Heilige und Feste im Monat September 3

 

Gedächtnis des heiligen Propheten Zacharias und der heiligen und gerechten Elisabeth, Eltern des hl. Johannes des Täufers

 

Gedenktag 05. September

 

Die Heiligen Zacharias und seine Frau Elisabeth lebten in Ein Kerem bei Jerusalem. Er war Priester am Tempel in Jerusalem. Die Ehe der beiden war kinderlos geblieben. Im hohen Alter erschien ihm eines Tages, als er gerade im Tempel das Opfer darbrachte, der heilige Erzengel Gabriel und verhieß ihm die Geburt eines Sohnes. Weil der heilige Zacharias mit ungläubigem Erstaunen reagierte und ein Zeichen forderte, wurde er bis zur Geburt des Kindes mit Stummheit geschlagen (Lukas 1: 5 – 25). Nach der Geburt gab er gemäß der Weisung des Engels dem Kind den Namen Johannes und betete, erfüllt vom Heiligen Geist, einen Lobgesang (Lukas 1: 68 – 79), in dem er das Kommen des ersehnten Erlösers vorhersagte. Der heilige Zacharias wurde um das Jahr 10 im Tempel in Jerusalem ermordet.


Die heilige Elisabeth stammte wie ihr Ehemann aus dem Priestergeschlecht Aarons. Sie war verwandt mit der heiligen Gottesgebärerin Maria und verheiratet mit dem heiligen Priester Zacharias. Da ihre Ehe kinderlos geblieben war, nahmen die jüdischen Menschen der damaligen Zeit an, dass dies Zeichen dafür sei, dass sich Gott von Joachim und Elisabeth abgewandt habe. Doch dann erschien der heilige Erzengel Gabriel ihrem Mann und prophezeite ihm die Geburt eines Sohnes (Lk 1: 5 – 20). Die Geburt dieses Sohnes erlebte die heilige Elisabeth wie ein Wunder da sie in hohem Alter noch einen Sohn gebar. So wurde sie die Mutter des heiligen Johannes dem Täufer, der in seiner Bußpredigt auf das Kommen des Christus hingewiesen hat. Sie entschlief zu Beginn des ersten Jahrhunderts. Das Grab der heiligen Elisabeth ist wie auch das des heiligen Zacharias, aber auch das ursprüngliche Grab des heiligen Johannes des Täufers befindet sich der kirchlichen Überlieferung nach in Samaria (plästinensich: as-Samarah).

 

Troparion im 4. Ton: Mit priesterlichem Gewande bekleidet, brachtest du, weiser Zacharias, der Weisung Gottes gemäß, wohlgefällige Rauchopfer dar. Zu einer Fackel wurdest du und zu einem Seher göttlicher Dinge. Offenbar waren an dir, o Allweiser, die Zeichen der Gnade. Und mit dem Schwerte wurdest du im Tempel Gottes getötet, du Prophet Christi. Mit dem Vorläufer erbitte, dass wir errettet werden.


Kondakion im 4. Ton: Dem leuchtenden Monde gleich, hast du das Licht der Gerechtigkeit vom Messias, der geistigen Sonne der Gerechtigkeit, empfangen. In allen Geboten des Herrn wandelst du mit Zacharias, o gottgeliebte Elisabeth. Wenn wir mit Recht dich in Liedern fern, hochpreisen wir den Herr, das allbarmherzige Licht, das alles erleuchtet.

 

Diakon Thomas Zmija v. Gojan

 

 

Das Fest der Geburt der allheiligen Gottesgebärerin

und Immerjungfrau Maria

 

8. September

 

Neun Monate vor diesem Fest, am 9. Dezember, feiert die heilige Kirche die Empfängnis der Jungfrau Maria durch ihre Mutter Anna. Diese Empfängnis geschah zwar durch eine menschliche Vereinigung, aber Gott selbst hatte die Gebete Joachims und Annas erhört und dieses gottesfürchtige Paar von einer langjährigen Unfruchtbarkeit befreit.

 

Am zweiten Tag des Festes begeht die Kirche das Gedächtnis der heiligen gerechten Gottesahnen Joachim und Anna. Das Fest Maria Geburt wurde von der Kirche im IV. Jahrhundert eingeführt. Das dahinter stehende Geschehen kennen wir aus der Überlieferung. Es ist das erste der zwölf Hauptfeste des Kirchenjahres.

