Große Fastenzeit 4

 

Die erste Woche der großen Fastenzeit

 

Diakon Thomas Zmija

 

In der Diaspora gehen die meisten orthodoxen Christen nur am Sonntag in die Kirche. Selbst Fromme besuchen die Kirche darüber hinaus meist nur an hohen Festtagen und wichtigen Heiligenfesten. In den russischen Gemeinden ist es gute Tradition, am Samstagabend ebenfalls an der Vecernia oder der Nachtwache, einem Gottesdienst, der Abend-und Morgengottesdienst zu einer gemeinsamen Feier vereint.

 

In der Tradition sind die erste Woche in der Großen Fastenzeit und die Große und Heilige Woche (Karwoche) von großer Bedeutung. So wollen wir nun die erste Woche näher betrachten:

 

In der erste Woche kommen die Gläubigen zur Lesung des Bußkanons des heiligen Andreas von Kreta in die Kirche. Dieser große in viele Stophen gegliederte Kanon wird am Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag beim Abendgot­tes­dienst (Vecernia) gelesen.

 

Die Tradition der orthodoxen Kirche empfiehlt mit den Worten unseres Herrn Jesus Christus, dass wir die Große Fastenzeit damit beginnen, den Kopf zu salben und das Gesicht zu waschen ("Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten" (Matth 6: 1-6). Am ersten Tag der Großen Fasten, dem sogenannten "sauberen Montag" hört man oft den segenwunsch: "Gute Fasten" oder "Guten Kampf", um einander zu einem guten Beginn in dieser großen und heiligen Aufgabe anzuspornen.

Am Morgen des ersten Mittwochs findet die erste Liturgie der vorgeweihten Gaben statt. Am Freitag wird nach der Liturgie ein Bittgottesdienst mit der Weihe der Kolyva, einer Speise aus in Honig gekochten Weizenkörnern  zum Gedächtnis an das Wunder des hl. Großmärtyrers Theodor Tyron gefeiert. Die geweihte Weizenspeise wird nach dem Gottesdienst an die Gläubigen verteilt und an diesem Tag auf nüchternen Magen gegessen.

 

Das Wort Tyron bedeutet auf griechisch Rekrut. Kaum war der hl. Theodor in die römische Armee in der Stadt Amasea eingetreten, da begann die Christenverfolgung unter den Kaisern Maximian und Maximus. Da der hl. Theodor die Tatsache, daß er Christ war, nicht zu verbergen versuchte, wurde er vor Gericht gestellt und ins Gefängnis geworfen. Das sich der Heilige auch dann standhaft weigerte, dem Glauben an christus abzuschwören, wurde der Kerker verschlossen und versiegelt, da die römischen Behörden den Heiligen dort Hungers sterben lassen wollten. Aber der Herr Jesus Christus Selbst erschien dem hl. Theodor im Gefängnis und sprach Seinem Märtyrer Mut zu, indem Er sagte: „Fürchte dich nicht, Theodor, Ich bin bei dir; iß und trink nichts Irdisches, denn du wirst bei mir in der anderen Welt in den Himmeln sein, ewig und immerdar.“ In diesem Augenblick erschien eine große Schar an Engeln im Gefängnis, und das ganze Gefängnis leuchtete hell. Die Wachen, die die in weiße Gewänder gekleideten Engel sahen, gerieten in großen Schrecken und Furcht. Danach wurde der hl. Theodor aus dem Kerker hervorgeholt, gefoltert und zum Tode verurteilt. Der hl. Theodor wurde in ein Feuer geworfen und übergab Gott dem Allerhöchsten seine reine Seele. Er erlitt das Martyrium im Jahr 306.

 

Hl. Märtyrer Theodor Tyron
Hl. Märtyrer Theodor Tyron

 

Die orthodoxe Tradition, Kolyva am Ende der ersten Woche der Fastenzeit zu segnen und zu essen, ist mit einem Ereignis in der Regierungszeit des Gottlosen Kaisers von Julian des Apostaten verbunden. Da der Kaiser wusste, dass die Christen nach der ersten Woche des strengen Fastens in der ersten Woche der Großen Fastenzeit hungrig am Samstag auf die Märkte in Konstantinopel gehen würden, um Lebensmittel zu kaufen, befahl er, das Blut der heidnischen Götzenopfer über alle Lebensmittel zu sprengen, die dort an diesem Tasge verkauft werden würden. Dies machte die Lebensmittel zum Verzehr in der Fastenzeit ungeeignet, weil die Christen weder vom Götzenopfer der Heiden, noch vom Blut der Tiere essen konnten (s. Beschlüsse des Apostelkonzils). Der hl. Theodor Tyron erschien jedoch im Traum dem Erzbischof Eudoxius und sagte ihm, dass die Christen an diesem Tag keine auf dem Markt gekauften Lebensmittel essen sollten, sondern nur in Honig gekochten Weizen.  Die Erinnerung an dieses Wunder wird am  ersten Samstag der Großen Fastenzeit begangen. An diesem Tage weiht in erinnerung an dieses Wunder die orthodoxe Kirche die Kolyva zu Ehren des hl. Märtyrers Theodor Tyron.

 

 

 

In den orthodoxen Volkskulturen gibt es viele weitere, uns auf den Sinn dieser besonderen Zeit des Kirchenjahres hinweisende, Sitten und Gebräuche. So kennt die russische Kultur traditionelle Speisen, die dann für einen ganz bestimmten Tag während der Großen Fastenzeit zubereitet werden. "Lerchen" aus Teig - zur Erinnerung an die vierzig Märtyrer von Sebaste (Gedenktag am 9. März), "Leitern" aus Teig- zur Erinnerung an den hl. Johannes Climacus (4. Woche der Großen Fastenzeit) und zur Kreuzverehrung (3. Woche der Großen Fastenzeit) gebackene Kreuze aus Teig. Die Gebindebrote in Form von Lerchen, Kreuzen und Leitern werden zerst in die Kirche gebracht und dort gesegnet und danach dann gegessen.

 

 

 

Die erste Woche der Großen Fastenzeit endet mit dem ersten Fastensonntag. An diesem Sonntag wird das Fest der Orthodoxie begangen.

 

 

 

 

Über den Großen Bußkanon der hl. Andreas von Kreta

 

Der heilige Andreas, der das große Buß- und Reuelied des Bußkanon, den wir in der ersten Woche der großen Fastenzeit lesen, geschrieben hat, war in der 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts Erzbischof von Kreta.

 

Die heilige Maria von Ägypten, der zwei Strophen am Ende jeder Ode gewidmet werden, ist das lebendige Symbol für die verwandelnde Kraft der Göttlichen Gnade in uns Sündern.

 

Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta (250 Strophen) wird zweimal in der Großen Fastenzeit wird gelesen:

 

    - das erste Mal wird er, in vier Abschnitte eingeteilt, die jeweils im Großen Spätabendgottesdiest (Großes Apodeipnon) an den Abenden des Montags, Dienstags, Mittwochs und Donnerstags der ersten Woche in der Großen Fastenzeit gelesen.

 

    - das zweite Mal aber wird der ganze Kanon dann am Donnerstag der fünften Fastenwoche (eigentlich am Mittwoch Abend) gelesen.

 

Der lange Gesang des Bußkanon des heiligen Andreas von Kreta geht die ganze Geschichteder Begegnung des Menschen mit Gott - wie sie uns in der Heiligen Schrift vorgestellt ist - durch.

 

Er versucht, uns zu helfen, die Tatsache einzusehen, daß wir nur wenige gute Werke darzubringen haben, und daß wir allzu oft das Spiel des Bösen gespielt haben. Nicht durch unser Gutes-Tun gelangen wir ins Himmelreich, sondern durch die rettende Barmherzigkeit Gottes. Und der Gott, der Vater, wartet in Seiner erbarmenden Liebe, wartet darauf, daß wir es wagen, mit dem ganzen Ausmaß unseres Elends zu Ihm zu kommen, Ihm so zuvertrauen, daß wir den Mut haben, es Seinem barmherzigen Blick hinzuhalten; und, indem wir dies mit unserem eigenen Elend in uns tun, auch das ganze Elend der Welt der erlösenden Wirksamkeit Gottes auszusetzen.

 

 

Der hl. Andreas von Kreta, wurde um das Jahr 660 in Damaskus in Syrien geboren. Als er 15 Jahren alt war, trat er in Jerusalem in das Kloster an der Anastasis-Kirche ein. Später wurde er Diakon in der Konstantinopel. Von Patriarch Theodor I. wurde er beauftragt, Kaiser Konstantinus Pogonatos zu bewegen, das 3. Konzil von Konstantinopel abzuhalten, auf dem er den Patriarchen vertrat. Im Jahre 692 wurde der hl. Andreas dann zum Metropoliten von Gortyna auf Kreta geweiht. Er wurde in der ganzen Kirche hochgerühmt wegen seiner Predigten und Schriften. Ebenso war der hl. Andreas ein Verehrer der hl. Ikonen. Der hl. Andreas war einer der  großer Hymnologen der orthodoxen Kirche.

 

 

Maria von Ägypten war - schon als sie fast noch ein Kind war - Dirne in Alexandrien geworden. Danach hat sie hat dort siebzehn Jahre lang ein schlimmes und lasterhaftes Leben geführt. Eines Tages aber fährt sie aus Neugier und mit sehr unreinen Absichten nach Jerusalem. Ihre Schiffsreise „verdient“ sie sich durch Prostitution. In Jerusalem angekommen folgt sie dem Strom der Pilger zum Grab des Herrn. Aber auf der Schwelle der Jerusalemer Auferstehungsbasilika hindert sie eine unsichtbare Kraft, mit den anderen in das Gotteshaus eintreten zu können. Zuerst strengt sie sich mit aller Kraft an, um doch noch den heiligen Ort betreten zu können. Schließlich läßt sie sich im Vorhof niederfallen, gerade unter der Ikone der allheiligen Gottesgebärerin. Im Aufblick zur Mutter Gottes versteht sie in einem einzigen Augenblick, warum die Schwelle zur Kirche für sie zur unüberwindbaren Hürde geworden war. So ist sie, die große Sünderin, vor der Ikone der Allreinen auf ihre Knie niedergesunken und weint dort die reinigenden und befreienden Tränen der Reue.

 

Ein neues Leben fängt nun für Maria an. Sie stellt nun ihr ganzes Leben unter den Schutz und die Führung der allheiligen Gottesmutter. Nachdem sie das rettende Kreuz des Herrn verehrt hat, geht sie über den Jordan in die Wüste. Wie in der Taufe, so wirf Maria im Jordanfluss ihre vergangenen Sünden ab. Danach lebte die hl. Maria von Ägypten noch 47 Jahre in der Wüste jenseits Jordan. Es ist nicht leicht für sie, die so sehr das Leben in der Sünde gewöhnt war, die Umkehr auch innerlich anzunehmen uns zu vollziehen. Dem hl.Abt Zosimas, der ihr dort während der Großen Fastenzeit begegnete und ihr danach auch die heilige Kommunion brachte, und der sie auch dort später auch mit Hilfe eines Löwen begraben hat, erzählt die große Büßerin, dass sie noch 17 Jahre von fleischlichen Anfechtungen gepeinigt worden war.

