums unserer Erlösung.

 

Mit der Βeschneidung Christi — des Zweiten Adam — endet heute die fleischliche Βeschneidung des Alten Bundes, und mit Seinem Blut beginnt der Neue und wahre Bund, gekennzeichnet durch eine geistige Beschneidung. Diese wahre Βeschneidung im Geiste ist die christliche Taufe, Zeichen der Zugehörigkeit zu einem neuen Volk, die nicht geschieht durch die Entfernung eines Stückes toter Haut, sondern durch die Befreiung vom Tode selbst, durch die Teilhabe am lebenspendenden Tod und der Auferstehung des Herrn. Aus diesem Grund widersetzten sich der heilige Paulus und die übrigen Apostel mit aller Kraft denjenigen, welche die aus dem Heidentum Bekehrten zur Beschneidung zwingen wollten (Αpostelgeschichte 15: 5-30; 1. Korinther 7: 18-19; Galater  2: 6 und 6: 15). „In Ihm auch seid ihr beschnitten worden durch eine nicht mit Händen vollzogene Beschneidung ... durch die Beschneidung Christi, indem ihr begraben wurdet mit Ihm in der Taufe, darin ihr auch auferweckt worden seid mit Ihm durch den Glauben an das Wirken Gottes, Der Ihn auf erweckte von den Toten“ (Κοlosser 2: 11-12) ... „Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung etwas noch Unbeschnittensein, sondern der Glaube, wirksam gemacht durch die Liebe“ (Galater 5: 6). Indem Christus durch Seine eigene Beschneidung dem Gebot des Αlten Bundes ein Ende setzte, rief Er uns auf zur Beschneidung des Herzens, zur geistigen Erneuerung, die Er durch Seine Prοpheten angekündigt hatte (siehe Jeremias 4:4; Römer 2: 25-29).

 

Eine Prophetie auch in Gottes Gebot an Abraham, die Beschneidung des Fleisches vorzunehmen nach Vollendung der ersten sieben Tage des Neugeborenen, Sinn bild des gesamten Zeitablaufs (siehe Schöpfungswoche in Genesis 1). Der achte Tag war somit eine Figur für den Übergang vom Zeitablauf dieser Welt des Todes in das ewige Leben, der uns eröffnet worden ist durch die Auferstehung des Herrn am achten Tag der Woche, der zugleich der erste und einzige Tag des Lebens ohne Ende und ohne Wandel ist. (Nach dem Verständnis der Ηeiligen Väter ist der Sonntag der Christen zugleich der 8. und der 1. Tag der Woche: der 8. (nach dem Sabbat als 7.) als Hinaustreten über die Zeit und der 1. als Eintritt in die Ewigkeit, die Zeitlosigkeit in der es weder den Wechsel von Tag und Nacht noch die Folge der Tage gibt. Diese zweifache Symbolik kommt besonders deutlich zum Ausdruck im Gottesdienst zum Sonntag nach Pascha (Sonntag der Erneuerung, Anti-Pascha oder Thomas - Sοnntag) und erklärt, warum der Zyklus der Auferstehungshymnen im Rhythmus der acht Töne der byzantinischen Musik abläuft (Οktοechοs)). Indem Christus am 8. Tag nach Seiner Geburt beschnitten wurde, kündete Er uns bereits Seine Auferstehung und unsere endgültige Erlösung an. 

 

Dem Brauch gemäß gab Joseph dem göttlichen Kind an diesem Τag den Namen, den ihm der Engel Gottes angegeben hatte (Matthäus1: 21; Lukas 1: 31): JESUS, das heißt: Erlöser. Durch diesen Namen selbst wurde Sein Werk auf Erden offenbart, der Grund der Menschwerdung des ewigen Gottes und Schöpfers. Der Name Jesus rekapituliert und verkündet das gesamte Mysterium unseres Heils. Gläubig angerufen, macht er die Person des Erlösers selbst auf geheimnisvolle Weise gegenwärtig, in Seiner ganzen triumphierenden Macht. Darum erhöhte Ihn Gott über alles und gab Ihm den Namen, der jedwelchen Namen überragt, damit beim Namen Jesu jedes Knie sich beuge, in den höchsten Himmeln, auf der Erde und in der Unterwelt, und damit jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus HERR ist, Gott dem Vater zum Ruhm (Phil 2,9-11). Unzählige Beispiele in der Heiligen Schrift (Αpostelgeschichte 3: 6; 4: 7; 10: 30; 10: 43; 16: 18; 19: 13 usw.) und in den Leben der Heiligen zeigen, dass durch den gläubig angerufenen Namen Jesu Wunder geschehen, Dämonen und die Mächte des Todes in die Flucht geschlagen werden, wie versengt durch das Feuer Seiner Göttlichkeit, gemäß Seiner Verheißung: „Alles, was ihr in Meinem Namen erbittet, werde Ich tun“ (Johannes 14: 13). Deshalb sollen die orthodoxen Christen als Zeugen dieses Namens, der zum Leben verhilft (Joannes 20: 31), alles im Namen Jesu tun: „Was ihr auch tut, in Wort oder Tat, das alles tut im Namen des Herrn Jesus, Dank sagend Gott dem Vater durch Ihn“ (Κοlosser 3: 17). Wenn wir unablässig, in jeder Situation und bei jedem Atemzug das heilige Gebet sagen: „Herr Jesus Christus, erbarme Dich über mich Sünder“, wird der Herr selbst in unserem Denken gegenwärtig sein, unser Verhalten inspirieren, uns läutern von unseren Leidenschaften und, indem Er allmählich einen festen Platz findet in unserem Herzen, das göttliche Licht Seines Antlitzes aufstrahlen lassen in uns. Das Gedächtnis der Beschneidung des Herrn am 8. Tag nach der Geburt ist somit auch das Fest des heiligen Namens Jesu und des Gebets, das uns die Gnade des Heiligen Geistes bringt.

 

Quelle:  Das Synaxarion, Die Leben der Heiligen der Orthodoxen Kirche,

hrsg. vom Kloster des Hl. Johannes des Vorlaufers, Bd I.

 

 

Der Heilige Basilius der Große

 

01. Januar 

 

Der Heilige Basilius der Große lebte in einer Zeit des Wandels in der spätaniken Welt (* um 330, + 1.1.379), als das Heidentum untergehen begann und die Predigt des Evangeliums immer mehr Menschen im gesamten römischen Reich Christen Werden ließ. Sein Großvater war in der letzten großen Christenverfolgungswelle unter Kaiser Diokletian als Märtyrer gestorben. 17 Jahre vor seiner Geburt hatte der heilige Kaiser Konstantin der Große das Toleranzedikt von Mailand erlassen und fünf Jahre vor seiner Geburt hatte das Erste Ökumenische Konzil in Nicäa stattgefunden, wo der die vollständige Göttlichkeit Christi gegen den Arianismus verteidigt worden war.

 

In den Jahren nach dem Konzil brachten  jedoch die Anhänger des Arianismus sowohl den kaiserlichen Hof als auch die Mehrheit der Bischöfe auf seine Seite. So gab es politischen Druck, sich der Häresie des Arianismus zuzuwenden und es kam zu gezielten Verfolgung von orthodoxen Bischöfen und Gläubigen. Einige der führenden orthodoxen Bischöfe wie der Heilige Athanasius der Große von Alexandria und der Heilige Hilarius von Poitiers wurden in die Verbannung geschickt. In den Fünfzigerjahren des vierten Jahrhunderts wurden dann die meisten Bistümer im römischen Reich von arianisch gesinnten Bischöfen kontrolliert. Es war zwar nicht mehr gefährlich, Christ zu sein, aber es war riskant und mit Opfern verbunden, sich zum Orthodoxen Glauben, wie ihn die Heiligen Väter auf dem Konzil von Nizäa bekannt hatten, zu bekennen.

 

Die meisten Christen, die einfachen Gläubigen, die Mönche, und viele Priester hielten jedoch unverbrüchlich am Orthodoxen Glauben fest.

 

Aus dem Leben des heiligen Hierarchen Basilius von Caesarea sind uns bis heute viele Einzelheiten überliefert. Noch heute haben wir einen reichen Fundus von Briefen und Predigten des Heiligen. Auch seinem Freund, der Heilige  Gregor von Nazianz und von seinem Bruder, der Heilige Gregor von Nyssa berichten uns in ihren Schriften vieles über das Leben und Denken dieses großen Bischof und frommen orthodoxen Theologen.

 

Der heilige Basilius wurde als zweitältester von acht Kindern in eine wohlhabende Familie in Caesarea in Kappadozien geboren, die sich schon seit mehreren Generationen zum Christentum bekannte. Die Familie der Heiligen Basilius war eine Familie von großer christlicher Frömmigkeit. So wurden sowohl seine Großmutter Makrina die Ältere, sein Vater Basilius der Ältere und seine Mutter Emmelia später unter die Heiligen Christi gezählt. Auch unter den acht Kindern der Eltern des Heiligen Basilius gab es wiederum drei Heilige (Basilius, Gregor von Nyssa und Makrina die Jüngere) und drei Bischöfe (Basilius, Gregor von Nyssa und Peter). 

 

Die Familie des heiligen Basilius gehörte zu den Notablen von Caesarea in Kapadokien. Die Kinder wurden christlich erzogen, erhielten aber gleichzeitig auch eine umfassende Erziehung, wie sie in der damaligen Oberschicht des römischen Reiches üblich war. So wurde der Heilige Basilius zum einen in den Heiligen Schriften unterwiesen, erhielt aber gleichzeitig alles profane Wissen vermittelt, das die heidnisch geprägte Allgemeinbildung seiner Zeit zu bieten hatte. Nach dem Bericht des Heiligen Gregor von Nyssa war auch die älteste Schwester eine hochgebildete Frau, die sich in der antiken griechischen Philosophie und den Naturwissenschaften ebenso auskannte wie in der Heiligen Schrift.

 

Ursprünglich wollte der Heilige Basilius wie sein Vater Redner und Anwalt werden und studierte dafür in Cäsarea, Konstantinopel und Athen, wo er eine lebenslange enge Freundschaft mit Heiligen Gregor von Nazianz schloss. Einer seiner weiteren Mitstudenten war der spätere Kaiser Julian Apostata, der seinen christlichen Glauben verleugnen und zum Heidentum zurückkehren sollte. Zu den Studienfächern gehörten Rhetorik, Grammatik, Philosophie, Astronomie, Geometrie und Medizin, die der Heilige Basilius alle in seinem späteren Leben gut anzuwenden verstand. 

 

Basilius wird uns als dunkelhaariger, hochgewachsener, magerer Mann geschildert, mit einer langen Nase, schmalen Wangen und tiefen Runzeln in der Stirn. Er hatte praktisch Zeit seines Lebens gesundheitliche Probleme. Darüber berichtet uns eine Anekdote, die darauf hinweist, dass er leberkrank gewesen sein könnte. Denn als er mit einem römischen Präfekten aneinander geriet, drohte dieser, ihm die Leber aus dem Leib zu schneiden, worauf der Heilige Basilius erwidert haben soll: „Wie aufmerksam! Da, wo sie gegenwärtig ist, macht sie mir nur Ärger.“

 

Nach dem Abschluss seiner Studien entschloss er sich durch das Vorbild seiner älteren Schwester Makrina Mönch zu werden. Er studierte die pachomische Mönchtum in Ägypten und Syrien und gründete dann um das Jahr 355 ein Kloster in einer einsamen Gegend in Kappadozien. Neu war bei seinem Klosterleben, dass es nicht nur Gebet, Askese und körperliche Arbeit gab, sondern parallel dazu intensives Studium der Heiligen Schriften. 

 

Er lebte insgesamt nur fünf Jahre in diesem Kloster, aber diese Zeit hat Nachwirkungen bis in die Gegenwart: das Typikon seiner Klostergemeinschaft ist bis heute Vorbild für alle orthodoxen Klöster. Auch das Typikon das der Heilige Benedikt von Nursia für die Klöster der abendländischen Kirche entwarf, hat in Vielem das Typikon des Heiligen Basilius zum Vorbild.

 

Der Heilige Basilius ließ sich in Caesarea durch den damaligen Erzbischof Dianius taufen und wurde von ihm zum Lektor und später zum Priester geweiht. Basilius schildert Dianius in seinen Briefen in sehr herzlichem Tonfall und hatte bei ihm eine besondere Vertrauensstellung inne. Als aber Dianius das arianische Bekenntnis von Ariminium unterzeichnete, zog sich der Heilige Basilius schwer enttäuscht von ihm zurück und sah ihn erst auf dem Totenbett wieder, wo Dianius sich wieder zum Orthodoxen Glauben bekannte. Der Nachfolger von Dianius, Eusebius, war zwar ein Bischof orthodoxen Glauben, aber er war eine kraftlose und nachgiebige Persönlichkeit und besaß nur eine geringe theologische Bildung. Vielleicht aus Neid oder eine Unterlegenheitsgefühl und stand er von Anfang an in einem gespanntem Verhältnis zum Heiligen Basilius, der sich daraufhin wieder in die Gegend des Pontus zurückzog, wo er weitere Klöster gründete.

 

 Während einer Hungersnot verkaufte er die Güter, die er geerbt hatte, und arbeitete selbst in einem Armenhospiz mit, wobei er Juden und Christen mit der Gleichen Aufmerksamkeit und Zuwendung behandelte.