 

In der kleinen Stadt Nazareth in Galiläa lebte ein altes Ehepaar. Der Mann hieß Joachim, die Frau Anna. Joachim stammte aus dem Geschlecht des Königs David, Anna aus dem Geschlecht des Hohenpriesters Aaron. Beide waren im Gesetzes des Herrn bewandert und vor Gottes Augen gerecht. Sie lebten in Wohlstand und besaßen sowohl materiellen als auch geistlichen Reichtum. Sie führten ein wohltätiges Leben und befolgten das Gesetz Gottes. An jedem Festtag nahmen sie einen Teil ihres Vermögens und brachten ihn in den Tempel und gaben auch reichlich milde Gaben an die Armen. Durch ihr gerechtes Leben gefielen Joachim und Anna Gott, und Er würdigte sie, die Eltern der Allheiligen Jungfrau, der Mutter unseres Gottes, zu werden.

 

Wie Gott selbst durch eine Allheilige und Allreine Mutter Mensch werden sollte, so sollte auch sie selbst von heiligen und reinen Eltern geboren werden. Die heiligen Joachim und Anna waren lange Zeit kinderlos. Gott hatte es so eingerichtet, um schon bei der Geburt der Jungfrau Maria die Kraft Seiner Gnade zu zeigen, aber auch die Größe der Tochter und die Ehre und Würde ihrer Eltern.

 

Fresco- Ikone Geburt der Gottesmutter, Studenica- Kloster, Serbien (12. Jahrhundert).
Fresco- Ikone Geburt der Gottesmutter, Studenica- Kloster, Serbien (12. Jahrhundert).

 

Joachim und Anna weinten lange Zeit darüber, dass sie keine Kinder hatten. Einmal brachte Joachim an einem großen Festtag seine Gaben für Gott in den Tempel von Jerusalem. Zusammen mit Joachim brachten auch alle anderen Israeliten ihre Gaben. Aber ein Priester namens Issichar wollte die Gaben Joachims nicht annehmen, da der alte Joachim nach einem fünfzigjährigen Eheleben kinderlos geblieben war. Die Worte des Priesters machten Joachim sehr traurig. Er ging geschmäht und gedemütigt aus dem Tempel. Der Feiertag verwandelte sich für ihn in einen Tag des Kummers; die Freude, mit der er zum Tempel gekommen war, verwandelte sich in tiefe Trauer.

 

Inzwischen hörte auch seine Frau, die zu Hause geblieben war, dass der Hohepriester im Tempel ihre Gaben wegen ihrer Kinderlosigkeit abgewiesen hatte. Sie erfuhr auch, dass ihr Gatte traurig und weinend in die Wüste gegangen war, und brach auch selbst in Tranen aus. Nach einiger Zeit ging die betrübte Anna in ihren Garten und setzte sich unter einen Lorbeerbaum, seufzte aus tiefstem Herzen, und als sie mit ihren Augen, die voll Tranen waren, zum Himmel aufblickte, sah sie plötzlich oben im Baum ein Nest, in dem junge Vogel schrien. Diese Szene machte ihren Gram noch tiefer, und sie begann wieder zu weinen. Aber plötzlich erschien ihr ein Engel des Herrn. Er sagte: „Du wirst empfangen und eine Tochter gebaren, die gesegnet und größer als alle sein wird. Durch sie werden auch alle Volker der Erde gesegnet werden. Durch sie wird allen Menschen das Heil zuteil werden. Ihr Name wird Maria sein.“ Zur selben Zeit erschien der Engel auch Joachim in der Wüste. Er sagte: „Joachim, Gott hat dein Gebet erhört, es gefallt Ihm, dir Seine Gnade zu schenken. Deine Frau Anna wird empfangen und dir eine Tochter gebären, die der ganzen Welt zur Freude gereichen wird. Dies soll ein Zeichen sein, dass ich die Wahrheit spreche: Geh zum Tempel von Jerusalem, dort, bei der Goldenen Pforte, wirst du deine Frau Anna finden, der ich dasselbe gesagt habe.“ Erstaunt dankte Joachim Gott aus ganzem Herzen und machte sich eiligst auf nach Jerusalem, zum Tempel hin. Dort traf er, wie es ihm der Engel gesagt hatte, Anna, die bei der Goldenen Pforte zu Gott betete, und er erzählte ihr von seiner Begegnung mit dem Engel. Sie wiederum erzählte ihm ebenfalls alles, was sie gesehen und über die Geburt ihrer Tochter gehört hatte. Nachdem sie zu Gott gebetet und sich im Tempel vor Ihm verneigt hatten, kehrten sie nach Hause zurück. Nach neun Monaten gebar Anna eine Tochter, die Reinste und Gesegnete, höher als alle Geschöpfe, den Anfang unseres Heils, unsere Fürsprecherin vor Gott. Über ihre Geburt freuten sich Himmel und Erde. Aus Anlass ihrer Geburt brachte Joachim Gott große Gaben und Opfer dar, erhielt den Segen des Hohenpriesters, der Priester und aller Menschen dafür, dass er des Segens Gottes gewürdigt worden war. Dann hielt er in seinem Haus ein großes Festmahl und alle freuten sich und priesen Gott.