 

Für die orthodoxen Gläubigen ist die hl. Büßerin Maria ein großes Vorbild für ihre eigene Umkehr. Maria wurde aus dem Abgrund der Verlorenheit in Ägypten hinzum rettenden Kreuz geführt. Aber sie bleibt nicht einfach bei der Gottesbegegnung stehen. Sie läßt sich von ihr im Heiligtum ergreifen und über den Jordan (Symbol der hl. Taufe) in die Wüste führen. Dort werden die Schlacken ihres alten Lebens in einem langen Sich-in-der-Einsamkeit-Gott-Aussetzen ausgeglüht. Das Ziel von Buße und Askese ist es, sich Schritt für Schritt in ein Leben mit Gott hineinnehmen zu lassen. Gott vergöttlicht uns aus Gnade, wir aber müssen uns der Gnade würdig erweisen, sie annehmen und sie zu einem Teil unseres Lebens werden lassen.

 

 

Aus der 1. Ode des Kanon des hl. Andreas von Kreta

 

O Christus, womit soll ich beginnen,* wenn ich die schlechten Tatenmeines Lebens beweinen möchte?* Welche können die ersten Worte dieses Klageliedes sein?* In Deiner Barmherzigkeit gewähre mir die Vergebung allmeiner Sünden.

 

Vor Dir, o mein Retter, bekenne ich meine Sünden.* Du siehst die Wunden meiner Seele,* die mir geschlagen die Angriffe der Feinde* und die Räubereien meiner Gedanken.

 

O mein Erlöser,* obwohl ich ein Sünder bin,* weiß ich, daß Du ein Freund der Menschen bist.* Du schlägst Wunden und hast wieder Erbar-men.* Du schenkst uns Deine wohltuende Liebe.* Du siehst meine Tränen,*und wie der Vater des verlorenen Sohnes läufst du mir entgegen.

 

O mein Retter,* an der Schwelle Deines Hauses harre ich,* daß Du mirentgegenkommst.* Am Ende meiner Tage verwirf mich nicht.* In DeinerGüte gewähre mir* jetzt schon die Vergebung all meiner Sünden,* Du Freund der Menschen.

 

Die Zeit der Buße ist gekommen,* und ich eile zu Dir, mein Schöpfer.*Befreie mich von der bedrückenden Last meiner Sünden,* und in DeinemErbarmen gewähre mir die Tränen der Reue.

 

Überlaß mich nicht dem Schrecken, o Retter.* Verwirf mich nicht von Deinem Angesicht.* Nimm die schwere Last meiner Sünden auf Dich,* und in Deiner Barmherzigkeit gewähre mir* die Vergebung meiner Sünden.

 

Vergib mir, o mein Retter,* meine gewollten und ungewollten,* bewußten und unbewußten Sünden,* die ich im Geheimen oder am hellen Tag be-gangen habe.* Mein Gott, vergib mir und rette mich.

 

Von Jugend an habe ich Deine Gebote übertreten, o Retter.* In Leidenschaftlichkeit und unbedacht habe ich mein Leben verbracht.* Ich rufe zu Dir.* Rette mich - nicht erst am Ende meines Lebens.

 

 

Das Totengedenken in der Großen Fastenzeit

 

Diakon Thomas Zmija

 

Das Verhältnis der orthodoxen Gläubigen zu ihren Verstorbenen ist gekennzeichnet durch eine Verbundenheit, die vielen heutigen Menschen inzwischen fremd geworden ist. Das Ziel unseres irdischen Lebens ist nach orthodoxem Verständnis eben nicht ein möglichst problemfreies, diesseitsorientiertes Leben, sondern die Heimkehr des Menschen zur Gemeinschaft mit Gott. Darum betet der Priester im Gebet für die Verstorbenen während der Panychida, daß er (sie) finden möge(n) „die Ruhe der Seele am Orte des Lichtes, am Orte des Ergrünens, am Orte der Erquickung, wo entflieht aller Schmerz, alle Trübsal und alle Klage“. Der Parastas oder auch die Panychida, sind kurze Gebetsgottesdienste für die Entschlafenen. Die Seelen der Verstorbenen können selbst keinen Einfluss mehr auf ihr Los nehmen.

 

Jedoch können wir Gläubigen, die wir noch auf der Erde leben, ihnen helfen. Unsere Gebete, die privaten Fürbitten zu Hause wie die während der Feier der Göttlichen Liturgie dargebrachten, unsere milde Gaben und Almosen in ihrem Namen, weitere gute Taten, die wir um eines Verstorbenen willen tun, bringen seiner Seele Ruhe und Freude in der jenseitigen Welt. In der neunten Ode des Kanons für die der Entschlafenen heißt es: „Den im Glauben zu Dir Hingeschiedenen lass teilhaftig werden Deines strahlenden, göttlichen Lichtes, o Christus. Gewähre ihm die Ruhe im Schoße Abrahams und immerwährende Seligkeit, Allbarmherziger!“

 

Als Christen wissen wir um die fundamentale Wende des menschlichen Geschicks durch Christi Tod und Auferstehung. Durch diese ist der (leibliche wie geistliche) Tod entmachtet worden. Darum wird auch in unseren Gebetstexten auch immer wieder der Überwindung des Todes durch Christi Hinabsteigen ins Totenreich gedacht, wie dies im Irmos der achten Ode des Kanons aus der Parastas anklingt: „Du stiegest hinab in die unterste Tiefe und hast die in den Gräbern mit lebensschaffender Hand auferweckt ...".

 

Dies aber hat existentielle Konsequenzen für die in mystischen Christi Leib Hineingetauften: Der Tod vermag die noch auf Erden lebenden und die bereits entschlafene Christen von nun an nicht mehr voneinander zu trennen. Zwar gibt es für uns noch auf der Erde Lebende, die wir wegen unserer Sündhaftigkeit oftmals nur die für unsere leiblichen Augen sichtbare Welt wahrzunehmen vermögen, noch immer das leiderfüllte Abschiednehmen beim Absterben des sterblichen Leibes der von uns geliebten Menschen, die aus dem Erdenstaub genommen und geformt wurden und zu ihm im leiblichen Tod wieder zurückkehren müssen. Aber die zur ewigen Ruhe heimgegangen Christgläubigen sind von uns nur äußerlich sichtbar (scheinbar) geschieden. Dies erfahren wir in der Gemeinschaft der Kirche, wo die Heiligen und mit ihnen alle in der Seligkeit Ruhenden mit ihrer Fürbitte und ihrem himmlischen Gottesdienst den noch im irdischen Kampf stehenden Gliedern des mystischen Leibes Christi auf Erden verbunden sind.

 

Wir beten also für zur ewigen Ruhe Entschlafenen, weil wir fest auf Gottes unerschöpfliches Erbarmen vertrauen. Dieses große und unverdiente Erbarmen brauchen wir Erdgeborenen alle, die wir in unserem irdischen Leben fortwährend gesündigt haben, sündigen und in unserer Schwachheit erneut sündigen werden. Gerade für die heimgegangenen Glieder der Kirche, die - wenn sie nicht bereits auf Erden zur Fülle der Heiligkeit Gottes gelangt sind und die Vergöttlichung erfahren haben - selbst keinen Einfluss mehr auf ihr ewiges Schicksal nehmen können, brauchen unsere Bitten und Gebete für ihr Heil und die Vergebung ihrer Sünden. Für sie wollen wir in unserer liebenden Verbundenheit mit ihnen unsere Gebete und Bitten zu Gott, dem Allbarmherzigen, empor senden. Denn: „Vor allem haltet fest an der Liebe zueinander; denn die Liebe deckt viele Sünden zu“ (1. Petrus 4: 8).

 

Für das gemeinsame Totengebet in der orthodoxen Kirche sind folgende Gedenktage vorgesehen:

  • der Samstag des Totengedenkens in der Woche des Fleischverzichtes
  • der 2. und 3. sowie 4. Samstag in der Großen Fastenzeit
  • das österliche Totengedenken am Dienstag der Dienstag der zweiten Woche nach Ostern
  • der Samstag des Totengedenkens vor Pfingsten
  • der Demetrios-Samstag

Am Morgen der Totengedenktage wird eine Liturgie für die Toten gefeiert, bei der aller verstorbenen Christen gedacht wird. Nach der Liturgie gibt es noch einen allgemeinen Totengedenkgottesdienst (Panychida).

 

Das österliche Totengedenken ist immer am zehnten Tag, d. i. am Dienstag der zweiten Woche nach Ostern. Am Vorabend wird ein Parastas (eine gekürzte Panychida, auch Litia genannt), am Tag selbst die Göttliche Liturgie und eine Panychida zelebriert. Zu den üblichen Gebeten für die Entschlafenen werden an diesem Tag noch österliche Gesänge hinzugefügt. Danach ist es üblich, dass wir die Gräber unserer Verwandten und uns nahestehender Personen besuchen.

 

 

Christus lasse dich ruhen im Lande der Lebenden, Er öffne dir die Pforten des Paradieses und mache dich zum Bürger Seines Reiches. Er schenke dir Vergebung dessen, was immer du im Leben gesündigt, der du Christus liebst.

 

Ikone Triumpf der Orthodoxie
Ikone Triumpf der Orthodoxie

 

Erste Woche der Großen Fastenzeit - Sonntag der Orthodoxie

 

Diakon Thomas Zmija

 

Am ersten Sonntag der Großen Fastenzeit feiert die orthodoxe Kirche den "Sonntag der Orthodoxie", auch "Triumph der Orthodoxie" oder "Sieg der hl. Kirche" genannt. Wir feiern an diesem Tag den Sieg der rechtgläubigen christlichen Lehre über alle Häresien, die im Laufe der Kirchengeschichte aufgetreten sind.

 

Die falschen Lehren über die Kirche und den christlichen Glauben werden Häresien genannt. Bereits zu Lebzeiten der hl. Apostel versuchten Irrlehrer mit falschen Lehren die reine Wahrheit des christlichen Glaubens zu verdunkeln. Sie wandten sich vom Glauben der Kirche ab und wandten sich stattdessen gnostischen Mythen oder judaisierenden Vorstellungen zu (2. Timotheus 4:3). So haben bereits in den ersten

 

Bereits in den ersten zwei Jahrhunderten der Kirchengeschichte haben verschiedener gnostische Sekten, denen die materielle Welt als Herrschaftssphäre des Teufels galt, das wahre Menschsein Jesu Christi geleugnet, indem sie behaupteten, der Sohn habe nur einen Scheinleib angenommen. bereits der hl . Apostel und Evangelist Johannes, der letzte damals noch lebende Apostel, warnte um das Jahr 98 die Christen vor den gnostischen Irrlehrern, die versuchten, die Gläubigen in die Irre zu führen  (vgl.: 1. Johannes 2:26; 4:1-2).

 

Die apostolischen Väter, die selbst noch einen der hl. Apostel gekannt hatten und ihre direkten Schüler gewesen waren, haben dann das christlichen Glaubengut treu weitergegeben. Zugleich

 

stehen sie nach den hl. Aposteln als zweites Glied in einer ununterbrochenen Ketteheiliger Männer und Frauen, die im Laufe der Kirchengeschichte immer wieder die hl. Orthodoxie gegen auftretende Häresien tapfer verteidigt haben. Den der Teufel bekämpft unablässig die hl. Kirche. Er verführt immer wieder von neuem bestimmte Menschen zum Abfall vom rechten Glauben, um so Unfrieden und heterodoxe Meinungen in der Kirche zu etablieren.

 

Bereits in apostolischer Zeit traten, vor allem gegen den hl. Apostel Paulus, judaisierende Irrlehrer auf. Ihre Häresie wurde durch das erste Konzil der Kirche, das hl. Apostelkonzil in Jerusalem, zurück gewiesen. Schon die Schriften der apostolischen Väter wie zum Beispiel der hl Justin der Märtyrer oder der hl. Irenäus der Gottesträger, die selbst Schüler der hl. Apostel waren, berichten uns ausführlich über die Irrlehren und Schismen in der frühchristlichen Zeit. Während der Zeit der römischen Christenverfolgungen musste die hl. Kirche durch ihre Bischofsversammlungen (Synoden) die gnostischen Häresien eines Simon Magus oder Mani, abwehren. Auch die frühen, antitrinitarischen Irrlehren eines Ebion oder Photin galt es zu widerlegen. In dieser Zeit wurde die hl. Kirche mit einer Vielzahl aweiteren Häresien konfrontiert. Nacheinander versuchten Montanisten, Novatianer, Chiliasten und Nikolaiten Spaltungen und Unruhe in die Kirche hineinzutragen.