 

Erzbischof Eusebius stand mittlerweile den arianischen Wirren immer hilflos gegenüber, Als sich die arianischen Angriffe auf den Bischof von Caesarea verstärkten, vermittelte der Heilige Gregor von Nazianz, der in dieser Zeit teils in der Klostergemeinschaft des Heiligen Basilius lebte und teils als junger Priester seinen Vater unterstützte, zwischen Eusebius und Basilius und erreichte schließlich eine Versöhnung. Kurz darauf wurde der Heilige Basilius zum Gehilfen von Bischof Eusebius ernannt. In seiner neuen Aufgabe erwies er sich als brillanter kirchlicher Arbeiter und unbestechlichen Kämpfer für die Gerechtigkeit. Er half bei der kirchlichen Rechtsprechung in der Diözese, kümmerte sich um einen würdigen Vollzug der Göttlichen Liturgie und um verschiedene theologische Fragen der Zeit, die er in seinen Briefen vom Orthodoxen Standpunkt aus ausführlich diskutierte.

 

Der heilige Basilius war ein leidenschaftlicher Kämpfer gegen das Laster der Habgier. So predigte er den Reichen leidenschaftlich, dass sie ihre, ihnen von Gott geschenkten Güter, nicht zur egoistischen Genußsucht missbrauchen, sondern mit den Armen und Bedürftigen teilen sollten:

 

„Ihr sagt, dass ihr nicht geben könnt. Ihr sagt, denen, die euch bitten, dass ihr nicht genug habt, um zu geben. Eure Zunge schwört, dass ihr es nicht tun könnt, aber eure Hand verrät euch, denn obwohl sie nicht sprechen kann, erklärt das Funkeln an eurem Finger, dass ihr lügt. Wie viele Leute könnte dieser eine Ring von euch schuldenfrei machen? Wieviele zerfallende Häuser könnte er instandstellen? Nur eine  eurer Truhen voll Kleider könnte einer Menge Leuten helfen, die jetzt vor Kälte zittern.“ (Predigt an die Reichen)

 

Im Jahre 370 wurde der Heilige Basilius mit vierzig Jahren zum neuen Erzbischof von Caesarea erhoben. Dies war eine einflussreiche Position nicht nur in Kappadozien, sondern in der ganzen Provinz Pontus: Caesarea war damals eine Stadt mit 400.000 Einwohnern und der Metropolit von Caesarea hatte die Oberaufsicht über 50 Bischöfe in Seinem Metropolitansprengel. Die Erhebung des Heiligen Basilius auf den Bischofsstuhl von Caesarea geschah jedoch nicht ohne Opposition: Insbesondere von der arianische Praefekt als Provinzgouverneur legte keinen Wert auf einen willensstarken orthodoxen  Bischof. Ohne die Unterstützung des alten Bischofs Gregor von Nazianz, der sich in einer Sänfte nach Caesarea tragen ließ, weil er nur noch so zu reisen vermochte, wäre die Erhebung des Heiligen Basilius zu Bischof von Caesarea bestimmt verhindert worden.

 

Als der arianisch gesinnte Kaiser Valens im Jahre 371 von Konstantinopel nach Antiochia reiste, war er fest entschlossen unterwegs alle orthodoxen Bischöfe abzusetzen. Als Vorbote des Kaisers kam der Präfekt Modestus, der die orthodoxen Bischöfe vor die Wahl stellte, entweder die Kommunion mit den Arianern aufzunehmen oder Absetzung und Verbannung zu ertragen. Als er nach Caesarea, befahl er den Bischof Basilius zu sich. Beim Heiligen Basilius fruchteten weder seine heterodoxen Argumentationsversuche noch seine Drohungen etwas. Als der kaiserliche Präfekt ihm daraufhin mit Güterentziehung, Verbannung, Marter und gar dem Tod bedrohte, antwortet der Bischof unerschrocken: „Sonst nichts? Von all diesen trifft mich nicht eines. Wer nichts besitzt, dessen Güter können nicht eingezogen werden, außer du verlangst meine zerlumpten Kleider und die wenigen Bücher, die ich besitze. Verbannung kenne ich nicht, denn ich bin überall auf Gottes weiter Erde zu Hause. Marter kann mir nichts antun, da ich so krank bin, dass ich schnell daran sterben würde. Der Tod aber ist mir willkommen, denn er bringt mich schneller zu Gott.“ Sichtlich beeindruckt erwidert der Beamte des Kaisers: „Noch niemand hat es gewagt, mit mir in solcher Freimut zu sprechen.“ Worauf der Heilige Basilius antwortete: „Dann hast du wohl noch nie einen richtigen Bischof gesehen!“ 

 

Im Jahre 372 kam dann Kaiser Valens selbst nach Caesarea, da sich der unbeugsame Bischof Basilius bei seiner arianischen Kirchenpolitik als Haupthindernis und Fels der Rechtgläubigkeit erwiesen hatte. Der Heilige Basilius ließ sich auch jetzt weder von den häretischen Ansichten überzeugen noch zum Glaubensabfall überreden. Aber er hatte zu viel Einfluss in der Kirche, als dass man ihn einfach außer Acht lassen konnte. Der Kaiser wollte ihn ins Exil schicken, verzichtete dann aber darauf, weil der Heilige Basilius nach dem Zeugnis des Heiligen Gregor von Nazianz für den kranken Sohn des Kaisers gebetet hatte, der bald darauf wieder genas. Aber der arianische Kaiser versuchte die Position des Heiligen  Basilius in der Kirche dadurch zu schwächen, dass er die Provinz Kappadozien teilte, um so dessen Einflussbereich zu verkleinern. Die Reaktion des Heiligen Basilius war, dass er seinen Freund und seinen Bruder zu Bischöfen ernannte, um so den theologischen Einfluss der Orthodoxen in Kappadokien zu festigen.

 

Der Heilige Basilius versuchte, den Bischöfen im Westen, insbesondere Papst Damasus I., das Problem klarzumachen, welches der Arianismus im Osten war, fand aber wenig Unterstützung, da man in Rom dieses Problem der östlichen Kirche theologisch schlichtweg nicht verstand.

 

Seine Briefe aus dieser Zeit erzählen uns vom seinem Ringen um Einheit in der Kirche, von Angriffen und Intrigen gegen ihn selbst, denen er meist mit Witz und Ironie begegnete), von dogmatischen Fragen und von seinem Bemühungen um die Ermutigung neuer Bischöfe aber auch immer wieder von seiner eigenen schlechten Gesundheit. Daneben kümmerte er sich um Fragen der praktische Gerechtigkeit, exkommunizierte Bordellbesitzer, und gründete in Caesarea einen neuen Stadtteil aus Spitälern und Altersheimen.

 

Im Jahre 373 starb der Heilige Athanasius der Große, der Erzbischof von Alexandria, der neben dem Heiligen Basilius einer der wesentlichen Stützen gegen die sich verbreitende Häresie des Arianismus gewesen war. Nun verschärften sich die Angriffe und Anfeindungen gegen gegen den umbeugsamen Metroloiten in Caesarea. Ihn selbst wagte der Kaiser nicht zu belangen, aber im Jahre 375 wurde sein Bruder, der Heilige Gregor von Nyssa verbannt. 

 

In dieser schweren Zeit verfasste der Heilige Basilius auch sein Großes Asketikon, das Typikon, das bis heute das Leben der Mönche in den orthodoxen Klöstern regelt. Auch seine tiefgründige Darlegung über den Heiligen Geist entstand in jener Zeit, wie auch die Gebete der Basiliusliturgie, die bis heute an Festtagen in der Orthodoxen Kirche in Gebrauch ist.

 

Im Jahre 378 predigte er in der Fastenzeit das Hexaemeron (Sechs-Tage-Werk), seinen Predigtzyklus über die Schöpfungsgeschichte. Im gleichen Jahr Jahr starb Kaiser Valens und sein Nachfolger wurde Gratianus, der orthodox gesinnte Kaiser der westlichen Reichshälfte. Unter seiner Herrschaft konnten die verbannten Bischöfe in ihre Diözesen zurückkehren. In Caesarea kehrte wieder Ruhe ein und für die gesamte Heilige Kirche Christi gab es Aussicht auf Frieden.

 

Der Heilige Basilius, der seit Jahren bei schlechter Gesundheit war und immer wieder mit seinem Tod gerechnet hatte, verschied am 01. Januar 379 im Herrn. Sein Tod wurde nicht nur von den Christen, sondern ebenso von den Juden und Heiden in Caesarea betrauert. 

 

Zusammengestellt von Thomas Zmija v. Gojan.

 

Die Heiligen Apostel Paulus und Titus predigen das Heilige Evangelium auf Kreta.
Die Heiligen Apostel Paulus und Titus predigen das Heilige Evangelium auf Kreta.

 

Die heiligen Apostel von den Siebzig

 

04. Januar

 

Im Lukasevangelium 10: 1 sucht der Herr 70 Männer aus, um sie als Missionare auszuschicken – als Apostel. Obwohl sie nicht so berühmt wurden wie die Zwölf, führten sie ihren Auftrag mit Eifer und Begeisterung aus.

 

Die Tradition der Kirche bestätigt, dass die Siebzig dem Herrn und ihrer Berufung treu blieben und eine wichtige Rolle in der Verbreitung der Worte Christi spielten. Sie waren keine willkürlich oder zufällig ausgewählte Freiwillige sondern wahre Jünger, wahre Apostel, deren Mühen die Botschaft ihres Herrn durch das ganze römische Imperium und darüber hinaus trug. 

 

Wenn auch die Listen mit den Namen der Siebzig etwas differieren, werden sie doch alle im Kalender der Kirche erwähnt. Ein Tag, der 4. Januar, wurde eigens dazu bestimmt ihrer zu gedenken, und die Berichte über ihre Taten wurden durch die Jahrhunderte und von Ort zu Ort weitergegeben und sind besonders an jenen Orten zu finden, an denen sie tätig waren. 

 

Die Geschichten über die Siebzig, die in der Kirche weitergereicht wurden, würden ein recht dickes Buch füllen, aber der Kompromiss, nur von einigen, sowohl prominenten wie auch relativ unbekannten Mitgliedern zu erzählen, wird die Überzeugung und den Glauben dieser berühmten Gruppe zeigen. 

 

Barnabas, ein Jude aus dem Stamme Levi, wurde in Zypern von reichen Eltern geboren. Man sagt, er habe zusammen mit Saulus von Tarsus, der der Apostel Paulus werden sollte, unter Gamaliel studiert. Ursprünglich Josef geheißen, wurde er von den Aposteln (Apostelgeschichte 4: 36) Barnabas (Sohn des Trostes) genannt, weil er die seltene Gabe hatte, die Herzen der Menschen zu trösten. Er suchte Saulus auf, als ihn alle noch fürchteten, und brachte ihn zu den Aposteln. Und es war auch Barnabas, der von den Aposteln nach Antiochia gesandt wurde, um herauszufinden was dort vor sich ging (Gläubige, die aus Jerusalem geflohen waren, verkündeten die Frohe Botschaft auch den Heiden; Apostelgeschichte 11: 22). 

 

Barnabas suchte Paulus auf um mit ihm zu arbeiten. Ihre lange Verbindung wurde nur unterbrochen, als Barnabas unbedingt seinen Vetter Markus, dem Paulus nicht traute, auf eine Missionsreise mitnehmen wollte. Später versöhnten sich die drei wieder (Kolosser 4: 10). 

 

Viele alte Berichte erzählen, dass Barnabas als Erster in Rom und in Mailand predigte, aber auf Zypern den Märtyrertod erlitt und von Markus beim westlichen Tor der Stadt Salamis beerdigt wurde. 

 

Der Heilige Apostel Judas Taddäus von den Siebzig. Nach der kirchlichen Tradition schickte der Heilige Apostel Thomas den Heiligen Judas Thaddäus nach der Himmelfahrt Christi zum König Abdgar V. von Edessa. Dieser syrische König war an der Lepra erkrankt. Als er vom Wirken des Erlösers in Palästina erfuhr, hatte er den HERRN Jesus Christus in einem Schreiben um die Gnade der Heilung gebeten. Nach dem Leiden und der glorreichen Auferstehung des HERRN sandten die heiligen Apostel von Jerusalem aus auf ausdrückliche Anweisung des HERRN das wahres Abbild Christi, das Mandylion oder auch Acheiropoieton genannt wurde und das Schweißtuch war, mit dem IHM die heilige Veronika, die blutflüssige Frau die der Herr einst geheilt hatte, auf dem Weg zur Kreuzigung das Blut vom Gesicht gewischt hatte und auf dem sich dann auf wunderbare Weise das Antlitz des Herrn abbildete. Durch das Gebet vor dieser Heiligen Ikone des HERRN genas der König. Der heilige Apostel Judas Thaddäus nahm den Dank des Königs entgegen, bekehrte auch das Volk von Edessa zum christlichen Glauben und wirkte als erster Bischof in der Stadt. Dort erhielt er auch seinen aramäischen Beinamen Addai.  Zunächst wirkte er zusammen mit dem Heiligen Apostel Judas Zelotes in Syrien. Dann wirkte er mit den heiligen Apostel Bartholomäus in Armenien. Schließlich zog er in Begleitung seines Gefährten, des heiligen Mari, weiter gen Osten, um dort das heilige Evangelium zu verkünden. In Mesopotamien, dem heutigen Iraq wurde er zum Apostel der dort lebenden und heute so schwer bedrängten Christen. Am Ende verkündete er das Heilige Evangelium in Persien, wo er auch das Martyrium erlitt. Dort hatten die beiden Heiligen den Schah oder Großkönig der Perser für den christlichen Glauben gewonnen und ihn mitsamt seinem gesamten Hofstaat getauft. In Anschluss bekehrten sie im gesamten Perserreich viele Tausende zum christlichen Glauben. Von der rivalisierenden Zoroastriern zum wundersamen Vernichten feindlicher Heere aufgefordert, antworten sie diesen mit der christlichen Kernbotschaft: „Nicht zu töten, sondern lebendig zu machen sind wir gekommen“. Nach zahlreichen, weiteren Wundertaten, mit denen sie die Machtlosigkeit der zoroastrischen Magier bewiesen und die Abgötterei im Herzen vieler Perser zum  Einsturz brachten, organisierten die Zoroastrier im Lande einen Aufstand gegen die beiden Apostel in dem die beiden Heiligen dann das Martyrium für Christus erlitten. In der Orthodoxen Kirche ist ihr Gedenktag mit allen heiligen Aposteln aus der Schar der siebzig Jünger Christi der 04. Januar.

