Die orthodoxe Weihnachtsfastenzeit

 

Wir wissen nicht, zu welchem genauen Datum die Feier des Advents in die Kirche eingeführt wurde. Die Quellen belegen, dass schon gegen Ende des 4. Jahrhunderts die Geburt Christi gefeiert wurde, von den einen am 25. Dezember, von anderen am 6. Januar. Das Konzil von Saragossa in Spanien entschied (380), dass vom 17. Dezember bis zur Epiphanie keiner den Gottesdiensten fernbleiben soll. In Gallien wurde im 5. Jahrhundert eine Art Fastenzeit vom 11. November bis Weihnachten eingehalten. Der Advent wurde in Rom unter dem heiligen Gregorios Dialogos (Gregor der Große) gegen Ende des 6. Jahrhunderts gefeiert. Er scheint erst viel später in die Kirchen des byzantinischen Ritus Eintritt gefunden zu haben. Im 9. Jahrhundert fasteten die Griechen vom 15. November bis Weihnachten, aber nichts im liturgischen Leben dieser vierzig Tage schließt in sich irgendeine Vorbereitung auf das Fest der Geburt. Der gegenwärtige byzantinische Brauch scheint sich im 17. Jahrhundert unter uns unbekannten Umständen heraus-gebildet zu haben. Die römische Kirche beginnt heute den Advent am Sonntag, der dem Fest des heiligen Apostels Andreas (30. November) am nächsten ist. Der römische Advent enthält vier Sonntag.

 

 

Am 15. November beginnt für die byzantinischen Kirchen die „Weihnachtsfastenzeit“. Sie wird auch „Philippus-Fasten“ genannt, weil ihr das Fest dieses Apostels unmittelbar vorangeht (14. November). Diese Zeit des Wartens und der Vorbereitung entspricht dem lateinischen Advent.

 

Es spricht also nichts dagegen, die Weihnachtsfastenzeit „Adventszeit“ zu nennen. Sie dauert wie die „Große Fastenzeit“, die Ostern vorangeht, vierzig Tage; aber sie enthält nicht die gleichen liturgischen Einschränkungen und die gleiche Strenge im Fasten wie die österliche Fastenzeit.

 

Der Hauptgedanke des Advents ist das „Kommen“ des Herrn Jesus. Man könnte sich fragen, ob dieser Begriff „Kommen“ nicht ein reines Symbol ist, denn schließlich kommt Christus zu allen Zeiten zu uns, und Er bleibt sogar in uns.

 

Doch nehmen dies ewige Nahekommen und diese ewige Gegenwart Christi in der Adventszeit eine besondere Gestalt an; sie erhalten in gewisser Weise einen „intensiven“ Charakter. Uns wird eine besondere Gnade des „Kommens“ des Herrn gegeben. Der Herr Jesus war uns bereits gegenwärtig; aber die Gnade des Advents erlaubt es uns, ein lebhafteres und ganz neues Bewusstsein dieser Gegenwart zu gewinnen. Jesus war um uns und in uns. Indessen gibt er sich in dieser Zeit als „der da kommt“ zu erkennen, d.h. er gibt sich zu erkennen als der, der mit uns sein will, uns stärker in seine Vertrautheit einbezieht.


Das christliche Gebet während der Adventszeit könnte man in einem einzigen Wort zusammenfassen: „Komm!“ Mit „Komm, Herr Jesus!“ endet das Buch der Offenbarung des Johannes (Offb. 22: 20). Wenn wir diesen Hilfeschrei mit Ernsthaftigkeit und Inbrunst ausstoßen, wird er eine wahrhafte Askese. Tatsächlich nehmen die Hoffnung und das Warten auf den Herrn nun einen wachsenden Raum in unserer Seele ein.

 

Jeden Tag des Advents erfüllt uns dieses „Komm!“ mehr, wird es mit einer stärkeren Betonung

ausgesprochen, und es drängt die Gedanken, die Bilder, die Leidenschaften, die mit dem Kommen Christi unvereinbar sind, in weite Ferne. Dies „Komm!“ reinigt uns und entflammt uns. Es sollte unserem Gebet im Verlauf des Advents eine besondere Nuance geben. Mögen wir jeden Tag des Advents diesen Ruf auf immer weniger unvollkommene Weise hervorbringen!

 

Wie schon gesagt, bezeichnet der Begriff „Kommen“ hier die Intensivierung, das Objektiv-werden einer ewigen Annäherung und einer ewigen Gegenwart. Unser Adventsgebet „Komm!“ könnte man also auch so wiedergeben: „Möge ich dich in mir spüren! Möge die ganze Welt deine Gegenwart spüren!“


Der da kommt oder vielmehr der, dessen Gegenwart wir uns bewusster zu werden wünschen, kann uns im Advent in verschiedener Gestalt erscheinen. Der Westen scheint bevorzugt den König, den Messias, Herrscher und Befreier zugleich, zu erwarten. Hierin liegt ein sehr fruchtbarer Gedanke, der die messianische Erwartung der Synagoge fortsetzt. In diesem Fall, um uns darauf vorzubereiten, Jesus als König und Messias zu empfangen, müssen wir uns im Advent vor allem in einen inneren Zustand des Gehorsams versetzen: ich will keinen eigenen Willen mehr haben, sondern unter dem Gebot stehen; möge der kommen, der stärker ist als ich und den ich als meinen Meister anerkenne! Der Osten hat im Advent vielmehr das Warten auf das Licht gesehen, das aufgeht. Die Geburt Jesu fällt zusammen mit dem Sieg des Lichtes über die Finsternis in der physischen Welt: von Weihnachten an werden die Tage länger. Ebenso wird unsere innere Finsternis durch das Kommen dessen zerstreut, der das Licht der Welt ist. Der byzantinische Advent zielt vor allem auf die Epiphanie, das „Fest der Lichter“, während der lateinische Advent vor allem auf Weihnachten zielt, das Fest der Ankunft des Herrn in unserem Fleisch. Um den Sieg des Lichtes vorzubereiten, müssen wir uns im Advent mehr und mehr diesem Licht öffnen: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt“ (Job 1,9). Wir müssen uns selbst unter diesem inneren Licht prüfen. Wir müssen das „Licht, das tief in uns ist,“ unsere täglichen Taten leiten lassen. Wir müssen in einem Geist der Folgsamkeit, Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit leben.

 

Der Advent hat eine wichtige eschatologische Bedeutung. Er erinnert uns an die zweite Ankunft am Ende der Zeit und den vorübergehenden Charakter der Dinge dieser Welt. Aber die Eschatologie befruchtet nur, wenn wir sie verinnerlichen und sie in unser persönliches Leben einschließen. Die Herrlichkeit der zweiten Ankunft muss zunächst erst angedeutet werden durch das Kommen Jesu in den einzelnen Menschen und den Tagesanbruch in unserer eigenen dunklen Nacht.

 

Aus: Ein Mönch der Ostkirche, Das Jahr der Gnade des Herrn.

Eine Einführung in das orthodoxe liturgische Jahr.

 

Weihnachtsfastenzeit und der "alte" und "neue" Kalender

 

Diakon Thomas Zmija

 

In der orthodoxen Kirche hat der vorweihnachtliche Zeit bereits begonnen. Anders als bei der westkirchlichen Adventszeit dauert die Vorbereitungszeit auf Weihnachten allerdings 40 Tage und hat eineneindeutigen Fastencharakters Die orthodoxe "Weihnachtsfastenzeit" beginnt mit dem 15. November mit dem Fest des hl. Apostels Phillipppus und dauert bis zum  Heiligen Abend (24. Dezember).

 

Die orthodoxen Kirchen von Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien, Rumänien, Bulgarien, Zypern, Griechenland, Albanien und Finnland feiern das Weihnachtsfest nach den sogenannten neuen Kalender. Nach dem sogenannten alten Kalender feiern die orthodoxen Kirchen von Jerusalem, Russland, Ukiraine, Weißrussland, Serbien, Polen, der tschechischen und slovakischen Länder, Estland Lettland und Litauen. Verschiedene orthodoxe Kirchen der slawisch-russischen Tradition wie die Orthodox Church in America und das Erzbistum der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition (Moskauer Patriarchat) ermöglichen der einzelnen Pfarrgemeinde die Wahl zwischen dem  Gebrauch des alten oder des neuen Kalenders. Da der alte (julianische) Kalender sich vom bürgerlichem Kalender um 14 Tage unterscheidet wird in den orthodoxen Kirchen das Weihnachtsfest am 25 Dezember kirchlich  = 07. Jänner weltlich gefeiert. Nach dem bürgerlichen Kalender gerechnet dauert die vorweihnachtliche Fastenzeit daher vom 28. November bis 06. Januar.

 

Warum fasten wir noch?

 

Gedanken zum Sinn des Fastens anlässlich der Weihnachtsfastenzeit

 

von Erzpriester John Breck

 

Vater John Breck (geboren 1939) ist Erzpriester und Theologe der Orthodoxen Kirche in Nordamerika. Von 1984 bis 1996 war er Professor für Neues Testamen und Ethik am St. Vladimir’s Seminary in Crestwood, New York, USA. Danach lehrte er biblische Exegese am Stainte-Serge-Institute in Paris. Seit 1995 ist er Leiter der Saint-Silouan-Retreat, eines seelsorgerlich-geistlichen Rüstzentrums auf der Wadmalaw-Insel bei Charleston, South Carolina, USA.

 

Die meisten Christen haben die überkommene Fastenpraxis aufgegeben. In den heutigen westlichen Gesellschaften scheint sie mühsam und unwesentlich. Für diejenigen aber, die ihre eschatologische und sakramentale Bedeutung schätzen, ist sie so wesentlich wie Essen und Trinken.

 

Warum aber fasten die orthodoxen Christen?