 

Häresien und Schismen begleiten uns dann durch die gesamte Kirchengeschichte, denn bestimmte Menschen lassen sich durch Sünden und Leidenschaften vom Teufel dazu verführen, sich selbst und ihre Sondermeinungen über das gemeinsame Glaubensbewußtsein der Kirche zu stellen. Nicht die Möglichkeit sich zu irren zu können macht den Christen zum Häretiker, sondern erst Verblendung, Stolz und Hochmut, mit denen derTeufel ihn dann  dazu verführt, unbelehrbar an seinen heterodoxen Ansichten festzuhalten und auch andere dazu zu verleiten. Indem der Häretiker so den wahren Glauben verleugnet, begibt er sich freiwillig außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft . Es ist gerade der unkirchliche Geist der Rücksichtslosigkeit gegen den mystischen Leib Christi, die den Häretiker ausmacht. Ein Häretiker und Irrlehrer ist also jemand, der falsche Lehren gegen das gemeinsame kirchliche orthodoxe Glaubensbewußtsein unbelehrbar verkündet und auch andere in den eigenen Glaubensabfall mit hineinzuziehen versucht.

 

Ein häretisch gesinnter Mensch, dessen Geisteshaltung von Unkirchlichkeit, Hochmut und Selbstgerechtigkeit geprägt ist, wird dadurch immer wieder Spaltungen erzeugen wollen und damit Leid und Unglück über die Herde Christi bringen. Dies war zu apostolischer Zeit so und dies ist auch heute noch genauso. Deshalb nennt sie unser Herr Jesus Christus falsche Hirten, die in den Schafsstall (die hl. Kirche) einbrechen. (vgl.: Joh 10: 1-42). Der Herr selbst grenzt sich von solchen Irrlehrern und Häretikern als falschen Hirten ab, wenn Er uns vor diesen „Dieben und. Räubern“ (Joh 10: 1) warnt. Christus spricht zu uns von zwei gegensätzlichen Möglichkeiten, das verliehene Priestertum zu gebrauchen - oder eben gerade auch zu missbrauchen: Der Bischof oder Priester kann ein wahrer Hirte der ihm anvertrauten Gläubigen sein, oder aber seinen gottgegebenen Auftrag in der Kirche komplett verfehlen und Zerstörung, Spaltung und Leid in die Kirche hineintragen genauso wie ein reißender Wolf in den Schafstall einbricht.

 

Ikonoklasten zerstören während des Bilderstreites eine Christus-Ikone
Ikonoklasten zerstören während des Bilderstreites eine Christus-Ikone

 

Häretiker besitzen oftmals eine diabolische Verführungskraft. Sie haben im Laufe der Kirchengeschichte verschiedene Häresien verkündet und dadurch Spaltungen in der Kirche verursacht,so dass es zur Abtrennung von Teilen der Christenheit von der orthodoxen Kirche gekommen ist.

 

Die erste große Häresie in der Kirchengeschichte verursachte der alexandrinische Priester Arius. Er behaupte, entgegen dem Glauben der Kirche, daß der Eingeborene Sohn als höchstes und vollkommenstes Geschöpf geschaffen, aber nicht, wie die orthodoxe Kirche wahrhaft bekennt, aus dem Vater vor aller Zeit gezeugt wurde. Für den Arianismus ist allein Gott-Vater ewig und ungeschaffen. Nur Er ist vollkommener Gott und deshalb auch für den Logos, der von Arius nur als eine Art höchstes Engelwesen aufgefasst wurde, letztendlich unerreichbar. Aber weder ein Engel, noch ein Mensch kann dem Geschlecht der Menschen die Erlösung bringen. Das vermag nur Gott allein. "Gott wurde Mensch, damit der Mensch vergöttlicht werde." (hl. Athanasius von Alexandien). In diesem Bekenntnis hat der hl. Athanasius von Alexandrien die orthodoxe Soteriologie treffend in nur einem einzigen Satz zusammengefasst.

 

Der heiligen Athanasius hat sich, in Abwehr der Irrlehren der Arianer, intensiv mit dem Geheimnis der Menschwerdung des Eingeborenen Sohnes auseinandergesetzt. Der Kern des Bekenntnisses des hl. Athansasius kann wie folgt zusammengefasst werden: Christus, das Göttliche Wort (Logos) „wurde Mensch damit wir vergöttlicht werden; Er offenbarte sich im Leibe, damit wir zur Erkenntnis des unsichbaren Vaters gelangen". Dieses Bekenntnis des hl. Athanasius wird von der Vergöttlichung des Menschen als Voraussetzung seiner Erlösung bestimmt. Da nur Gott uns gefallene Menschen wirklich erlösen kann, sind die Taten Christi für uns nur dann heilswirksam, wenn sie wirklich die Erlösungstaten Gottes sind. Deshalb hat der Sohn Gottes in Seiner Menschwerdung Seiner vollkommenen göttlichen Natur eine vollkommene menschliche Natur mit Seele und Leib hinzugefügt, um uns dadurch gnadenhaften Anteil an der Vergöttlichung zu geben.

 

Der hl. Athanasius ist ohne jeden Zweifel einer der bedeutendsten und am meisten verehrten Heiligen Väter der Orthodoxie. Vor allem aber ist seine Lehre die klarste und verständlichste Verteidigung des Glaubens an die Menschwerdung des Logos, des Wortes Gottes. So heißt es am Beginn des Johannesevangeliums es, "...und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt hat" (Joh 1: 14). Eben aus diesem Grunde war der hl. Athanasius auch der bedeutendste und hartnäckigste Gegner der arianischen Irrlehren, die damals den orthodoxen Glauben an den Herrn "...Jesus Christus, den Eingeborenen Sohn Gottes, geboren vor aller Zeit; Licht vom Lichte; wahrer Gott vom wahren Gott; geboren und nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater...(Glaubensbekenntnis)" bedrohte. Für Arius stand nicht der hl. Glaube der Kirche am Beginn seines Nachsinnens, sondern die neuplatonische Philosophie. Arius beharrte auf seiner weltlichen Klugheit und Weisheit. Was wollten da die ungebildeten Mönche und Gläubigen ihn anhaben wollen, dem hochgebildeten Priester aus der Metropole Alexandria? Häresien liegen machmal gar sehr im zeitgeistigen Trend, wie es einer, in der Geschichte immer wiederkehrenden, Tendenz entspricht. Christus auf ein Mittelwesen zwischen Gott und dem Menschen herabzumindern, sollte den christlichen "Glauben" sowohl für gebildete antike Heiden, als auch für säkular-innerweltlich denkende moderne Abendländer weniger anstößig machen. Die Irrlehre des Arius wurde auf dem Ersten Ökumenischen Konzil in Nizäa (325) verurteilt. Jedoch dauerte es noch bis zum Zweiten Ökumenischen Konzil in Konstantinopel (381), bis die Häresie des Arianismus endgültig überwunden werden konnte. Zwar wurde der Arianismus damals überwunden, aber in der modernen westlichen Theologie, vor allem in den manchen Formulierungen der akademischen Vertreter der historisch-kritischen Methode, gibt es bisweilen auch heute noch starke arianische Anklänge.

 

Die Arianer, die die Gottheit des Logos ablehnten, waren selbstverständlich auch gegen die Gottheit des Hl.Geistes eingestellt. Wie den Sohn als engelgleiches Mittelwesen, so wollten sie auch den Heiligen Geist nicht als Göttliche Person in der Allheiligen Dreieinheit anerkennen. Diese Pneumatomachen (Geistbekämpfer) argumentierten, der Hl. Geist werde in der Schrift gar nicht Schöpfer genannt. Die Pneumatomachen betrachten den Heiligen Geist als bloße Wirkkraft (δυνάμης) Gottes. Ihre Irrlehre wurde dann durch das Zweite Ökumenische Konzil von Konstantinopel (381) verurteilt. Die Heiligen Väter des Zweiten Ökumenischen Konzils formulierten das Bekenntnis zur Gottheit des Hl. Geistes rein biblisch-liturgisch  mit den Begriffen "anbeten" und "verherrlichen". Zur Beschreibung des Hervorgangs des Geistes aus dem Vater benützten sie das Wort ἐκπορεύεσθαι (ekporeuesthai) aus Joh 15:26: "... Ich glaube an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebensspender, der vom Vater ausgeht (ἐκπορευόμενον/ ekporeuomenon). Er wird mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlicht. Er hat gesprochen durch die Propheten..." Die häretische Auffassung, daß der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgehen würde, kam erstmals bei der Abwehr des Arianismus in Spanien auf. Eine Synode in Toledo billigte im Jahre 447 ein entsprechend erweitertes Glaubensbekenntnis. Über die fränkische Kirche wurde diese häretische Formulierung dann allmählich im Gottesdienst  der ganzen abendländischen Kirche angenommen (Problematik des "filioque").

 

Im 5. Jahrhundert erhob dann Nestorius während seiner Zeit als Patriarch von Konstantinopel  häretische Behauptungen. Er verkündete in Christus zwei vollkommen voneinander unabhängige Naturen und sprach deshalb sogar von zwei getrennten Personen (Hypostasen) in Christus. Die göttliche Person wohnte nach seiner falschen Lehre im Menschen Jesus Christus, wie die Herrlichkeit Gottes im Jerusalemer Tempel. Für Nestorius war der Leib des Christus gleichsam der Tempel der Gottheit des Sohnes, in dem die Gottheit des Sohnes wohnte. Er betont gleichzeitig die Einheit und die wesenhafte Trennung von Wohnung und Bewohner von Gottheit und Menschheit in Christus. Die von Nestorius behaupeten zwei getrennten Personen in Christus würden nur durch das Prosopon (πρόσωπον) geeint. Darunter verstand Nestorius eine Verbindung, in der Jesus nur ein Mensch ist,aber  in dem die Gottheit des Sohnes gleichsam seit der Taufe im Jordan Wohnung genommen habe.

 

Wegen dieser vollkommen häretischen Christologie behaupte Nestorius auch, dass die allheilige Gottesgebärein und Immerjungfrau Maria nicht Gottesgebärerin, sonder vielmehr nur als "Christusgebärerin" zu verehren sei, denn sie habe doch nur den Menschen Jesus geboren, dessen göttliche Natur erst bei der Taufe im Jordan auf Ihn herabgestiegen sei. Die ungläubige Rede von Maria als bloßer "Christusgebärerin" erregte den frommen Widerspruch des hl. Kyrill von Alexandrien. Dieser Heilige erkannte im Wort "Christusgebärerin" schnell die dahinter verborgene, falsche Vorstellung des Nestorius über die beiden Naturen Christi. Aber wie jeder Häretiker wollte sich Nestorius nicht durch die Gemeinschaft der Kirche berichtigen lassen. Seine persönliche Meinung stand für ihn über dem Glauben der hl. Kirche. Er hielt seine persönliche fehlgeleitete Meinung und seine "Weisheit" für weitaus wichtiger als der apostolisch gegründete Glaubenskonsens in der hl. Kirche. Wie alle Häretiker wollte er in seinem Hochmut nicht erkennen, dass das orthodoxe Reden über Christus und seine beiden Naturen nicht ein Werk menschlich gescheiter Denkkraft ist, sondern ganz und gar auf das Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche zurückzuführen ist.