 

Der heilige Apostel Barnabas von den Siebzig. Ikone in einer Kirche auf Zypern.
Der heilige Apostel Barnabas von den Siebzig. Ikone in einer Kirche auf Zypern.

 

Bestattet wurde der heilige Apostel Barnabas auf Zypern in einem Kammergrab der Nekropole des antiken Salamis,  deren Ruinen bei der heutigen Stadt Famagusta zu finden sind. Im Jahr 477 erschien der heilige Apostel Barnabas dem Erzbischof Zyperns, Anthemios, zu nächtlicher Stunde und offenbarte ihm die Lage seiner Grabstätte. Bei der Suche wurden dort die Reliquien des Heiligen gefunden, wie er dort von seinem Begleiter, den heiligen Apostel Markus einst beigesetzt wurde. Auf der Brust des Apostels Barnabas ruhte eine von ihm selbst gefertigte Abschrift des Matthäus-Evangeliums in hebräisch-aramäischer Sprache. Erzbischof Anthemios eilte unverzüglich mit der freudigen Kunde an den Hof des rhomäische Kaisers Zenon in Konstantinopel, wo er den Herrscher auch davon überzeugen konnte, dass die von Barnabas gegründete Kirche Zyperns nicht weniger apostolisch sei als die benachbarte Kirche von Antiochia. Neben dem heute leeren Grab entspringt eine Quelle, der Heil- und Wunderkraft besonders unfruchtbaren Frauen und Hautkranken hilft. In Jahre 1953 wurde über dem Grab eine neue orthodoxe Kapelle errichtet. Im Westen finden sich heute Reliquien des heiligen Apostels Barnabas in Mailand, Prag, Namur, Köln und im Kloster Andechs.

 

Unter den Bekannteren der Siebzig war der Apostel Titus, den Paulus seinen Bruder (2. Korinther 12: 18) und seinen Sohn (Titus 1: 4) nannte. Titus wurde auf Kreta geboren und in griechischer Philosophie ausgebildet. Nachdem er aber die Schriften des Propheten Jesaia gelesen hatte, begann er am Wert dessen, was er gelernt hatte zu zweifeln. Als er von Jesus Christus hörte, gesellte er sich einigen von Kreta zu, die nach Jerusalem gingen um Ihn selbst zu sehen. Als er Jesus reden gehört und Seine Taten gesehen hatte, schloss er sich Seinen Jüngern an. 

 

Er wurde vom Apostel Paulus getauft, arbeitete mit ihm und diente dem großen Heidenapostel, reiste mit ihm, bis ihn Paulus nach Kreta sandte und ihn dort zum Bischof machte. Man sagt, er sei zu der Zeit, als Paulus enthauptet wurde, in Rom gewesen und er habe den Leib seines geistlichen Vaters begraben, bevor er heimkehrte. Wieder auf Kreta bekehrte und taufte er viele Menschen und leitete die Kirche der Insel bis er im Alter von 94 Jahren zur Ruhe gebettet wurde. 

 

Heiliger Apostel Titus von den Siebzig. Bischof von Kreta.
Heiliger Apostel Titus von den Siebzig. Bischof von Kreta.

 

Es gibt viele weniger Bekannte, die sich ebenfalls bis zu ihrem Tode für Christus abmühten: Aristarch, den Paulus einige Male erwähnt (s. Apostelgeschichte 19: 29; Kolosser 4:10; Philemon 24), ihn seinen „Mitarbeiter“ nennt. Er wurde Bischof von Apamea in Syrien. Sosthenes (Apostelgeschichte 18: 17; 1. Korinther 1: 1) wurde Bischof von Caesarea, und Tychikus (Apostelgeschichte 20: 4; Epheser 6: 21; Kolosser 4: 7; 2. Timotheus 4: 12; Titus 3: 12) folgte ihm in diesem Amt und der Stadt nach. Simon (Matthäus 13: 55; Markus 6: 3), der Sohn des Kleopas (der der Bruder Josefs, des Verlobten der Jungfrau Maria war), folgte Jakobus als Bischof von Jerusalem nach. Aristobulos (Römer 16: 10), Bruder des Apostels Barnabas, predigte das Evangelium in Britannien und starb dort in Frieden. 

 

Die Lebensläufe dieser wenigen sind stellvertretend für die Siebzig, die wesentlich mithalfen, die Kirche in der ganzen Welt zu verwurzeln. Viele wurden Bischöfe, aber die Namen aller sind niedergeschrieben im Himmel im Buch des Lebens, als treue Diener des Herrn, als Apostel und Grundfeste der Kirche. 

 

Quelle: Erklärungen der Orthodox Study Bible.

 

 

Die Heilige Nino die Apostelgleiche

 

14. Januar 

 

Mit der Geschichte Georgiens und mit dem Leben der Georgier ist untrennbar die georgische Kirche verbunden. Doch die meisten von denen, die sich mit diesem Land beschäftigen, wissen kaum etwas darüber. 

 

Schon in die apostolische Zeit reicht offensichtlich der Kontakt der Georgier, deren beide Landesteile Kolchis und Iberien 65 vor Christus durch Pompejus in römische Abhängigkeit geraten waren, zum Christentum zurück. Nach alter Überlieferung sollen schon der Apostel Andreas und sein Begleiter, der Apostel Simon der Eiferer aus Kana, die Heilsbotschaft nach Georgien gebracht haben. Eine andere Überlieferung nennt den Apostel Bartholomäus als seinen Begleiter. 

 

Jedenfalls war schon auf dem Konzil von Nicäa (325) ein Bischof von Pityous (dem heutigen Pizunda bzw. Bitschwinta in Westgeorgien, das in der Antike Kolchis hieß) anwesend. Deshalb ist anzunehmen, dass dort schon einige Zeit vorher christliche Gemeinden bestanden.

 

Auch in Ostgeorgien, dem damaligen Königreich Kartli (im Altertum Iberien genannt), reichen die Wurzeln des Christentums zumindest bis zum Beginn des 4. Jahrhunderts zurück. Hierher gelangte die christliche Botschaft auf dem Landweg von Antiochien über Kleinasien. Sie erreichte zuerst von Kappadokien aus Armenien. Hier erhob König Trdat III. bereits im Jahr 301 das Christentum zur Staatsreligion dank des Wirkens des griechischen Bischofs Gregor des Erleuchters und seiner Missionare. (In der Urkirche wurden nach Epheser 5: 14 „taufen“ und „erleuchten“ in eins gesehen.) Durch Gregor und seine Nachfolger wurde das Christentum auch bei den Georgiern bekannt, zumal die Siedlungsgebiete der beiden Völker ineinander übergingen. 

 

Eine entscheidende Rolle aber spielte die „Apostelgleiche“ Nino, nach dem Bericht des Rufinus von Aquileja aus dem Jahr 403 eine Kriegsgefangene aus Kappadokien. Ihr gelang es, den König Mirian von Kartli und seine Gemahlin Nana zu bekehren, nachdem sie zuvor schon durch ihr asketisches Leben und ihrer medizinischen Kenntnisse wegen beim Volk Bewunderung hervorgerufen hatte. Rufinus schreibt in seiner Kirchengeschichte: 

 

„Damals haben auch die Iberer, die am Pontischen Meer leben, die Verheißungen des göttlichen Wortes und den Glauben an das künftige Gottesreich angenommen. Den Anlass für dieses große Geschenk hat ihnen eine kriegsgefangene Frau gegeben, die bei ihnen geblieben war. Da sie gläubig, besonnen und ehrbar lebte und Gott zu jeder Tag und Nachtzeit mit Bitt- und Bußandachten diente, erweckte diese neuartige Lebensweise bei den Barbaren langsam Bewunderung, und neugierig erkundigten sie sich, was sie damit bezwecke. Wahrheitsgemäß bekannte sie, dass sie mit dieser religiösen Übung einfach Christus als Gott verehre. Doch die Barbaren wunderten sich nur über diesen neuen Namen. Aber wie es zuweilen vorkommt, erweckte diese Beständigkeit bei den einfachen Frauen eine gewisse Neugierde, ob sie etwa aus solch großer Gottesverehrung irgendeinen Nutzen ziehe. Wie man berichtet, ist es bei ihnen Brauch, dass erkrankte Kinder von ihren Müttern von Haus zu Haus getragen werden, damit, falls jemand ein bewährtes Heilmittel kennt, es ihnen in ihrem Leiden verabreicht werde. Als eine Frau einmal ihr Kind der Gewohnheit entsprechend durch alle Häuser getragen und, obwohl sie jedes Haus aufgesucht hatte, kein Heilmittel bekommen hatte, ging sie auch zur Kriegsgefangenen, um in Erfahrung zu bringen, ob sie eins kenne. Diese beteuerte, dass ihr kein Heilmittel menschlicher Art bekannt sei, doch erklärte sie, dass ihr Gott Christus, den sie anbete, den Menschen die ersehnte Heilung schenken könne. Sie legte das Kind auf ihren Gebetsteppich, sprach über es ein Gebet zu Gott und gab es der Mutter gesund zurück. Viele Leute erfuhren davon, und die Kunde von diesem Wunder gelangte sogar bis zu den Ohren der Königin. Diese litt unter heftigen körperlichen Schmerzen, und tiefe Hoffnungslosigkeit hatte sie schon befallen. Sie ließ die Kriegsgefangene zu sich rufen; die weigerte sich jedoch zu kommen, um nicht den Anschein zu erwecken, sich mehr herauszunehmen, als ihr als einer Frau zukomme. So ließ sich die Königin zur Hütte der Kriegsgefangenen tragen. Sie legte sie auf ihren Bußteppich, rief Christi Namen an und ließ sie sich gleich nach dem Gebet gesund und munter erheben. Dann unterwies sie sie, dass Christus Gott sei, des höchsten Gottes Sohn, der diese Heilung bewirkt habe, und forderte sie auf, ihn ebenfalls anzurufen, den sie als Urheber ihrer Genesung und ihres Lebens erfahren habe. Denn er sei es, der den Königen die Herrschaft und den Sterblichen das Leben zuteile. Als die Königin voller Freude heimgekehrt war, eröffnete sie ihrem fragenden Gemahl die Ursache ihrer plötzlichen Gesundung. Erfreut über die Heilung der Gattin, befahl er, jener Frau Geschenke zu überbringen; doch sie sagte: König, dieser Dinge bedarf die Kriegsgefangene nicht; Gold verachtet sie, Silber verschmäht sie, Fasten aber genießt sie wie eine Speise. Als Geschenk wollen wir nur dies geben, dass wir den, der mich auf ihre Bitten hin geheilt hat, dass wir Christus als Gott verehren. Diesem Wunsch kam der König aber nur träge nach, und trotz der Aufforderung seiner Gattin unterließ er es schließlich ganz. 

 

Doch eines Tages, als er mit seinem Gefolge im Wald jagte, geschah es, dass die Tageshelle von tiefster Dunkelheit verschlungen wurde und, da das Licht durch das Grausen düsterer Nacht entschwunden war, kein Weg mehr für die unsicheren Schritte erkennbar war. Ein jeder aus dem Gefolge irrte bald hierhin, bald dorthin, und der König, alleingelassen und von völliger Dunkelheit umfangen, wußte nicht, was zu tun sei und wohin er sich wenden solle, als plötzlich seine verängstigten Sinne, da ohne Hoffnung auf Rettung, folgender Gedanke durchfuhr: Wenn jener Christus, den die Gefangene seiner Frau verkündigt hatte, Gott ist, möge er ihn jetzt aus dieser Dunkelheit erretten, damit er ihn von nun an, wo alles verloren war, verehre. Auf der Stelle, als der König dieses Versprechen noch nicht in Worte gefasst, sondern nur im Geist gemacht hatte, wurde der Tag der Welt wiedergeschenkt und ließ ihn unversehrt zur Stadt heimkehren, wo er der Königin das Geschehen in vollem Umfang unverzüglich kundtat. Dann ließ er sogleich die Kriegsgefangene rufen, um sich von ihr in der rechten Weise der Verehrung Christi unterrichten zu lassen, und er versicherte, künftig keinen anderen Gott als nur ihn anbeten zu wollen. Die Gefangene kam und unterwies ihn, dass Christus Gott sei, und erklärte ihm, wie er anzurufen und auf welche Weise er anzubeten sei, soweit dies alles kundzutun einer Frau zukommt. Sie ermahnte ihn dann, eine Kirche erbauen zu lassen, und beschrieb ihre Form. Der König ließ Leute aus dem ganzen Volk herbeirufen und erklärte ihnen alles von Anfang an, was ihm und der Königin widerfahren war; er unterwies sie dann im Glauben und wurde so, obwohl er noch nicht in die heiligen Mysterien (durch die Taufe) eingeweiht war, zum Apostel seines Volkes. 