 

Für die meisten ist das Leben schon herausfordernd genug ohne selbstauferlegte Schranken für das, was wir an gewissen Wochentagen und während langer Perioden des Kirchenjahres essen, trinken und tun.

 

Sorgt sich Gott wirklich darum ob wir freitags Fleisch essen oder den Kühlschrank während der Fastenzeit von Milchprodukten befreien?

 

Ist das wirklich wichtig?

 

Zusätzlich zu Fragen dieser Art haben manche noch Bedenken wegen der Scheinheiligkeit, die das Fasten manchmal begleitet. Wir weigern uns aus spirituellen Gründen manche Lebensmittel zu essen, tun aber wenig oder gar nichts dafür, unser Verhalten gegenüber anderen zu ändern. Eine mit der Fastenzeit verbundene Klage (sowohl dem heiligen Basilios dem Großen wie dem heiligen Johannes Chrysostomos zugeschrieben) fasst das mit erschreckender Genauigkeit zusammen: „Du enthältst dich der Fleischspeise – und verschlingst deinen Bruder!“

 

Für den Heiligen Johannes vom Sinai aber liegt die wirkliche spirituelle Gefahr im übermäßigen Genuss. „Gefräßigkeit,“ sagt er, „ist eine Verstellung des Magens ... Wenn wir nachforschen, werden wir herausfinden, dass unsere Schiffbrüche ausschließlich vom Bauch herrühren!“

 

Diese Erkenntnis findet sich im ganzen asketischen Schrifttum der Kirche, sowohl für die Mönche wie für die Laien. Der heilige Johannes Cassianus erklärt den Zweck des Fastens ganz einfach. Es dient dazu, sagt er, „Überessen und das Füllen unseres Bauchs zu vermeiden.“ Und er fügt hinzu: „Nahrung muss man nehmen, sofern sie unser Leben erhält, aber nicht in dem Maße, dass sie uns dem Drängen unserer Wünsche versklavt. Bescheiden und vernünftig essen soll den Körper gesund erhalten und ihn nicht der Heiligkeit berauben.“

 

Diese Bemerkungen gründen auf der pastoralen Erfahrung der Väter, doch die Absicht dahinter wurzelt in biblischen Mahnungen wie die des Apostels Paulus: „... sorgt nicht so für euren Leib, dass die Begierden erwachen“ (Römer 13,14).

 

Die asketische Tradition der Alten Kirche kennt mehrere Gründe für das Fasten. Richtiges Fasten reinigt den Körper von Giften, es erleichtert das Gebet, es hilft verschiedene Leidenschaften und Versuchungen zu beherrschen, und es hilft Solidarität mit den Armen zu fühlen. Diese Tradition aber besteht auf einem Zugang zum Fasten, der heute oft vergessen wird: Ausgewogenheit und Maßhalten. Wir können uns zwanghaftes „Etikettenlesen“ auferlegen, nur um sicher zu sein, dass das, was wir im Laden kaufen auch nicht eine Spur von Milch enthält; wir können hungern bis unsere Gesundheit in Gefahr ist; wir können uns hämisch freuen über unseren „Erfolg“ und die weniger Eifrigen unter uns verurteilen. Das alles aber macht dann unsere Fastendisziplin zu einer Farce.

 

Gedanken zur der Weihnachtsfastenzeit

 

Diakon Thomas Zmija

 

Слава във висините Богу,
и на земята мир,
между човеците благоволение!


Ehre Gott in den Höhen,
Friede auf Erden,
unter den Menschen guter Wille!

 

Die asketische Überlieferung unserer orthodoxen Kirche kennt mehrere gute und heilsame Gründe für die Tradition des Fastens. Richtig verstandenes Fasten reinigt zum Einem den Körper von Giften, zu Anderen - und das ist der weitaus wichtigere Aspekt - erleichtert das Fasten unseren Zugang zum Gebet. Geistlich verstandenes Fasten ist nicht, dass wir  uns ein zwanghaftes „Etikettenlesen“ im Supermarkt auferlegen, nur um sicher zu sein, dass das, was wir im Geschäft gerade kaufen auch nicht eine Spur von Milch enthält. Ungeistlich fastet auch, wer auf die Weisungen seines Beichtvaters nicht hört oder wer den Rat seines Arztes missachtet. Fasten ist eine geistliche Übung. Sie wendet sich an den Tempel unseres Leibes, indem die allheilige Dreieinheit eine geistliche Wohnstatt finden soll. Wenn wir hungern bis unsere Gesundheit in Gefahrgerät, so ist das nicht christliches Fasten, sondern pharisäerhafter Ritualismus. Ein Ritualismus, der dann in unseren Herzen meist allle Früchte des Fastens ersterben lässt, da wir uns dann so oft etwas auf unseren „Erfolg“ oder unsere "Leistung" einbilden und uns mit selbstgerechten Urteilen über die Schwachen oder weniger Eifrigen erheben. Alles das macht unsere Besten Absichten zunichte und läßt unsere Fastendisziplin zu einer Farce werden.

 

Rechtes Fasten halten wir, wenn wir uns verstärkt dem Gebet und der geistlichen Betrachtung widmen. Nutzen wir die Weihnachtsfastenzeit zum Beipiel dazu, um Troparion oder einen Hymnus aus den Weihnachtgottesdiensten zu lesen. Du sagst, Du hast die Bücher nicht im Haus? Nun heute sind die Texte ganz leicht im Internet zufinden. Rechtes Fasten halten wir, wenn wir die vorweihnachtliche Zeit nicht mit Hektik und Aktivitäten füllen, sondern uns Zeit nehmen mit unseren Kindern, Freunden und Verwandten beim Licht der Kerzen zusammenzusitzen und gemeinsam das eine oder andere Weihnachtslied gemeinsam zu singen. Rechtes Fasten halten wir, wenn wir in dieser vorweihnachtlichen Zeit auf die Einsamen, Ausgegrenzten und an den Rand Gedrängten zugehen und ihnen Aufmerksamkeit und Zeit widmen. Rechtes orthodoxes Fasten hilft uns Solidarität mit den Armen und Schwachen zu fühlen. Unser Herz wird uns dann ohne Zweifel sagen, was wir wann, wo und wie tun können, um das Licht der Welt, Christus, zu den Menschen zu tragen. Rechtes Fasten halten wir, wenn wir bestimmte schlechte Gewohnheiten, Leidenschaften und Versuchungen in den Blick nehmen und uns ernsthaft bemühen, etwas weniger von ihnen beherrscht zu werden. Es gibt viele Süchte und Abhängigkeiten, von denen wir uns als orthodoxe Christen durch den rechten Gebrauch des Fastens wieder lösen sollten. Da sind nicht nur der übermäßige Konsum von Genuss- und Rauschmitteln (also Alkohol etc.) zu nennen, sondern ebenso die Gier nach Luxus und Verschwendung oder ein unreflektierter Gebrauch von Internet, Fernsehen und anderen Medien. Orthodoxes Fasten ruft uns nicht zum Totalverzicht auf die gottgegebenen guten Dinge der Schöpfung auf, sondern es erinnert uns vielmehr daran, das der rechte Gebrauch von Ausgewogenheit und Maßhalten geprägt ist. Evagrios Pontikos beschreibt für uns die richtigen Gründe, warum das Fasten im christlichen Leben so wichtig ist: „Faste vor den Herrn nach deinem Vermögen,“ so rät er uns, „denn damit wirst du von deinen Lastern und Sünden gereinigt; es erhöht die Seele, heiligt den Geist, treibt Dämonen aus und bereitet dich auf die Gegenwart Gottes vor ... Sich der Nahrung zu enthalten sollte deshalb deine eigene Wahl sein und asketische Mühe“.

 

Fasten ist nur dann im christlichen Verständnis sinnvoll, wenn es in Beziehung auf das Reich Gottes gehalten wird. Wir enthalten uns deshalb völlig des Essens bevor wir die Heilige Kommunion empfangen; nicht einfasch nur, um den Bauch zu leeren, sondern um geistlichen Hunger für die wahre Eucharistie zu schaffen, das Himmlische Mahl, das für uns bereitet wurde vor der Erschaffung der Welt.  Das gleiche gilt für die langen Fastenzeiten unseres Kirchenjahres. Sie helfen uns bei der geistlichen Aufgabe die Zeit zu heiligen, das heißt, Herz und Geist der überweltlichen Wirklichkeit und dem Versprechen der erfüllten Hoffnung zu öffnen.

 

Fasten ist im orthodoxen Verständnis zwar kein Sakrament, aber zutiefst auf den Empfang der Sakramente hin orientiert. Insofern können wir ohne weiteres sagen, das orthodoxes Fasten sakramental ist. Sakramental und eschatologisch in dem Sinn, dass es unser gegenwärtiges Leben und unser Tun heiligt, unser Gebet vertieft und verstärkt, und in unserem innersten Sein einen entscheidenden Hunger nach Gottes Gegenwart in unserem Leben erweckt.

 

Zugleich ist orthodoxes Fasten in der heutigen Welt, die von Konsum und Hedonismus geradezu gefangen gehalten wird, ein echtes Skandalon, denn orthodoxes Fasten ist die Mahnung, dass der Weg zur Herrlichkeit der Weg des Kreuzes ist. So mag uns Fasten ruhig kleinere Unannehmlichkeiten auferlegen, unseren Drang nach sofortiger Befriedigung enttäuschen und uns schmerzlich daran erinnern, wie viele der Menschen dieser Erde jede Nacht hungrig zu Bett gehen.  Das alles hat sein Gutes. Denn diese Unannehmlichkeiten führen den Leib, den Geist und die Seele zu dem was wirklich wichtig ist: zum himmlischen Jerusalem in dem die Seele erhöht wird, der Geist geheiligt und die Dämonen besiegt, und wir alle auf ewig in der Gegenwart Gottes weilen werden.