 

Die Nestorianer haben nicht erkennen wollen, die orthodoxe Lehre von den drei Göttlichen Hypostasen in der Allheiligen Dreieinheit Ergebnis des Wirkens des Heiligen Geistes in der Kirche ist und nicht auf menschlicher Meinungen zurückzuführen ist. Auf dem Konzil von Ephesus (Drittes Ökumenisches Konzil) und auf dem zweiten Konzil von Konstantinopel (Fünftes Ökumenisches Konzil im Jahre 553) wurde die Irrlehre des Nestorius schließlich verurteilt. Die Assyrische Kirche des Ostens im heutigen Irak hat dann jedoch seit dem 5. Jahrhunderts die christologische Irrlehre des Nestorius angenommen. Damit trennte sich diese altehrwürdige christliche Glaubensgemeinschaft von der orthodoxen Kirche.

 

Viele Christen im Nahen Osten folgten dann ab dem Jahre 451 den monophysitischen oder miaphysitischen Irrlehren eines Dioskur, Severus, Euchtyches und Julian von Halicarnassus. Die Monophysiten hatten im Versuch der Abwehr der nestorianischen Häresie die orthodoxe christologische Redeweise des hl. Kyrill von Alexandrien nicht richtig verstanden und waren deshalb nicht bereit, die Entscheidung des Konzils von Chalkedon anzuerkennen. War die Trennung der nestorianischen Kirche des Ostens noch außerhalb der damaligen orthodoxen Ökumene des Rhomäerrreiches erfolgt, so war die Abtrennung der Miaphysiten von der orthodoxen Kirche die erste Kirchenspaltung innerhalb der römischen Reichsgrenzen. Aus ihnen entstanden dann die heutigen altorientalischen Kirchen (koptische Kirche, armenische Kirche, syrisch-altorientalische Kirche, syro-indische Kirche und äthiopische Kirche).

 

Als einer der Hauptvertreter der Monophysiten wollte Euchtyches die Rede von zwei und einer Natur auf folgende Weise miteinander verbinden: "Ich bekenne, daß der Herr 'aus zwei Naturen' vor der Einigung bestand, nach der Einigung bekenne ich nur 'eine Natur'".Aber er ging mit der Aussage, dass sich in Jesus Christus die Menschheit von der Gottheit absorbiert worden sei, wie sich ein Tropfen Honig im Meer auflösen würde weit über die heutigen Ansichten der Miaphysiten hinaus.

 

Aber bereits die miaphysitische Formel des Euchtyches war vollkommen unsinnig, denn wörtlich genommen besagt sie, dass die menschliche Natur schon vor der Einigung in der Inkarnation des Logos existiert habe, was ganz unmöglich ist. Das Problem bei Euchtyches, wie übrigens bei allen anderen Häretikern auch ist, dass er stur an seiner Ansicht festhielt und sich durch das orthodoxe Glaubensbewußtsein der heiligen Kirche nicht korrigieren lassen wollte. Am Ende wurde er deshalb vom damaligen Patriarchen von Konstantinopel, dem hl. Flavian, verurteilt (448). Im Brief des hl. Leo, Erzbischof von Alt-Rom an den Hl. Flavian (tomus Leonis ad Flavianum) sind die wesentlichen Punkte der orthodoxen Theologie festgehalten: In Christus gibt es eine Person (persona), zwei Naturen (natura) und zwei Geburten (eine ewige aus dem Vater und eine zeitliche aus der Jungfrau Maria). Die Eigentümlichkeiten der beiden Naturen werden durch die Einigung (eine Person) nicht beeinträchtigt, und jede Natur wirkt, was ihr eigen ist, in Gemeinschaft mit der andern. Die Niedrigkeits- und die Hoheitsaussagen sind in Christus zu unterscheiden, aber nicht zu trennen.

 

Letztendlich wurde der Monophystismus durch das Konzil von Chalkedon (Viertes Ökumenisches Konzil im Jahre 451) verurteilt. Der zentrale Beschluss des Konzils lautet: "Der eine und selbe ist vollkommen der Gottheit und vollkommen der Menschheit nach, wahrer Gott und wahrer Mensch, bestehend aus einer vernünftigen Seele und dem Leibe. Der eine und selbe ist wesensgleich dem Vater der Gottheit nach und wesensgleich auch uns seiner Menschheit nach, 'er ist uns in allem ähnlich geworden, die Sünde ausgenommen' (Hebr 4: 15). Vor aller Zeit wurde Er aus dem Vater gezeugt seiner Gottheit nach, in den letzten Tagen aber wurde derselbe für uns und um unseres Heiles willen aus Maria, der Jungfrau, der Gottesgebärerin, der Menschheit nach geboren: Wir bekennen einen und denselben Christus, den Sohn, den Herrn, den Einziggeborenen, der in zwei Naturen (physis) unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und ungesondert besteht. Niemals wird der Unterschied der Naturen wegen der Einigung aufgehoben, es wird vielmehr die Eigentümlichkeit einer jeden Natur bewahrt, indem beide in eine Person (prosopon) oder Hypostase zusammenkommen. Wir bekennen nicht einen in zwei Personen getrennt und zerrissen, sondern ein und denselben einziggeborenen Sohn, das göttliche Wort, den Herrn Jesus Christus..."

 

Inzwischen haben erste Dialoge zwischen Theologen der orthodoxen und altorientalischen Kirchen aufzeigen können, dass beide sich weit näher stehen, als in der Vergangenheit gemeint. Für orthodoxe Christen hört sich die Rede von "einer Natur" leicht wie eine Leugnung des wahren u nd vollkommenen Menschseins Jesu Christi an. Umgekehrt klingt in den Ohren der altorientalischen Christen die Rede von "zwei Naturen" leicht nach einer Aufspaltung Christi in zwei Personen, wie sie Nestorius fälschlich gelehrt hat. Im übrigen haben beide, Orthodoxe wie Altorientalen die Häresien des Euchtyches und des Nestorius verurteilt. Jedoch haben die Väter des hl. Berges Athos vollkommen zu recht kritisiert, dass die Rede von der einen gottmenschlichen Natur Christi nach Seiner Inkarnation am Ende immer noch das theologisch nicht orthodox gelöste Problem beinhaltet, dass wir Menschen nun einmal nur eine menschliche Natur und keine gottmenschliche Natur besitzen. Die Miaphysiten behaupten in Christus also

einzigartige dritte Natur, die aus der Kombination der göttlichen und menschlichen Natur geschaffen worden sein soll. Dies aber ist mit der orthodoxen Christologie und Soteriologie nicht zu vereinbaren. Deshalb gibt es bis heute keine abschließende Einigung in der christologischen und soteriologischen Kontoverse zwischen orthodoxen und altorientalischen Christen. Aber der theologische Graben zwischen uns ist heute nicht mehr so breit wie in der Vergangenheit. Gerade die gemeinsame Erfahrung als im Orient gemeinsam durch den militanten Islam bedrohter christlicher Gemeinden, vor allem aber das Blutzeugnis der hl. Märtyrer unserer Tage aus den orthodoxen und altorientalischen Kirchen verbindet die orthodoxen und altorientalischen Christen heute in ganz besonderer Weise.

 

Im Jahre 1054 entfernten sich dann die Christen im Abendland endgültig aus der Gemeinschaft der orthodoxen Kirche. Vorausgegangen war eine jahrhundertelange Entfernung der römischen Kirche von der orthodoxen Lehre und dem gemeinsamen kirchlichen und theologischen Bewußtsein. Zu nennen sind hier vor allem der fortschreitende Verlust des Bewußtseins für die synaxisch-synodale Realität der Kirche durch die Entwicklung der häretischen Theorie vom Jurisdiktionsprimat der römischen Bischöfe über alle Kirchen der katholischen Ökumene, die Rede von römischen Papst als Haupt der Kirche und Stellvertreter Christi auf Erden, dogmatische Irrlehren wie das Filoque, die Lehre vom Fegefeuer und der hiermit verbundenen Ablasslehre, sowie das Vertauschen der patristischen mit der scholastischen Denkweise in der Theologie. Auch kirchenrechtliche und liturgische Auseinanderentwicklungen wie die Einführung des Pflichtzölibat für alle Priester, die Verwendung von ungesäuertem Brot bei der Feier der Göttlichen Liturgie aber auch Abweichungen von der orthodoxen Fastenpraxis spielten bei der kirchlichen Entfremdung zwischen dem Osten und Westen der einen Kirche eine Rolle. Durch diese Veränderungen wurde aus dem römischen Patriarchat der einen orthodoxen Kirche dann Schritt für Schritt die heutige römisch-katholische Kirche.  Von der römisch-katholischen Kirche spalteten sich dann im 16. Jahrhundert durch die sogenannte Reformation eine Vielzahl weiterer  Glaubensgemeinschaften protestantischer Prägung ab.

 

Nach orthodoxer Aufffassung besteht die authentische Katholizität in der unbedingten Treue zur Heiligen Tradition der Kirche und zum Zeugnis der Heiligen Schriften, die selbst wiederum Teil dieser Heiligen Tradition der Kirche sind. Von dieser Heiligen Tradition, die auf die Anordnungen Christi und die Weisungen der hl. Apostel zurückgehen und die deshalb ewig und unveränderbar ist, sind die zeitlichen Traditionen und kirchlichen Bräuche zu unterscheiden, die sowohl reginal verschieden als auch zeitlich bedingt und damit veränderbar sind.

 

Sowohl das rhomäisch-byzentinische Kaisertum, als auch die russischen Zarenherrschaft sind aus der Geschichte der Kirche verschwunden, ohne dass dadurch das kirchlich geordnete Leben der orthodoxen Kirche unmöglich geworden wäre. Längst ist die altehrwürdige Pentarchie der alten Patriarchate der heutigen synodalen Gemeinschaft von 14 autokephalen orthodoxen Landeskirchen gewichen. Der Patriarch von Konstantinopel ist heute ebenfalls nicht mehr Bischof der rhomäischen Kaiserstadt mit einem besondern Vertrauens- und Einflussverhältnis zum Kaiserhof. Er ist nicht mehr erster Bischof im rhomäischen Reich und damit der ganzen orthodoxen Ökumene auch über die Reichsgrenzen hinaus, was ihn damals zum "Ökumenischen Patriarchen" mit ganz besonderen kirchlichen Vorrechten gemacht hat. Ebenfall sind die schwierigen Zeiten längst vergangen, wo der griechische Patriarch als Etnarch der Rhomäer (türkisch: Rum) und zugleich als Oberhaupt aller orthodoxen Christen im Osmanischen Reich eine große kirchliche Autorität und Machtfülle ausübte. Dies alles sind ehrwürdige, aber eben nur zeitlich bedingte Traditionen. Zur heiligen Tradition gehört allein der synaxarisch-synodale Charakter der orthodoxen Kirchenstruktur, den die Kirche bereits durch die hl. Apostel empfangen hat.

 

Sowohl der römische Patriarch (Papst), als auch der Patriarch von Konstantinopel verdankten ihren besondere Stellung der historisch-politischen Tatsache, dass sie Bischöfe der Hauptstädte des untergegangenen römischen Reiches waren. Dieses römische Reich ist in Ost und West heute längst verschwunden. Insofern können die "Vorrechte" dieser beiden Patriarchensitze heutzutage nur noch symbolisch-administrativer Natur sein. Zumindest sieht es eine Mehrheit der heutigen orthodoxen Kirchen so, auch wenn sich das Patriarchat von Konstantinopel weiterhin als "Ökumenische Patriarchat", verbunden mit einer besonderen gesamtkirchlichen Jurisdiktion, die sich in der Ausübung bestimmter administrativer Exklusivrechte äußert, sieht. Vor allem beansprucht das Patriarchat von Konstantinopel in diesem Zusammenhang einseitig die Jurisdiktion über die gesamte orthodoxe Diaspora sowie das exklusive Recht, die Autokephalie gewähren zu können. Diese Ansprüche sind aber gesamtorthodox umstritten.