 

Nach einigen Jahren, als Maria von ihren Eltern schon zum Dienst für Gott in den Tempel gebracht worden war, starb Joachim. Er war zu jener Zeit achtzig Jahre alt. Die verwitwete heilige Anna, verließ Nazareth und zog nach Jerusalem, wo sie in der Nahe ihrer Tochter fast die ganze Zeit im Tempel verbrachte. Nach zwei Jahren ging auch sie im Alter von 79 Jahren zu Gott heim. Die heilige Kirche nennt Joachim und Anna zu Recht Gottesahnen, da durch ihre allheilige Tochter, wie wir wissen, Gott selbst geboren wurde.

 

Quelle: Andrej Lorgus, Michail Dudko, Orthodoxes Glaubensbuch, Würzburg 2001.

 

 

Über die Verehrung des heiligen Kreuzes

 

 

Diakon Thomas Zmija v. Gojan

 

In der Antike war die Hinrichtung am Kreuz die Quelle der Schande und des Entsetzens. Nicht nur bei den Römern und Griechen, sondern auch bei den Juden galt der Gehenkte, und damit auch der Gekreuzigte, als von Gott verflucht. Es gab für die Menschen des Altertums keine Hinrichtungsart, die entsetzlicher und entehrender gewesen wäre. Aus diesem Grund wurde die Hinrichtung zur Kreuzigung von den Römern und Griechen, aber auch von den Babyloniern, Assyrern und Persern vor allem an Sklaven, Kapitalverbrechern und Staatsfeinden vollzogen. Die Verurteilung eines Verbrechers zur Kreuzigung kam somit einer Aberkennung aller seiner Rechte als Mitglied der menschlichen Gesellschaft gleich. Der zur Kreuzigung Verurteilte wurde damit dem Hohn und Spott der Allgemeinheit ausgeliefert. Deshalb sagt uns der heilige Apostel Paulus: „Das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.“ Und weiter an der gleichen Stelle: „Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: Für die Juden ein empörendes Ärgernis, für die Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Weisheit.“ (1. Korinther 1, 18-24). Und damit sind wir bei der entscheidenden Frage angelangt: Was aber bedeutet das Kreuz für die Christen

 

Denn seit dem Ostermorgen ist das Kreuz vor aller Welt offenbar geworden als das Werkzeug des Heils und das Mittel unserer Erlösung. Deshalb ist es das Schutzzeichen der Christen und ein Gegenstand unserer Verehrung. Am Sonntag der Kreuzverehrung in der großen Fastenzeit singen wir deshalb: „Vor Deinem Kreuze werfen wir uns nieder, o Gebieter, * und Deiner heilige Auferstehung preisen wir!“ So ist das heilige Kreuz für die gläubigen Christen nicht mehr ein Zeichen von Schmach und Tod, sondern das Zeichen des Heiles und der lichten Auferstehung Christi.

 

Deshalb tragen wir seit unserer Taufe das Zeichen des heiligen Kreuzes um unseren Nacken; deshalb bezeichnen wir uns zum tätigen christlichen Bekenntnis mit den heiligen Kreuzzeichen; deshalb bewahren wir die Ikone des heiligen Kreuzes in den Ikonenecken unserer Häuser auf und deshalb ruft das Zeichen des heiligen Kreuzes auf den Kuppeln unserer Kirchen die Gläubigen zum Gottesdienst. Und deshalb sagen wir Christen mit dem heiligen Apostel Paulus: „Mir sei es ferne - bewahre Gott - mich in etwas anderem zu rühmen, als im Kreuze unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzt ist und ich der Welt.“ Das Zeichen des Kreuzes mahnt uns, dass wir als Christgläubige inmitten der Welt Zeugnis geben vom Heil und der Erlösung die Christus durch Seinen Tod am Kreuz und Seine glorreiche Auferstehung inmitten dieser Welt vollbracht hat. Und zugleich gemahnt uns das Zeichen des heiligen Kreuzes, dass wir zwar in dieser Welt leben, aber nicht von dieser Welt sind.