 

Die Taufe von König Mirian von Kartli. Ikonenfresco in einer zeitgenössischen orthodoxen Kirche in Georgien.
Die Taufe von König Mirian von Kartli. Ikonenfresco in einer zeitgenössischen orthodoxen Kirche in Georgien.

 

Die Männer glaubten auf das Zeugnis des Königs, die Frauen auf das der Königin hin, und da alle das gleiche wollten, wurde der Bau der Kirche mit Fleiß in Angriff genommen. Schnell waren die Außenmauern hochgezogen; nun sollten schon die Säulen aufgestellt werden. Zwei oder drei standen bereits. Als man an die dritte heranging, versagten alle Zugmaschinen, und die Kräfte der Ochsen und Menschen erlahmten. Zur halben Höhe war sie schon in Schräglage emporgezogen und musste nun ohne Maschinenkraft zur vollen Höhe aufgerichtet werden. Doch obwohl man einmal, zweimal, ja mehrmals von neuem ans Werk ging, konnte sie um keinen Deut von der Stelle bewegt werden; alle waren völlig erschöpft. Verwunderung erfasste die Leute, und der Ehrgeiz des Königs erlahmte; niemand wusste mehr, was zu tun sei. Als zur Nachtzeit alle fort waren, als alle Sterblichen fortgegangen waren und die Arbeit ruhte, verbrachte die Kriegsgefangene ganz allein die Nacht im Gebet innerhalb der Mauern. Sieh, gegen Morgen, da kam der König voller Sorgen mit seiner Begleitung herein und sah, dass die Säule, die so viele Maschinen und Arbeiter nicht hatten bewegen können, aufgerichtet war und dass sie über der Basis frei schwebte, dass sie nicht auf ihr ruhte, sondern, dass sie im  Abstand eines Fußes über ihr in der Luft hing. Alle Leute sahen es und priesen Gott; durch dieses Wunder überzeugt, erklärten sie, dass der Glaube des Königs und die Religion der Gefangenen wahr seien. Als alle noch staunend und bestürzt dastanden, wurde die Säule herabgesenkt und stellte sich, ohne dass jemand sie berührte, vor ihren Augen in genauem Lot langsam auf ihre Basis. Danach wurden auch die anderen Säulen der Reihe nach mit Leichtigkeit hochgezogen, so dass alle, die noch übrig waren, am selben Tag an ihren Platz gestellt wurden. Nachdem die Kirche sehr schön erbaut war und die Menschen mit noch größerem Verlangen nach dem Glauben dürsteten, wurde auf Empfehlung der Kriegsgefangenen eine Gesandtschaft des ganzen Volkes an Kaiser Konstantin geschickt; sie legte die Angelegenheit genau dar und bat um Priester, die das unter ihnen begonnene Werk Gottes vollenden sollten. Als die Gesandtschaft voller Freude und hochgeachtet beim Kaiser eintrat, war er hierüber viel mehr erfreut, als wenn er unbekannte Völker und fremde Königreiche dem Römischen Reich eingegliedert hätte. - Dieses Ereignis hat uns so der sehr vertrauenswürdige Bakur berichtet, ein Fürst jenes Volkes und bei uns ein Mitglied der kaiserlichen Familie, der in Glaube und Wahrheit große Sorgfalt bewies, als er damals zusammen mit uns in recht freundschaftlicher Beziehung als Befehlshaber der Reichsgrenze Palästina in Jerusalem weilte.“

 

Rufinus von Aquileja, Kirchengeschichte, 10. Buch

 

Hier wird der Name der Missionarin Georgiens nicht überliefert. Das römische Martyriologium nennt sie „die heilige Dienerin Christiana (christiana ancilla), die bei den Iberern jenseits des Schwarzen Meeres zur Zeit Konstantins durch die Kraft ihrer Wunder jenes Volk zum Glauben an Christus geführt hat“. Aus der Bezeichnung „Christin“ wurden der Eigenname Christina und daraus abgekürzt Nina – Nino. 

 

Die Basilika über dem Grab der heiligen Nino in Bodbe/ Georgien.
Die Basilika über dem Grab der heiligen Nino in Bodbe/ Georgien.
 Das Grab der Heiligen Nino in Bodbe in Georgien.
Das Grab der Heiligen Nino in Bodbe in Georgien.

 

Die Georgier verehren die heilige Nino bis heute als die Erleuchterin ihres Volkes. Das nach der Heiligenvita mit ihren eigenen Haaren zusammengebundene Weinrebenkreuz wird neben der Ikonostase der Sioni-Kathedrale in Tbilissi aufbewahrt.

 

 

Vorbild des Glaubens -

 

 

Über das Leben des heiligen Athanasius des Großen

 

18. Januar

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

Unser Herr und Erlöser Jesus Christus hat Seine Kirche gestiftet, damit sie das Licht der Welt sei. Das heilige Evangelium zu verkünden, stellt einen Teil ihrer erhabenen Sendung dar. Wie sehr sich die Jünger durch alle Jahrhunderte und Jahrtausende dieses Auftrags bewusst waren, zeigt die große Zahl der Heiligen, besonders der heiligen Märtyrer und Bekenner. Immer wieder wechselten für die Kirche einander Zeiträume größerer Ruhe mit Perioden äußerster Bedrängnis und heftigster Verfolgung ab.

 

Für den heiligen Athanasius (griechisch: Άγιος Αθανάσιος Αλεξανδρείας ο Μέγας, russisch: Святитель Афанасий Великий, Архиепископ Александрийский) war am Beginn seines Lebens sicher nicht vorauszusehen, in welchem Ausmaß ein solcher Kampf gerade sin Leben prägen würde. Als Kind hatte er selbst noch die große Christenverfolgung unter dem Kaiser Diokletian miterlebt; aber als er zum Mann herangewachsen war gehörten diese Prüfungen schon Vergangenheit an, da unter dem heiligen apostelgleichen Kaiser Konstantin der Kirche Ruhe geschenkt wurde und das christliche Bekenntnis und kirchliche Leben für erlaubt erklärt worden war.

 

Seitens der modernen Historiker und Theologen wird immer wieder in Frage gezogen, dass Kaiser Konstantin im Laufe seines Lebens wirklich zum gläubigen Christen geworden ist. Die orthodoxe Kirche beurteilt Kaiser Konstantin und die sogenannte konstantinische Wende als den Beginn der endgültigen Verchristlichung des römischen Reiches und der Verkirchlichung seiner Menschen. Aus dieser Entwicklung erwuchs dann im Laufe der kommenden Jahrhunderte die christliche rhomäisch-byzantinische Kultur. Insofern sieht die orthodoxe Kirche in Konstantin den Ersten einer langen Kette christlicher Kaiser, die über das immer mehr vom christlichen Glauben geprägte römische Reich herrschten.

 

Seine Heiligkeit Patriarch Theodoros II. Papst und Patriarch von Alexandrien und ganz Afrika.
Seine Heiligkeit Patriarch Theodoros II. Papst und Patriarch von Alexandrien und ganz Afrika.

 

 

Seine Heiligkeit Theodoros II. Papst und Patriarch von Alexandrien und ganz Afrika wurde als Theodoros Nikolaos Horeftakis am 25. November 1954 in Koukounaria bei Chania auf Kreta geboren. Im Jahr 1973 trat er in den Mönchstand. Im Jahre 1975 wurde er zum Diakon und im Jahre 1978 zum Priester geweiht. Er war nach Abschluss seines Theologiestudiums an der Universität Thessaloniki und dann von 1975 bis 1985 auf Kreta als Erzdiakon und Kanzler der Diözese von Lampi und Sfakia tätig. Seit 1985 vertrat er das Patriarchat von Alexandrien bei der Russischen Orthodoxen Kirche mit Sitz in Odessa. Im Jahr 1990 wurde er zum Bischof von Kyrene geweiht und wurde Gesandter des Patriarchen von Alexandrien bei der Griechischen Orthodoxen Kirche mit Sitz in Athen. Im Jahr 1997 wurde er  Metropolit von Kamerun und im Jahre 2002 Metropolit von Simbabwe. Seit dem 24. Oktober 2004 ist er griechischer orthodoxer Patriarch von Alexandrien und ganz Afrika.

 

 

 

 

Das Griechische Orthodoxe Patriarchat von Alexandrien

und ganz Afrika

 

Die heute rund etwa 250.000 Gläubigen des Patriarchates sind heute mehrheitlich christlich orthodoxe Araber und Afrikaner. Das Patriarchat gliedert sich in 18 Metropolitan-Diözesen und sechs Bistümern vor allem in Ägypten und im subsaharischen Afrika.

 

Der christliche Glaube kam durch die Verkündigung des heiligen Evangelist Markus nach Ägypten. Jedoch ist Ägpyten selbst Teil des Heiligen Landes. Hierher floh unser Herr und Erlöser Jesus Christus mir seiner Mutter und dem heiligen Joseph, dem Bräutigam. Vor allem in Unterägypten werden die Orte ihrer heiligen Gegenwart durch orthodoxe und koptische Christen verehrt. Die Reihe der alexandrinischen Patriarchen und Erzbischöfe, die wie die Erzbischöfe von Alt-Rom den Ehren Titel Papas (= Vater - vom griechischen Wort "Papas" ist die Bezeichnung Papst dann abgeleitet worden) tragen, beginnt mit dem heiligen Markus. Als die miaphysitischen Christen das Konzil von Chalkedon im Jahre 451 nach Christus ablehnten, zerbrach auch die kirchliche Einheit im Patriarchat Alexandrien. Trotz der besonderen Nähe und den guten ökumenischen Kontakten zwischen den Orthodoxen Und den Kopten in Ägypten konnte die kirchliche Einheit, trotz intensiver theologischer Gespräche, bis heute nicht wiedererlangt werden. Dies ist besonders tragisch, da die christliche Gemeinde in Ägypten die größte christliche Gemeinschaft im Nahen Osten ist und heute unter schweren Verfolgungen durch muslimische Extremisten zu leiden hat. Das Patriarchat von Alexandrien steht in der ehrenden Reihenfolge der orthodoxen Dyptichen heute an zweiter Stelle der orthodoxen Kirchen. Bis zur Loslösung der römischen Kirche von der kirchlichen Gemeinschaft folgte in seiner Bedeutung dem Patriarchat von Alt-Rom und dem von Konstantinopel, dem neuen Rom an dritter Stelle. Nach der Entstehung eigenständiger miaphysitischer alt-orientalischer Kirchen entstanden die bis heute noch getrennten Kirchen des  griechischen orthodoxen Patriarchates und des alt-orientalischen koptischen Patriarchates. Als im 7. Jahrhundert der Islam Ägypten eroberte erschwerte sich die Lage des griechischen orthodoxen Patriarchates von Alexandrien weiter. Seine wenigen Gemeinden mussten sich gleich den weit zahlreicheren koptischen Gemeinden mit den neuen islamischen Herrschern arrangieren.

 

Erst in der Zeit von 1874 bis 1899 stieg die Zahl der orthodoxen Griechen in Ägypten durch Einwanderer von den griechischen Inseln und dem Festland von bis dahin etwa 8.000 auf fast 40.000 Gläubige. Mit dem Machtantritt Gamal Abdel Nassers verließen in den 1960-er und 1970-er Jahren die Mehrheit der Griechen Ägypten so dass von den bis dahin rund 250.000 Griechen weniger als 5000 im Lande verblieben.

 

Seit Beginn der 1930-er Jahre wandten sich bis heute rund 100 000 Schwarzafrikaner der orthodoxen Kirche zu. Heute gehören - nur um einige Beispiele zu nennen - zum Patriarchat von Alexandrien blühende Metropolien und Bistümer einheimischer Christen in Kamerun, Uganda, Tansania, Kenia und auf Madagaskar, während die meisten griechischen Einwanderer die Länder des subsaharischen Afrika bereits wieder verlassen haben.

 

 

Die Kathedral-Kirche der Verkündigung Mariens ist eine griechische orthodoxe Kathedrale in der Nähe des Tahrir-Platzes in Alexandria und wurde von 1844 bis 1856 im Stil der Neogotik erbaut.
Die Kathedral-Kirche der Verkündigung Mariens ist eine griechische orthodoxe Kathedrale in der Nähe des Tahrir-Platzes in Alexandria und wurde von 1844 bis 1856 im Stil der Neogotik erbaut.

 

Zur Zeit des heiligen Athanasius stand dieser Prozess der Verchristlichung und Verkirchlichung der antiken Menschen noch am Anfang. Athanasius entstammte einer vornehmen, bereits christlichen Familie aus damaligen Weltstadt Alexandrien. Sie war die Metropole der damaligen römischen Provinz Ägypten. Der heilige Athanasius genoss als angehöriger der hellenistischen (= griechschsprachigen) römischen Oberschicht in seiner Jugend eine umfangreiches Bildungsprogramm, dass ihm die Quintessenz des antiken Bildungswissens erschloss. Zugleich war die Ausbildung des Heiligen nicht nur an Grammatik, Rhetorik und den griechischen Klassikern orientiert. Auch gründliche Kenntnisse der Heiligen Schrift und den älteren Väter der Kirche wurden ihm vermittelt. Gerade in der Verbindung des antiken Wissens mit den christlichen Glauben war die Christengemeinde in Alexandrien zu diesem Zeitpunkt richtungsweisend. Der heilige Athanasius begnügte sich jedoch nicht nur mit dem Erwerb von theologischem und intellektuellem Wissen. Längere Zeit verbrachte er auch bei den heiligen Anachoreten (Einsiedlern) in der Wüste Ägyptens. Aus dieser geistlich-spirituellen Bewegung entwickelte sich dann später das orthodoxe Mönchtum, wie wir es noch heute kennen. Der heilige Athanasius schloss in dieser Zeit Freundschaft mit dem heiligen  Antonius, dem Großen. Das Leben dieses bedeutenden frühen Mönchsvaters hat er später in einem viel gelesenen Buch geschildert.