 

Der Ökumenische Patriarch in Konstantinopel hat in der synodal verfassten Gemeinschaft der Kirche "das erste Wort", ist aber in ihrer jurisdiktionellen Funktion als "Erster unter Gleichen" vom konziliaren Konsens der übrigen orthodoxen Kirchen abhängig. Der Patriarch von Konstantinopel hat in der Kirche einen Vorrang der Ehre inne. Orthodox gibt es keinen Papst oder Ökumenischen Patriarchen als "Bischof der Bischöfe". Unfehlbar in Glaubensfragen kann ein Papst oder Patriarch ebenfalls nicht sein, da der Heilige Geist nicht in einer einzelnen Person ruht, sondern im Pleroma der gesamten heilige Kirche, die den rechten Glauben auf Synoden und Konzilien ausspricht. Und erst, wenn diese Konzilsentscheidungen auch vom Glaubensbewußtsein des ganzen Volkes Gottes rezipiert worden sind, sind sie kirchlich verbindlich geworden. So gibt es eine ganze Reihe von formal korrekten Bischofsversammlungen, deren Entscheidungen am Ende als nicht orthodox durch das Glaubensbewußtsein der ganzen Kirche zurückgewiesen worden sind. Besondere Funktionen und Vorrrechte, die vom Papst oder vom Ökumenischen Patriarchen ausgeübt werden, sind immer nur Dienstfunktionen für die übrigen orthodoxen Kirchen, nicht aber eine Form der Kirchenherrschaft über sie. Insofern kann es in der orthodoxen Kirche niemals einen Jurisdiktionsprimat des Papstes oder des Ökumenischen Patriarchen geben. Auch ist nach orthodoxer Aufffassung allein Christus das Haupt Seiner Kirche. Jeder orthodoxe Bischof ist gleich "wie Petrus". Übrigens hat der hl. Apostel Petrus eine Reihe von ehrwürdigen Bischofsstühlen gegründet, die untereinander alle die gleiche Würde haben. Rom ist nicht der einzige apostolisch-petrinische Bischofsssitz. Auch haben die hl. Apostel untereinander alle die gleiche Würde gehabt. Da alle Bischöfe die apostolische Sukzession von einem der Apostel empfangen haben, haben auch alle Bischöfe untereinander die gleiche bischöfliche Würde. Daher ist auch jede Kirche unter ihrem Bischof, der in apostolischer Sukzession geweiht wurde, vollständig (was die ursprüngliche Bedeutung des Wortes "katholisch" ist).

 

Das Wort "katholisch" meint also nicht "päpstlich". Es meint im Wortsinne "ganz" oder "vollständig". Um eine Lokal- oder Ortskirche als katholisch zu kennzeichnen, ist es notwenig, dass sie die Fülle des apostolischen Glaubens und die Struktur der apostolischen Kirche im geistlichen Leben und kirchlichen Aufbau besitzt. Insofern ist jedes einzelne orthodoxe Kirche, wenn sich ihre Gläubigen um ihren orthodoxen Bischof zur Feier der Göttlichen Liturgie (Eucharistie) versammeln, im wahrsten Sinne des Wortes katholische Kirche.

 

Nach dem Zeugnis des hl. Ignatius von Antiochien ist jede Kirche unter einem Bischof, der wiederum in eucharistischer Gemeinschaft mit den übrigen orthodoxen Bischöfen steht, im katholischen Sinne vollständig. Für den hl. Ignatius ist die Kirche eine weltweite Synaxis vieler Kirchen, die alle untereinander durch den gemeinsamen orthodoxen Glauben und das gleiche geistliche Leben in Gemeinschaft stehen. Jeder Kirche hat ihre Mitte in ihrem Bischof, der die örtliche Kirche als Ikone und Repräsent des einen Hauptes Christus in der Feier der Göttlichen Liturgie zum einen mystischen Leib Christi auf Erden vereinigt.  Die Einheit der Kirche ist grundsätzlich synaxisch und synodal-konziliar. Dadurch, das jede Kirche um ihren orthodoxen Bischof vereint ist und dieser in eucharistischer Gemeinschaft mit den übrigen orthodoxen Bischöfen auf der ganzen Welt steht, ist jede dieser einzelnen orthodoxen Kirchen  miteinander kirchlich verbunden. Also nicht ein einziger oberster "Bischof der Bischöfe" konsituiert die Einheit in der heiligen Kirche, sondern die Übereinstimmung aller Kirchen im Glaubem und geistlichem Leben. Diese Einheit wird wiederum in der eucharistischen Gemeinschaft der Bischöfe untereinander sichtbar.

 

Wie hier an der Geschichte verschiedener Häresien und Schismen dargestellt, gab es im Laufe der Kirchengeschichte Abspaltungen einzelner Gruppen von der Gemeinschaft der Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche. Zwar wurde der mystische Leib Christi auf Erden, die eine und einzige Arche des Heiles dadurch nicht gespalten, sondern aussschließlich einzelne Gruppen haben sich von der Gemeinschaft und dem geistlichen Leben der Kirche abgetrennt. Aber infolge dieser Abspaltungen ist die christliche Welt heute geteilt. Die heutigen Angehörigen anderer christlicher Glaubensgemeinschaften haben in der Regel nicht selbst eine Trennung von der Kirche gewählt. Sie wurden vielmehr meist in diese nicht-orthodoxen Glaubensgemeinschaften hineingeboren. Oftmals haben sie die orthodoxe Wahrheit gar nicht kennengelernt und empfinden ihre Konfessionen und deren Theologie und Traditionen als genuin christlich. Insofern kann man die heutigen nicht-orthodoxen Christen nicht für die Trennungen der Vergangenheit verantwortlich machen. Sie zelotisch als Schismatiker oder Häretiker zu beschimpfen, fördert ebenfalls nicht zu ihrer Rückkehr zur orthodoxen Kirche Christi, sondern wird als Zurückweisungs- und Trennungserfahrungen bei den Betroffenen nur dazu führen, ihre Hinwendung zur orthodoxen Wahrheit eher zu behindern als positiv zu fördern.

 

Was sollen wir also tun? Als rechtgläubige Christen wissen wir, dass der wirklich sichere Weg zum Heil nur über die heilige orthodoxe Kirche führen kann. Zugleich wissen wir aber auch, dass das, was bei den Menschen unmöglich ist, bei Gott möglich ist. Wir wissen also nicht, ob nicht-orthodoxe Christen und die Anhänger anderer Religionen gerettet werden können oder nicht. Das weiß allein Gott. Zugleich bleiben wir aber zum Zeugnis für die Wahrheit verpflichtet. Hier kann uns das Beispiel des hl. Justinus des Märtyrers aus dem 2. Jahrhundert ein gutes Beispiel geben. Denn als er gefragt wurde, was er tun würde, um einen Ungläubigen vom wahren Glauben zu überzeugen, sagte er, dass er ihn einladen würde, ein Jahr in seinem Haus zu leben. Insofern sollen wir als orthodoxe Christen Zeugnis von unserer Hoffnung geben. Wir sollen den Wahren Glauben klar bekennen und durch unser persönliches Leben von der Schönheit und der Tiefe des Glaubens in unserer orthodoxen Kirche Zeugnis geben. Dafür müssen wir niemanden brüskieren oder verletzen.

 

Heiliges Siebtes Ökumenisches Konzil
Heiliges Siebtes Ökumenisches Konzil

 

Eine besonders schwerwiegender Fall einer häretischen Irrlehre war der sogenannt Ikonoklasmus, die Feindschaft gegendie verehrung der hl. Ikonen. Seinen Abschluss fand diese Häresie nach einer rund 120 Jahre dauernden Auseinandersetzung, in der die ganze Kirche schwer beunruhigt wurde, Schismen den östlichen und westlichen Teil der damals noch geeinten Kirche trennten und unzählige Mönche und Gläubige als Märtyrer ihr Leben für den rechten Glauben hingaben.

 

Obwohl es damals nur eine Kirche gab, wurde der Bilderstreit hauptsächlich im rhomäischen Reich ausgetragen. Das Christentum war zu dieser Zeit bereits rund 400 Jahre im römischen Reich Staatsreligion und die hl. Ikonen waren fester Bestandteil der Frömmigkeit. Die Ikonenverehrung war aber für Kaiser Leo III. und viele damalige Bischöfe zu extrem und so wurde vom Kaiser im Jahre 730 ein Bilderverbot ausgesprochen. Die Christenheit spaltete sich daraufhin in häretische Ikonoklasten (Ikonenzerstörer) und orthodoxe Ikonodulen (Ikonenverehrer).

 

Durch das zweite Konzil von Nicäa im Jahre 787, das siebte und letzten ökumenischen Konzil, wurde der Bilderstreit zu Gunsten der Ikonenverehrung beendet. Kaiser Leo V. heizte den Bilderstreit jedoch im 9. Jahrhundert nochmals an, wobei ihm durchaus politische und militärische Motive unterstellt werden dürfen, galt es doch monophysitische Gruppen im Osten des Reiches zufrieden zu stellen und sich militärisch gegen den bilderfeindlichen Islam durchzusetzen.

 

Erst im Jahr 843, während der Herrschaft des noch unmündigen Kindkaisers Michael III., wurde per Dekret seiner Mutter und Regentin, der hl. Kaiserin Theodora, der Bilderstreit endültig beendet und die Verehrung der hl. Ikonen konnte in ganzen Reich wiederhergestellt werden.

 

Doch waren damals die Kirchen ikonoklasisch ausgestattet, wie es heute noch die Irenenkirche neben der Hagia Sophia zeigt. Und so brachten die Gläubigen ihre versteckten Ikonen zur Kirche und stellten sie auf den leeeren Altarschranken auf. Am Ende der Liturgiefeier wird deshalb bis heute eine Segensprozession mit den hl. Ikonen vollzogen. Auch bringen die Gläubigen ihre Familienikonen mit in die Kirche und stellen sie während der Liturgiefeier an der Ikonostas auf. Bei der Prozession trägt jeder dann "seine" Ikone. Gerade in einer Zeit, wo wir von den Auswirkungen der Corona-Pandemie gefesselt sind, ist es wichtig, durch diese Ikonenprozession den Segen gottes zu erflehen und zu verbreiten. Schon im spätantiken und mittelalterlichen Konstantinopel, in Russland und den übrigen orthodoxen Ländern,  gab es in den Zeiten von Epidemien und Bedrohungen durch äußere Feinde solche Bittprozessionen.

 

Sonntag der Orthodoxie - 1. Sonntag der großen Fastenzeit- Prozession auf dem Hl. Berg Athos und an anderen Orten in aller Welt

 

 

Nach orthodoxem Verständnis sind die hl. Ikonen Abbilder des Urbildes; also unseres Herrn Jesus Christus Selbst, der allheiligen Gottesgebärerin oder eines oder mehrer Heiliger. Gleich einem "geistlichen Spiegel" oder einem "Fenster zum Himmel" sind die Ikonen durchlässig für die Gegenwart der abgebildeten Person. Die Verehrung, die der hl. Ikone (Abbild) dargebracht wird, geht über auf die dargestellte Person (Urbild). Die Verehrung gilt deshalb niemals den Bildern selbst.