 

 

Und so ist das heilige Kreuz überall im Leben der Christen und der Kirche präsent. Wohin wir auch immer schauen, überall sehen wir das Zeichen und die Ikonen des heiligen Kreuzes: es dominiert die Kuppeln unserer Kirchen, es liegt auf dem Altartisch im Gotteshause, es ziert die Kronen der christlichen Könige und befindet sich auf der Brust eines jeden orthodoxen Christen. Das Kreuz begrüßt uns bei der Taufe und segnet uns bei dem Übergang in das ewige Leben. Nach dem Ende unseres irdischen Lebens steht das Kreuz als Zeichen unserer christlichen Hoffnung auf unseren Gräbern. Und zugleich ist das heilige Kreuz nicht nur von überragender Bedeutung für uns orthodoxe Christen, sondern das Zeichen des heiligen Kreuzes verbindet bis heute die Christenheit des Ostens und des Westens.

 

So hat sich seit jenem Ostermorgen in Jerusalem eine große Veränderung im Verständnis des Kreuzes  vollzogen. Seit der Zeit der heiligen Apostel begannen die Christen, das Kreuz mit Ehrfurcht zu verehren, wo es doch bis dahin als Werkzeug des Spottes gedient hatte. Das ist deswegen geschehen, weil der Sohn Gottes gerade auf dem Kreuz für die Sünden der ganzen Welt sterben wollte. Durch Sein freiwilliges Opfer am Kreuz hat Christus, der menschgewordene Gottessohn, allen Menschen wieder den Weg zum himmlischen Vater eröffnet. Gottes unüberwindliche Liebe wollte uns Menschen, die wir alle Sünder sind, durch Christi Heilstaten, deren Gipfel der Kreuzestod und die glorreiche Auferstehung sind, aus unserer selbstgewählten Verstockung und Gottesferne erretten. So ist das heilige Kreuz der Schlüssel, der uns das Reich der Himmel wieder geöffnet hat.

 

Seit der Zeit, da unser Herr und Erlöser Jesus Christus am Kreuze starb und nach drei Tagen glorreich aus dem Grabe wieder auferstanden ist, wurde Seine unüberwindliche, unbeschränkte göttliche Kraft auch auf das heilige Kreuz übertragen. Die Kraft von Christi göttlicher Erlösung ist seitdem für alle Zeiten mit dem heiligen und lebensspendenden Kreuz verbunden. Die allheilige Reliquie des heiligen und lebensspendenden Kreuzes, deren Teile heute in allen Teilen der Christenheit auf der Welt aufbewahrt werden, ist so mächtig und stark, weil es Symbol und Träger des Auferstehungsmysterions ist. Die Christen finden in der allheilige Reliquie des heiligen und lebensspendenden Kreuzes ein Geheimnis ihres Glaubens: die für uns unbegreifliche und unbeschreibliche erlösende Kraft unseres Herrn und Erlösers und Gottes Jesus Christus.

 

Gesegnet sind deshalb unsere Lippen, wenn wir das kostbare Holz des heiligen Kreuzes küssen; gesegnet ist unsere Stirn, unsere Brust und Schultern, die durch das siegreiche Zeichen unseres Glaubens geschützt werden!