 

Die westliche Adventszeit ist, wie die orthodoxe Weihnachtsfastenzeit, ursprünglich eine vorweihnachtliche Fastenzeit gewesen. Sie begann am 11. November mit dem Fest des heiligen Martin und reichte bis einschließlich zum Heiligen Abend (24. Dezember). Heute hat sich die abendländische Adventszeit aber in die eigentliche Festzeit des Weihnachtsfestes verwandelt. Die ursprünglich besinnlichste und stillste Zeit des Jahreshat sich zu einer vierwöchigen Feier entwickelt. Auf Weihnachtsfeiern und Weihnachtsmärkten wird mit Glühwein, Würsten, übersüßten und überfetteten Speisen so intensiv durchgefeiert, so dass viele am eigentlichen Festtag (25. Dezember) von Allem schon mehr als genug haben. Spätestens am Weihnachtstag sind dann alle Weihnachtsmärkte verschwunden und die Städte scheinen wie ausgestorben. In der Tradition der orthodoxen Völker wird diese im Westen in die Adventszeit vorverlegte weihnachtliche Festzeit immer noch zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag und dem Festabschluss von Theophanie begangen. Hier und nicht in der Vorweihnachtszeit haben Plätzchen und Weihnachtsspeisen ihren angestammten Platz. Hier erklingen die Kolinda und Koljadki, die orthodoxen Weihnachtslieder. Vor allem in der westlichen Diaspora stehen die Gläubigen der orthodoxen Kirche vor dem Dilemma, dass wenn sie von Nicht- Orthodoxen eingeladen werden oder an den Weihnachtsfeiern mit Freunden oder im Betrieb, in Schule oder Kindergarten teilnehmen, die Fastenpraxis in der Regel eine Unterbrechung findet. Auch in diesen Fällen ist Ausgewogenheit und Maßhalten in dem Sinn gefragt, dass wir nicht stolz und pharisäerhaft unsere Askese herauskehren. Um selbstgerechten Stolz auf unser Fasten zu vermeiden, ist es vernünftig und richtig, das Gebot zwar nicht aufzugeben aber zum rechten Anlass (für einen klar definierten Zeitpunkt) um der Nächstenliebe will zu lockern. „Durch die Lockerung unserer gewöhnlichen Praxis, können wir das Geheimnis unserer Selbstbeherrschung verborgen halten.“ (Heiliger Diodokus von Photiki) Wenn wir also in Gefahr sind, andere mit unserem Fasten zu beleidigen, ist der Rat des heiligen Pauls eine gesunde Daumenregel: „... esst, was euch vorgesetzt wird“ (1. Korinther 10:27).

 

 

Betrachtung zur Weihnachtsfastenzeit

 

Diakon Thomas Zmija

 

Seit dem 15. November rüsten sich die orthodoxen Christen für die Feier des Hochfestes der Geburt Christi. Vierzig Tage lang durchlaufen wir die Strecke der Weihnachtsfasten. Vierzig ist eine symolische Zahl, die Läuterung und Zurüstung ausdrückt. Denn vierzig Jahre lang zog das Volk Israel durch die Wüste, vierzig Tage und Nächte fastete unser Herr und Erlöser Jesus Christus nach Seiner Taufe im Jordan, ehe Er Sein öffentliches Wirken begann und vierzig Tage nach Seiner lichten Auferstehung stieg Er bei Seiner glorreichen Auffahrt in die Himmel auf und erhöhte unsere menschliche Natur zur Rechten Gottes, des Vaters. Und auch die Seele des gläubigen Christenmenschen steigt im Laufe von vierzig Tagen nach seinem Entschlafen zum Himmlischen Vater empor, dabei die Zollschranken zum zeitlichen Gericht durchschreitend.

 

Vierzig Tage lang lädt uns jetzt Christus während der Weihnachtsfasten ein, unsere Lebensführung zu überdenken und heimzukehren in das Haus unseres himmlischen Vaters. In diesen vierizig Tagen der Vorbereitung auf Weihnachten läutern wir uns, indem wir uns durch den Empfang des Sakramentes der heiligen Beichte von unseren Sünden reinigen, uns weiterhin fernhalten von unseren Leidenschaften und uns ebenso bemühen, unsere schlechten Angewohnheiten mehr und mehr abzulegen. Wir bemühen uns auch, unser Beten zu intensivieren, damit wir offen werden für das Kommen unseres Erlösers.

 

Wie jede der vier Fastenzeiten so ist auch die Weihnachtsfastenzeit ein geistlicher Weg der allmählichen Verwandlung. Wie der himmlische Vater dem verlorenen Sohn entgegeneilte, als er sich anschickte, aus der Gottesferne zurückzukehren, so eilt auch uns Gott im Weg durch die Weihnachtsfastenzeit entgegen. Es geht also - wie in allem orthodoxen Fastenzeiten - nicht um einen zu erreichenden Perfektionismus oder um einen geistlichen Höchstleistungsssport. Gott hält uns nicht eine Latte von Anforderungen hin, über die wir erst einmal springen müssen, damir Er sich unser erbarmt, uns liebt uns annnimmt, sondern Er will uns vielmehr in dieser vorweihnachtlichen Zeit mit seiner Retterliebe umarmen. Hierin liegt das eigentliche Geheimnis des Weihnachtsfestes. Gott selbst kommt in Seinem Eingeborenen Sohn zu uns. Das Geheimnis des Festes der Geburt Christi liegt also in jener unbegreiflichen Begegnung mit Gott, dem Allbarmherzigen, der  sich in der übergroßen Fülle Seiner unbegreiflichen Liebe, sich nicht zu schade war, ganz und gar wahrer Mensch zu werden und dabei ganz wahrer Gott geblieben ist. Er, der vollkommene Gott hat uns zum Heile eine ist vollkommene menschliche Natur angenommen (Konzil von Chalcedon).

 

Als aber die Fülle der Zeit gekommen, sandte Gott Seinen Sohn, geboren aus einer Frau, geboren unter das Gesetz – um die unter dem Gesetz freizukaufen – damit wir die Sohnschaft empfingen. Weil ihr aber Söhne seid, entsandte Gott den Geist Seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater! Also bist Du nicht mehr Knecht, sondern Sohn, wenn aber Sohn – so Erbe durch Gott“ (Brief des heiligen Apostels Paulus an die Galater 4: 4-8)

 

Weihnachten - welch ein unvorstellbares Geschenk und was für eine unfassbare Gabe! Indem Christus, der eingeborene Sohn Gottes, uns zum Heile Mensch geworden ist, hat Er den Anfang unserer Erlösung gesetzt. Er nahm eine vollkommene Menschheit an - uns in allem gleich, außer der Sünde - und vereinigte sie mit Seiner vollkommenen Gottheit. Dadurch "bahnte Er allem Fleisch den Weg zur Erlösung", wie es in der Anaphora der Basilius-Liturgie heißt. Durch Seine vollkommene Menschwerdung ermöglichte der Eingeborene Sohn Gottes auch uns, Söhne und Töchter Gottes, des Allliebenden, Allverzeihenden, Allversöhnenden zu werden. Wenn wir aber Söhne und Töchter des dieses barmherzigen Gottes geworden sind, der mit Seiner unbegreiflichen Liebe um die Erlösung und Errettung jedes einzelnen Menschen ringt, dann bedeutet dies auch, dass wir uns in dieser vor uns liegenden Fastenzeit  ernsthaft bemühen sollen, ein reines, verzeihendes Herz zu erwerben und die Versöhnung mit einem jeden und einer jeden zu suchen.

 

 

Adventszeit und Weihnachtszeit

 in der orthodoxen Kirche

 

Diakon Thomas Zmija

 

In den orthodoxen Ländern wird Weihnachten wie auch in Westeuropa als ein geselliges und familiäres Fest mit vielen besonderen Bräuchen gefeiert. Das Fest der Geburt Christi und die nachfolgenden Festtage des Dodekaimeron, die sogenannten Zwölf Tage, die vom 25. Dezember bis zum 06. Januar dauern, werden im Kreis der Famile und mit dem gemeinsamen Besuch der langen Weihnachtsgottesdienste begangen.

 

Dem Weihnachtsfest, das von den orthodoxen Christen genau wie im Westen am 25. Dezember (wegen der Zeitverschiebung zwischen dem alten und neuen Kalender fällt der 25. Dezember des kirchlichen Kalenders in Russland auf den 07. Januar des weltlichen Kalenders) begangen wird, ist eine Zeit der Vorbereitung voran gestellt, die von den orthodoxen Chrristen "Philippus-Fasten", von den abendländischen Christen "Adventszeit" genannt wird. Sie heißt bei den orthodoxen Christen  "Philippus-Fasten" (oder auch "Weihnachtsfasten"), weil diese Fastenzeit mit dem Fest des heiligen Apostels Phillipus beginnt und im Abendland "Adventszeit", weil sie die Gläubigen auf die Feier der Ankunft ( lateinisch: Adventus) unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus auf Erden vorbereitet. Auch im Westen ist die Adventszeit eine Fastenzeit, nur sind seit der christlichen Antike die Fastenregeln im Osten und Westen ein klein wenig anders. Im Westen begann der Fleischverzicht nach dem Fest des Hl. Martin des Mildtätigen, des Bischoft von Tours am 11. November.. An diesem Festttag aß man traditionell zum letzten Mal Fleisch (die Martinsgans).