 

 

 

Vor Deinem Bilde, Allgütiger, werfen wir uns nieder. Wir bitten um Vergebung unserer Schuld, Christus, unser Gott. Dir gefiel es, in Deinem Fleische willig das Kreuz zu besteigen, um Deine Geschöpfe der Knechtschaft des Feindes zu entreißen. Drum rufen wir dankbar Dir zu: Alles hast Du mit Freude erfüllt, da Du kamst zu erretten die Welt.

 

Tropar zum Gedächtnis des Sieges der Orthodoxie

 

 

Das unbegrenzte Wort des Vaters ward begrenzt durch die Fleischwerdung aus dir, Gottesgebärerin. In dir wurde das befleckte Abbild verwandelt in den ursprünglichen Zustand und erfüllt mit der göttlichen Schönheit des Urbildes. Wir aber, indem wir das Heil bekennen, stellen dies dar in Werken und Worten.

 

Kondak zum Gedächtnis des Sieges der Orthodoxie

 

 

Wie die Propheten sahen, wie die Apostel lehrten, wie die Kirche übernahm, wie die Lehrer bestimmten, wie die ganze Christenheitübereinstimmend glaubt, wie die Gnade leuchtet, wie die Wahr-heit bewiesen wird, wie die Lüge abgestoßen wird, wie die Weisheit bekundete, wie Christus bestätigte, so glauben wir, so reden wir, so bekennen wir Christus unseren wahren Gott, und Seine Heiligen lobpreisen wir in Schriften, Gedanken, Opfern, Kirchen und Ikonen.

 

Christus unseren Gott und Gebieter beten wir mit Ehrfurcht an, und Seinen Heiligen erweisen wir wegen des gemeinsamen Gebieters, die ihnen als Seine wahren Diener gebührende Verehrung.

 

Dies ist der Glaube der Apostel, dies ist der Glaube der Väter, dies st der Glaube der Orthodoxen, dieser Glaube hat die Christenheit gefestigt. Die Prediger der Frömmigkeit verehren wir, brüderlichund liebevoll. Zur Ehre und zum Lob der Frömmigkeit um die sie kämpften preisen wir sie und sprechen:

 

Den Vorkämpfern der Orthodoxie, den frommen Königen, denheiligen Patriarchen, Bischöfen, Kirchenlehrern, Martyrern und Bekennern ewiges Gedenken.

 

Ewiges Gedenken, ewiges Gedenken, ewiges Gedenken!

 

 

 

Synodikon des 7. Ökumenischen Konzils

 

 

 

Lasset uns von den Heiligen erflehen, dass sie uns durch ihr Ringen um Frömmigkeit und ihre Lehren erbauen und in Gott festigen,damit wir treue Nachahmer ihrer Lebensführung werden, und daß die Gnade und das Erbarmen des Größten und Ersten Hohenpriesters, Christus, unseres wahren Gottes uns überschütte, auf die Fürbitten unserer hochgelobten und ruhmreichen Herrin, der Gottesgebärerin und Immerjungfrau Maria und aller Heiligen. Amen.

 

Zweite Woche der Großen Fastenzeit - Hl. Gregor Palamas

 

Unser Vater unter den Heiligen Gregor Palamas,

 

Erzbischof von Thessaloniki

 

Der zukünftige heilige Erzbischof wurde im Jahr 1296 geboren und bekam seine Ausbildung in Konstantinopel. Nach dem frühen Tod seines Vaters, des Senators Konstantin, im Jahre 1301 wurde Gregor als Mündel Kaisers Andronikos II erzogen. Auf diese Weise verbrachte der junge Mann die ersten 20 Jahre seines Lebens am rhomäischen Kaiserhof. Hier boten sich für den jungen, vielseitig begabten  Adeligen viele Möglichkeiten so dass Gregor hier eine vielversprechende Karriere unter den Einflussreichen und Mächtigen des des byzantinischen Reiches bevorstand. Gregor durchlief in Konstantinopel das klassische Bildungscurikulum des gebildeten Byzantiners, das heißt er war sowohl in den Schriften der antiken klassiker, als auch den Schriften der Kirchenväter wohl bewandert. Seine Ausbildung in den klassischen Wissenschaften und der Philosophie erhielt er durch den besten Lehrer seiner Zeit - Theodoros Metochites. Theodoros war ein guter klassischer Philologe und bewanderter Theologe, Rektor der Universität von Konstantinopel und einer der wichtigsten byzantinischen Amtsträger und persönlicher Ratgeber des Kaisers. Gregor Palamas war der beste seiner Schüler. Sein besonderes Interesse galt der Philosophie des Aristoteles. Bereits im Alter von 17 Jahren hielt Gregor vor dem versammelten Hof in Anwesenheit des Kaisers einen vielbeachteten Vortrag über den Syllogismen des Aristoteles. Der Vortrag war von solchem Erfolg, dass Metochites am Ende ausrief: "Selbst Aristoteles würde, wäre er anwesend, nicht umhinkommen, ihn (Gregor) zu loben."

 

Ungeachtet seiner hohen Bildung und des wissenschaftlichen Erfolges verhielt sich Gregor eher gleichgültig gegenüber den sich ihn bietenden Chancen in der Politik und der weltlichen Wissenschaft. Das Herz des jungen Mannes gehörte nicht dem weltlichen Ruhm, sondern bereits vollkommen Gott. Um das Jahr 1316, im Alter von 20 Jahren, verließ er den byzantinischen Kaiserhof und die Beschäftigung mit der heidnischen Philosophie und begab sich zum Heiligen Berg Athos, um in  dads Mönchtum einzutreten. Der hl. Gregor Palamas führe ein streng asketisches Leben und war auf dem hl. Berg ganz den geistlichen Übungen, dem Gebet und der Frömmigkeit  hingegeben, um die gnadenhafte Gottesschau zu erlangen. Doch Gregor hatte sich bereits in Konstantinopel auf diesen neuen Lebensabschnitt vorbereitet, denn bereits während seiner Zeit am rhomäischen Kaiserhof hatte er sich Schritt für Schritt an die strenge Askese gewöhnt. Auf dem Athos lebte Gregor in einer Zelle unweit des Klosters Vatopedi unter der Anleitung des heiligen Nikodemos, von welchem er auch die Mönchsweihe erhielt. Nach dem Tod seines geistlichen Vaters um das Jahr 1319, siedelte er ins Kloster der Großen Lavra über, in dem er drei Jahre lebte. Etwa um das Jahr 1323 verließ er die Lavra und lebte dann in der Skite Glossia, um sich ganz der Askese und dem Gebet widmen zu können.

 

Zusammen mit anderen Mönchen war er im Jahre 1325 aufgrund der ständigen Angriffe der Türken auf den Heiligen Berg gezwungen, diesen zu verlassen. Auf Bitten dieser Mönche wurde der hl. Gregor dannn in Thessaloniki zum Priester geweiht. Von dort begab er sich in die Gegend von Beröa, um dort sein asketisches Mönchsleben fortzuführen. Fünf Tage in der Woche widmete er sich dem inneren Gebet, während er am Samstag und am Sonntag seine Klausur verließ , um am Gottesdienst teilzunehmen, der im Katholikon des dortigen Klosters zelebriert wurde.

 

Allerdings veranlasste der Einfall der Slawen, der auch dieses Gebiet verwüstete, den hl. Gregor im Jahre 1331 wieder auf den Heiligen Berg Athos zurückzukehren, wo er sein asketisches Leben in der Einsiedelei des hl. Sabbas fortsetzte. Einige Zeit später wurde Gregor für kurze Zeit Abt des Klosters Esphigmenou. Ungeachtet der damit verbundenen Aufgaben lebte er weiterhin ein zurückgezogenes und asketisches Leben. Dies hätte sich so fortführen können hätte nicht ein Mönch Namen Barlaam den Frieden und Glauben der Kirche schwer beunruhigt. Dieser Barlaam (1290-1350) war ein gelehrter Mönch aus Süditalien (Kalabrien) (Süditalien). Hier an der Schnittstelle zwischen der orthodoxie und der römischen Kirche des Abendlandes hatte sich Barlaam von der neuen scholastischen Theologie der Lateiner beeinflussen lassen. Für die scholastische Theologie des Abendlandes war eine bestimmte Wirklichkeitsbetrachtung prägend geworden, die auf den philosophischen Lehren des Aristoteles basierten. In den Augen der Orthodoxie ist die Scholastik weniger Theologie (nach orthodoxer Aufffassung Betrachtung der durch Gott offenbarten Mysterien) als eine theologisierende Art der Philosophie. Die Scholastische Philosophie versucht mit Hilfe der Denkkategorien des Aristoteles alles rational zu durchdenken (also auch das was der ehrfürchtigen Schau (betrachtung) und des anbetenden Schweeigens bedarf. Den Unterschied zwischen orthodoxer Theologie und scholastischer Philosophie lässt sich besonders gut an der unterschiedlichen Deutung der Wandlung der hl. Gaben erklären. Während die orthodoxen und römischen Theologen darin übereinstimmen, dass sich in der Feier der Göttlichen Liturgie die Wandlung von Brot und Wein in den wahren Leib und das kostbare Blut Christi vollzieht, bekennt die orthodoxe Kirche die tatsache des Mysterions, ohne das göttliche Geheimnis "wissenschaftlich" deuten oder gar erklären zu wollen. Die Theologen derrömischen Kirche versuchen hingegen mit Hilfe der scholastischen Begriffslehre das Geheimnis der Wandlung von Brot und Wein in den wahren Leib und das kostbare Blut Christi "erklären" zu können. Mit Hilfe aristolelischer (also heidnischer) Kategorien haben sie dafür die römische Lehre von der "Transsubstantiation" entwickelt.

 

Bei der Auseinandersetzung zwischen dem hl. Gregor und dem Häretiker Barlaam ging es um die gnadenhafte mystische Gottesschau (Taborlicht) und die Theosis. Beides leugnete Barlaam. Der Streit zog sich über 6 Jahre, von 1335 bis 1341, hin.

 

Barlaam entstammte einer orthodoxen griechischen Familie in Süditalien und beherrschte die griechische Sprache sehr gut. Er besuchte das rhomäische Kaiserreich und kam dabei schließlich auch in die Metropole  Thessaloniki. Die Tragik des Barlaam war, dass er den orthodoxen Glauben eigentlich gegen die Lateiner verteidigen wollte. Aber wie bei allen Häretikern waren es die Fallstricke Hochmut und mangelnde Demutsbereitschaft, also die Überhebung der eigenen "wissenschaftlichen Erkenntnis" über das orthodoxe Glaubensbewußtsein der Kirche, die Barlaam (genau wie schon Nestorius oder Arius) scheitern und vom Glauben abfallen ließ. In seinen antilateinischen Schriften, die unter anderem gegen die lateinische Irrlehre von dem Ausgang des Heiligen Geistes „und vom Sohne“ gerichtet waren, unterstrich Barlaam, dass Gott unergründlich sei und deswegen Aussagen über Gott nicht beweisbar seien. Daraufhin verfasste der hl. Gregor Palamas seine Schriften gegen die lateinische Neuerung, wobei er den theologischen „Agnostizismus“ Barlaams und das übermäßige Vertrauen in die Autorität der heidnischen Philosophie kritisierte.

 

Die zweite Stufe der Auseinandersetzung folgte dann im Jahre 1337. Barlaam hatte die Schriften einiger hesychastischer Väter gelesen, die dem Gebet gewidmet waren (siehe Philokalia), begann daraufhin die Hesychasten heftig anzugreifen, indem er sie als "Messalianer" (antike häretische Sekte) und als „Omphalopsychen“ („Bauchseelen“, ὀμφαλόψυχοι) verunglimpfte. Der hl. Gregor wurde von der Gemeinschaft des Heiligen Berges mit der inhaltlichen Widerlegung des Barlaam betraut.