 

 

Der heilige Apostel Andreas der Erstberufene hat, als ihn der Henker zum Tod durch Kreuzigung geführte und er von weitem das Zeichen des Kreuzes gesehen hat, vor Freude ausgerufen: „Freue Dich, Du Kreuz: geheiligt bist Du durch den Körper Christi und geschmückt wie mit Blumen von seinen Gliedern! Bevor auf Dir mein Gebieter gekreuzigt wurde, warst Du für andere ein Schrecken. Nun aber wissen die Gläubigen, wieviel Gnade in Dir steckt, wieviel Belohnung vorbereitet ist. Ohne Angst und freudig gehe ich zu Dir, aber nimm auch Du mich mit Freude an als Deinen Schüler des auf Dir Gekreuzigten Christus. Immer habe ich Dich geliebt und wollte Dich immer umarmen. O gepriesenes Kreuz, das Du die Herrlichkeit und Schönheit der Glieder des Herrn Christus auf dich nahmst, stets harre ich Deiner und suche nach Dir! Nimm mich von dieser irdischen Welt und übergib mich meinem Lehrer, möge durch Dich der Herr mich annehmen, dank dem ich durch dich vor dem Verderben entronnen bin!“

 

Auch bat der heilige Apostel Petrus seine Henker in Rom nur darum, dass sie ihn mit dem Kopf nach unten kreuzigen mögen, da er sich unwürdig fühlte, die Kreuzigung auf dieselbe Art wie Christus anzunehmen.

 

An diesen beiden Beispielen sehen wir, welch große Ehre die Heiligen Apostel dem Kreuze Christi beigemessen haben. Wie sollten wir Christen es nicht ebenfalls kniefällig und demütig verehren? Wie sollten wir einen so großen, kostbaren Schatz nicht voller Glauben wertschätzen. Das heilige Kreuz ist das Werkzeug unserer Errettung von der Macht des Satans und der Hölle. Das heilige Kreuz ist das Zeichen des neuen und ewigen Bundes mit Gott und das Heilmittel unserer Erlösung. Wie sollten wir Rechtgläubigen es nicht aus tiefstem Herzen preisen? Seit der Zeit, da unser Herr und Erlöser durch Sein heilbringenden Leiden das Kreuz erleuchtet hat, besingt die Heilige Kirche das heilige Kreuz mit den Worten: Durch den Glanz Deines Kommens und durch Dein Kreuz hast Du, Christus, alle Enden der Welt erleuchtet und sie geheiligt, dadurch hat sich eine übernatürliche wundertätige Kraft gezeigt.“

 

Nicht von ungefähr kann unsere heilige orthodoxe Kirche in ihren Gesängen gar nicht genug der großartigen Worte zur Verherrlichung des Kreuzes Christi finden: „O heiliges Kreuz! Du Lob der Apostel, Stärkung der sanften Gläubigen, Lob der Hierarchen und Märtyrer, welches Du den Sieg und die Hilfe allen an Dich Glaubenden gibst. Das Kreuz ist Lobpreis und ewiges Licht für unsere Seelen und ist das Fundament des Glaubens, Vernichtung des Satans; ist die Herrlichkeit der Kirche, aber auch Verderben der Frevler und Schande für die Feinde am Tag des Gerichts.“

 

Wenn wir daran denken wollen, was der Erlöser für uns getan hat, dann gebietet uns die heilige Kirche, dass wir uns mit dem Zeichen des heiligen und lebensspendenden Kreuz bezeichnen. Der Brauch, dass es in der orthodoxen Kirche üblich ist, sich während des Gebetes mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes zu segnen, stammt aus urchristlicher Zeit. Er wurde von den heiligen Aposteln begründet, an alle Gläubigen weitergegeben und wird seit der Zeit strengstens befolgt, so dass ohne das Zeichen des heiligen Kreuzes kein Gebet, weder in der Kirche, noch im Kreis der orthodoxen Familien zu Hause beginnt. So wird der Beginn eines jeden orthodoxen Gebetes begleitet vom heiligen Kreuzzeichen und einer Verbeugung.

 

 

Das Segenszeichen mit dem Kreuz Christi verleiht nicht nur unserem Gebet große Kraft, sondern dank ihm gehen auch viele unserer guten Vorhaben und Taten in Erfüllung. Durch das Zeichen des heiligen Kreuzes vertreiben wir auch unsere sündhaften Gedanken, dämonischen Versuchungen wie auch unsere Verstrickungen in die Leidenschaften aus unseren Herzen. So ist der Segen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes für uns Christgläubige, die wir unseren Glaubenskampf in einer sündigen und von den Mächten des Bösen beherrschten Welt zu führen haben, gleichsam der zeichenhafte Anker, der uns fest mit unsere Herrn und Erretter Jesus Christus verbindet.