 

Die orthodoxe Weihnachtsfastenzeit umfasst eine 40-tätige Fastenzeit. Auf Milch- und andere tierische Produkte wird in dieser Zeit von den Gläubigen verzichtet. Auch der Heilige Abend (24. Dezember ) fällt noch unter das Fastengebot. Vom 15. November bis einschließlich 24. Dezember bereitet man sich so auf die Feier des Weihnachtsfeste vor. Geistlicher Sinn dieses freiwilligen Verzichtes ist es, sich selbst wieder der eigenen Berufung zur konsequenten Nachfolge Christi bewusst zu werden, seinen Lebensweg auf dem man so oft so Gedankenlos dahinschreitet, zu überdenken und durch Gebet, Besinnung und leiblichen Verzicht zu Gott zurückzukehren. Durch den bewussten Verzicht auf besondere Gerichte wie die Fleischspeisen soll sich der orthodoxe Gläubige bewusst werden, dass es außer seinen körperlichen Bedürfnissen auch noch die geistlichen Dinge zu verfolgen gibt, vor allem den Weg zum Himmelreich.

 

In Gegensatz zum Abendland, wo die Weihnachtslieder die Feier der Adventszeit begleiten, erklingen die Weihnachtslieder, die Koljadki, vor allem an den Weihnachtsfeiertagen und in der Zeit bis zum Fest der Taufe Christi. Sie ist der eigentliche Höhepunkt des orthodoxen Weihnachtsfestes, das mit dem 25. Dezember als dem Tag der Erinnerung an die Geburt des Sohnes Gottes auf Erden beginnt und seinen Höhepunkt im Offenbarwerden der Menschwerdung des Gottessohnes am Festtag der Taufe Christi im Jordan am 06. Januar findet. Die an diesem Tag gefeierte Großes Wasserweihe gehört zu den Mysteria, zu den Sakramenten in der orthodoxen Kirche. Die Gläubigen nehmen vom Großen Weihwasser einen Vorrrat für das kommende Jahr mit nach Hause. In Russland ist es auch üblich, an diesem Tag zum Segen in den "Jordan" das geweihte und geheiligte Wasser mit dem Körper ganz einzutauchen.

 

Am Heiligen Abend (24. Dezember) versammelt sich in Russland und der Ukraine die Familie nach dem gemeinsamen Besuch der Nachtwache in der Kirche zu einem zwölfgängigen Weihnachtsessen. Es werden aussschließlich vegetarische Speisen aufgetragen zu denen auf jeden Fall die Kutja, in Honig und Wasser gekochte Weizenkörner gehört. Zu Beginn des Essens wird der Vater aus dem hl. Evangelium die Weihnachtsgeschichte vorlesen und es wird das besondere Weihnachtsbrot herumgereicht, von dem sich jeder ein Stück abbricht. Das Weihnachtsbrot hat am Vortag vor Weihnachten vor der Weihnachtsikone in der Ikonenecke des Hauses gelegen. Das Brot ist mit einem Kreuz verziert und symbolisiert das leibliche Kommen Christi im Fleische, das wiederum Voraussetzung für das Kommen Christi zu uns in der heiligen Kommunion ist. Dieses Brot ist im übrigen kein Sakrament. Es ist noch nicht einmal (wie das Antidoron) in der Kirche gesegnet worden. Es ist einfach ein traditionelles Symbol der geistlichen Freude am Weihnachtsfest über die Menschwerdung Christi. Zwischen jedem der Gänge des Weihnachtsessens am Heiligen Abend wird ein Weihnachtslied (Koljadki) gesungen. Zum Weihnachtsfest gehören bei den orthodoxen Völkern ebenfalls traditionelles Weihnachtsgebäck. Dieses wird aber nicht wie bei den abendländischen Christen während der Adventszeit sondern während der Weihnachtsfeiertage angeboten und gegessen.Heute gehört auch der geschückte Weihnachtsbaum und oft auch ein Adventskranz zur Advents- und Weihnachtszeit in den orthodoxen Familien.

 

Vor allem in  der Diaspora werden die orthodoxen Christen mit den westlichen Advents- und Weihnachtsbräuchen konfrontiert. Auch wenn heute viele westliche Menschen stark von der Säkularisierung, ja geradezu einer Entchristlichung ergriffen wurden, hat das Weihnachtsfest für viele Menschen immer noch eine große emotinale Bedeutung. Hier können wir als orthodoxe Gläubige im Gespräch mit Kollegen, Nachtbarn und Freunden durchaus anküpfen und von unserem Glauben und der heiligen Kirche erzählen. Manche  orthodoxe Christen übernehmen auch das ein oder andere aus den westlichen Weihnachtstraditionen. Traditionen und Bräuche sind nicht der Inhalt des Weihnachtsfestes, sondern ein Mittel unsere geistlicher Freude über die Menschwerdung Christi auszudrücken. Insofern sollte es auch jedem einzelnen Gläubigen und jeder einzelnen Familie überlassen bleiben, ob und in wieweit sie gerne auch deutsche Bräuche in ihre Vorbereitung auf das Weihnachtsfest integrieren möchte.

 

Ein altbayrisch-österreichischer "Vorläufer" des heutige Adventskranzes ist das "Paradeiserl". Dafür werden vier rote Äpfel werden mit bemalten oder als Schnitzarbeit verzierten Stöcken oder Haselruten zu einer Dreieckspyramide verbunden. Auf jedem Apfel steckt eine Kerze, manchmal auch zusätzlich mit Tannenzweigen (der immergrüne Tannenzweig ist wie der Tannenbaum zu Weihnachten ein Symbol für das durch das Kommen Christi geschenkte Ewige Leben) geschmückt und mit roten Schleifen versehen. Es werden drei violette Kerzen (violett ist im Westen die liturgische Farbe in der Advents- und der Großen Fastenzeit), sowie eine rosafarbene Kerze in der unteren Etage verwendet. Jeden Sonntag wird eine der Kerzen angezündet, am dritten Adventssonntag die rosa Kerze. Rosa ist im Westen die  liturgischen Farbe des Adventsonntags Gaudete (lateinisch: „Freuet Euch“). Am vierten Adventssonntag leuchtet dann die Kerze auf der Spitze der Pyramide. Der Paradeiser steht oft auf einem mit Weihnachtsgebäck, Nüssen oder Äpfeln geschmückten Teller.


Das Paradeiserl symbolisiert den Welten- oder Lebensbaum, die Äpfel erinnern an den biblischen Sündenfall, grüne Zweige gelten als Zeichen der christlichen Hoffnung auf das ewige Leben und die Kerzen stehen für Jesus Christus als das „Licht der Welt“ (Johannes 8, 12).

 

An Silvester gehört in griechischen Familiendie Tradion der Vassilopita (Basilius-Kuchen) zum weihnachtlichen Brauchtum. Bereits am Silvesterabend, dem Abend vor Neujahr (Protoxronia) wird er angeschnitten. Kurz vor Mitternacht stimmen die Kinder eine weiteres Weihnachtslied (Kalanda) an. Sie singen auch das Lied „Pai o palios o Xronos“ (Das alte Jahr geht weg). Familienangehörige und Freunde verabschieden das alte Jahr und begrüßt das Neue. Um Mitternacht wird dann die Vassilopita angeschnitten. Im Kuchen ist eine (silberne) Münze eingebackenen. Wer in seinem Kuchenstück die Münze findet, dem winkt im neuen Jahr besonders viel Segen. Der Älteste des Hauses schneidet das Gebäck in gleiche Teile, legt jeweils eins für den Heiligen Vassili, für Christus, für die Mutter Gottes, für das Haus und für den „Armen“ beiseite und teilt die restlichen Stücke auf die Familienmitglieder auf.

 

Der Brauch mit der Vassilopita wird auf den den Heiligen Basilius den Großen (330-379) aus Cäsarea in Kapadokien zurück. Damals erhob der byzantische Präfekt  derart hohe Steuern, dass die die meisten Menschen sie nicht aufbringen konnten. Da bat der heilige Basilius die Reichen und Wohlhabenden im Land, den Anteil der Armen an der Steuersumme mit aufzubringen. Die Vermögenden unter den Kapadokiern gaben und der heilige Basilius konnte die geforderte Summe dem Präfekt überbringen. Als der Präfekt hörte, wie der Bischof dieses Gold zusammenbrachte, war er davon derart gerührt, dass er daraufhin auf die Erhebung der Steuer verzichtete.

 

Nun hatte der Heilige ein Problem. Er besaß eine große Zahl von Münzen und Schmuckstücken und es  war einfach nicht mehr nachvollziehbar, wer der Spender jeden einzelnen Teiles gewesen war. So ließ der heilige Basilius Kuchen backen und in jeden Kuchen eine Münze oder eines der Schmuckstücke mit einbacken. Das Gebäck lies er unter den Armen Kapadokiens verteilen.

 

Die Vassilopita ist nicht nur ein schöner weihnachtlicher Brauch, sondern erinnert uns ebenfalls daran, im kommenden Jahr das tätige Gebet (als solches bezeichen unsere beiden großen Heiligen Basilius der Große und Johannes Chrysostomus die Caritas oder Diakonia) immer stärker zu üben. Der heilige Johannes Chrysostomus erinnert uns daran, dass wir von Gott unseren Reichtum erhalten haben um damit Armen und Bedürftigen zu helfen. Auch sagt er uns ganz unmissverständlich: Wer Christus nicht im Bettler erblicken kann, wird ihm auch nicht in der heiligen Kommunion begegnen. Ehren wir also unsere Heiligen nicht nur mit unserem, Munde, sondern vor allemm, in dem wir ihre vorbildhaften Taten nachahmen.

 

Am 1. Januar feiert die orthodoxe Kirche die Beschneidung des Herrn und ebenfalls das Fest des heiligen Basilius des Großen. Die griechischen Kinder warten deshalb gespannt auf die Ankunft des Heiligen Vassili, der ihnen am Neujahrstag, seinem Festtag, die Geschenke bringen wird.