 

Bereits in jungen Jahren war der heilige Athanasius in den Haushalt des alexandrinischen Alexander gekommen und dort dessen Sekretär geworden. Im Jahre 319 wurde er in Alexandrien zum Diakon geweiht. Im Dienst der Kirche machte er schon bald Bekanntschaft mit einer falschen und unchristlichen Lehre, die in wenigen Jahren die ganze Kirche erschüttern sollte. Der alexandrinische Priester Arius, der nach dem Bischofsamt in der Stadt strebte und wegen seiner kirchenpolitischen Umtriebe schon früher einmal exkommuniziert worden war, suchte den neugewählten Bischof der Stadt, den heiligen Alexander in Verruf zu bringen, um danach selbst Bischof von Alexandrien werden zu können. Deshalb beschuldigte Arius den heiligen Alexander, die Häresie des Sabellius zu vertreten. Sabellius hatte die Allheilige Dreieinheit als Einheit der drei göttlichen Personen geleugnet und statt dessen den Modalismus gelehrt, nach dem  der Vater, der Sohn und der Heilige Geist nur verschiedene Erscheinungsweisen der einen Gottheit seien.

 

Der heilige Erzbischof Alexander von Alexandrien.
Der heilige Erzbischof Alexander von Alexandrien.

 

Aber auch Arius vertrat eine trinitarische Häresie, indem er ab etwa 318 behauptete, die Personen des Vaters und des Sohnes seien dadurch unterschieden, dass der Sohn ein Geschöpf des Vaters und somit nicht ewig sei. Arius lehrte, dass es eine Zeit gegeben habe, in der Sohn nicht existiert habe, sondern vielmehr erst von Gott dem Vater geschaffen worden sei. Damit wäre der Sohn jedoch nicht eines Wesens mit den Vater. Er wäre nicht Gott, sondern nur eine Art höchstes Engelwesen, das in Jesus Christus Fleisch angenommen hätte. Eine derartig ungläubige Ansicht aber entsprach nicht dem apostolisch überlieferten christlichen Glauben, den Heiligen Schriften und der Lehre der frühen Heiligen Väter der Kirche. Arius beunruhigte mit seinem Versuch, den Glauben der Kirche zu verdunkeln zuerst die Christen in Ägypten und später auch im übrigen römischen Reich, denn die Irrlehre des Arius stellte den christlichen Glauben in seinem Wesenskern in Frage. Der heilige Bischof Alexander versuchte zunächst mit Güte und Langmut, den Presbyter Arius von seinem falschen Weg abzubringen. Schließlich aber musste er den uneinsichtigen Arius durch eine alexandrinische Synode verurteilen lassen.

 

Der heilige Spyridon von Trymithunt erklärte das Mysterion der Allheiligen Dreieinheit durch ein Wunder, bei dem aus einem Ziegelstein Feuer und Wasser hervortraten. Dabei erklärte er zugleich die orthodoxe Lehre über die drei Göttlichen Personen.
Der heilige Spyridon von Trymithunt erklärte das Mysterion der Allheiligen Dreieinheit durch ein Wunder, bei dem aus einem Ziegelstein Feuer und Wasser hervortraten. Dabei erklärte er zugleich die orthodoxe Lehre über die drei Göttlichen Personen.
Der heilige Nikolaus von Myra in Lykien war über die gotteslästerliche Häresie des Arius sosehr erbost, dass er ihn während der Konzilsssitzungen in Nizäa ohrfeigte.
Der heilige Nikolaus von Myra in Lykien war über die gotteslästerliche Häresie des Arius sosehr erbost, dass er ihn während der Konzilsssitzungen in Nizäa ohrfeigte.

 

 

Die Sieben Heiligen Ökumenischen Konzilen

 

Die orthodoxe Kirche anerkennt Sieben Heilige Ökumenische Konzilen. Auf ihnen versammelten sich die Bischöfe der gesamten christlich-orthodoxen Oikumene, das heißt, auf diesen Synoden waren all jene Bischöfe, die in kirchlicher und deshalb auch liturgisch-sakramentaler Gemeinschaft untereinander verbunden sind, vertreten. Sie bilden deshalb mit ihrer Synaxis ein sichtbares Abbild des pneumatischen Glaubensgeschehens in der Einen, Rechtgläubigen, Heiligen, Katholischen (= über den gesamten bewohnten Erdkreis ausgebreiteten) und Apostolischen Kirche. Die Heiligen Ökumenischen Konzilien sind außerordentliche Gesamtsynoden der gesamten Kirche, auf denen die Patriarchen, Bischöfe und kirchlichen Autoritäten der ganzen rechtgläubigen Christenheit zusammenkommen, um dort den überlieferten, katholischen, rechtgläubigen und apostolischen Glauben wie ihn unser Herr Jesus Christus selbst Seiner Kirche zur treuen Bewahrung anvertraut und den die heiligen Apostel in Treue zum Leben und der Lehre des Herrn in harmonischer Übereinstimmung gelehrt haben, gegen aufgekommene Häresien zu verteidigen. Die dogmatischen Formulierungen der Heiligen Konzilien bringen deshalb keine neuen Lehren in das Christentum ein, sondern formulieren der von Christus und seinen Aposteln gelehrten beziehungsweise überlieferten Glauben nur in einen klareren uns präziseren Ausdruck. Deshalb ist die Idee der abendländischen Theologen, es habe in der christlichen Kirche eine "Dogmenentwicklung" gegeben, der genuin orthodoxen Theologie und den kirchlichen Denken vollkommen fremd. Nicht der christliche Glaube hat sich entwickelt, sondern wie wir rechtgläubig über ihn reden - und das bedeutet in der Orthodoxie immer vor allem, wie er rechtgläubig im Gebet der heiligen Kirche zum Erklingen gebracht wird - hat sich mehr und mehr vor dem Angriff durch die falschen unchristlichen Lehren der Häretiker präzisiert und entfaltet.

 

Außer in Glaubensdingen haben die Heiligen Konzilien auch verschiedene kanonische Anordnungen getroffen. Die sind kirchliche Rechtsvorschriften, die die Verwaltung der Kirche regeln. Diese Kanones haben grundsätzlich meist nur einen temporären Charakter, das heißt, es besteht die prinzipielle Möglichkeit, sie durch Lokalsynoden oder spätere ökumenische Konzile den jeweiligen Notwendigkeiten anzupassen, während das heilige Glaubensgut nicht verändert werden kann, ohne dass die Kirche gleichzeitig aufhören würde, Kirche Jesu Christi zu sein. Obwohl die kanonischen Anordnungen grundsätzlich veränderbar sind, unterliegen sie weder der subjektiven Willkür durch Einzelne, Lokalkirchen oder Gruppen. Sie sind trotzdem allgemein verbindlich und für die kanonische Tradition und damit für die Ausgestaltung des kirchlichen Lebens  maßgebend ist.

 

Das erste Konzil in der Geschichte der christlich-orthodoxen Kirche war das Apostelkonzil in Jerusalem (vgl. Apostelgeschichte 15). Außer diesem und den Sieben Heilige Ökumenische Konzilen anerkennt die orthodoxe Kirche weitere Entscheidungen einzelner Lokalsynoden als für die gesamte Kirche verbindlich.

 

Die wichtigsten Entscheidungen

der Heiligen Sieben Ökumenischen Konzilien

 

Für den Glauben der Orthodoxen Kirche sind die Entscheidungen von Sieben Ökumenischen Konzilien verbindlich. Die Lehre dieser Konzilien ist in Kürze folgende:

 

1. Das Nizänum (325), das den Arianismus verurteilte. Bei diesem Konzil wurde der christliche Glaube bzw. die Lehre der Kirche über die Gottheit des menschgewordenen Sohnes Gottes bekannt und mit dem Begriff „wesensgleich“ (griechisch homooúsios) mit dem Vater zum Ausdruck gebracht. Der Sohn Gottes ist also kein Geschöpf, wie die Anhänger des Presbyters Arius behauptet haben, sondern wie der Vater Gott ist, so ist es auch sein Sohn. Das kanonistische Werk dieses Konzils, d.h. die von diesem Konzil verabschiedeten kirchenrechtlichen Bestimmungen regeln auch heute noch die Grundstrukturen in der Orthodoxen Kirche, wie zum Beispiel das kanonische Territorium der Lokalkirchen, die später Patriarchate genannt wurden, oder für die Wahl der Bischöfe. Deshalb müssen diese kirchenrechtlichen Bestimmungen immer wieder in Erinnerung gebracht werden.

 

2. Das 1. Konzil von Konstantinopel (381), das die Gegner des Hl. Geistes, die seine Gottheit abgelehnt haben, bekämpfte. Der Heilige Geist ist genauso Gott wie der Vater und der Sohn. Bei diesem Konzil wurde das bis heute in jeder Göttlichen Liturgie gesungene Orthodoxe Glaubensbekenntnis verabschiedet. Der Kirche von Konstantinopel, des „Neuen Rom“, wurden bei diesem Konzil (Kanon 3) auch die gleichen Ehrenrechte wie der Kirche von Rom und der zweite Platz nach ihr eingeräumt.

 

3. Das Konzil von Ephesus (431) stellt gegen Nestorius, den Bischof von Konstantinopel, klar, dass in Christus zwei Naturen, die göttliche und die menschliche, in einer Person vereint sind, ohne dabei die Verschiedenheit der zwei Naturen zu beseitigen. Deshalb, weil der göttliche Logos (das göttliche Wort) Mensch geworden ist, bezeichnete das Konzil auch Maria als die Gottesgebärerin (griechisch Theotokos). Die Kirche von Zypern wird unabhängig, und seit damals ist diese Kirche autokephal.

 

4. Das Konzil von Chalzedon (451) verurteilte die „Monophysiten“, das heißt, diejenigen, die nur eine göttliche Natur bei Christus akzeptiert haben. Bei diesem Konzil wurden beide Naturen Christi, die göttliche und die menschliche, anerkannt. Dabei berücksichtigte das Konzil für seine Definition die Meinungen des heiligen Leo des Großen, Papstes von Alt- Rom und vor allem des heiligen Cyrill, Patriarchen von Alexandrien. Nach diesem Konzil kam es in der Kirche zu einer größeren Spaltung zwischen den Orthodoxen und den Kopten, Äthiopiern, Syro-Jakobiten und Armeniern. Heute werden diese Kirchen im Zusammenhang mit dem ökumenischen Dialog als „orientalische orthodoxe Kirchen“ bezeichnet. Zwischen diesen Kirchen und der Gesamtorthodoxie wurde der offizielle ökumenische theologische Dialog positiv abgeschlossen. Das Konzil bestätigte auch die ersten drei Konzilien (325, 381, 431) als ökumenische, wie auch das große Glaubensbekenntnis von Konstantinopel (381). In diesem Konzil wurde die Jurisdiktion der Kirche von Konstantinopel erweitert, ihr zweiter Platz nach der Kirche von Rom bestätigt. Die Kirche von Jerusalem wurde auch unabhängig, womit ein neues Patriarchat geschaffen wurde. Somit wurde bei diesem Konzil die sogenannte „Pentarchie“ für die Struktur der Gesamtkirche des Ostens und des Westens organisiert. Das sind die wichtigsten fünf altchristlichen Zentren.

 

5. Das 2. Konzil von Konstantinopel (553) versuchte die Einheit der Kirche wiederherzustellen und verurteilte drei Theologen des fünften Jahrhunderts, die des Nestorianismus verdächtigt wurden: Theodor von Mopsuestia, Theodoret von Cyrus und Ibas von Edessa. Das ist der „Dreikapitelstreit“. Papst Vigilius weilte in Konstantinopel, verweigerte aber die Teilnahme wie auch den Vorsitz am Konzil, obwohl er vom Kaiser und von den anderen Patriarchen dreimal dazu aufgefordert wurde. Das Konzil tagte weiter ohne den Papst, den es, weil er seine Teilnahme am Konzil immer wieder abgelehnt hatte, aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen hat, ohne aber die Gemeinschaft mit der Kirche von Rom zu brechen. Nach dem Ende des Konzils akzeptierte der Papst dessen Beschlüsse, womit dann die Kirchengemeinschaft mit ihm wiederhergestellt wurde.

 

6. Das 3. Konzil von Konstantinopel (680) verurteilte die Auffassung, dass Christus nur einen Willen hätte (Monotheletismus), nämlich nur den göttlichen. Christus, so stellte das Konzil fest, hat zwei Naturen (die göttliche und die menschliche) und konsequenterweise auch zwei Willen und zwei Tätigkeiten. Für die Definition des Konzils wurde die diesbezügliche Auffassung von Papst Agatho von Alt- Rom zugrunde gelegt. Das Konzil verurteilte die Anhänger des Monotheletismus, Patriarch Sergius von Konstantinopel, Patriarch Kyrus von Alexandrien, Patriarch Makarius von Antiochien und Papst Honorius von Rom.