 

Die persönliche Begegnung zwischen dem hl. Gregor und Balaam führte leider zu keinem positiven Ergebnis, sondern verschärfte die Meinungsverschiedenheit nur noch mehr. Auf dem Konzil von Konstantinopel im Jahre 1341 wurde Barlaam, der die Hesychasten einer falschen Methode des Gebets bezichtigte und die Lehre vom Thabor-Licht bestritt, verurteilt. Noch im Juni desselben Jahres brach Barlaam nach Italien auf, wo er zum römischen Katholizismus übertrat und später zum Bischof von Gerace ernannt wurde.

 

Nach dem Konzil von 1341 und der Abreise Barlaams war die erste Etappe der palamitischen Auseinandersetzungen beendet.

 

Auf der zweiten und dritten Etappe dieser Auseinandersetzungen traten Gregorios Akyndinos und Nikephoros Gregoras als Gegner des hl. Gregor Palamas auf. Im Unterschied zu Barlaam kritisierten sie nicht die Gebetspraxis der Hesychasten. Die Auseinandersetzung nahm jetzt einen grundsätzlich dogmatischen Charakter an, denn sie drehte sich nun um die Frage nach den göttlichen Energien, der Gnade und dem ungeschaffenen Taborlicht.

 

Dieser dogmatische Teil des Streits fiel mit Thronstreitigkeiten und einem damit verbundenern einem Bürgerkrieg zusammen, der zwischen Johannes Kantakouzenos und Johannes Palaiologos zwischen 1341 und 1347 tobte. Am 15. Juni 1341 war Kaiser Andronikos III. verstorben. Sein Thronfolger, Johannes V. Palaiologos, war noch nicht volljährig, weswegen es im rhomäischen Kaiserrreich zu erbitterten Machtkämpfen zwischen dem Großdomestikos Johannes Kantakouzenos und dem Großstrategen Alexios Apokaukos kam. Patriarch Johannes Kalekas unterstützte Apokaukos, während Gregor Palamas der Ansicht war, dass der Fortbestand des durch die Türken hart bedrängten byzantinischen Reststaates nur durch die Herrschaft des  Johannes Kantakouzenos gesichert werden könnte. Im Rahmen des Bürgerkrieges wurde Gregor Palamas verhaftet und verbrachte nun den größten Teil seines weiteren Lebens in Gefangenschaft.

 

Nach dem Sieg von Johannes Kantakouzenos im Bürgerkrieg und seiner Proklamation zum rhomäischen Kaiser wurde am 17. Mai 1347 Isidoros Buchiras zum Ökumenischen Patriarchen erhoben, welcher ein Freund der Hesychasten war; Gregor Palamas wurde kurz darauf zum Erzbischof von Thessaloniki geweiht. Hiermit begann die dritte Etappe der palamitischen Auseinandersetzungen. Als Hauptgegner Palamas' trat jetzt Nikephoros Gregoras auf. Politische Unruhen in Thessaloniki hinderten den hl. Gregor zunächst daran, seine Kathedra in der Stadt einzunehmen. Erst als Thesaloniki im Jahre 1350 durch Johannes Kantakouzenos erobert wurde, konnte der hl. Gregor sein Bischofsamt antreten. Bis dahin besuchte er den Heiligen Berg  Athos und Lemnos. Als er schließlich nach Thessaloniki kam, gelang es ihm, die Bewohner der Stadt zu befrieden. Allerdings setzten seine Gegner ihre Polemik gegen ihn fort. Deshalb fanden im Mai/Juni und im Juli 1351 zwei Konzilien statt, welche seinen Gegner Nikephoros Gregoras verurteilten und den hl. Gregor als „Verteidiger der Frömmigkeit“ ehrten. Auf dem ersten dieser Konzilien wurde die Lehre von der Einheit Gottes und der Unterscheidung zwischen dem göttlichen Wesen und den ungeschaffenen Energien als mit den Schriften aller Heiligen Väter vollkommen übereinstimmend bekannt.

 

Das zweite Konzil verkündete sechs dogmatische Bestimmungen mit den entsprechenden sechs Anathemata, die gleich nach dem Konzil ins Synodikon, das wir am Sonntags der Orthodoxie lesen, aufgenommen. Außer der Festschreibung der oben genannten Unterscheidung zwischen dem Wesen und den Energien wurde hier die die Unmöglichkeit der Teilhabe am Göttlichen Wesen und die Möglichkeit der Teilhabe an den Göttlichen Energien, welche ungeschaffen sind, verkündet.

 

1354 begab sich Palamas auf den Weg nach Konstantinopel, um dort als Vermittler zwischen Kantakouzenos und Johannes Palaiologos aufzutreten; unterwegs wurde er von den Türken gefangen genommen, welche ihn ungefähr ein Jahr festhielten, bis die Serben das geforderte Lösegeld für seine Befreiung zahlten.

 

Seine Gefangenschaft empfand der hl. Gregor als gottgeschenkte Gelegenheit, bei den Türken die göttliche Wahrheit zu predigen. Der hl. Gregor erkannt in dieser Zeit bei den Osmanen, dass der letztendliche Untegang des rhomäischen Kaiserrreiches nahezu unabwendbar war, weshalb er die Ansicht vertrat, die orthodoxen Griechen müssten unverzüglich daran gehen, den muslimischen Türken den christlichen Glauben zu verkünden.

 

Nach der Befreiung aus der türkischen Gefangenschaft und seiner Rückkehr nach Thessaloniki setzte der hl. Gregor seine bischöfliche Tätigkeit dort fort, bis er im Jahre 1359 in Alter von 63 Jahren dort verstarb.

 

Anfangs wurde er als lokaler Heiliger in Thessaloniki verehrt, aber schon im Jahre 1368, wurde er durch Konzilsbeschluss von Patriarch Philotheos Kokkinos offiziell in den Heiligenkalender der Kirche von Konstantinopel eingetragen. Patriarch Philotheos verfasste auch seine Vita und stellte den Gottesdienst zu seinen Ehren zusammen.

 

Tropar im 8. Ton: Der Rechtgläubigkeit leuchtender Stern, der Kirche Stütze und Lehrer, der monastisch Lebenden Vorbild, der Theologen unbesiegbarer Streiter, Wundertäter Gregorios, Ruhm Thessalonikis, Verkünder der Gnade, bitte ohne Unterlass, dass unsere Seelen errettet werden.
Kondak im 8. Ton: Der Weisheit heiliges und göttliches Werkzeug, der Theologie glänzende Posaune, einstimmig besingen wir dich, Gottesredner Gregorius, Geist bist du und trittst vor den Ersten Geist, so leite zu Ihm unseren Geist, hin, Vater, damit wir rufen: Freue dich, Künder der Gnade.

Vierte Woche der Großen Fastenzeit - Hl. Johannes von der Leiter

 

Der hl. Johannes Klimakos

 

und die »Leiter zum Paradies«
oder

 

»Worte des Lebens, wodurch eifrige Seelen zur christlichen Vollkommenheit geleitet werden«

 

 

 

Diakon Thomas Zmija

 

 

 

 

Am vierten Sonntag der großen Fastenzeit gedenkt unsere orthodoxe Kirche des hl. gerechten Johannes Klimakos (Ἰωάννης τῆς Κλίμακος / Преподобный Иоанн Лествичник  = Johannes von der Leiter, auch Johannes vom Sinai).

 

 

 

Aus dem Leben dieses Heiligen sind uns nicht viele Einzelheiten überliefert worden. Der hl. Johannes Klimakos wurde um das Jahr 575 in Palästina geboren. Der hl. Johannes war schon von Jugend auf von der brennenden Sehnsucht nach Gott erfüllt. So trat er bereits mit sechzehn Jahren in das Katharinen-Kloster am Berg Sinai ein. Dort wurde er das geistliche Kind des Altvaters Martyrios. Später lebte er viele Jahre als Einsiedler in einer einsamen Höhle am Berg Sinai.

 

 

 

Nach vierzig Jahren des Einsiedlerlebens erfüllt von der Liebe zu Gott und zum Nächsten wurde Johannes Igumen (Abt) des Katharinen-Klosters am Sinai. So kehrte er im Gehorsam in das zönobitische Leben der Klostergemeinschaft zurück, obwohl sein Herz sich noch immer nach der Gottesgemeinschaft in der Einsamkeit sehnte.

 

 

 

Der Ruf seiner vorbildlichen Klosterleitung und seiner großen Glaubensweisheit war schon bald weit über die Klostermauern des Katherinen-Klosters hinaus bekannt. So schrieb der hl. Gregor Dialogos, Erzbischof von Alt-Rom, dem hl. Johannes einen Brief, und bat ihm um sein Gebet. Aber der hl. Johannes sehnte sich immer nach dem Leben in Einsamkeit zurück. Kurz vor seinem Tod übergab er seinem leiblichen Bruder, der ebenfalls im Sinai-Kloster Mönch war, die Leitung der Klostergemeinschaft. Der hl. Johannes Klimakos entschlief im Herrn um das Jahr 650.

 

 

 

 

Der orthodoxen Christenheit ist er vor allem wegen seiner großen geistlichen Erfahrung so lieb und teuer. Diese hat er in seinem Buch „Leiter zum Paradies“ (Κλίμακα Θείας Ανόδου) zusammengefasst. Dieses große Werk über das geistliche Leben, dem Johannes auch seinen Beinamen „Klimakos“ verdankt, erhielt seinen Titel nach dem Traum des hl. Stammvaters Jakobs von der Himmelsleiter (vgl.: Genesis 28: 10-19).

 

In seiner altväterlichen Lehrrede an die Mönche schildert uns der hl. Johannes den Weg des Mönches zur Vollkommenheit in 30 „Leitersprossen“. Aber auch wenn das Buch eine Unterweisung für im Mönchtum Lebende ist, so wurde dieses Buch niemals als für in der Welt lebende Christen nutzlos betrachtet. So denken wir Orthodoxen nicht über das Mönchtum. Es ist für uns die konsequenteste Form der christus-Nachfolge, der auch wir in der Welt Lebende je nach unseren Kräften und unserer je eigenen Lebenssituation nachzustreben trachten. Der hl. Johannes Klimakos skizziert in diesem kraftvollen Buch die einzelnen Schritte oder Abschnitte des geistlichen Lebens als Sprossen einer Leiter, mit der wir mit Gottes Gnade und Hilfe in das Reich der Himmel aufsteigen können.

 

 

Wenn wir durch Gottes Hilfe uns bemühen und durch Gottes Gnade neue Tugenden erlangen, steigen wir jeweils eine Stufe weiter in Richtung des Königreiches der Himmel auf. Dieses Buch ist so hoch angesehen, dass die wichtigste Fastenlesung in Klöstern auf der ganzen Welt ist. Dies ist nur natürlich, wenn wir uns vor Augen halten, dass dieses Buch für Mönche und aus klösterlicher Sicht verfasst worden ist. Trotzdem ist es wie mit der „Perle im Acker“, die wir nach der Weisung des Herrn alle beständig suchen sollen. Das Buch der Leiter zum Paradies hält für alle Christen, also nicht nur für die Mönche, viele wunderbare Schätze bereit. Jedoch müssen wir zunächst einmal bereit sein, das Mönchsleben in seinen Anfangspunkt nachzuahmen: Das ist der freiwillige gehorsam. Genau wie der Mönch durch seinen Altvater angeleitet wird, so sollten wir in der Welt lebende Christen unser geistliches Leben durch das Buch anregen lassen, indem wir es unter der Anleitung und Führung unseres priesterlichen geistlichen Vaters studieren.