 

Dieser Heilige  ist einer der populärsten Heiligen der orthodoxen Kirchen. An denSonntagen der Großen Fastenzeit, am heiligen und Großen Donnerstag (Gründonnerstag) und am Großen Sonnabend (Karsamstag) und  am  Vorabend von   Christi Geburt  und der Theophanie sowie am  Festtag  des  heiligen Basilius feiert die orthodoxe Kirche die Göttliche Liturgie mit den Gebeten, die der heilige Basilius der Große verfasst hat. Neben dem heiligen Nikolaus ist der heilige Basilius einer der verehrtesten Heiligen im orthodoxen Volk. Er ist der Schutzheilige der Kinder, Schüler und Studenten. Er war wohltätig und hilfsbereit denn zu einer Zeit, als der Staat kein Geld für arme und kranke Menschen ausgab, baute der Heilige Basilius Heime für Kranke, Waisenkinder und ältere Menschen. Er genoss das Vertrauen der ganzen Bevölkerung in seiner Bischofsstadt und als er starb, trauerten Christen und juden gemeinsam um ihn.

 

Der Höhepunkt der weihnachtlichen Festzeit ist dann das Hochfest der Taufe Christi - auch das Fest der Theophanie, der Erscheinung Gottes genannt. Das Fest ist älter als das Weihnachtsfest. Ursprünglich feierte die orthodoxe Kirche Geburt- und Taufe Christi in einem gemeinsamen Fest der Gotteserscheinung  am 06. Januar. Die Große Wasserweihe gehört zu den eindrucksvollsten und heiligsten Feiern in der orthodoxen Kirche.Sie ist ein Sakrament, denn das Gebetsformular enthält ebenfalls eine Epiklese (Du selbst, Gebieter, heilige denn auch jetzt dieses Wasser durch Deinen Heiligen Geist! (dreimal)).

 

 

Das ist der Tag  an dem unser Herr und Erlöser Jesus Christus Jesus durch den heiligen Johannes den Täuferin Jordan getauft worden ist. Der menschgewordene Sohn Gottes trat in die Wasser der Jordan und heiligte sie dadurch. Es geschah zugleich eine Offenbarung der Allheiligen Dreieinheit. Das Tropar sagt es uns:

 

Als Du im Jordan getauft wurdest, o Herr, wurde offenbar die Anbetung der Dreifaltigkeit. Denn des Erzeugers Stimme gab Dir das Zeugnis und nannte Dich den geliebten Sohn. Und der Geist in Gestalt einer Taube verkündete des Wortes Untrüglichkeit. Der Du erschienen bist, Christus, als Gott, und die Welt erleuchtet hast, Ehre sei Dir!

 

 In allen orthodoxen Ländern gehen deshalb die Gläubigen mit ihren Priestern  nach der Liturgie  zu den Gewässer in der Nähe ihres Wohnortes - zum Meer, einem Fluss, einem See oder auch einem Wasserspeicher. Der Priester taucht segnend und heiligenddas Handkreuz ins Wasser und vollzieht die Große Wasserweihe. An diesem Tag werden durch die "Wasser der Jordans" alle Dinge in der Schöpfung geheiligt.

 

Anmerkungen:

 

Der Begriff „Advent“ geht auf das lateinische Wort „adventus“ zurück und bedeutet Ankunft. Der Begriff verweist auf die erfolgte Ankunft des Herrn im Fleische, auf die Menschwerdung des Gottesssohnes zu unserem Heil hin. Die Adventszeit wurde erstmals im 5. Jahrhundert im Gebiet um Ravenna in Italien gefeiert. Der heilige Erzbischof und Papst von Altrom Gregor Dialogos, setzte erstmals die Dauer der westlichen Weihnachtsfastenzeit auf vier Wochen fest fest, während man in Mailand bis heute wie in der orthodoxen Kirche eine sechswöchige Adventszeit feiert.

 

Der Adventskranz, ein Kreis ohne Anfang und Ende, ist ein Symbol für die Ewigkeit, das kommende Aion, das mit der Menschwerdung Christi seimen Anfang genommen hat. Als immergrüner Kranz symbolisiert er die immerwährende Hoffnung des Glaubens. Das Licht der Kerzen weist auf Christus das Licht der Welthin. Die Vierzahl der aufgesteckten Kerzen gilt sowohl als Hinweis aufdie vier Adventsonntage aber auch als ein Symbol für die  vier Jahrtausende des Wartens des Volkes Israel auf den Erlöser Jesus Christus. Dem Advent, als Zeit des Übergangs und der Umkehr, ist sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche die liturgische Farbe Violett zugeordnet. In der katholischen Kirchen können deshalb die aufgestellten Adventskränze mit vier violetten Kerzen versehen sein, oder auch mit drei violetten und einer rosa Kerze für den dritten Adventssonntag. Die liturgische Farbe (rosa = aufgehelltes Violett) dieses Sonntags korespondiert mit der geistlichen Vorfreude auf das Anbrechen des kommens Christi. Dieser Sonntag wird nach dem Eingangspsalm „Gaudete in Domino semper“ „Freut euch im Herrn allezeit“ Gaudete genannt.Deshalb entzündet man diese rosa Kerze traditionell am dritten Adventssonntag, der die Bezeichnung Gaudete (Freuet Euch im Herrn allezeit) trägt.

 

 

Das Philippus-Fasten

oder die Weihnachtsfastenzeit

 

Diakon Thomas Zmija

 

 

Als „Philippus-Fasten“ oder „Weihnachtsfastenzeit“ bezeichnet man die 40-tägige (= sechswöchige) Fastenzeit vor Weihnachten.

 

In der Zeit der noch ungeteilten Kirche war auch die Adventszeit bei den abendländischen Christen eine solche vorweihnachtliche Fastenzeit. Das Adventsfasten im römischen Patriarchat folgte jedoch nicht ganz so strengen Regeln wie in den übrigen orthodoxen Patriarchaten im Osten der Christenheit. So war damals den Christen im Abendland der Verzehr von Fisch, Eiern und Milchprodukten in der vorweihnachtlichen Fastenzeit erlaubt. Mit diesen unterschiedlichen Fastenregeln Im Osten und im Westen der damals noch geeinten Kirche erklären sich die heutigen unterschiedlichen Traditionen der Vorweihnachtszeit. Hierher rührt sowohl das besondere Adventsgebäck, als auch die westliche Tradition, am Vorabend des Weihnachtsfestes (24. Dezember) Karpfen zu essen. Im Abendland endete der Fleischgenuss damals mit dem Fest des Heiligen Martin Bischofs von Tours am 11. November. Der Brauch der Martinsgans, die man vielerorts zum Martinsfest verzehrt, basiert darauf, dass im fränkischen Reich der Martinstag zugleich der Tag war, an dem  das neue Wirtschaftsjahr der Bauern begann. Zu Martini wurde auch das Vieh geschlachtet, das wegen der knappen Vorräte im Mittelalter nicht den ganzen Winter hindurch gefüttert werden konnte. Dazu gehörten die Gänse. So entstand der heutige abendländische Brauch, am Martinstag Gänsebraten zu essen. Mit dem 12. November begann dann das sechs Wochen dauernde Adventsfasten. Bereits im Mittelalter wurde die Adventszeit dann verkürzt, so dass die vorweihnachts- oder Adventszeit heute nur noch vier Wochen dauert. Das Wort „Advent“ kommt von „Adventus Domini“ und bezeichnet die „Ankunft des Herrn“, die Geburt unseres Erlösers Jesus Christus an Weihnachten. Ab dem 12. November wurde dann bis zum Vorabend des ersten Weihnachtstages (24. Dezember) auch im Westen der Christenheit gefastet.

 

Die orthodoxe Kirche folgt noch heute den althergebrachten Fastenregeln in den östlichen Patriarchaten. Die Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest beginnt am 15. November. Dies ist der Tag nach dem Gedenktag des heiligen Apostels Philippus am 14. November. Die Weihnachtsfastenzeit in der orthodoxen Kirche dauert vom 15. November bis zum Vorabend des ersten Weihnachtstages (24. Dezember). Dabei ist aber zu beachten, dass sich der kalendarische Zeitpunkt des Weihnachtstages sich nach dem gebräuchlichen Kirchenkalender in den verschiedenen orthodoxen Lokalkirchen richtet. So dauert nach den Daten des modernen, bürgerlichen Kalenders die Weihnachtsfastenzeit bei den „Neukalendariern“ vom 15. November bis 24. Dezember, bei den „Altkalendariern“ jedoch vom 28. November bis 6. Januar.

 

Die Weihnachtsfastenzeit endet mit dem Nachtgottesdienst am Heiligen Abend, der liturgisch bereits zum ersten Weihnachtsfeiertag gehört. Der Vorabend des Weihnachtsfestes ist genau wie der Vorabend der Theophaniefestes (Taufe Christi) ein strenger Fastttag. Dieses strenge Fasten ist eigentlich ein eucharistisches Fasten, denn die erste Festliturgie wird an diesen beiden Festen jeweils mit der Vecernja (Vesper) verbunden gefeiert. Deshalb sagt der Volksmund: „ Das Weihnachtsfasten endet, wenn der erste Stern des Heiligen Abends am Himmel zu sehen ist“. Das Philippus-Fasten wird in den kirchlichen Büchern seit dem vierten Jahrhundert erwähnt. In seiner heutigen Ausprägung exestiert es seit dem 12. Jahrhundert.