 

Im Zeichen des heiligen Kreuzes ist einem jeden von uns eine große Kraft gegeben. Zur Bestätigung dieser Worte genügt es, einmal in die Schriften der Heiligen Väter hinein zu schauen, durch sich ein jeder von uns von der großen Kraft des Kreuzes Christi überzeugen kann. Ich möchte hier nur einige Beispiele aus der unendlichen Anzahl der Erwähnungen anführen: So hat der heilige Apostel Johannes der Theologe, wie sein Schüler Prochoros uns berichtet, seinerzeit durch das Zeichen des Kreuzes eine auf der Straße liegende Kranke geheilt. Und die selige Makrina, die Schwester des heiligen Basilios des Großen, welche schrecklich an einem Brustgeschwür litt, bat ihre Mutter, über der kranken Stelle ein Kreuzzeichen zu machen. Als sie das getan hatte, wurde die Kranke sofort wieder gesund.

 

Das wundertätige Kreuz Christi hat aber nicht nur körperliche Leiden geheilt, sondern auch Tote wieder zum Leben erweckt, ja es hat in bestimmten Fällen dem Körper sogar die Unversehrtheit verliehen. So segnete die heilige, apostelgleiche Märtyrerin Thekla den Holzstapel, der für ihre Verbrennung vorbereitet war. Hieraufhin vermochten die Flammen sie nicht zu verletzen. In ähnlicher Weise hat sich auch die heilige Märtyrerin Wassilissa von Nikomedia mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes bezeichnet. Die Heilige stand daraufhin viele Stunden lang inmitten der Flammen im glühenden Ofen, aber durch den göttlichen Beistand vermochte die verzehrende Glut ihr keinen Schaden zuzufügen.

 

Die allmächtige Kraft des heiligen Kreuzes Christi hat auch todbringendes Gift unschädlich gemacht, wie wir es in den Heiligenleben des heiligen Juvenalij und des seligen Benedikt von Nursia lesen können.

 

Aber das heilige Kreuz ist kein christlicher Fetisch oder ein Zaubermittel, sondern vielmehr ein im Zeichen vollzogenes Gebet zu unserem Herrn und Erlöser Jesus Christus. Und wenn es uns einmal nicht gelingen sollte, durch das heilige Kreuz größere oder kleine gute Taten zu vollbringen oder ein anderes frommes Ziel zu erreichen, dann geschieht dies nur deswegen, weil unser Herr Jesus Christus es in diesen Fällen nicht für richtig hält, uns ohne den notwendigen geistlichen Kampf und die damit verbundenen Mühen zum Sieg zu führen. Dies geschieht dann vor allem deshalb, damit wir nicht stolz und überheblich werden.

 

Deshalb sollten wir das Zeichen des heiligen Kreuzes immer als ein demütiges Gebet ausführen. Ein demütiges Gebet, erfüllt vom lebendigem Glauben an unseren gekreuzigten und auferstandenen Herrn und Erlöser Jesus Christus. Ein Gebet erfüllt mit wahrer Frömmigkeit und getragen vom demütigen Bewusstsein, dass wir den Herrn nicht durch unsere Verdienste für uns zu gewinnen vermögen, sondern nur durch unsere Hoffnung auf Sein menschenliebendes Erbarmen. Der heilige Johannes Chrysostomos sagt uns über das heilige Kreuzzeichen: „Wenn Du mit ganzem Glauben, aus ganzer Überzeugung des Herzens dich mit dem Kreuz bezeichnest, dann ist keiner von den unsauberen Geistern imstande, sich dir zu nähern, weil sie das Schwert sehen, welchem sich ihre Pfeile aussetzen, und sie sehen das Geschoss, das ihnen tödliche Verletzungen zufügt. Schäme Dich nicht, Du Christ, so großer Gnadenerweisung, dann wird sich auch Christus Deiner nicht schämen, wenn Er in Seiner Herrlichkeit kommen wird und sich das Zeichen (des Kreuzes) vor Ihm heller als Sonnenstrahlen zeigen wird.“

 

Gerade wenn wir das Segenszeichen des heiligen Kreuzes über uns zeichnen, müssen wir immer wieder sorgfältig darauf achten, dass unser Glaube an Christus sich nicht nur auf Vollzug der äußeren Formen beschränkt bleibt, sondern dass sich die äußere Form mit dem Glaubensinhalt zu einem einzigen Gebet verbindet. Es geht, wie der heilige Apostel Paulus uns sagt darum, dass wir Christus nicht nur mit unserem Körper, sondern zugleich auch mit unseren Herzen und Seelen loben. (vgl. 1. Korinther 6:19)