 

 

Zu Beginn seines Buches hat hl. Johannes für uns einige sehr wichtige Ratschläge: Denn gleich zu Beginn seiner Schrift fasst der hl. Johannes Ziel und Weg des Aufstiegs, also des wahrhaft christlichen Lebens, in zwei Sätzen zusammen: „Ich sage: Tut alles Gute, was euch zu tun möglich ist. Tut ihr das, so seid ihr nicht mehr fern vom Reich der Himmel“. Unser Ziel auf den unser geistliche Kompass sich ausrichten muss, ist unsere Begegnung mit Gott. Der Weg dahin besteht vor allem in einem beständigen Sich-Einüben in ein Leben der Tugenden und dem damit verbundenen Kampf gegen die verschiedenen Anfechtungen, die der hl. Johannes beschreibt.  Am Anfang von allem steht die Sehnsucht nach Gott, die größer und mächtiger ist als alles, was der Mensch bisher erstrebte. Dem Wunsch, das Angesicht Gottes schauen zu dürfen, ordnet der Gottsucher alles andere unter. Dieser ersten Stufe folgt die Widmung des Menschen an den Himmel, das heißt, der den Glaubensweg gehende Mensch muss sich neue Prioritäten und Schwerpunkte setzen, die das bisher gewohnte Leben oftmals auf den Kopf stellen. In dieser Anfangsphase spürt der Gottsucher den starken Drang, sich von allem Bisherigen abzuwenden und sich zurückzuziehen.

 

 

 

Denn fern der bisher gewohnten Ablenkungen und eingefahrenen Verhaltens-muster ist der Mensch auf einmal offen und bereit, über sich und sein bisheriges Leben nachzudenken. Die Wahrheit, die wir dann erblicken werden, ist oftmals erschreckend. Deshalb führt sie immer auch zur Trauer über den eigenen Seelenzustand. Wer aufrichtig Reue empfindet, so ist der hl. Johannes überzeugt, wird sie als Tränen Gott hinhalten.

 

 

 

Nach den ersten Schritten auf dem geistlichen Weg wird der Gottsucher aber bald auch von zahlreichen Versuchungen heimgesucht werden, die ihn auf mehreren der Stufen mit Sicherheit erwarten werden. Der Teufel wird nicht geweckt durch den in seinen Sünden Schlafenden, sondern vom reuigen Sünder, der umkehrt. Deshalb sind auf den Ikonen der Himmelsleiter die Dämonen als kleine schwarze Teufel dargestellt, die mit Schlingen und Pfeilspitzen der Anfechtungen und Versuchungen den Menschen von seinem Aufstieg zu Gott abbringen wollen.

 

 

 

Aber der hl. Johannes beschreibt uns nicht nur ihre Tücke und Listen, sondern auch Möglichkeiten, wie der Kampf gegen sie aufgenommen werden kann. Vergessen wir nicht: Jede Sünde, die wir begehen ist ein Schlüssel für den Teufel, für welche Sünden und Laster, für welche Leidenschaften wir anfällig sind.

 

 

 

 

 

 

 

„Eine gute dreifache und von drei Säulen getragene Grundlade ist: Arglosigkeit, Fasten, Sittsamkeit!


Alle Säuglinge in Christus sollten damit beginnen und sich als Beispiel die echten Säuglinge vor Augen halten. Denn nichts Boshaftes noch Tückisches wird sich jemals bei diesen finden lassen: weder unersättliche Sattheit noch ein nicht zu füllender Bauch, noch ein entfachter und wildgewordener Körper…“


Aus dem Buch "
Leiter zum Paradies" vom Hl. Johannes Klimakos

 

 

 

Der hl. Johannes weiß um die Macht unserer schlechten Gewohnheiten, die von unserem Leib Besitz ergreifen können. Deshalb weißt er uns gleich zu Beginn auf die Notwenigkeit des leiblichen Fasten hin und warnt uns gleich zu Beginn  dringend davor, „alles verschlingen zu wollen“, denn man „muss wissen, dass der Teufel oft im Magen sitzt und bewirkt, dass man nie satt wird, auch wenn man das ganze Land Ägypten aufgegessen und den ganzen Nilstrom ausgetrunken hat“. Er bringt die Übung des körperlichen Fastens auf die Merkformel: „Beherrsche deinen Bauch, damit du nicht von ihm beherrscht wirst!“

 

 

 

Ein weiterer Fallstrick auf dem geistlichen Weg sind zerstörerische Gedanken und Begierden, die vom Menschen gleichsam Besitz ergreifen. Hier empfiehlt uns der hl. Johannes das Heilmittel der wahren Herzensbildung denn: „Ein Gott liebendes Herz, das auf der Hut ist, bewacht mit aller Vorsicht die Gedanken, bändigt die Leidenschaften, zähmt und zügelt die Zunge und verscheucht Gaukeleien der Einbildungskraft.“

 

 

 

Ein Zeichen, dass man schon auf der Stufenleiter des geistlichen Lebens vorangeschritten ist, ist die Überwindung der Furcht. Auf der 20. Sprosse heißt es: „Wer Gott liebt und sich in Ihm erfreut, der kennt keine Furchtsamkeit.“ Aber fallen können und scheitern können wir auf jedem Abschnitt des geistlichen Lebens.

 

 

 

 Und der hl. Johannes warnt uns eindringlich vor der Sünde der Sünden: denn je höher die Leiter des geistlichen Lebens erklommen wird, desto näher kommt unser Herz auch dem Hochmut, der vom hl. Johannes als die „äußerste Armut der Seele“ gekennzeichnet wird. Hochmut ist nicht nur mit arrogantem Verhalten gegenüber den Mitmenschen gleichzusetzen, sondern zeigt sich letztlich vor allem als vergötzende Selbstliebe, die dann zum „Verzicht auf den Beistand Gottes, im Stolz und Vertrauen auf die eigenen Kräfte“ führt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie sich in kaltes und starres Wachs kein Siegel eindrücken lässt, so kann auch die menschliche Seele, ist sie nicht durch Mühsal und Leiden geprüft, nicht das Siegel der Göttlichen Tugend empfangen. Als der Teufel den Herrn verließ, "da traten die Engel zu Ihm und dienten Ihm" (Matth. 4: 11). Wenn also während der Versuchung sich die Engel Gottes von uns entfernen, so nicht weit, bald werden sie wieder zu uns kommen und uns Rührung, Erquickung und Geduld bringen.
Hl. Seraphim von Sarow

 

 

 

Das Streben nach Demut spielt für den hl.- Johannes eine ganz zentrale Rolle. So wird von ihr in seiner Schrift nicht nur auf der 25. Leiterstufe gesprochen, sondern auch an vielen Stellen. So schreibt der hl. Johannes: „Wie die Finsternis verscheucht wird, wenn die Sonne hervortritt, so wird alle Bitterkeit und Aufregung aus der Seele verbannt, wenn der sanfte Hauch der Demut die Seele erfüllt“. Die Demut ist für ihn „ein Licht in seinem Herzen“, dass den Gottsucher sicher geleitet. Die Demut ist der geistliche Schlüssel, der auch die Pforten zum Himmelreich öffnet. In der 25. Stufe sagt uns der hl. Johannes: „Die Buße weckt, die Trauer klopft an die Tür des Himmels, aber die Demut öffnet ihm“.

 

Je mehr sich der Mensch Gott annähert, umso größer wird auch seiner Sehnsucht nach der göttlichen Gegenwart, die ihm am Anfang bewogen hat, überhaupt die Leiter des geistlichen Lebens zu erklimmen. Auf der vorletzten Stufe hat der Gottsucher nur noch den einen Wunsch: „Wann erscheine ich vor dem Antlitz des Herrn? Denn ich kann die Kraft und die Gewalt meiner Sehnsucht nach Dir nicht mehr ertragen, mich verlangt nach der unsterblichen Schönheit.“ „Diese letzte und vollkommenste Stufe heiligt den Menschen so sehr und zieht ihn so von allen irdischen Dingen ab, dass sie den, der diesen Hafen der Seligkeit erreicht hat, in der Entzückung des Geistes in die Himmel zur Auferstehung Gottes erhebt.“

 

 

 

Die letzte Stufe auf der Leiter zum Paradies ist dann die christliche Vollkommenheit. Sie entwickelt sich auf den letzten sieben Stufen der Leiter. Die an Ende höchste Stufen im geistlichen Leben, die vom Gläubigen erfahren wird, wenn er zur Ruhe und zum inneren Frieden gelangt ist, ist die „Dreiheit der Tugenden“: Glaube, Hoffnung und Liebe. Am Ende der Leiter fasst d hl. Johannes seine Lehrrede mit Worten zusammen: „Diese Leiter möge dich die geistliche Ordnung der Tugenden lehren. Ich (Gott) stehe auf der Spitze dieser Leiter, wie mein großer Eingeweihter (der hl. Paulus) sagte: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe“ (1 Kor 13: 13).“

 

 

 

Der Weg des geistlichen Lebens, der auch unser geistlicher Weg durch die Zeit der Großen Fasten hin zur Feier der lichten Auferstehung des Herrn ist – so lesen wir beim heiligen Altvater Johannes – ist mit der ständigen Zunahme der Sehnsucht nach der Nähe Gottes und der beständigen Liebe zu Gott verbunden. Gerade diese „Liebe ist in ihrer Beschaffenheit die Ähnlichkeit Gottes, soweit sie in den Menschen erreicht werden kann“, denn die göttliche Liebe ist eine der ungeschaffenen Energien Gottes, die wir bereits in unserem irdischen Leben erfahren können. Sie führt uns hin zum Gebet, das in „seinem Wesen zur Vereinigung mit Gott im liebenden Gebet“ führt. Mit dem Bild von der Leiter des geistlichen ermutigt uns der hl. Johannes Klimakos, der Sehnsucht, die Gott in unseren Herzen erweckt, zu folgen und „das Feuer zu vergrößern, die Wärme zu vermehren, unseren Eifer und unser Verlangen nach dem Himmel immer lebendiger zu machen“. Der hl. Johannes ermutigt uns, der Einladung Gottes zu folgen. Und er erinnert uns daran, dass der Glaube nach orthodoxem Verständnis immer gute Taten und Werke der Frömmigkeit erweckt. Wenn wir uns Gottes Gnade zuwenden und die lebensschaffenden Gebote Christi vollbringen, dann werden auch wir die geistliche Erfahrung machen dürfen, dass Gott nicht unerreichbar fern von uns ist und der Mensch schon im irdischen Leben Teilhaber am Paradies werden darf. Die geistliche Stufe, die wir in diesem Erdenleben mit der Hilfe und Gnade Gottes erlangen werden, sie wird nach unserem Erdenleben nur klarer und deutlicher hervortreten. „Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht“ (1.Kor. 13: 12-13). Und es sollte jetzt auch klar geworden sein, warum die „Leiter zum Paradies“ beileibe nicht nur eine Lehrrede für im Mönchtum Lebende, sondern im Grunde eine geistliche Anleitung für alle Christen, Mönche wie auch in der Welt lebende Christgläubige ist. Denn mit seiner geistlichen Belehrung ermutigt der hl. Johannes uns, das eigene Leben als einen fortwährenden Aufstieg zu Gott zu gestalten. Lasst uns also beginnen und fortschreiten!

 

 

 

Die Barmherzigkeit Gottes kennt keine Grenzen, nichts ist zu groß dafür. Das ist der Grund, warum jeder, der daran verzweifelt, der Urheber seines eigenen Todes ist.
Hl. Johannes Climacus