 

Mit dem Weihnachtsfasten bereitet sich die orthodoxen Gläubigen in würdiger Weise auf die Feier des Mysterions der Geburt unseres Erlösers vor. Das Fasten in der Vorweihnachtszeit dient dazu, die gesamte menschliche Person mit Körper, Geist und Seele ganz auf die Begegnung mit Gott im Glaubensgeheimnis der Menschwerdung des Erlösers und Seiner Geburt in Bethlehem auszurichten. Deswegen ist jede der vier orthodoxen Fastenzeiten niemals nur eine Zeit des Verzichts auf Nahrungsmitteln, sondern eine Zeit der geistlichen Reinigung und seelischen Reifung. Deshalb konzentrieren die Gläubigen ihre Lebensvollzüge verstärkt auf das geistliche Leben. Sie versuchen in dieser Zeit, öfters in die Kirche, zur Beichte, zur Kommunion zu gehen, ihr Gebetsleben zu verstärken und geistliche Literatur wie die Heilige Schrift, die Schriften der heiligen Väter und das Leben der Heiligen zu lesen. Der tiefere Sinn der Fastenzeit liegt nicht allein im körperlichen Fasten, sondern in einer damit verbunden geistlichen Erneuerung. Es geht um eine Neuausrichtung des gesamten Lebens durch eine Verbesserung und Veränderung der eigener Gedanken, Wörter und Taten zum Guten hin. Deshalb sind echte Reue und wirkliche Umkehr, das verstärkte Gebet, die konsequente Einübung in die Tugenden und die sie begleitende Enthaltsamkeit notwendig, damit ein Gott wohlgefälliges Fasten im Leben des einzelnen orthodoxen Christen entstehen kann.

 

Folgende Gedenktage fallen in diese Fastenzeit: Heiliger Evangelist und Apostel Matthäus (16. November), Einzug der allheiligen Gottesgebärerin in den Tempel (21. November), Heiliger Apostel Andreas (30. November), Heilige Großmärtyrerin Barbara (04. Dezember), Heiliger Erzbischof Nikolaus von Myra (06. Dezember), Heiliger Bischof Spyridon von Trimythunt und Heiliger German von Alaska (12. Dezember) und die Heiligen Märtyrer Eustratius, Auxentius, Eugen, Mardarius und Orest (13. Dezember).

 

In den Verlauf der vorweihnachtlichen Fastenzeit fallen mehrere Gedenktage, an denen wir uns an die heiligen Propheten des Alten Bundes erinnert, die die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus vorherverkündet haben: Obadja (19. November), Nahum (01. Dezember), Habakuk (02. Dezember), Zefanja (03. Dezember), Haggai (16. Dezember), Daniel und die drei heiligen Jünglinge Ananias, Azarias und Misael im Feuerofen (17.Dezember).

 

Außer diesem Gedenken an die heiligen altttestamentlichen Propheten  fallem auch die folgenden Heiligengedenktage in die Weihnachtsfastenzeit: Heiliger Evangelist und Apostel Matthäus (16. November), Einzug der allheiligen Gottesgebärerin in den Tempel (21. November), Heiliger Apostel Andreas (30. November), Heilige Großmärtyrerin Barbara (04. Dezember), Heiliger Erzbischof Nikolaus von Myra (06. Dezember), Heiliger Bischof Spyridon von Trimythunt und Heiliger German von Alaska (12. Dezember) und die Heiligen Märtyrer Eustratius, Auxentius, Eugen, Mardarius und Orest (13. Dezember).

 

Die letzten beiden Sonntage vor Weihnachten haben jeweils einen besonderen Charakter: der zweite Sonntag vor Weihnachten ist der Sonntag, an dem wir aller alttestamentlichen Heiligen gedenken und am letzten Sonntag vor Weihnachten gedenken wir der heiligen Vorväter, also der Vorfahren unseres Erlösers Jesus Christus bis zu unserem Stammvater Adam.

 

 

Einige Gedanken zur orthodoxen Fastenpraxis

 

Diakon Thomas Zmija

 

Viele, die Mitglied der Orthodoxen Kirche werden, stehen vor einem Dilemma, wenn sie nach Hause kommen oder von Nicht- Orthodoxen eingeladen werden, die unsere Fastenpraxis nicht kennen oder sich nicht darum scheren. In diesen Fällen ist Ausgewogenheit und Maßhalten besonders gefragt. Um Stolz auf unser Fasten zu vermeiden, ist es gesund und vernünftig, das Gebot zur richtigen Zeit zu lockern. „Durch die Lockerung unserer gewöhnlichen Praxis,“ rät der heilige Diodokus von Photiki, „können wir das Geheimnis unserer Selbstbeherrschung verborgen halten.“ Wenn wir in Gefahr sind andere mit unserem Fasten zu beleidigen, ist der Rat des heiligen Pauls eine gesunde Daumenregel: „... esst, was euch vorgesetzt wird“ (1. Korinther 10:27).

 

Doch beantwortet ein solcher Rat nicht die Frage, warum wir gerufen – eingeladen – sind, Fastenregeln zu akzeptieren, sei es eine totale Abstinenz für kurze Zeit oder eingeschränkte Nahrung während längerer Fastenzeiten.

 

Evagrios Pontikos, ein georgischer Mönch, der im Jahre 399 in der Abgeschiedenheit der ägyptischen Wüste starb, beschreibt wohl die richtigen Gründe, warum das Fasten im christlichen Leben so wichtig war. „Faste vor den Herrn nach deinem Vermögen,“ rät er, denn damit wirst du von deinen Lastern und Sünden gereinigt; es erhöht die Seele, heiligt den Geist, treibt Dämonen aus und bereitet dich auf die Gegenwart Gottes vor ... Sich der Nahrung zu enthalten sollte alsdann deine eigene Wahl sein und asketische Mühe“.

 

Elias der Presbyter, ein Priestermönch des 11./12. Jahrhunderts, verdeutlicht dieses Ziel mit dem Bild des kommenden Reiches. Wer Fasten und das unablässige Gebet praktiziert, „das eine zusammen mit dem anderen, wird sein Ziel, die Stadt aus der ‚Kummer und Seufzen entfliehen’ (Jesaja 35:10 (Text der Septuginta (griechischen alten Testamentes (LXX)) erreichen.“

 

Fasten ist nur sinnvoll sofern es in Beziehung auf das Reich Gottes gehalten wird. Wenn es auch dazu dienen mag den Leib zu entgiften und uns hilft unsere Versuchungen zu Völlerei und Genusssucht in den Griff zu bekommen, rechtfertigt dies keineswegs ihre Strenge. Die Fastendisziplin hat nur einen grundlegenden Zweck: uns auf das folgende Fest vorzubereiten.

 

Wir enthalten uns völlig des Essens bevor wir die Heilige Kommunion empfangen, nicht nur um den Bauch zu leeren, sondern um Hunger für die wahre Eucharistie zu schaffen, das Himmlische Mahl, das für uns bereitet wurde vor der Erschaffung der Welt.

 

Das gleiche gilt für die langen Fastenzeiten unseres Kirchenjahres. Sie helfen sehr bei der lebenswichtigen Aufgabe die „Zeit zu heiligen“, Herz und Geist der überweltlichen Wirklichkeit und dem Versprechen der erfüllten Hoffnung zu öffnen.

 

Das Fasten hat seine wahre Grundlage im gesamten sakramentalen Leben der Kirche, das den Gläubigen nährt und zum ewigen Leben, zu Freude und Frieden im Himmelreich führt. Es erhebt uns über die täglichen Sorgen unserer irdischen Existenz, um uns fest auf die Flugbahn zu setzen, die uns von diesem Leben ins nächste bringt.

 

Fasten ist kein Sakrament im strikten Sinne, aber es ist zu tiefst „sakramental“. Sakramental und eschatologisch, weil es unser gegenwärtiges Leben und unser Tun heiligt, unser Gebet – das persönliche wie das gemeinschaftliche – vertieft und verstärkt, und in unserem innersten Sein einen entscheidenden Durst nach dem versprochenen Mahl schafft, dem kommenden ewigen Fest.

 

Fasten ist die Mahnung, dass der Weg zur Herrlichkeit der Weg des Kreuzes ist. Fasten mag kleinere Unannehmlichkeiten auferlegen: unseren Drang nach sofortiger Befriedigung enttäuschen und uns schmerzlich daran erinnern, wie viele der Menschen dieser Erde jede Nacht hungrig zu Bett gehen. Aber das alles hat sein Gutes. Denn diese Unannehmlichkeiten führen den Leib, den Geist und die Seele zu dem was wirklich wichtig ist: zum himmlischen Jerusalem in dem die Seele erhöht wird, der Geist geheiligt und die Dämonen besiegt, und wir alle auf ewig in der Gegenwart Gottes weilen.

 

Das Philippus-Fasten

oder die Weihnachtsfastenzeit

 

Thomas Zmija v. Gojan

 

 

Als „Philippus-Fasten“ oder „Weihnachtsfastenzeit“ bezeichnet man die 40-tägige (=  sechswöchige) Fastenzeit vor Weihnachten.

 

In der Zeit der noch ungeteilten Kirche war auch die Adventszeit bei den abendländischen Christen eine solche vorweihnachtliche Fastenzeit. Das Adventsfasten im römischen Patriarchat folgte jedoch nicht ganz so strengen Regeln wie in den übrigen orthodoxen Patriarchaten im Osten der Christenheit. So war damals den Christen im Abendland der Verzehr von Fisch, Eiern und Milchprodukten in der vorweihnachtlichen Fastenzeit erlaubt. Mit diesen unterschiedlichen Fastenregeln Im Osten und im Westen der damals noch geeinten Kirche erklären sich die heutigen unterschiedlichen Traditionen der Vorweihnachtszeit. Hierher rührt sowohl das besondere Adventsgebäck, als auch die westliche Tradition, am Vorabend des Weihnachtsfestes (24. Dezember) Karpfen zu essen. Im Abendland endete der Fleischgenuss damals mit dem Fest des Heiligen Martin Bischofs von Tours am 11. November. Der Brauch der Martinsgans, die man vielerorts zum Martinsfest verzehrt, basiert darauf, dass im fränkischen Reich der Martinstag zugleich der Tag war, an dem  das neue Wirtschaftsjahr der Bauern begann. Zu Martini wurde auch das Vieh geschlachtet, das wegen der knappen Vorräte im Mittelalter nicht den ganzen Winter hindurch gefüttert werden konnte. Dazu gehörten die Gänse. So entstand der heutige abendländische Brauch, am Martinstag Gänsebraten zu essen. Mit dem 12. November begann dann das sechs Wochen dauernde Adventsfasten. Bereits im Mittelalter wurde die Adventszeit dann verkürzt, so dass die vorweihnachts- oder Adventszeit heute nur noch vier Wochen dauert. Das Wort „Advent“ kommt von „Adventus Domini“ und bezeichnet die „Ankunft des Herrn“, die Geburt unseres Erlösers Jesus Christus an Weihnachten. Ab dem 12. November wurde dann bis zum Vorabend des ersten Weihnachtstages (24. Dezember) auch im Westen der Christenheit gefastet.