 

Deshalb wollen wir nun auch den geistlichen und inneren Symbolsinn des heiligen Kreuzzeichens betrachten: Wenn wir das Segenzeichen des heiligen Kreuzes ausführen, legen wir den Anfang des Kreuzzeichens auf unsere Stirn als dem Sitz unseres Verstandes. Dies soll uns daran erinnern, dass wir Gott mit unserem ganzen Verstand loben und Ihm unser ganzes Denken und Sinnen widmen wollen. Als nächstes legen wir, während wir uns bekreuzigen, das Kreuzzeichen auf unseren Bauch. Damit bezeichnen wir den Teil unseres Körpers, wo die Brust endet. In unserer Brust befindet sich unser Herz. Das Herz - und nicht das Gehirn - ist nach traditionellem orthodoxem Verständnis der Sitz aller seelisch-geistigen Kräfte des Menschen. Hier befindet sich nach der Lehre der heiligen hesychastischen Väter unser menschliches Personenzentrum. Indem wir diesem Bereich überkreuzigen, tun wir es zum Zeichen, dass wir Gott aus ganzem Herzen und der Tiefe unserer Seele lieben wollen. Seiner Verherrlichung allein wollen wir mit Eifer und Gottesfurcht alle unsere Gefühle und Wünsche widmen. Auch legen wir das Kreuz auf die Schultern (zunächst die rechte, dann auf die linke) als Zeichen dafür, dass wir Gott aus der ganzen Kraft unserer Seele und unseres Geistes lieben wollen. Dieser Begegnung mit dem lebendigen Gott gilt das ganze Streben unseres  geistlichen Lebens. Indem wir nach der rechten Schulter auch die linke Schulter berühren drücken wir zeichenhaft aus, dass wir Gott nicht nur durch ein geistliches Leben des Gebetes, sondern auch durch die körperlichen Tätigkeiten der Nächstenliebe loben und preisen wollen.

 

Auch die Art und Weise, wie man die Finger während des Bekreuzigens faltet, hat einen tiefen, geistlichen Sinn. Orthodoxe Christen legen bekreuzigen sich nicht einfach mit geöffneter Handfläche, wie es die Christen im Abendland tun. Auch legen sie die Finger nicht einfach so zusammen, wie man möchte, sondern folgendermaßen: Die Enden von Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger schließt man zusammen, denn sie symbolisieren die Allheilige Dreieinheit: den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist. Die zwei weiteren Finger beugt man zur Handfläche hin. Sie symbolisieren die wahre göttliche und wahre menschliche Natur Christi. Dass die beiden Finger zur Handfläche hin gebeugt werden geschieht zum Zeichen dafür, dass der Sohn Gottes um unserer Erlösung willen die Himmel geneigt hat und auf die Erde herabgekommen ist.

 

 

Über das bereits gesagte hinausgehend erinnert uns orthodoxe Christen das Zeichen des heiligen Kreuzes auch daran, dass ein jeder von uns, wenn er an Christus glaubt und Ihm ernsthaft nachfolgen möchte, sein eigenes Kreuz tragen muss. Einem jeden Christenmenschen ist ein besonderer, nur für ihn bestimmter geistlicher Kampf in seinem Leben auferlegt, damit er daran reifen und zur Fülle des Lebens in Christo gelangen kann. Im christlichen Leben dreht es sich darum, dass wir unseren Egoismus, also unsere Ausrichtung auf die uns von Gott abtrennenden Leidenschaften Schritt für Schritt überwinden und dadurch zur Heiligkeit, das heißt einem Leben in vollkommener Gemeinschaft mit Gott gelangen. Jeder von uns hat auf diesem Glaubensweg sein ganz persönliches Kreuz zu tragen. Jeder von uns wird im Laufe seines Lebens mit den für ihn charakteristischen Unzulänglichkeiten und Schwierigkeiten konfrontiert und muss sich dann auch darum bemühen, seine körperlichen und geistigen Leidenschaften und sündhaften Wünsche Schritt für Schritt zu überwinden. Wir müssen alle Missgunst, Rachsucht und Feindschaft in unseren Herzen konsequent bekämpfen, damit sich unser Leben mehr und mehr auf das himmlische Königreich, das ist ein Leben in der Gegenwart Gottes, ausrichtet.