 

Da dieses Konzil keine disziplinären Probleme behandelte, wurde es im Jahr 691/92 fortgesetzt (Trullanum), wo disziplinäre Kanones verabschiedet wurden. Dabei wird eine deutliche Entfremdung zwischen Osten und Westen festgestellt. So wird zum Beispiel durch Kanon 13 der im Westen sich deutlich abzeichnende Pflichtzölibat der Priester abgelehnt. Die westliche Kirche akzeptierte natürlich diese Kanones nicht. Damals wurde auch bestimmt, dass die Bischöfe nur aus dem zölibatären Klerus kommen dürfen.

 

7. Das 2. Konzil von Nizäa (787) befasste sich vornehmlich mit der Bedeutung der heiligen Ikonen in der Kirche, befürwortete und definierte die Ikonenverehrung bzw. die allgemeine Lehre von den Ikonen. Das Konzil bekämpfte dadurch die ikonenfeindliche Politik und Handlung einiger Kaiser zuvor (Ikonoklasmus).

 

 

Ikone der Heiligen Väter des Ersten Ökumenischen Konzils in Nizäa.
Ikone der Heiligen Väter des Ersten Ökumenischen Konzils in Nizäa.

 

Arius appellierte daraufhin an das Urteil der Kaisers Konstantin. Der heilige Konstantin war nicht nur um den Glauben der Kirche, sondern auch um den inneren Frieden in Reich besorgt. So berief er im Jahre 325 eine Synode aller Bischöfe des Reiches nach Nizäa, um die rechtgläubige christliche Lehre zu verkünden. Die war das erste von insgesamt sieben ökumenischen Konzilien, die in den kommenden Jahrhunderten als großen allgemeinen Bischofsversammlungen der Kirche den Heiligen Orthodoxen Glauben darlegen und verkünden sollten. Auf dem Ersten Ökumenischen Konzil wurde die falsche unchristliche Lehre des Arius verurteilte. Der junge Diakon Athanasius, der seinen Bischof nach Nizäa begleitet hatte, kämpfte schon hier in hervorragender Weise für den orthodoxen Glauben. Vom heiligen Athanasius stammt einer der Berichte über das Konzil, der noch bis heute erhalten geblieben ist. Das Konzil verkündete den Orthodoxen Glauben der Heiligen Kirche. Es bekannte „Jesus Christus als Eingeborenen Sohn Gottes, aus Gott, dem Vater, geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch Ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er von den Himmeln herabgekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.“ Das unser Herr und Erlöser und Gott Jesus Christus eines wesens mit Gott dem Vater ist, wird im griechischen Text des Bekenntnisses des Orthodoxen Glaubens, das in diesen Abschnitten durch das Erste Ökumenische Konzil von Nizäa formuliert worden ist, ,it dem griechischen Wort μοούσιος („homoousios“) ausgedrückt. Dieses Wort bedeutet wesensgleich – und nicht bloß μοιούσιος (homoiousios), was wesensähnlich heißt, wie Arius in den christlichen Glauben verletzender Weise lehrte.

 

Die Trinitäts-Ikone des heiligen Mönches Andrei Rubljov. In dieser russischen Ikone der alttestamentlichen Trinität kommt die Göttlichkeit der drei Göttlichen Personen und ihre Einheit in der Dreiheit (Троица) besonders klar zum Ausdruck.
Die Trinitäts-Ikone des heiligen Mönches Andrei Rubljov. In dieser russischen Ikone der alttestamentlichen Trinität kommt die Göttlichkeit der drei Göttlichen Personen und ihre Einheit in der Dreiheit (Троица) besonders klar zum Ausdruck.

 

Bereits vor der innerkirchlichen Kontroverse um die arianische Irrlehre hatte der heilige Athanasius seine Schrift „Über die Menschwerdung des Logos“ (περ νανθρωπήσεως το Λόγου) verfasst. In dieser Schrift legt der heilige Athanasius den überlieferten christlichen Glauben an die Inkarnation Gottes in Jesus Christus und damit die Gegenwart Gottes unter den Menschen aus. Aus dieser Väterschrift wird ersichtlich, dass es sich bei der Lehre des Arius nicht nur um eine abweichendes Theologumenen, sondern um eine ernste Bedrohung der Kernaussagen des christlichen Glaubens handelte.

 

Doch hatte die Häresie des Arius bereits viele Anhänger in der Kirche gefunden, unter denen sich auch einflussreiche Bischöfe befanden. Diese suchten nun nach Wegen die Entscheidungen des Konzils aufzuheben und den Arius wieder in die kirchliche Gemeinschaft aufzunehmen und ihm seine kirchliche Würde zurückzugeben. Nachdem der heilige Athanasius als Nachfolger des heiligen Alexanders im Jahre 328 Bischof von Alexandrien geworden war, wollte man ihn zwingen, den Arius wieder in die Kirchengemeinschaft aufzunehmen. Da Druck und Drohungen nichts bewirkten, suchte die arianisch gesinnte Partei mit Verleumdungen den heiligen Athanasius von Bischofsstuhl in Alexandrien zu vertreiben. Dabei schreckte man auch nicht  vor der Beschuldigung des Mordes zurück. Die Führer der arianisch gesinnten Partei streuten Gerüchte, der heilige Athanasius würde als Bischof die Gläubigen tyrannisieren. Auch habe er Arsenius, einen Bischof der Meletianer, umgebracht und seine Hand abgeschnitten, um sie für magische Rituale zu verwenden. Als Beweis wurde bei einem Konzil in Tyrus eine vertrocknete Menschenhand gezeigt. Der heilige Athanasius gelang es jedoch, den angeblich Ermordeten am selben Konzil zu präsentieren: lebendig und mit beiden Händen. Vor einer alexandrinischen Synode wusste sich der heilige Athanasius glänzend zu verteidigen und brachte das Lügengebäude der Anklagen am Ende damit endgültig zum Einsturz, dass er das angeblicher Mordopfer lebendig vor aller Augen präsentierte. Obwohl Bischof Athanasius sich gegen die Anschuldigungen verteidigen konnte und sie alle vor der Synode als nicht stichhaltig erwiesen werden, gedachte der Kaiser die entstandenen kirchlichen Spannungen dadurch zu entschärfen und die theologischen Kontroversen damit befrieden zu wollen, dass er den heiligen Athanasius in die politische Verbannung nach Trier schickte. Hier wurde der heilige Athanasius herzlich durch den heiligen Bischof Maximin von Trier von Trier aufgenommen. Der heilige Maximin war der Nachfolger des heiligen Agritius auf dem Trierer Bischofsthron und ein erklärter Gegner der arianischen Häresie.

 

 

 Im römisch-katholischen Trierer Dom, der ältesten Bischofskirche Deutschlands, ist am 14. April 2007 durch den damaligen katholischen Bischof von Trier Reinhard Marx die Athanasius-Kapelle geweiht geworden. In der dem heiligen Athanasius von Alexandria gewidmeten Kapelle wurde ein Ikonostas eingebaut. Nach einer Aussage des Trierer Domkapitels war es eine bewusste ökumenische Entscheidung, dass in der Athanasius-Kapelle ein Ikonostase zur Feier der orthodoxen Heiligen Liturgie errichtet wurde. Gestaltet wurde der Ikonostas vom rumänischen Ikonenmaler Sava Claudiu aus Jassy.

 

eier der Göttlichen Liturgie in der Athanasius-Kapelle im Trierer Dom unter den Vorsitz von Erzbischof Feofan von Berlin und Deutschland (Moskauer Pastriarchat).
eier der Göttlichen Liturgie in der Athanasius-Kapelle im Trierer Dom unter den Vorsitz von Erzbischof Feofan von Berlin und Deutschland (Moskauer Pastriarchat).

 

Während der heilige Athanasius sich in der Verbannung in Trier befand sollte Arius hingegen in unkanonischer Weise in Konstantinopel wieder in die Kirchengemeinschaft aufgenommen werden. Er starb aber am Tag, bevor diese Zeremonie stattfinden sollte. Auch Kaiser Konstantin verstarb im Jahre 337. Der heilige Athanasius durfte daraufhin zunächst wieder auf seinen Bischofsstuhl in Alexandrien zurückkehren, wo er vom Christenvolk mit großer Freude und Dankbarkeit gegenüber Gott empfangen wurde. Aber schon im Jahre 339 musste der heilige Athanasius erneut aus Alexandria fliehen. Unterstützt von Heiden und Juden bemächtigte sich ein neuer arianischer Gegenbischof mit Gewalt und unter Gräuelszenen der Herrschaft in der Kirche von Alexandria.

 

In den kommenden Jahren war der heilige Athanasius ein unerschütterliche Bekenner für Christus, die Säule der Heiligen Kirche und der Vater der Heiligen Orthodoxie. Die Gunst oder Missgunst der jeweils regierenden Kaiser wechselten sich in den folgenden Jahren und Jahrzehnten ab. Die politischen Wendungen und das weltliche Ränkespiel bestimmten zwar das irdisch-menschliche Schicksal des heiligen Athanasius, jedoch hatten diese Wendungen keinen Einfluss auf seine Glaubensüberzeugungen. Als heiliger Bischof blieb er stets kompromisslos und unbeugsam. Insofern ist der heilige Athanasius ein immerwährend leuchtendes Beispiel für eine geistlich orientierte, ideologisch nicht korrumpierbare Kirche, deren Kraft grundsätzlich im wahren und rechten Glauben und in der kirchlichen Frömmigkeit, jedoch nicht in erster Linie im Aufrechterhalten äußerlich sichtbaren kirchlichen Strukturen durch allfälligen oder billigen Kompromiss mit den jeweiligen politischen und ideologischen Machthabern liegt. Die strukturelle Integrität der Kirche, ihre Sichtbarkeit für die Menschen ist zwar wichtig und gut, denn sie ermöglich uns ein geordnetes kirchliche Leben. Doch sowohl das Lebensbeispiel des heiligen Athanasius als auch die jüngste Epoche der Christenverfolgungen unter den kommunistischen Regimen lehrt uns, dass es zu allen Zeiten weitaus wichtiger und unverzichtbarer ist, in der Kirche die Reinheit des christlichen Glaubens und die Fülle des geistlichen Lebens zu bewahren. Genau hier setzt nämlich der Teufel, der Diabolos (= Verwirrer und Durcheinanderbringer) durch das Denken des jeweilige Zeitgeist an, um die Heilsbotschaft Christi, die die Kirche in ihrer ganzen Fülle zu verkündigen anvertraut und das Heilshandeln der Kirche, dass in den Heiligen Sakramenten dargereicht und im kirchlich-geistlichen Leben verwirklicht wird, zu verdunkeln.

 

Prozession vor der Christi-Auferstehungs- Katherdale in Tirana/Albanien. Nach Jahrzehnten im "ersten atheistischen Land der Erde", wo jede Religionsausübung verboten gewesen war, erleben Kirche und Glaube eine Auferstehung.
Prozession vor der Christi-Auferstehungs- Katherdale in Tirana/Albanien. Nach Jahrzehnten im "ersten atheistischen Land der Erde", wo jede Religionsausübung verboten gewesen war, erleben Kirche und Glaube eine Auferstehung.

 

Der heilige Athanasius ermuntert die orthodoxen Gläubigen in der damaligen Situation mit seinen berühmt gewordenen Worten: „Gott wird euch trösten. Euch betrübt freilich, dass andere durch Gewalttat eure Kirchen in Besitz genommen haben, ihr aber unterdessen außerhalb derselben sein müsst. Aber jene haben die Tempelstätte, ihr den apostolischen Glauben. Jene sind in den Kirchen, aber vom Glauben ferne; ihr zwar seid außerhalb der Kirchen, aber der Glaube ist in euch. Was ist mehr, der Glaube oder der Tempel? Offenbar der Glaube. Wer also hat mehr verloren, oder wer besitzt mehr, wer im Besitz des Glaubens oder des Tempels ist ... Ihr seid selig, weil ihr durch den Glauben in der Kirche seid, auf dem festen Glaubensgrunde wohnt. Dies sei euch genug, die Fülle des Glaubens nämlich, die unerschütterlich in euch bleibt..... Niemand also vermag etwas über euren Glauben, weil er ein vom Vater im Himmel angezündetes Licht ist, meist geliebte Brüder, und wenn einst Gott auch die Kirchen, wie wir hoffen, wieder zurückgeben wird, so muss doch auch dann der Glaube höher stehen als sie“ (Opp. Sol in Athanasius; Werke).

 

Der heilige Athanasius hielt unerschütterlich am Orthodoxen Glauben fest, auch wenn er deshalb zahlreiche Verfolgungen, Verleumdungen und Schikanen erdulden musste. Fünfmal musste der unbeugsame Bischof von Alexandria in die Verbannung gehen. Insgesamt 17 1/2 Jahre war er fern von seiner ihm von Christus anvertrauten gläubigen Herde. Jedoch auch dies ist ein Zeichen des echten kirchlichen Lebens: Niemals haben die Gläubigen ihren treuen Bischof vergessen. Ein großer Teil der Gläubigen hielt ihrem Bischof auch in der Verfolgung unverbrüchlich die Treue, obwohl die gottlosen Arianer auch viele von ihnen deswegen misshandelten. Die folgenden Jahrzehnte waren für die  Kirche durch zahlreiche „Vermittlungsversuche“ und „Kompromissformeln“ geprägt. Auf Druck der jeweils regierenden Kaiser versuchten nun verschiedene Synoden, eine klare christliche Aussage wie sie sich im Glaubensbekenntnis von Nizäa darstellt zu vermeiden. Denn folgerichtig richte sich die Kritik der Arianer vor allem das Glaubensbekenntnis der in Nizäa versammelten Heiligen Väter. Diese theologischen Unklarheiten, die weniger klare Formulierungen in Glaubensdingen brachte jedoch keineswegs den erhofften innerkirchlichen Frieden. Vielmehr steigerten sie die allgemeine Unruhe und Verwirrung. Bald verstand jeder unter den Worten der neu geschaffenen Glaubensbekenntnissen etwas anderes. Man einigte sich zwar oft auf einen gemeinsamen Wortlaut, indem man umstrittene Bezeichnungen vermied, aber der neuen Sprechweise fehlte es an Klarheit. Niemals konnten sie eine "arianische Einheit im Bekenntnis" unter ihren Parteiungen herstellen.