 

Die orthodoxe Kirche folgt noch heute den althergebrachten Fastenregeln in den östlichen Patriarchaten. Die Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest beginnt am 15. November. Dies ist der Tag nach dem Gedenktag des heiligen Apostels Philippus am 14. November. Die Weihnachtsfastenzeit in der orthodoxen Kirche dauert vom 15. November bis zum Vorabend des ersten Weihnachtstages (24. Dezember). Dabei ist aber zu beachten, dass sich der kalendarische Zeitpunkt des Weihnachtstages sich nach dem gebräuchlichen Kirchenkalender in den verschiedenen orthodoxen Lokalkirchen richtet. So dauert nach den Daten des modernen, bürgerlichen Kalenders die Weihnachtsfastenzeit bei den „Neukalendariern“ vom 15. November bis 24. Dezember, bei den „Altkalendariern“ jedoch vom 28. November bis 6. Januar.

 

Die Weihnachtsfastenzeit endet mit dem Nachtgottesdienst am Heiligen Abend, der liturgisch bereits zum ersten Weihnachtsfeiertag gehört. Der Vorabend des Weihnachtsfestes ist genau wie der Vorabend der Theophaniefestes (Taufe Christi) ein strenger Fastttag. Dieses strenge Fasten ist eigentlich ein eucharistisches Fasten, denn die erste Festliturgie wird an diesen beiden Festen jeweils mit der Vecernja (Vesper) verbunden gefeiert. Deshalb sagt der Volksmund: „ Das Weihnachtsfasten endet, wenn der erste Stern des Heiligen Abends am Himmel zu sehen ist“. Das Philippus-Fasten wird in den kirchlichen Büchern seit dem vierten Jahrhundert erwähnt. In seiner heutigen Ausprägung exestiert es seit dem 12. Jahrhundert.

 

Mit dem Weihnachtsfasten bereitet sich die orthodoxen Gläubigen in würdiger Weise auf die Feier des Mysterions der Geburt unseres Erlösers vor. Das Fasten in der Vorweihnachtszeit dient dazu, die gesamte menschliche Person mit Körper, Geist und Seele ganz auf die Begegnung mit Gott im Glaubensgeheimnis der Menschwerdung des Erlösers und Seiner Geburt in Bethlehem auszurichten. Deswegen ist jede der vier orthodoxen Fastenzeiten niemals nur eine Zeit des Verzichts auf Nahrungsmitteln, sondern eine Zeit der geistlichen Reinigung und seelischen Reifung. Deshalb konzentrieren die Gläubigen ihre Lebensvollzüge verstärkt auf das geistliche Leben. Sie versuchen in dieser Zeit, öfters in die Kirche, zur Beichte, zur Kommunion zu gehen, ihr Gebetsleben zu verstärken und geistliche Literatur wie die Heilige Schrift, die Schriften der heiligen Väter und das Leben der Heiligen zu lesen. Der tiefere Sinn der Fastenzeit liegt nicht allein im körperlichen Fasten, sondern in einer damit verbunden geistlichen Erneuerung. Es geht um eine Neuausrichtung des gesamten Lebens durch eine Verbesserung und Veränderung der eigener Gedanken, Wörter und Taten zum Guten hin. Deshalb sind echte Reue und wirkliche Umkehr, das verstärkte Gebet, die konsequente Einübung in die Tugenden und die sie begleitende Enthaltsamkeit notwendig, damit ein Gott wohlgefälliges Fasten im Leben des einzelnen orthodoxen Christen entstehen kann.

 

Folgende Gedenktage fallen in diese Fastenzeit: Heiliger Evangelist und Apostel Matthäus (16. November), Einzug der allheiligen Gottesgebärerin in den Tempel (21. November), Heiliger Apostel Andreas (30. November), Heilige Großmärtyrerin Barbara (04. Dezember), Heiliger Erzbischof Nikolaus von Myra (06. Dezember), Heiliger Bischof Spyridon von Trimythunt und Heiliger German von Alaska (12. Dezember) und die Heiligen Märtyrer Eustratius, Auxentius, Eugen, Mardarius und Orest (13. Dezember).

 

In den Verlauf der vorweihnachtlichen Fastenzeit fallen mehrere Gedenktage, an denen wir uns an die heiligen Propheten des Alten Bundes erinnert, die die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus vorherverkündet haben: Obadja (19. November), Nahum (01. Dezember), Habakuk (02. Dezember), Zefanja (03. Dezember), Haggai (16. Dezember), Daniel und die drei heiligen Jünglinge Ananias, Azarias und Misael im Feuerofen (17.Dezember).

 

Die letzten beiden Sonntage vor Weihnachten haben jeweils einen besonderen Charakter: der zweite Sonntag vor Weihnachten ist der Sonntag, an dem wir aller alttestamentlichen Heiligen gedenken und am letzten Sonntag vor Weihnachten gedenken wir der heiligen Vorväter, also der Vorfahren unseres Erlösers Jesus Christus bis zu unserem Stammvater Adam.

 

 

Das orthodoxe Weihnachtsfasten und die westliche Adventszeit

 

Handout zur Gemeindekateches in Balingen im Dezember 2017

 

Thomas Zmija

 

Für uns orthodoxe Christen beginnt die Vorbereitung auf das Fest der Geburt Christi (am 25. Dezember) mit einer Vorbereitungszeit, dem Philippus- oder Weihnachtsfasten. Bereits vierzig Tage vor dem Weihnachtsfest treten wir geistlich in die Zeit des Weihnachtsfastens ein. Als Menschen, die aus einer Einheit aus Geist, Seele und Leib bestehen, brauchen wir jeweils – damit wir in der rechten geistlichen Haltung an den Gedächtnisfeiern der großen Heilstaten Gottes teilnehmen - eine besondere Zeit der seelischen, geistlichen und körperlichen Hinführung. Die vier Fastenzeiten sind solche Zeiträume der geistlichen Hinführung im kirchlichen Jahreslauf, während derer wir uns auf das jeweils kommende Festgeheimnis einstimmen können. Wir bereiten uns in dieser Zeit geistlich und leiblich angemessen darauf vor, uns der spirituellen Wirklichkeit des jeweiligen Festes annähern zu können. So bereiten wir uns durch die Weihnachtsfasten darauf vor, dass wir mit den geistlich gereinigtem Augen unserer Herzen und Seelen das große Glaubensgeheimnis des Kommens unseres Herrn und Erlösers und Gottes Jesus Christus dem Fleische in die Geburtshöhle in Bethlehem zu erblicken vermögen und an der hieraus kommenden echten Weihnachtsfreude teilhaben können.

 

Die Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest beginnt am 15. November. Dies ist der Tag nach dem Gedenktag des heiligen Apostels Philippus. Deshalb wird die Fastenzeit auch „Philippus-Fasten“ genannt. Die Weihnachtsfastenzeit in der orthodoxen Kirche dauert vom 15. November bis zum Vorabend des ersten Weihnachtstages (24. Dezember).

 

Die orthodoxe Kirche bereitet sich auf die Feier des Weihnachtsfestes bis heute mit den althergebrachten Regeln der östlichen Christenheit vor.

 

Dabei ist aber jeweils zu beachten, dass sich der kalendarische Zeitpunkt des Weihnachtstages nach dem gebräuchlichen Kirchenkalender in den verschiedenen orthodoxen Lokalkirchen richtet. So dauert nach den Daten des modernen, bürgerlichen Kalenders die Weihnachtsfastenzeit bei den „Neukalendariern“ vom 15. November bis 24. Dezember, bei den „Altkalendariern“ jedoch vom 28. November bis 6. Januar. Aber auch die „Altkalendarier“ (wie die russische Kirche) feiern Weihnachten nicht am 07. Januar, sondern am 25. Dezember des kirchlichen Kalenders, der dem 07. Januar des bürgerlichen Kalenders entspricht.

 

In der Zeit der noch ungeteilten Kirche war auch die Adventszeit bei unseren abendländischen Mitchristen eine vorweihnachtliche Fastenzeit. Das Adventsfasten im römischen Patriarchat folgte jedoch nicht ganz so strengen Regeln wie in den übrigen Patriarchaten im Osten der orthodoxen Christenheit. So war damals den Christen im Abendland der Verzehr von Fisch, Eiern und Milchprodukten in der vorweihnachtlichen Fastenzeit erlaubt. Mit diesen Fastenregeln im Osten und im Westen der damals noch unterschiedlichen geeinten Kirche erklären sich die heutigen unterschiedlichen Traditionen der Vorweihnachtszeit. Hierher rührt sowohl das besondere Adventsgebäck, als auch die westliche Tradition, am Vorabend des Weihnachtsfestes (24. Dezember) Karpfen zu essen. Im Abendland endete der Fleischgenuss damals mit dem Fest des Heiligen Martin Bischofs von Tours am 11. November. Mit dem 12. November begann dann das sechs Wochen dauernde Adventsfasten. Bereits im Mittelalter wurde die Adventszeit dann verkürzt, so dass die Vorweihnachts- oder Adventszeit bei den abendländischen Christen heute nur noch vier Wochen dauert. Das Wort „Advent“ kommt von „Adventus Domini“ und bezeichnet die „Ankunft des Herrn“, also die Geburt unseres Erlösers Jesus Christus an Weihnachten.