 

 

 

Gedächtnis der heiligen Märtyrer Felix, Regula und Exuperantius, Patrone der Stadt Zürich

11. September

 

Die Geschwister Felix und Regula mit ihrem Gefährten Exuperantius waren ägyptische Christen, die unter der Herrschaft des heidnischen Kaisers Maximinians zusammen mit der im Jahre 302 durch das Martyrium gekrönten Thebäischen Legion in die Schweiz gekommen waren.

 

Ihr Anführer, der ruhmreiche Mauritius, schickte die drei vor seinem Martyrium aus, jenseits der Alpen das Evangelium Christi zu verkünden. So kamen sie über die Furka, das Reusstal und den Klausenpass, durchs Glarnerland zum Zürichsee und gelangten dort nach Turicum, dem heutigen Zürich, wo sie auf einer Insel, wo heute die Wasserkirche steht, ihre Hütten bauten und Tag und Nacht Gott dienten. Dort erlitten sie auch das Martyrium durch Enthauptung. Danach nahmen sie ihre Köpfe unter den Arm und stiegen 40 Schritte den Hügel hinauf, wo sie sich niederlegten. An dieser Stelle wurden sie dann auch begraben . An dem Ort, wo ihre heiligen Reliquien ruhen, erhebt sich heute die Zürcher evangelische Großmünster- Kirche.

Troparion im 2. Ton: Groß ist das Vermögen des Glaubens. Dem Tyrannen habt ihr die Stirn geboten und im Tode habt ihr das Leben bezeugt, heilige Märtyrer Felix, Regula und Exuperantius, bittet Christus, unsern Gott, dass Er errette unsere Seelen.

 

Kondakion im 3. Ton: Meer und Berge haben überwunden die thebäischen Gottesstreiter Felix, Regula und Exuperantius um in uns'rer Stadt die Macht des Feindes zu zerstören. Denn ihr Leben haben sie um Christi Willen verloren und das Leben gefunden. Lasst uns mit Ihnen auf den Lebensspender vertrauen und sagen: Deine Wege zeige uns, Herr und deine Pfade lehre uns. Leite uns in deiner Wahrheit und unterweise uns, denn Du bist Gott, unser Heiland.

 

 

Die heilige Diakonissa Phoebe von Kenchreä

 

15. September

 

Die heilige Phoebe beherbergte der heiligen Apostel Paulus in Kenchreä. Diese antiken Stadt lag etwa 11 km östlich des heutigen Korinth. Der Apostel taufte sie dort und weihte sie auch zur Diakonissa der dortigen Kirche. Die Diakonissa war in antiker und byzantinischer Zeit für die Priester eine wichtige Unterstützerin und Helferin bei der Seelsorge an Frauen. Der heilige Apostel Paulus erwähnt die heilige Phoebe in mehreren seiner Briefe. Offensichtlich war sie ein bedeutendes Mitglied der örtlichen Gemeinde, denn der Apostel überliefert uns, dass ihr Dienst für den Herrn, für die Gemeinde, ja für den Apostel selbst besonders wertvoll gewesen ist. Indem sie „vielen ein Beistand gewesen“ ist, war sie wirklich geschmückt durch gute Werke (siehe 1. Timotheus 2: 10). Sie war eine ganz durch das diakonischen Charisma leuchtende Christin, die „Barmherzigkeit übt, mit Freudigkeit“. (vgl. Römer 12: 8). Schließlich hat die heilige Diakonissa Phoebe dann den Römerbrief nach Rom gebracht. Der heilige Apostel selbst wurde zu diesem Zeitpunkt noch durch seine apostolischen Aufgaben für die jungen Gemeinden im Osten des römischen Reiches gehindert, selber nach Rom zu kommen (siehe Römer 1: 13). Wir sehen an diesem Besuch der heiligen Phoebe in Rom auch ein wunderbares Zeugnis für die Einheit und Katholizität der orthodoxen Kirche. Den persönlich war die heilige Phoebe zwar der christlichen Kirche in Rom unbekannt, aber die Kirchen in Kenchreä und in Rom teilten einen gemeinsamen apostolischen Glauben. Sie beide gehörten dem einen mystischen Leib Christi (Epheser 4: 4) an und waren Teeil der einen heiligen Kirche, die sich zu jener Zeit bis zu den Enden der Erde auszubreiten begann.

 

Zusammengestellt von Diakon Thomas Zmija v. Gojan