 

Ikone der Heiligen Väter auf dem Konzil von Nizäa.
Ikone der Heiligen Väter auf dem Konzil von Nizäa.

 

Leider ließen sich in jenen Jahren der großen innerkirchlichen Verwirrung auch viele rechtgläubige Bischöfe dazu verleiten, den heiligen Athanasius zu verurteilen. Auch wenn sie sich selbst nicht vom orthodoxen Glauben abwandten, so erschien ihnen die Haltung des Bischofs von Alexandrien zu wenig diplomatisch, zu ungeschmeidig, zu wenig kompromissbereit. Zu einem gewissen Zeitpunkt schien es so, als ob die gesamte Kirche in Häresie verfallen ein und nur noch der heilige Athanasius am rechten Glauben festhielt. Nicht nur eine Mehrheit der Bischöfe im Osten, auch der römische Bischof Liberius begann unter politischem und kirchlichem Druck schließlich sich gegen den heiligen Athanasius zu wenden. Zeitweise schien es so, als ob die gesamte rechtgläubige Kirche verschwunden und durch den Arianismus überwunden worden sei.

 

Doch schon bald wurden die nur mühsam verdeckten Spaltungen unter den verschiedenen Gruppen und Theologien der Arianer offensichtlich und sie begannen in zahlreiche verschiedene sich bekämpfende Parteiungen zu zerfallen. Von ihrer ursprünglichen Auffassung, dass der Sohn dem Vater nur wesensähnlich sei, über die Behauptung, dass er ihm nur „irgendwie ähnlich“ sei bis zu der Annahme, dass Er Ihm in „nichts ähnlich“ genannt werden könne, reichten ihre Häresien.

 

Der heilige Athanasius charakterisiert die arianischen „Bischöfe“ mit den klarsichtigen Worten: Da sie ja „nicht durch die Türe eingegangen, sondern wie Diebe und Räuber eingebrochen waren, waren sie der Natur der Sache nach den Gemeinden auch verhasst. Solche Bischöfe benahmen sich auch als Feinde der Kirche, Sich auf den kaiserlichen Schutz verlassend, missbrauchten sie ihre Gewalt und entfremdeten sich immer mehr die Gemüter. Ihre Glaubensbekenntnisse sind  mit dem Blut der Gemordeten aufgezeichnet“ (zitiert nach Jahann Adam Möhler; Athanasius der Große, Mainz 1844) Aber über die von ihren Kathedren verbannten orthodoxen Bischöfe sagte der heilige Athanasius:„… Als sie die Länder und Städte durchwanderten, predigten sie den wahren Glauben... So kam gerade das Gegenteil von dem zustande, was die Verfolger wollten. ... Jeder, der die Verbannten sah, bewunderte sie als Bekenner, und verabscheute ihre Feinde nicht bloß als unsittliche Menschen, sondern als ungerechte Richter und Mörder“ (Möhler; a.a.O.).

 

Im Jahre 366 konnte Athanasius endgültig wieder auf den Bischofsstuhl seiner Vaterstadt zurückkehren, wo er von den Rechtgläubigen begeistert empfangen wurde. Die letzten Jahre bis zu seinem Tode 373 ging et tatkräftig an die Wiederherstellung des durch die Verfolgungen der Arianer beeeinträchtigten kirchlichen Lebens. Im Jahre 369 hielt er eine Synode in Alexandrien ab, die nochmals den orthodoxen Glauben, wie er auf dem Heiligen Konzil in  von Nizäa festgestellt worden war gegen die arianischen Angriffe bestätigte. Als die rechtgläubige Herde wieder ihren rechten Hirten hatte, blühte auch das kirchliche Leben rasch wieder auf.

 

Das apostolische Wirken des heiligen Athanasius machte auf jeden, sei er Freund oder Feind einen gewaltigen Eindruck. Der heilige  Gregor von Nazianz schreibt über das Wirken des heiligen Athanasius: „Er lebte, wie er lehrte, und wie er lehrte, so duldete er... alles stimmte bei ihm zusammen.... Mit solcher Milde und Schonung behandelte er die, die ihn beleidigt hatten, dass selbst diese nicht sagen konnten, seine Rückkehr sei ihnen lästig gewesen. Allerdings reinigte er den Tempel von jenen, die das Heiligtum schändet hatten... Die gesunkene Lehre richtete er wieder auf. Die Predigt von der Dreieinheit stellte er auf den Leuchter und erleuchtete alle Seelen mit der Lehre vom einen Gott. ... Der ganzen Kirche gab er wieder Gesetze und zog jedes Gemüt an“ (zitiert nach Otto Stählin; Die altchristliche griechische Literatur).

 

Der heilige Athanasius selbst schreibt über seine Beweggründe: „Nach Kräften wollen wir die Unwissenheit der Ungläubigen dartun, damit... sofort die Wahrheit durch sich selbst in ihrem Glanze erscheine. Auch sollst du, o Mensch, die feste Zuversicht erlangen, dass du der Wahrheit geglaubt hast und nicht betrogen worden bist, als du Christus anerkanntest. Es ziemt sich aber für dich, der du Christus liebst, um Sein Werk zu wissen, da ich hoffe, du seiest der Überzeugung, Seine Erkenntnis und Sein Glaube sei das Kostbarste von allem“ (zitiert nach Athanasius; gegen die Heiden)

 

 

Anmerkung des Verfasser: Für die Erstellung dieses Beitrags wurden Informationen aus:

"Athanasius - Bischof von Alexandrien" vom Arbeitskreis Katholischer Glaube herangezogen.

 

 

Ikone der allheiligen Gottesgebärerin von Vatopedi "Freude und Trost"

 

21. Januar

 

Die Gottesmutter Ikone, genannt „Freude“, oder auch „Trost“ (икона Божией Матери «Отрада и Утешение»), befindet sich auf dem Heiligen Berg Athos in der Verkündigungskirche des Vatopedi-Klosters.

 

Neben diesem Kloster fiel im Jahr 395 während eines starken Sturmes der Prinz Arkadios, der Sohn des Kaisers Theodosos des Großen, von einem Schiff ins Meer und wurde von den Wellen verschlungen. Alle waren erschrocken und dachten, dass er ertrunken sei. Das Schiff steuerte mit großen Mühen zur Athos- Halbinsel hin und landete dort, wo sich das Kloster befand. Ermüdet lang andauernder Suche gelangten dann die Begleiter Arkadios am Ufer zu einem kleinen Gehölz und sahen dort in dessen Schatten den durchnässten, tief schlafenden Prinzen. Erwacht erzählte der Junge von seiner wunderbaren Errettung aus Todgefahr durch den Beistand der allheiligen Gottesmutter. Daher rührt die Bezeichnung des Klosters, denn Vatopedi bedeutet im Griechischen "Strauch des Kindes".

 

Der Kaiser Theodosios erweiterte im Gedenken an die wunderbare  Errettung seines Kindes, daraufhin die Gebäude des Kloster und beschenkte es reich. Der Altar der Hauptkirche befindet sich genau an der Stelle, an welcher der Thronfolger wiedergefunden wurde. Zur Einweihung der Kirche kam Arkadios selbst zusammen mit dem damaligen Ökumenischen Patriarchen Nektarios.

 

Die wundertätige Ikone der allheiligen Gottesmutter „Freude“ oder „Trost“ befindet sich in einer Wandnische am rechten Chor einer ihr gewidmeten Kapelle. Im Anlitz der Gottesmutter spiegelt sich ihr tiefes Mitgefühl. Ihr Blick atmet Demut und Barmherzigkeit. Das Gesicht des göttlichen Kindes drückt auch noch andere Gefühle aus. Es ist geprägt von einem Anflug der Strenge, die Seine Gesichtszüge prägen. Sein Blick ist bestimmt auf den Beter gerichtet und drückt Seine Gerechtigkeitsliebe aus.

 

Zu Geschichte dieser Ikone wird das folgende Ereignis berichtet: Am 21. Januar 807 kam eine Räuberhorde auf den heiligen Berg Athos mit dem Ziel, im Morgengrauen, wenn die Tore des Vatopedi-Klosters geöffnet werden, das Kloster zu überfallen, die Mönche zu überwältigen und die Schätze im Kloster zurauben. Die Räuber, die am Vorabend ans Ufer gekommen waren, verstecken sich bis zum Morgengrauen im Gebüsch vor den Klostertoren. Aber die Allheilige Beschützerin des Berges Athos, die Gottesmutter, ließ nicht zu, daß dieses böse Vorhaben zur Ausführung kam. Am nächsten Tag nach dem Morgengebet, als alle Brüder des Klosters in ihre Unterkünfte zu einer kurzen Ruhe gegangen waren, begann der in der Kirche verbliebene Abt mit seiner allmorgendlichen Gebetsregel. Plötzlich hörte er eine Stimme, die von der  Ikone der allheiligen Gottesgebärerin her zu ihm sprach: „Öffnet heute die Tore des Klosters nicht, sondern begebt euch auf die Klostermauern, um die Räuber auseinander zu treiben.“ Der Abt war sehr verwundert und richtete seine Augen auf die heilige Ikone. Dabei schaute er ein beeindruckendes Wunder: Er sah, wie sich das Antlitz der allheiligen Mutter Gottes bewegte; ebenso das des Gottessohnes auf ihren Armen. Der Immerwährende Sohn streckte Seine Rechte aus, um damit die Lippen seiner Göttlichen Mutter zu verschließen, richtete Seinen Blick auf sie und sprach: „Nein, Meine Mutter, sage ihnen dieses nicht: Sie sollen bestraft werden.“ Aber die Gottesmutter ergriff die Hand ihres Sohnes und Gottes, neigte dabei ihr Angesicht nach rechts und wiederholte noch zweimal dieselben Worte: „Öffnet heute nicht die Tore des Klosters, sondern begebt euch auf die Klostermauern, um die Räuber auseinander zu treiben.“ Der vom Schrecken erfasste Abt versammelte alle Brüder und erzählte ihnen, was passiert war. Auch teilte er ihnen die Worte der allheiligen Gottesgebärerin und ihres Göttlichen Sohnes mit. Alle Brüder bemerkten mit größter Verwunderung, dass das Antlitz der Mutter Gottes und des Herrn Jesus Christus, aber auch  das gesamte Aussehen der heiligen Ikone verändert hatten. So priesen sie den Schutz und das Eintreten der Allreinen Gottesgebärerin und des sich durch sie uns Sündern erbarmenden Gottes. Sie eilten auf die Klostermauern und verhinderten den Einfall der Räuberhorde.

 

Das Vatopedi-Kloster.
Das Vatopedi-Kloster.
Moderne Kopie der Gottesmutter von Vatopedi "Freude und Trost"
Moderne Kopie der Gottesmutter von Vatopedi "Freude und Trost"
Die wundertätige Ikone im Vatopedi-Kloster.
Die wundertätige Ikone im Vatopedi-Kloster.

 

Seit dieser Zeit ist die Gottesmutterikone von Vatopedi unter der Bezeichnung „Freude“ oder „Trost“ bekannt. Auf der heiligen Ikone behielten die Gesichter der Mutter Gottes und unseres Herrn Jesus Christus jenen Ausdruck, den sie angenommen hatte, als der Igumen die dreimaligen Stimme gehört hat.

 

Zum Andenken an diese wunderbare Rettung des Vatopedi-Klosters befinden sich vor der heiligen Ikone eine ewig brennende Lampada und eine ebenfalls brennende große Kerze. Seit dieser Zeit wird im Vatopedi-Kloster die heilige Mönchsweihe der Brüder nur in dieser Kapelle vollzogen und jeden Tag wird vor der heiligen, wundertätigen Ikone ein Moleben gehalten.

 

 

O Allheilige Gottesgebärerin, unsere Freude und Trost! Schau barmherzig auf die vor Dir mit Glauben und Liebe stehenden und sich von Deinem allerheiligsten Abbild verneigenden, empfange unsere Lobpreisungen und ergieße über uns Sünder Dein warmes Gebet zu Gott, der, schauend auf all unsere Sünden, uns erretten und sich unser erbarmen möge. Oh, allherrliche Gebieterin! Zeige uns deine wunderbare Barmherzigkeit, beschütze die Hirten der Kirche und das ganze christliche Heer! Wir bitten Dich innig, befreie uns von aller Trübsal, leite uns auf den Weg der Tugend und Güte, errette uns vor Versuchungen, Not und Krankheiten und beschütze uns vor Verleumdungen und Streit, vor Unwetter, Erdbeben und Überschwemmungen sowie vor todbringenden Seuchen, gib uns Deine barmherzige Hilfe auf Reisen, auf dem Meer und dem Lande.