 

Die orthodoxe Weihnachtsfastenzeit endet erst mit dem ganznächtlichen Gottesdienst am Heiligen Abend, der liturgisch bereits zum ersten Weihnachtsfeiertag gehört. Der Vorabend des Weihnachtsfestes ist ein strenger Fasttag. Dieses strenge Fasten ist eigentlich ein eucharistisches Fasten, denn die erste Festliturgie des Weihnachtsfestes wird jeweils mit der Vecernja (Vesper) verbunden gefeiert. Deshalb sagt der russische Volksmund: „Das Weihnachtsfasten endet, wenn am Heiligen Abend der erste Stern am Himmel zu sehen ist“. Das Weihnachtsfasten wird in den kirchlichen Büchern seit dem vierten Jahrhundert erwähnt. In seiner heutigen Ausprägung existiert es seit dem 12. Jahrhundert.

 

Folgende Gedenktage fallen in diese Fastenzeit: Heiliger Evangelist und Apostel Matthäus (16. November), Einzug der allheiligen Gottesgebärerin in den Tempel (21. November), Heiliger Apostel Andreas (30. November), Heilige Großmärtyrerin Barbara (04. Dezember), Heiliger Erzbischof Nikolaus von Myra (06. Dezember), Heiliger Bischof Spyridon von Trimythunt und Heiliger German von Alaska (12. Dezember) und die Heiligen Märtyrer Eustratius, Auxentius, Eugen, Mardarius und Orest (13. Dezember).

 

 

In den Verlauf der vorweihnachtlichen Fastenzeit fallen mehrere Gedenktage, an denen wir uns an die heiligen Propheten des Alten Bundes erinnert, die die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus vorherverkündet haben: Obadja (19. November), Nahum (01. Dezember), Habakuk (02. Dezember), Zefanja (03. Dezember), Haggai (16. Dezember), Daniel und die drei heiligen Jünglinge Ananias, Azarias und Misael im Feuerofen (17.Dezember).

 

Die beiden letzten Sonntage vor dem Fest der Geburt Christi haben jeweils einen ganz besonderen Charakter und sind der Erinnerung aller alttestamentlichen Heiligen gewidmet, welche durch den Glauben an den kommenden Heiland erlöst wurden. Der erste von diesen beiden Sonntagen heißt: „Sonntag der Ahnen oder Vorväter“ und ist der Erinnerung an die heiligen Patriarchen von Adam bis auf Joseph, dem Bräutigam der heiligen Immerjungfrau Maria und an die heiligen Propheten, von Samuel bis auf Johannes den Täufer, gewidmet. Der zweite dieser beiden Sonntage heißt: „Sonntag der heiligen Väter“. Er ist dem Gedächtnis der leiblichen Vorfahren unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus gewidmet. Im Gottesdienst wird uns dann der Stammbaum Christi aus dem Matthäusevangelium vorgelesen.

 

Diese beiden vorweihnachtlichen Sonntage, weisen uns geistlich darauf hin, dass unser Herr und Erlöser Jesus Christus genau zu dem Zeitpunkt zu unserem Heil geboren wurde, als „die Zeit erfüllt war“ (vgl.: Galater 4:4), das heißt, dass die Menschen eine lange Zeit der Vorbereitung gebraucht haben, um dem Kommen des menschgewordenen Gottes innerlich begegnen zu können. Gott bietet uns Sein Heil an, jedoch kommt das Heil nicht ohne die Synergeia, das Mitwirken des Menschen, zu uns. So hatte Gott Jahrtausende gewartet, bis Ihm ein Mensch auf Erden sagen konnte: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du gesagt hast.“ So ist das freiwillige „Ja“ der  allheiligen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria zur Inkarnation des Gottessohnes aus ihrem allreinen Leibe das Ziel jener Jahrtausende langen Vorbereitungszeit, die sich in der Genealogie des Herrn abbildet.

 

Aber auch das Heil jedes einzelnen Menschen beginnt mit jener Inkarnation des Gottessohnes aus der allheiligen Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria. Denn die leibliche Geburt des Sohnes Gottes aus der allheiligen Immerjungfrau ist auf geistlich-reale Weise zugleich der Anfang der mystischen Gottesgeburt im Herzen eines jeden Menschen, der sich geistlich dafür öffnet und den Willen Gottes tut. Somit ist das Geheimnis der Geburt Christi zugleich auch die Grundlage der geistlichen Entwicklung und Vervollkommnung eines jeden Menschen, der nach der lebendigen Gemeinschaft mit Gott, die die Heiligen Väter die Vergöttlichung nennen, strebt. Dies wird im Namen „Jesus“ deutlich, der dem in Bethlehem geboren Kind gegeben wird: Dieser Name bedeutet übersetzt „Gott errettet“ oder „Gott ist mit uns“. Der zu unserem Heil leibhaft in unsere Welt gekommene Sohn Gottes errettet all jene, die an Ihn glauben.

 

Um diesem Glaubensgeheimnis geistlich in rechter Weise begegnen zu können, bedürfen wir Menschen einer längeren Zeit der inneren Vorbereitung. Durch die vorweihnachtliche Fastenzeit hilft uns Gott, damit wir  diesem Fest auf innerlich-geistliche Weise begegnen können.

 

Die Fastenzeit, die uns auf das Weihnachtsfest vorbereitet, ist nicht so intensiv liturgisch durchgestaltet, wie es für die Große Fastenzeit vor Ostern so typisch ist. Das Weihnachtsfasten ist also eher „asketischer“ als „liturgischer“ Natur. Trotzdem spiegelt sich auch die weihnachtliche Fastenzeit im Leben der Kirche in einer Reihe besonderer, liturgischer Zeichen, die das kommende Fest für uns ankündigen.

 

 

So leuchtet während der 40 Tage der adventlichen Vorbereitung bereits das große geistliche Thema der kommenden Geburt unseres Heilandes allmählich in unseren Gottesdiensten auf. Wenn auch noch nicht ganz zu Beginn der Fastenzeit am 15. November, so hören wir doch bereits fünf Tage später, am Vorabend des Festes des Einzugs der allheiligen Gottesgebärerin in den Tempel, die an uns danach wieder und wieder ergehende Aufforderung des Weihnachtskanons: „Christus ist geboren, verherrlicht IHN!“ Christus steigt von den Himmeln herab, heißt IHN willkommen! Christus ist jetzt auf der Erde, freut euch! Singt dem Herrn alle Welt und preist ihn, alle Menschen, denn Er wurde erhöht!“ Bei diesen Worten verändert sich etwas in den Herzen der Menschen. Nicht nur bei uns gläubigen Christen, sondern oft auch bei vielen unserer heute so entkirchlichten und säkularisierten Mitmenschen wird in dieser vorweihnachtlichen Zeit das Herz mit einer großen seelische Hoffnung erfüllt. Wir können daran erkennen, welch große, oft uneingestandene Erwartung nach dem Kommen des Christus-Emanuel, des Heilandes und Erretters die Herzen aller Menschen erfüllt.

 

Unsere heilige orthodoxe Kirche lädt uns mit der Weihnachtsfastenzeit und ihren Gottesdiensten ein, uns dieser Ankunft Gottes zu öffnen. Mit dem erklingen des Weihnachtskanons können wir - noch  ganz weit weg -das erste Licht der größtmöglichen Freude wahrnehmen. Gleich den Weisen aus dem Morgenland folgen wir dem Stern von Bethlehem. Auch wir ziehen durch die Weihnachtsfastenzeit geistlich dem Sterne nach, der uns zur Ankunft Christi in dieser Seiner Welt hinführen will. Mit den Worten des Hymnus: „Christus ist geboren, verherrlicht IHN!“ Christus steigt von den Himmeln herab, heißt IHN willkommen! Christus ist jetzt auf der Erde, freut euch!“ verändert sich etwas in unserem Leben, in der Atmosphäre unserer Empfindungen, in der ganzen Stimmung des Lebens.

 

Die Gottesdienste der Kirche, aber auch die uns umgebenden Lieder unserer abendländischen Mitchristen, die diese vorweihnachtliche Zeit erfüllen, rufen uns das Kommen Christi zu.  Sie „verkünden uns große Freude“, denn uns wird „Christus der Herr geboren werden, in der Stadt Davids“. Jetzt kommt die Zeit der großen Freude über die Menschwerdung Christi, unseres Gottes, Sein Eintritt in die Welt zu unser aller Erlösung, heran.

 

Mit der ganzen materiellen und geistigen Schöpfung preisen und verehren wir als orthodoxe Christen den Hervorgang des Sohnes und Wortes Gottes aus der allheiligen Immerjungfrau und Gottesgebärerin Maria. Denn in Christus-Emanuel, dem Kind, das in Bethlehem zu unserem Heil geboren wird, begegnen wir dem menschgewordenen Sohn Gottes, unserem Licht und Heil, dem Beschützer unseres Lebens. So beugen wir mit den heiligen drei weisen Magiern die Knie unserer Herzen und jubeln zusammen mit den heiligen Propheten David, dem Sänger der Psalmen: „Vor wem sollten wir uns fürchten?“ (vgl. Psalm 26:1 LXX). Als gläubige Christen bekennen wir am Weihnachtstag: “Heute ist uns der Heiland geboren” (Lukas 2:11), “der Herr der Mächte und König der Herrlichkeit” (Psalm 23:10 LXX). Deshalb grüßen wir uns in der russischen Tradition am Weihnachtsfest mit den Worten: „Christus ist geboren! Verherrlicht IHN!“

 

Bei dieser lichten Feier gehen uns die heiligen Engel voran mit dem Lobpreis, indem auch wir in der Christnacht mit einstimmen werden: “Ehre sei Gott in den Höhen und Friede auf Erden, bei den Menschen Wohlgefallen!”