 

Wir bringen Dir, Allbarmherzige Gebieterin, unerschütterlich auf Dich vertrauend, unser armseliges Gebet empor. Weise nicht unsere Tränen und Seufzer ab, vergiss uns nicht an all unseren Lebenstagen, sei immer mit uns und gib uns mit Deinem Eintreten und Fürsprechen vor Gott Freude, Trost, Schutz und Hilfe, damit wir alle Dich rühmen, verehren und preisen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Heilige Gregor der Theologe

 

25. Januar 

 

Das Gewebe des Christentums wurde durch die Fäden solcher Männer wie dem Heiligen Gregor dem Theologen (Γρηγόριος Α´ ὁ Ναζιανζηνός, Γρηγόριος ὁ Θεολόγος) in seiner Stärke und Schönheit gewoben. Er wurde im 4. Jahrhundert einer der vier großen Väter der Kirche, zusammen mit dem Heiligen Basilios dem Großen, dem Heiligen Johannes Chrysostomos und dem Heiligen Athanasios dem Großen. Er wird auch als einer der sog. kappadokischen Väter bezeichnet, eine Ehre, die er sich mit den Heiligen Basilios und Gregor von Nyssa teilt. Er wird auch als der Hauptstreiter der Orthodoxie gegen die häretische Lehre des Arianismus anerkannt. 

 

Er wurde 329 als Sohn eines Bischofs, nach dem er genannt wurde, in Arianz in Kappadokien, Kleinasien geboren. Er studierte in Caesarea und dann in Athen, wo er Basilios traf und mit ihm – im gemeinsamen Beschluss Christus zu dienen – eng befreundet wurde. Auf Vorschlag von Basilios wurden die beiden Mönche in einer Einsiedelei am Pontus, wo sie eine geistliche Reise antraten, die sie beide zu geistlicher Größe führen sollte. Gregor zeigte allerdings einiges Widerstreben das Kloster zu verlassen, um die Priesterweihe zu erhalten und seinem Vater, dem Bischof von Nazianz als Assistent zu dienen. 

 

Die glänzenden Predigten des Sohnes übertrafen die des Vaters. Als er noch kaum dreißig Jahre alt war, hatte er den Beifall der ganzen Region als mächtiger Streiter im Kampf gegen Heidentum und Häresie. 

 

Es war im Wesentlichen durch den Einfluss von Gregor, dass sein Freund Basilios Bischof von Caesarea wurde. In dessen Verlauf wurde er selbst Bischof der relativ unbedeutenden Stadt Sasima, ein Amt, das er nie gesucht hatte und auch nicht antrat, da er lieber bei seinem Vater in Nazianz blieb. Nach dem Tode seines Vaters im Jahre 374 übernahm er die Kirche von Nazianz. Mit dem Tode seines Vaters wuchs sein Wunsch auf eine Rückkehr als Asket in eine Einsiedelei, um dort zu meditieren, zu beten und die Schrift auszulegen. Er erhielt die Erlaubnis sich nach Seleucia in Isaurien zurückzuziehen, wo allerdings sein Aufenthalt als Eremit nur kurz sein sollte. 

 

Nach dem Tode des arianischen Kaisers Valens, dem kurz darauf auch der Freund Gregors, Basilios folgte, wurde Gregor nach Konstantinopel gerufen. Er sollte die Reorganisation der Orthodoxen Kirche leiten, die durch die Häresie des Arianismus innerlich zerrissen war und äußerlich durch die Störungen durch die Heiden. Im Laufe seines heiligen Werkes bekam er den Ruf eines hervorragenden Redners und Streiters, mit dem er sich den Titel eines „Theologen“ verdiente, trotz der Gegnerschaft Maximus’ des Zynikers, der vom Bischof von Alexandria gegen ihn in Stellung gebracht worden war.

 

Als der orthodoxe Kaiser Theodosios 380 an die Macht kam, übernahm Gregor die Leitung der großartigen Kirche der Hagia Sophia, des angesehensten Gotteshauses der ganzen Christenheit. Während seiner Leitung nahm Gregor teil an einem Konzil, das 381 in Konstantinopel abgehalten wurde, um die Meinungsverschiedenheiten unter den Führern der Kirche zu schlichten. Bekannt als das Zweite Ökumenische Konzil, löste es die Probleme und wählte Gregor zum Patriarchen von Konstantinopel. Außerdem bestätigte es die nizänische Lehre, die das Erste Ökumenische Konzil in Nizäa verfochten hatte. 

 

Während der ganzen Zeit seines Amtes als geistlicher Führer der Orthodoxie diente der edle Gregor ehrenhaft und würdig. Er war zudem das Werkzeug Gottes, indem er die Kirche zu einer festen Einheit zusammenschloss, die jedem inneren oder äußeren Druck widerstehen konnte. Er wurde der persönlichen Angriffe, das Berufsrisiko jedes Patriarchen, müde und zog sich nach einer bewegenden Abschiedsrede zurück, um seine letzten Tage mit meditieren, schreiben und beten zu verbringen. Er starb am 25. Januar 388.

 

Quelle:  Father G. Poulos, Orthodox Saints

 

 

Gedenken unserer ökumenischen Lehrer Basilius des Großen,

Gregors des Theologen und Johannes Chrysostomos,

der drei Hierarchen

 

30. Januar

 

Zur Zeit des byzantinischen Kaisers Alexios Komnenos (1081-1118) entbrannte in Konstantinopel unter den in Glaubensdingen Bewanderten ein Streit über die Frage, welcher der drei großen heiligen Hierarchen und Väter der Kirche, Basilius der Große, Gregor der Theologe und Johannes Chrysostomos der größte sei.

 

Die einen sagten, Basilius sei den beiden anderen vorzuziehen, denn wie keiner vor ihm habe er die Mysterien der Natur zu erläutern gewusst und sei durch seine Tugend in den Rang der Engel aufgestiegen. Ordner des Mönchtums, Anführer der ganzen Kirche im Kampf gegen die Häresie, als Hirte streng und anspruchsvoll hinsichtlich der Reinheit der Sitten, hatte er in sich nichts Niedriges und Irdisches. Deshalb sei er dem Heiligen Chrysostomus überlegen, der eher dazu neigte, den Sündern zu vergeben. Andere ergriffen Partei für den goldmundigen Erzbischof von Konstantinopel und entgegneten, er sei dem Heiligen Basilius in nichts nachgestanden hinsichtlich des Eifers, mit dem er gegen die Laster kämpfte, die Sünder zur Umkehr und das ganze Volk zur christlichen Vollkommenheit zu führen sich mühte. Unübertrefflich in seiner Sprachgewalt, hat der heilige Johannes die Kirche mit einem wahren Strom erhabener Predigten getränkt, in denen er, mit einer größeren Meisterschaft als die beiden anderen das Wort Gottes auslegt und zeigt, wie es anwenden im täglichen Leben. Die dritten schließlich vertraten den Standpunkt, der Heilige Gregor der Theologe sei beiden überlegen durch die Majestät, die Reinheit und die Tiefe seiner Rede. Er habe in der Gottesschau einen so hohen Grad erreicht, dass niemand wie er, in seiner souveränen Beherrschung der gesamten hellenischen Weisheit und Sprachkunst, es verstanden habe, das Dogma der Allheiligen Dreieinheit so vollkommen auszudrücken.

 

So verteidigte jede Partei einen der drei heiligen Väter gegen die beiden anderen, und bald ergriff der Streit das ganze Christenvolk der Kaiserstadt, nicht etwa zur Erbauung und zur Förderung der Verehrung der Heiligen, sondern zum endlosen Streit. 

 

Da erschienen eines Nachts die heiligen drei Hierarchen dem Metropoliten von Evchäita, dem Heiligen Johannes Mavropous und sagten mit einer einzigen Stimme zu ihm: „Wie du siehst, sind wir alle drei bei Gott, und keinerlei Zwist oder Uneinigkeit besteht zwischen uns. Jeder von uns hat gemäß den Umständen und der Inspiration des Heiligen Geistes geschrieben und gelehrt, was dem Heil der Menschen förderlich war. Es gibt unter uns weder einen ersten, noch zweiten oder dritten, und wenn du einen von uns anrufst, sind sogleich auch die beiden anderen zur Stelle. Befiehl deshalb denjenigen, die sich streiten, keine Spaltungen hervorzurufen in der Kirche unsretwegen, denn als wir auf Erden lebten, widmeten wir unsere ganze Kraft der Förderung von Einheit und Eintracht. Danach führe ein gemeinsames Fest unserer drei Gedächtnisse ein, schreib dazu den Gottesdienst mit Hymnen für jeden von uns, gemäß der Kunst und dem Wissen, das Gott dir verliehen hat, und übergib dies den Christen mit der Weisung, das Fest jedes Jahr zu feiern. Wenn sie uns also ehren, als eins bei Gott und in Gott, versprechen wir, dass wir Fürbitte einlegen werden für sie mit unserem gemeinsamen Gebet für ihre Rettung.“ Nach diesen Worten wurden die drei Heiligen inmitten unendlichen Lichts in den Himmel entrückt. Der Heilige Johannes tat sogleich, wie er geheißen worden war, versammelte das Volk und teilte ihm diese Erscheinung mit. Da er seiner Tugend wegen von allen geachtet wurde, versöhnten sich die drei Parteien und forderten ihn auf, ohne Verzug den Gottesdienst zu schreiben für das Fest. Mit feiner Unterscheidung setzte der heilige Bischof das Fest auf den 30. Januar fest, wie zur Besiegelung des Monats, in welchem die Kirche aller drei Hierarchen gesondert gedenkt.  

 

In dieser wunderbaren Hymnendichtung, haben die drei Hierarchen — als irdische Dreiheit verschieden in ihren Personen, doch eins in der Gnade Gottes — uns sowohl durch ihre Schriften als auch durch ihr Leben gelehrt, die Heilige Dreiheit anzubeten und zu verherrlichen, den Einzigen Gott in drei Personen. Über die ganze Erde haben diese Leuchten der Kirche das Licht des wahren Glaubens verbreitet, ohne zu achten auf Gefahren und Verfolgung, und haben uns, ihren Nachkommen, dieses heilige Erbe hinterlassen, durch das auch wir, zusammen mit allen Heiligen, die höchste Seligkeit und das ewige Leben in der Gegenwart Gottes erlangen können. Indem wir mit diesem Fest den Monat Januar abschließen, in dessen Verlauf wir so viele große Hierarchen, Bekenner und Asketen gefeiert haben, rekapituliert die Kirche in gewissem Sinn das Gedächtnis aller Heiligen, die durch ihr Leben und Wort für den orthodoxen Glauben Zeugnis abgelegt haben. Indem wir dieses Fest feiern, ehren wir das gesamte Lehramt der Kirche, das heißt ihr Wirken zur Erleuchtung des Geistes und des Herzens der Gläubigen durch das Wort der Wahrheit. So ist das Fest der Drei Hierarchen in Wirklichkeit das Gedächtnis aller heiligen Väter der Kirche, jener Vorbilder christlicher Vollkommenheit, die der Heilige Geist von Generation zu Generation erstehen lässt, um neue Propheten und neue Apostel, neue Führer der Seelen zum Himmel zu sein, Tröster des Volks und Säulen des Gebets, die die Kirche stützen und in der Wahrheit bestätigen.

 

Quelle: Synaxarion

 

 

 

Synaxis (Versammlung) der drei heiligen Hierarchen-

Heiliger Basilius der Große, Heiliger Gregor der Theologe

und der Heiliger Johannes Chrysostomus

 

30. Januar

 

Der Hl. Basilius der Große

 

Der Heilige Basilius wurde um das Jahr 330 in Caesarea in Kappadokien, der  heutigen Stadt Kayseri in der Türkei geboren. Er war der Bruder des Heiligen Gregor von Nyssa und der Heiligen Makrina. Basilius stammte aus einer angesehenen und frommen Familie der Landaristokratie in der kleinasiatischen Provinz Pontus. Seine berufliche Laufbahn begann   er   um  das Jahr  356,   als er wie schon vorher sein Vater, als  Lehrer   der   Rhetorik  und Anwalt in seiner Heimatstadt zu wirken begann.   Auf Pilgerreisen zu den klösterlichen Zentren seiner Zeit in Ägypten, Palästina und Mesopotamien lernte er das gemeinschaftlich lebende sowie das eremitische Mönchtum kennen. Am Ende verschenkte er sein geerbtes Vermögen und zog sich mit seinem Freund aus Studientagen an der Universität von Athen, dem Heiligen Gregor   von   Nazianz, in die Einöde in der Gegend rund um Caesarea, in Zentralanatolien zurück, um dort als zunächst ein eremitisches und später dann ein konobitisches Mönchsleben zu führen. Schon bald sammelte sich um ihn eine stetig wachsende monastische Gemeinschaft.  Der Heilige Basilius verfasste ein Typikon (Regel) für das Mönchsleben, das bis heute in der Orthodoxen Kirche zum Vorbild aller Klöster gilt. Es ist auf den drei Säulen des Gehorsams, des Gebetes und der Arbeit aufgebaut. Scharf wandte sich der Heilige Basilius gegen das das geistliche Leben der Kirche vergiftende Klima der Simonie, also der Unsitte kirchliche Ämter gegen Geldgeschenke oder andere materielle Leistungen zu vergeben.

 

Im Jahre 364 wurde der Heilige Basilius zum Priester geweiht....

 

Wird fortgesetzt.